André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

ef-Einkaufspartner

Wenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button:

Asterix und Obelix gegen Dagobert und Micky Maus: Kulturkampf im Comic-Format und die Frage nach dem politisch korrekten Schnellrestaurant

von André F. Lichtschlag

Nebenbei eine überfällige Ehrenrettung für SpongeBob

Die Autoren selbst werden zum bevorzugten Selektionskriterium im Internet. Zu den Guten und stets Lesenswerten zählt im Bereich Mainstream Richard Herzinger, ein neokonservativer Überzeugungstäter, und unter den Geheimtipps Martin Lichtmesz, ein nationalkonservativer Querdenker. Über kurz oder lang geraten die Guten immer aneinander.

Nun war es Lichtmesz, der Herzinger als „Genie“ adelte. Gegenstand seines Einwurfs ist der Streit um die politisch wertvollsten Comicfiguren: Asterix oder Micky Maus? Das ist hier die Frage.

„Ein Meilenstein auf dem Weg meiner politischen Bildung“, bekennt Lichtmesz und der Autor dieser Zeilen schließt sich dem in seinem eigenen Werdegang an, „war der Band ‚Endzeitpropheten’ (1995) von Richard Herzinger und Hannes Stein mit einem unvergesslichen Abschnitt, in dem die Autoren das tendenziell rassistische rustikale gallische Dorf von Asterix und Obelix dem kosmopolitischen Entenhausen Disneys gegenüberstellten“. Zum 50. Jubiläum des Gallier-Comics hat Herzinger nun, wie Lichtmesz entdeckt, „in der ‚Welt’ seine alte These wieder aus der Versenkung geholt“. Aber: „Was in ‚Endzeitpropheten’ noch einigermaßen augenzwinkernd formuliert wurde, kommt nun ganz dicke, ganz bierernst und mit der schwersten Keule überhaupt im Gepäck, nämlich dem Rassismusvorwurf. Das ist tatsächlich erschütternd und bedenklich und ideologisch gefährlich protonazistisch, dass in Uderzos ethnisch homogenem gallischem Dorf nur blonde, hellbraune und rothaarige Kelten herumrennen.“

Herzinger schreibt 14 Jahre nach der Erstveröffentlichung bezogen auf den Asterix-Comic: „In ganz Europa, nicht zuletzt in Frankreich, waren im späten 19. Jahrhundert weite Teile der akademischen und intellektuellen Öffentlichkeit von der Idee eines Ariertums besessen, das seine Überlegenheit seiner Nicht-Vermischung mit fremden Rassen und seiner Bodenverwurzelung verdanke. Vorformen dieser Ideologie waren schon im Vorfeld der Französischen Revolution im Umlauf – durch die Vorstellung, es handele sich bei der herrschenden Aristokratie um eine fremde, dekadente Rasse, die das unverbildete französische – gallische – Volk einst überfallen und versklavt habe. Ganz in diesem Sinne leistet das kleine gallische Dorf um Asterix und Obelix den Okkupationsgelüsten des römischen Reiches Widerstand, dessen Repräsentanten freilich durchweg als ebenso schwächliche und feige wie hinterhältige Trottel erscheinen.“

Lichtmesz liest diesen „Knaller Herzingers“ so: „Mit anderen Worten: ein Liberaler, ein Universalist, ein Pro-Westler, ein Pro-Amerikaner zu sein, heißt soviel, wie beim Lesen von Asterix zu den Römern zu halten! Das ist genial.“ Bis dahin ja, doch dann verrennt sich Lichtmesz doch ein wenig vom Gallischen ins Gallige: „Ein besseres, griffigeres Totschlag-Argument gegen diese ganze Westen-, USA- und Universalismus-Denke gibt es eigentlich gar nicht, es sei denn, man ist genauso eine minusbeseelte Kanaille, wie die meisten Liberalen es nun mal sind.“

Was Lichtmesz plusbeseelt übersieht ist das damalige Hauptargument Herzingers und Steins, welches im neuen Artikel Herzingers nur noch am Rande auftaucht, nämlich das ökonomische. Herzinger beginnt mit Mulikulti: „Das kleine gallische Dorf wirkt wie der diametrale Gegenentwurf zu der kosmopolitischen US-Metropole Entenhausen“. Er kommt aber nach einem kurzen Ethnogeplänkel zum entscheidenden Punkt für Entenhausen, „wo frei laufende, individualisierte Enten mit Auto fahrenden Mäusen und dem Landleben entfremdeten Hühnern und Kühen in bunter Vielfalt zusammenleben – vom nimmermüden Erfinder Daniel Düsentrieb auf den neuesten technologischen Stand gebracht und durch die von Dagobert Duck gesteuerte Geldherrschaft in Trab gehalten.“ Asterix dagegen, so Herzinger, „feiert das putzige Idyll der kleinen Einheit, die sich den Geißeln von Konsum und Fortschritt verweigert – und kam deshalb bei den Ökopax-Fundamentalisten der 70er- und 80er-Jahre bestens an.“

