04. November 2009

Asterix und Obelix gegen Dagobert und Micky Maus Kulturkampf im Comic-Format und die Frage nach dem politisch korrekten Schnellrestaurant

Nebenbei eine überfällige Ehrenrettung für SpongeBob

Die Autoren selbst werden zum bevorzugten Selektionskriterium im Internet. Zu den Guten und stets Lesenswerten zählt im Bereich Mainstream Richard Herzinger, ein neokonservativer Überzeugungstäter, und unter den Geheimtipps Martin Lichtmesz, ein nationalkonservativer Querdenker. Über kurz oder lang geraten die Guten immer aneinander.

Nun war es Lichtmesz, der Herzinger als „Genie“ adelte. Gegenstand seines Einwurfs ist der Streit um die politisch wertvollsten Comicfiguren: Asterix oder Micky Maus? Das ist hier die Frage.

„Ein Meilenstein auf dem Weg meiner politischen Bildung“, bekennt Lichtmesz und der Autor dieser Zeilen schließt sich dem in seinem eigenen Werdegang an, „war der Band ‚Endzeitpropheten’ (1995) von Richard Herzinger und Hannes Stein mit einem unvergesslichen Abschnitt, in dem die Autoren das tendenziell rassistische rustikale gallische Dorf von Asterix und Obelix dem kosmopolitischen Entenhausen Disneys gegenüberstellten“. Zum 50. Jubiläum des Gallier-Comics hat Herzinger nun, wie Lichtmesz entdeckt, „in der ‚Welt’ seine alte These wieder aus der Versenkung geholt“. Aber: „Was in ‚Endzeitpropheten’ noch einigermaßen augenzwinkernd formuliert wurde, kommt nun ganz dicke, ganz bierernst und mit der schwersten Keule überhaupt im Gepäck, nämlich dem Rassismusvorwurf. Das ist tatsächlich erschütternd und bedenklich und ideologisch gefährlich protonazistisch, dass in Uderzos ethnisch homogenem gallischem Dorf nur blonde, hellbraune und rothaarige Kelten herumrennen.“

Herzinger schreibt 14 Jahre nach der Erstveröffentlichung bezogen auf den Asterix-Comic: „In ganz Europa, nicht zuletzt in Frankreich, waren im späten 19. Jahrhundert weite Teile der akademischen und intellektuellen Öffentlichkeit von der Idee eines Ariertums besessen, das seine Überlegenheit seiner Nicht-Vermischung mit fremden Rassen und seiner Bodenverwurzelung verdanke. Vorformen dieser Ideologie waren schon im Vorfeld der Französischen Revolution im Umlauf – durch die Vorstellung, es handele sich bei der herrschenden Aristokratie um eine fremde, dekadente Rasse, die das unverbildete französische – gallische – Volk einst überfallen und versklavt habe. Ganz in diesem Sinne leistet das kleine gallische Dorf um Asterix und Obelix den Okkupationsgelüsten des römischen Reiches Widerstand, dessen Repräsentanten freilich durchweg als ebenso schwächliche und feige wie hinterhältige Trottel erscheinen.“

Lichtmesz liest diesen „Knaller Herzingers“ so: „Mit anderen Worten: ein Liberaler, ein Universalist, ein Pro-Westler, ein Pro-Amerikaner zu sein, heißt soviel, wie beim Lesen von Asterix zu den Römern zu halten! Das ist genial.“ Bis dahin ja, doch dann verrennt sich Lichtmesz doch ein wenig vom Gallischen ins Gallige: „Ein besseres, griffigeres Totschlag-Argument gegen diese ganze Westen-, USA- und Universalismus-Denke gibt es eigentlich gar nicht, es sei denn, man ist genauso eine minusbeseelte Kanaille, wie die meisten Liberalen es nun mal sind.“

Was Lichtmesz plusbeseelt übersieht ist das damalige Hauptargument Herzingers und Steins, welches im neuen Artikel Herzingers nur noch am Rande auftaucht, nämlich das ökonomische. Herzinger beginnt mit Mulikulti: „Das kleine gallische Dorf wirkt wie der diametrale Gegenentwurf zu der kosmopolitischen US-Metropole Entenhausen“. Er kommt aber nach einem kurzen Ethnogeplänkel zum entscheidenden Punkt für Entenhausen, „wo frei laufende, individualisierte Enten mit Auto fahrenden Mäusen und dem Landleben entfremdeten Hühnern und Kühen in bunter Vielfalt zusammenleben – vom nimmermüden Erfinder Daniel Düsentrieb auf den neuesten technologischen Stand gebracht und durch die von Dagobert Duck gesteuerte Geldherrschaft in Trab gehalten.“ Asterix dagegen, so Herzinger, „feiert das putzige Idyll der kleinen Einheit, die sich den Geißeln von Konsum und Fortschritt verweigert – und kam deshalb bei den Ökopax-Fundamentalisten der 70er- und 80er-Jahre bestens an.“

