Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Finanzkrise: Triumph der Verursacher

von Andreas Tögel

Planwirtschaft im Aufwind

Eines muß man den Feinden von Freiheit und Marktwirtschaft zugestehen: sie haben es seit Ausbruch der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise meisterhaft verstanden, einer in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik mehrheitlich uninformierten Öffentlichkeit ein X als U vorzugaukeln, die Ursachen des seit den 1930ern weltweit größten kollektiven Wohlstandsverlustes in Friedenszeiten zu verschleiern und den „Kapitalismus“ –kontrafaktisch– als unmenschliches, 20 Jahre nach dem Realsozialismus gescheitertes Experiment darzustellen.

Kaum eine Buchneuerscheinung zum Thema Finanzkrise, das nicht den „Turbokapitalismus“ und dessen Tendenz zur Ausbildung unersättlicher Gier als Schuldigen entlarvt. Wie meinte Bertrand Russel: „Wenn alle Experten einig sind, ist Vorsicht geboten.“ Wie Wahr! Denn dass am Anfang des Debakels Regierungen und Staatsbanken standen, die in ihrem anmaßenden Bemühen, die „Zinsknechtschaft“ zu brechen, die Welt mit ungedecktem Papiergeld überschwemmten (was irgendwie frappant an die „Aktion Bernhard“ der Nationalsozialisten erinnert, die mit massenhaft produziertem Falschgeld das britische Pfund destabilisieren wollten!) wird in keiner dieser Publikationen auch nur ansatzweise thematisiert. Am Ende ist es nämlich völlig unerheblich, ob ein perfider Feind es ist, der die Währung zerstört oder die eigene Regierung – der Effekt ist derselbe.

Globaler Erfolg war und ist dieser beispiellosen Desinformationskampagne deshalb beschieden, weil die unangefochtenen Hüter der Deutungshoheit (Intellektuelle, Lehrer und Publizisten) nahezu vollständig im Lager der direkt oder indirekt staatsbediensteten linken Weltverbesserer zu finden sind, die jedes Interesse daran haben, ihren jetzt schon übermächtigen Einfluss auch noch in die letzten privaten Bereiche –insbesondere in jene, wo ein von ihrem Vorstellungen unabhängig funktionierender Markt freie Entscheidungsmöglichkeiten bietet– auszudehnen.

Und so wird konsequent am Aufbau von neuen und an der Pflege von alten Feindbildern gearbeitet. Die zu diesem Zweck gewählte Terminologie gleicht oftmals aufs Haar jener von Bolschewiken und Nationalsozialisten, die auch keinerlei Scheu kannten, Menschen als Tiere (Läuse, Heuschrecken, Ratten oder Haie) darzustellen – also zu entmenschlichen. Nicht um, wie sie behaupten, den Interessen des von der Krise angeblich am härtesten getroffenen kleinen Mannes zu dienen, sondern schlicht, um das eigene Prestige, die eigene Macht und das eigene Einkommen zu steigern.

Da sich in den Reihen der linken Maulwürfe ebenso viele intelligente wie gebildete Köpfe finden, sind diese heute nicht mehr (wie noch in den 70er und 80er-Jahren) so töricht, die totale Verstaatlichung der Produktionsmittel zu fordern. Zu frisch sind die Erinnerungen an die damit verbundenen „Erfolge“ des vor 20 Jahren gescheiterten Realsozialismus´. Ihre Strategie wurde daher modifiziert und subtil den Erfordernissen und Möglichkeiten unserer Tage angepasst. Eine Beschreibung jener Metamorphose, die aus rücksichtslosen Klassenkämpfern und Revolutionären smarte Gesellschaftsingenieure gemacht hat, findet sich in Paul Gottfrieds 2005 erschienen Buch „The Strange Death of Marxism / The European Left in the New Millennium“.

Wer den „Kapitalisten“ mittels Aushöhlung der letzten Reste des Eigentumsrechts und einer nahezu totalen Entsorgung der Privatrechtsautonomie (Getreu der auch von den Braunen leidenschaftlich getrommelten Parole: „Gemeinwohl vor Eigennutz!“) jede freie unternehmerische Entscheidung aus der Hand nimmt, braucht nicht mehr zum Mittel der Verstaatlichung zu greifen, um seine planwirtschaftlichen Ziele zu verwirklichen. Wenn Eigentümer/Unternehmer erst einmal zu bloßen Betriebsführern degradiert sind, ist das Ziel der zentral gesteuerten Kommandowirtschaft faktisch erreicht. Kapitaltransfersteuern und die im Zuge der tobenden Klimahysterie demnächst auf den Weg zu bringenden „Umweltsteuern“ werden die dafür nötigen Treibsätze liefern. Man darf den alten und neuen Wettbewerbern der EUdSSR heute bereits zu ihren (zumindest zum Teil) auf der hausgemachten, katastrophalen wirtschaftspolitischen Fehlentwicklung in der Alten Welt resultierenden Erfolg gratulieren! Europa ist wohl nicht mehr zu retten…

Kürzlich stieß der Autor dieses Beitrags auf einen im August des Jahres in der Deutschen Ausgabe der „Financial Times“ erschienen Artikel, der sich ausführlich mit der Bankenkrise beschäftigt. Der Inhalt des Aufsatzes ist deshalb bemerkenswert, weil er die Lage der deutschen Finanzwirtschaft – insbesondere der direkt unter öffentlicher Kontrolle stehenden Institute – beleuchtet. Demnach befanden sich bereits im Jahr 2003, also viele Jahre vor der Pleite des US-Bankhauses Lehmann-Brothers (2008), die von vielen Kommentatoren - in völliger Verwechslung von Ursache und Wirkung - als Auslöser der globalen Rezession dargestellt wird, in außerordentlich prekärer Lage. Konkret geht es um die „Rettung“ so prominenter Institute wie der Hypo Vereinsbank (HVB) oder der Dresdner Bank…wie gesagt – Jahre vor der Subprime-Krise in den USA und dem Lehman-Crash! Mit von der Partie waren der Chef der Deutschen Bank, Ackermann und der damalige Kanzler Schröder. Weit und breit keine private „Heuschrecke“, kein „Spekulant“ und kein „Finanzhai“. Big Government und Big Bankbusiness in trauter Allianz - nicht 2008 in den USA, sondern in Germania anno 2003! Keine Rede von einer gierigen Plutokraten in den USA geschuldeten Urheberschaft des krisenhaften Geschehens. Anmaßung der Politik gepaart mit Geistlosigkeit der Führung von Staats- und Landesbanken – das sind die wahren Wurzeln des Übels. Jeder, der heute nach mehr (staatlicher) Kontrolle der Finanzwelt ruft, muss wissen: Wo auch immer der Staat Einfluss nimmt, ist der Eintritt eines Debakels nur noch eine Frage der Zeit.

Wenn also vom giftigen Amalgam aus Politik und Hochfinanz „Pakete“ geschnürt werden, die angeblich der Rettung der Weltwirtschaft, wenn nicht der gesamten Menschheit dienen sollen, sind die Nutznießer allemal identisch mit den Krisenverursachern: Regierungspolitiker und deren Günstlinge – niemand sonst.

Internet

08. November 2009

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