Das bestätigt auch Lichtmesz, der bemerkt: „Karlheinz Weißmann weist darauf hin, dass in den Sechziger Jahren Asterix‘ Befreiungskampf auf der Linken mit dem Vietcong assoziiert wurde.“ Der rechte Vordenker Weißmann hatte jüngst über den „autoritären Liberalismus“ superplusbeseelt bereits galant geschrieben: „Im Grunde handelt es sich um den einzigen Liberalismus, der eine Chance hat, zu funktionieren, weil er sich des illusionären Beiwerks entledigt und sein Konzept auf das reduziert, was ihn ausmacht: Klassenkampf von oben.“

Lichtmesz’ neben Weißmann zweiter Chef Götz Kubitschek verrät uns in einem aktuellen Interview nebenbei, dass er sich in seiner Jugend „dem organisierten Widerstand gegen die erste McDonalds-Filiale vor Ort“ anschloss. Was ihn dazu trieb, in fragwürdiger französischer Tradition ein zusätzliches Angebot nicht nur abzulehnen, sondern in seiner Existenz vernichten zu wollen, erläutert Kubitschek leider nicht. Es wird kaum der Kampf um Nährwerte und Essensqualität gewesen sein. Denn wie hatte doch der Schweizer Ausnahmepolitiker Christoph Blocher kürzlich treffend festgestellt: „Das Erfolgsgeheimnis von McDonalds ist schlicht die besonders gute Qualität der Produkte.“ Wer es nicht glaubt vergleiche den Big Mac, dessen reines Rindfleisch, frischen Salat und die Soßen ausgewiesener Delikatesshersteller mit den kulinarischen Spezialitäten der erstbesten deutschnationalen Frittenbude im Umkreis von Schnellroda.

Nein, dagegen standen die Bonner Spaßrebellen der KPD/ML, der Kapitalistischen Partei Deutschlands/Manchester-Liberale, bereits Mitte der Neunziger Jahre auf der richtigen Seite der Fettbarrikaden, als man den Hamburger-Brater zum aufrechten libertären Ehrenjob erhob, noch bevor SpongeBob diese These gekonnt übernahm und weltweit verbreitete.

Doch Schwamm drüber, denn was sagt uns nun eigentlich der Kulturkampf von Asterix und Currywurst gegen Micky Maus und kapitalistisch-königlichem Royal Käse? Und umgekehrt? Erstens sind offenbar manche durchaus lesenswerte Rechte seit Kindestagen immer bereits Linke gewesen. Zweitens sind diese gegenüber ökonomischen Argumenten und mit Bezug auf den eigentlichen Klassenkampf unserer Tage (anders als Bolz, Hinz oder Sloterdijk) so resistent wie Obelix gegen die Wirkung des Zaubertranks. Und drittens verrennen sich auch ansonsten sprachwitzige Neokonservative weg von der wirtschaftlichen Basis in den Orbit des unlustig (Multi-) Rassistischen.

Zum Schluss wollen wir zur Ehrenrettung von Obelix und Co. auf die legendäre Szene in „Asterix erobert Rom“ bei der Suche nach dem Passierschein A 38 im bürokratischen Irrenhaus verweisen. Selten wurde der Wahnsinn der Verwaltung als notwendiger Bestandteil von Staatspolitik so treffend karikiert. Dazu möchten wir noch anmerken, dass in vielen Donald- und Dagobert-Duck-Abenteuern ökonomische Grundkenntnisse vermittelt werden, die manchem fleißigen Asterix-Leser bis heute leider fehlen. In einer unvergessenen Folge wird das staatliche Geldmonopol als unwirtschaftlich entlarvt. Und ein Onkel von Donald Duck, Ludwig von Drake – in der deutschen Übersetzung zum „Primus von Quack“ umgetauft –, ist tatsächlich nach dem großen liberalen Ökonomen Ludwig von Mises benannt worden. Schließlich fügen wir hinzu, dass weder in den zahlreichen Asterix-Folgen noch in den Comics von Walt Disney ein Sozialstaat auch nur ansatzweise existiert. Solcherlei bleibt einer deutschen Comic-Erfindung vorbehalten. Volksfrontler, Volksinitiativen und Walt Weißmann – übernehmen Sie!