Das bestätigt auch Lichtmesz, der bemerkt: „Karlheinz Weißmann weist darauf hin, dass in den Sechziger Jahren Asterix‘ Befreiungskampf auf der Linken mit dem Vietcong assoziiert wurde.“ Der rechte Vordenker Weißmann hatte jüngst über den „autoritären Liberalismus“ superplusbeseelt bereits galant geschrieben: „Im Grunde handelt es sich um den einzigen Liberalismus, der eine Chance hat, zu funktionieren, weil er sich des illusionären Beiwerks entledigt und sein Konzept auf das reduziert, was ihn ausmacht: Klassenkampf von oben.“

Lichtmesz’ neben Weißmann zweiter Chef Götz Kubitschek verrät uns in einem aktuellen Interview nebenbei, dass er sich in seiner Jugend „dem organisierten Widerstand gegen die erste McDonalds-Filiale vor Ort“ anschloss. Was ihn dazu trieb, in fragwürdiger französischer Tradition ein zusätzliches Angebot nicht nur abzulehnen, sondern in seiner Existenz vernichten zu wollen, erläutert Kubitschek leider nicht. Es wird kaum der Kampf um Nährwerte und Essensqualität gewesen sein. Denn wie hatte doch der Schweizer Ausnahmepolitiker Christoph Blocher kürzlich treffend festgestellt: „Das Erfolgsgeheimnis von McDonalds ist schlicht die besonders gute Qualität der Produkte.“ Wer es nicht glaubt vergleiche den Big Mac, dessen reines Rindfleisch, frischen Salat und die Soßen ausgewiesener Delikatesshersteller mit den kulinarischen Spezialitäten der erstbesten deutschnationalen Frittenbude im Umkreis von Schnellroda.

Nein, dagegen standen die Bonner Spaßrebellen der KPD/ML, der Kapitalistischen Partei Deutschlands/Manchester-Liberale, bereits Mitte der Neunziger Jahre auf der richtigen Seite der Fettbarrikaden, als man den Hamburger-Brater zum aufrechten libertären Ehrenjob erhob, noch bevor SpongeBob diese These gekonnt übernahm und weltweit verbreitete.

Doch Schwamm drüber, denn was sagt uns nun eigentlich der Kulturkampf von Asterix und Currywurst gegen Micky Maus und kapitalistisch-königlichem Royal Käse? Und umgekehrt? Erstens sind offenbar manche durchaus lesenswerte Rechte seit Kindestagen immer bereits Linke gewesen. Zweitens sind diese gegenüber ökonomischen Argumenten und mit Bezug auf den eigentlichen Klassenkampf unserer Tage (anders als Bolz, Hinz oder Sloterdijk) so resistent wie Obelix gegen die Wirkung des Zaubertranks. Und drittens verrennen sich auch ansonsten sprachwitzige Neokonservative weg von der wirtschaftlichen Basis in den Orbit des unlustig (Multi-) Rassistischen.

Zum Schluss wollen wir zur Ehrenrettung von Obelix und Co. auf die legendäre Szene in „Asterix erobert Rom“ bei der Suche nach dem Passierschein A 38 im bürokratischen Irrenhaus verweisen. Selten wurde der Wahnsinn der Verwaltung als notwendiger Bestandteil von Staatspolitik so treffend karikiert. Dazu möchten wir noch anmerken, dass in vielen Donald- und Dagobert-Duck-Abenteuern ökonomische Grundkenntnisse vermittelt werden, die manchem fleißigen Asterix-Leser bis heute leider fehlen. In einer unvergessenen Folge wird das staatliche Geldmonopol als unwirtschaftlich entlarvt. Und ein Onkel von Donald Duck, Ludwig von Drake – in der deutschen Übersetzung zum „Primus von Quack“ umgetauft –, ist tatsächlich nach dem großen liberalen Ökonomen Ludwig von Mises benannt worden. Schließlich fügen wir hinzu, dass weder in den zahlreichen Asterix-Folgen noch in den Comics von Walt Disney ein Sozialstaat auch nur ansatzweise existiert. Solcherlei bleibt einer deutschen Comic-Erfindung vorbehalten. Volksfrontler, Volksinitiativen und Walt Weißmann – übernehmen Sie!

Internet

Herzinger: Schluss mit dem Kult um die Asterix-Comics!

Lichtmesz: Asterix gegen Ricardus Redeflus

Kubitschek-Interview

Endzeit - Propheten oder Die Offensive der Antiwestler. Fundamentalismus, Antiamerikanismus und Neue Rechte.

Szene aus „Asterix erobert Rom“ bei der Suche nach dem Passierschein A 38 (Youtube)


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