Internet

Herzinger: Schluss mit dem Kult um die Asterix-Comics!

Lichtmesz: Asterix gegen Ricardus Redeflus

Kubitschek-Interview

Endzeit - Propheten oder Die Offensive der Antiwestler. Fundamentalismus, Antiamerikanismus und Neue Rechte.

Szene aus „Asterix erobert Rom“ bei der Suche nach dem Passierschein A 38 (Youtube)

04. November 2009

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Social Bookmarks

Anzeigen

Kommentare

Stefan Miller , am 04. November 2009 um 11:59 ( Link )

erinnert mich ein bischen an echte Doktorarbeiten, die über Hannibal Lecter geschrieben werden.
Es ist doch bloß ein Comic von halt klassisch liberalen geschrieben und produziert worden. Das ist aber auch bereits Geschichte. Die neuen Comics aus den USA sind da schon anders. Voll von globaler Klimaerwärmung und Bio und Öko. Meine Kinder mögen das nicht. Sie stehen mehr auf Klassiker wie Biene Maja und Vicki, und auch noch auf den belgischen Clown Bumba. Aber die klassischen Disneys scheinen zeitlos zu sein. Die mögen sie noch.

FM , am 04. November 2009 um 13:53 ( Link )

allein schon das praktisch, handliche format der lustigen taschenbücher war/ist dem der sperrigen asterix comics vorzuziehen :))

Klaus Naeve , am 04. November 2009 um 14:33 ( Link )

Amüsant zu lesen, welch Auswüchse es annehmen kann, wenn sich vermeintlich Interlektuelle eine Plattform für ihre in Thesen verpackten Auswürfe suchen. Sicherlich ein Tor, wer denkt, Goscinny geschweige Disney hätten sich einfach aus einem inspirierten, intelligenten und künstlerischen Talent heraus ein paar Figuren mit lustigen Geschichten drum herum ausgedacht.

TrebMelsa Fördermitglied , am 04. November 2009 um 14:41 ( Link )

@ André F. Lichtschlag

>>>Ludwig von Drake – in der deutschen Übersetzung zum „Primus von Quack“ umgetauft –, ist tatsächlich nach dem großen liberalen Ökonomen Ludwig von Mises benannt worden<<<

Lieber Herr Lichtschlag, wissen Sie, ob diese deutsche Namensgebung 'Primus von Quack' hämische Absicht war?

Radiergummi , am 04. November 2009 um 17:42 ( Link )

Die Schlümpfe hätte man ruhig auch mal einer politischen Analyse unterziehen können.

Uniforme, friedliche KKK-Mitglieder, deren Idyll lediglich vom goldgierigen, eine Hakennase besitzenden Gagamel und seinem Kater Azrael gestört wird.
Bedenklich...

Die Schlümpfe Grundlage des in der Gesellschaft latent vorhandenen Antisemitismus, da von klein auf von jedem verinnerlicht?

;-)

eo , am 04. November 2009 um 22:23 ( Link )

Über Comics
lustig schreiben
ist gar nicht so einfach
- wie man hier sehen
kann. Gilt vor
allem für
DONALDisten,
sowie für den Autor
und auch für die Zitierten.
Überaus albern von Herzchen Herzinger
Asterix gegen Donald Duck in Stellung zu bringen
und nach der Conclusio pro Multikulti ersteren
als finsteren, völkischen Reaktionär mit
der Aua-Keule abzuwaatschen.
Der eigentliche Entenpo liegt
da ganz woanders und hat
mehr mit Deutschland
genauer mit einer
historischen
Gestalt
namens Hermann,
dem Cherusker, zu tun.
Wer noch nicht drauf gekommen ist...
http://eos-o-ton.20six.de/eos-o-ton/art/562715/Tacitus-Germania-

Stefan Gruber , am 05. November 2009 um 0:24 ( Link )

@Radiergummi

"Die Schlümpfe hätte man ruhig auch mal einer politischen Analyse unterziehen können."

Gibts schon von mir:

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=126081

Dazu sollte man aber etwas von Paul C. Martins Macht- und Geldtheorie wissen, damit es halbwegs ankommt ;)

mfG
Stefan

ISBN3451322005 , am 06. November 2009 um 11:13 ( Link )

@Stefan Gruber

Dazu sollte man aber etwas von Paul C. Martins Macht- und Geldtheorie wissen, damit es halbwegs ankommt ;)
Mit dergleichen ketzerischen Hinweisen machen Sie sich am Zerfall der hiesigen Gemeinde mitschuldig.

Stefan Gruber , am 06. November 2009 um 14:28 ( Link )

@ ISBN: Ich weiß. Werd mich etwas mäßigen ;) Die Austrians liegen mir doch am Herzen.

TrebMelsa Fördermitglied , am 07. November 2009 um 16:22 ( Link )

@ ISBN3451322005

Irrtum, Paul C. Martin bestätigt vieles und ist keinesfalls ein Grund zum Verfall der hiesigen Gemeinde.
Erklären weshalb, dies werde ich Ihnen nicht.
Und zwar. Sie haben schon einige Male erwähnt, dass Sie eine Rechtschreibschwäche haben, habe ich in Teilen auch. Aber Sie haben, wie Ihre letzte Antwort im anderen Strang zeigt, nicht nur eine Rechtschreibeschwäche, sondern Sie sind dem WAHRNEHMUNGSANALPHABETENTUM zuzurechnen. Der stinkende Müll aus Ihren geifernden Auswürfen, zu sehen im Kontext zum gesamten Kontext, beweist dies als einfrucksvolles Panorama.
Deshalb erkläre ich Ihnen meine Meinung zu P.C.M. hier an dieser Stelle nicht.
Leider Ihnen Herr Gruber auch nicht, P.C.M. lässt sich hier anbringen und zerstört nicht.

Stefan Gruber , am 08. November 2009 um 15:05 ( Link )

@TrebMesla
PCM zerstört sehr wohl, denn erstens besagt seine Theorie, dass der Kapitalismus eben NICHT funktioniert (so wie jedes andere Staatssystem) und zweitens besagt sie weiters, dass ein staatenloses System niemals auf Eigentum beruhen kann, d.h. nur als Solidarsystem (linker Anarchismus) funktionieren kann.

ISBN3451322005 , am 08. November 2009 um 16:13 ( Link )

@TrebMelsa
habe ich Speck in der Tasche?

Is ja jut, nu regen Se sich mal wieder ab. Ihre Antwort war halt schwach. In der Kategorie Unflätigkeiten sind Sie mir nun aber um eine Nasenlänge voraus.

@Stefan Gruber

PCM zerstört sehr wohl

Eine Meinung zu P.C.M. hilf dagegen auch nicht weiter. Er muss erst mal widerlegt werden, womit unter anderem auch die Privatgeld Freunde vor einer echten Herausforderung stehen.

In monetären Kernfragen zähle ich die Debatten der einschlägigen Protagonisten im „Gelben Hausforum“ von P.C.M zur aller besten Qualität. Ich würde da allerdings nach wenigen Tagen deaktiviert werden, da ich gerne mal die ideologischen Fetzen fliegen lassen.

TrebMelsa Fördermitglied , am 09. November 2009 um 7:37 ( Link )

@ Stefan Gruber & ISBN3451322005

Ich möchte mich etwas vorsichtiger äußern.
Natürlich kann PCM einige der Positionen, die in diesem Forum verfochten werden, unterminieren – bestreite ich nicht. Trotzdem bin ich der Meinung, dass PCM auf einige Positionen, Aspekte oder wie auch immer man dies nennen möchte anregend wirken kann, zumindest war und ist dies bei mir der Fall. PCM brachte / bringt bei mir, wenn ich etwas von ihm lese, oftmals Dinge, die ich mehr oder weniger schon als selbstverständlich ansah, zum „Kratzen“. Seine mitunter garstig schönen Formulierungen reiben dann an Stellen, wo es auch schmerzt, so dass er mich zwingt die Logik und / oder vermeintliche Richtigkeit meines Standpunktes zu überdenken.
Dies kann ich übrigens auch von Milton Friedman (und auch von anderen Chicago-Boys) sagen. Die ökonomischen Modelle der Chicago-Boys – hier folge ich der Analyse von Guido Hülsmann und der Ansicht von Friedrich A. von Hayek - lassen sich auch trefflich die Freiheit einsetzen, als Modelle, die Leviathan nützen. Nichtsdestotrotz bringen mich Friedmans Kampfschriften (falls Sie damit einverstanden sind, dass ich Bücher wie: Kapitalismus und Freiheit; Chancen, die ich meine; Geld regiert die Welt, so bezeichne) bei den unterschiedlichsten Punkten zum Überdenken meiner eigenen Ansichten.
Dies ist für mich nicht unbedingt zerstörerisch, sondern eher anregend und aufbauend. Z. B. lese ich ja auch EKL, aber deshalb bin ich kein Monarchist oder Franco-Freund (beides wird mir in meinem engeren persönlichen Umfeld bezüglich EKL dann vorgehalten, und dieser Vorwurf ist für mich „schlicht, naiv und dumm“). EKL formulierte nun einmal mit spitzer Feder und baute meistenteils eine beeindruckende Argumentationskette auf, er kratzt auch und zwingt – zumindest mich – zum Nachdenken und Überprüfung meiner Meinungen. Ich könnte, um solchen Auswürfen im eigenen Umfeld zu umgehen, auch z. B. auf Analysen von Wilhelm Röpke oder Alexander Rüstow zurückgreifen, beides Denker, die ähnliche Dinge wie EKL ausgesprochen haben, aber da EKL oftmals kantiger und markiger den Punkt trifft und ich auch gerne im eigenen Umfeld provoziere, ziehe ich EKL dann vor.
Und ob Anarchismus funktioniert, dies weiß ich nicht und kann ich auch nicht wissen. Jedoch, wie ich dies schon einmal in einem anderen Strang Herrn Blankertz geantwortet habe, glaube ich nicht, dass die natürliche Ordnung „Anarchismus“ funktioniert, so sehr mich auch die Logik von Herrn Blankertz und Herrn Hoppe beeindruckt. Hier bin ich eher in der Nähe von Herrn Baader, welcher Anarchismus ein Zuviel des Guten nennt. „Ohne Knechte keine Herren“, diesen Satz halte ich für treffender als die ältere Formulierung „ohne Herren keine Knechte“. Mein subjektives Verständnis aus der Geschichte ist, dass es immer wieder Menschen geben wird, die versuchen werden in ihrem Hunger nach Macht andere Menschen zu beherrschen, ebenso glaube ich, dass es immer Menschen geben wird, die sich in eine freiwillige Knechtschaft begeben – glückliche Sklaven sind und nicht merken, dass sie Sklaven sind. Herr Hülsmann hat in einem Vortrag (nachzulesen in dem kleinen Buch „Ordnung und Anarchie“) den Mises-Standpunkt bezüglich Staat einer Kritik unterzogen, den Mises-Standpunkt – so wie ich dies sehe – als fehlerhaft verworfen, übrigens mit guten Argumenten. Trotzdem hat mich dies auch nicht überzeugen können (Sie können gerne versuchen mich vom Gegenteil zu überzeugen) und ich verweile hier lieber bei Hayeks Position der Herrschaft des Rechts (darüber kann man auch trefflich streiten), also Recht bzw. Gesetze als allgemeine Regeln formuliert, welche für alle Menschen gelten und Gesetze als allgemeine Regeln bedeutet, dass eben nicht – wie heutzutage – jeder Seufzer irgendeines Parlaments als Gesetz angesehen wird.

TrebMelsa Fördermitglied , am 09. November 2009 um 8:19 ( Link )

@ Stefan Gruber & ISBN3451322005

>>>lassen sich auch trefflich die Freiheit einsetzen<<<

es sollte natürlich heißen "gegen die Freiheit", Entschuldigung!

@ ISBN

>>>>In der Kategorie Unflätigkeiten sind Sie mir nun aber um eine Nasenlänge voraus<<<<

Ich wollte Ihnen nur zeigen, dass ich dies auch kann!
Von daher sind wir - glaube ich - einigermaßen quitt.

ISBN3451322005 , am 09. November 2009 um 11:26 ( Link )

@TrebMelsa

Von daher sind wir - glaube ich - einigermaßen quitt.

Ok…

Ich möchte mich etwas vorsichtiger äußern.
.
.
.

Wie ich es auch drehe und Wende - ohne starke Hand scheint nicht viel zu gehen. Die Ideengeschichte uneinlösbarer überzogener Ansprüche auf individuelle Freiheit bewirkte, dass wir diese vermeintliche Notwendigkeit nicht mehr als ordnendes Element sondern als Sklaverei verstehen und unsere modernen starken Hände versuchen diesem Verständnis mit allen Mitteln gerecht zu werden.

… ich verweile hier lieber bei Hayeks Position der Herrschaft des Rechts (darüber kann man auch trefflich streiten), also Recht bzw. Gesetze als allgemeine Regeln formuliert, welche für alle Menschen gelten

Und über den Streit geht dann derweil alles den Bach runter.

Im Stiele eines PCM kann ich hier fragen: Wer genau formuliert was wann, warum und mit welchem Recht?

Mein ehemaliger geistiger Vater vom linken Ufer schreibt aber ähnlich - vom gerechten überpositiven Recht und einem transzendentalen Gerichtshof mit einer Rechtsmoral ohne Moralismus.

Der bescheidene „transzendentale“ Richter und der „allgemeine Regelformulierer“ brauchen eigentlich nur dem Anspruch einer Gottheit zu genügen. Allwissenheit des Rechts und der konkreten Fallsituation. Allklugheit, die alles Geschehen im Lichte des geltenden Rechts richtig zu beurteilen fähig ist. Einen vollkommenen Handlungswillen, der alles gerecht zu beurteilen als Haupt-Motivation hat und über eine Allmacht verfügen, die die gerechten Urteile vollkommen durchzusetzen vermag.

TrebMelsa Fördermitglied , am 09. November 2009 um 12:03 ( Link )

@ ISBN3451322005

>>>>Allwissenheit des Rechts und der konkreten Fallsituation. Allklugheit, die alles Geschehen im Lichte des geltenden Rechts richtig zu beurteilen fähig ist.<<<<

Sehe ich anders, das Bild von der blinden Justitia ist schon stimmig. Menschen irren, Sie so gut wie ich. Allklugheit oder Allwissenheit oder wie Sie es auch immer nennen wollen hier als Voraussetzung zu sehen, dies wäre nur Anmaßung - würde nicht funktionieren. In jedem Rechtssystem, ob mit staatlicher Gewalt durchgesetzt oder auf freiwilliger Diskussionsbasis, wird es m. E. immer Fehlentscheidungen geben.

karen m. , am 09. November 2009 um 14:12 ( Link )

Die Schlümpfe als Paradebeispiel der rassistisch-antisemitischen Weltverschwörung in den Kinderzimmern fielen mir auch sofort ein, obschon ich als Kind neben Wilhelm Busch lediglich noch Disneys Taschenbücher präferierte. Im Übrigen fehlt die Antifaschismus-Antisemitismus-Aufarbeitung des Comiczeichners Wilhelm Busch, der einem Mohren auch schonmal die Nase gehörig langzog.

Gegen McDonalds ist überhaupt nichts einzuwenden, die Toiletten sind gepflegt und als solche dank des markanten Hinweises mit den zwei goldenen Bögen bereits von weitem zu erkennen.

Herr Herzinger jedenfalls hatte sich vor einem halben Jahr schon an Hermann den Cherusker abgerieben, den das freilich sowenig störte wie die bekannte Eiche. Nun ist Asterix dran, der kann sich zwar auch nicht wehren, aber Ergüsse über ihn verkaufen sich in einer Comic-Gesellschaft sicherlich besser. Wir befanden vor einem halben Jahr:

In einigen Nischen der aufgeklärten Dschungelcamp- und Lindenstraßengesellschaft gibt es tatsächlich noch Diskussionen um die Deutung einer vor 2000 Jahren im Teutoburger Wald stattgefundenen Schlacht, ohne welche – wäre sie denn wegen schlechten Wetters oder einer Grippe-Pandemie ausgefallen – sich vielleicht schon Goethe an Costoletta alla milanese mit Chianti hätte laben können, anstatt sich mit Thüringer Bratwurst und Sauerkraut den Wanst füllen zu müssen. Er hätte dann vielleicht auch Wolfilius Goethilei geheißen und statt eines Dr. Faustus spitzfindige Plädoyers für den Egoismus verfaßt. Doch ob das Gemetzel nun „Varus-Schlacht“ oder „Hermanns-Schlacht“ heißt, das ist eine daraus resultierende Geschmackssache. Interessanter ist doch, wie geschichtliche Ereignisse interpretiert werden. Das ist der ausschlaggebende Faktor im Kampf um die Definitionsmacht medial induzierter Erinnerungen von Meinungskonsumenten.

Hatten wir unlängst die Gretchenfrage gestellt, ob Hermann der Cherusker nun ein Fascho oder eine Zecke war, sieht der Geschichtsdeuter Richard Herzinger in der Zeitschrift „Die Welt“ den Fürsten als geldgeilen Zivilisationsfeind in der Marschrichtung Pol-Pots: ...weiterlesen


Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können