28. Oktober 2009

ef 97 Editorial

Der Fall Sarrazin markiert eine Zeitenwende

Der Fall Sarrazin markiert eine Zeitenwende. Seine „umstrittenen“ Thesen, die zunächst noch wie gewohnt blockiert und verhöhnt, diesmal gar strafrechtlich verfolgt werden sollten, werden plötzlich allerorten diskutiert. Und mehr noch: Die politisch korrekten Gesinnungswächter, die auch diese Debatte unterbinden wollten, sind plötzlich selbst zum Gegenstand der Kritik geworden. Die Manipulationsmöglichkeiten des Mainstreams sind an eine Grenze gestoßen. Dazu passt, dass auch die schlimmsten Auswüchse gegen die Meinungsfreiheit im Internet, die mit dem Namen „Zensursula“ eng verbunden sind, von der neuen bürgerlichen Regierung zumindest vorläufig eingestellt werden. Das sind gute Nachrichten!

Sarrazins Thesen treffen den Sozialstaat – und damit den Kern des Problems. Staatliche Sozialhilfe wirkt kontraproduktiv und muss so wirken. Wer Antriebslosigkeit belohnt, erhält mehr davon. Wir können seit langem an der Entwicklungshilfe und am Zustand des Kontinents Afrika studieren, wohin solche Alimentierung des Nichts am Ende führt, nämlich in den Bankrott und den vollständigen Zusammenbruch allen Wohlstands und aller Moral. Die bürokratische Hilfe wirkt auf übelste Art entwürdigend, zersetzt das Selbstwertgefühl und beraubt die, die sie jahrelang erhalten, der Fähigkeit zur Eigeninitiative. Solche Fragen treiben offenbar auch Thilo Sarrazin an, und das ist gut so.

Manche Kommentatoren und Politiker versuchen dennoch abzulenken. Sie kritisieren nicht den Sozialstaat als Ursache, sondern die Parallelgesellschaften als Folge. Parallelgesellschaften aber gab und gibt es auch ohne die von Sarrazin benannten Auswüchse und Begleiterscheinungen, denken wir an all die streng abgegrenzten Chinatowns oder Little Italys in den amerikanischen Großstädten, an die traditionellen jüdischen Viertel in Europa, an die Baschkiren, Tschuwaschen oder Tartaren in Russland, an die historischen Vielvölkerstaaten in den Habsburger und Osmanischen Großreichen. Klein-Kairo oder Neu-Ankara in Teilen Berlins wurden nicht aufgrund der fehlenden Integration in die deutsche Mehrheitsgesellschaft zu Problemvierteln, sondern vielmehr deshalb, weil sie sich von dieser über den Sozial- und Umverteilungsstaat millionenfach aushalten lassen. Arabische oder türkische Stadtteile in Deutschland wären durchaus erträglich, wenn sie sich wie die beschriebenen anderen historischen und geographischen Minderheiten selbst versorgen würden. Nicht einmal die Lehrerin mit Kopftuch wäre in einer türkischen Schule zu bemängeln, die von den Eltern der dort freiwillig unterrichteten Kinder selbst bezahlt wird. Wenn aber 80 Prozent der Araber und 70 Prozent der Türken in Berlin von deutscher Sozialhilfe zuzüglich zahlreicher Nebenleistungen – verglichen mit vielen Landsleuten in der Heimat geradezu fürstlich – leben, dann war die von Sarrazin nun eingeforderte Diskussion darüber überfällig. Nebenbei: Menschen, die selbst täglich für ihren Unterhalt aufkommen müssen, haben weder Zeit noch Interesse, in brutalen Banden die Straßen unsicher zu machen, islamistische Terrorideologien zu studieren oder den ganzen Tag vor dem Fernseher zu gammeln und dabei die eigenen Kinder zu vernachlässigen – jene jüngsten, allzu oft auch deutschen Opfer des hiesigen Irrsinns, die zuweilen lediglich aufgrund der Prämien des Sozialamtes und nicht etwa aus Liebe in die Welt gesetzt wurden.

Ich wünsche Ihnen, verehrte Leser, viel Erkenntnisgewinn und Lesefreude mit einer Ausgabe eigentümlich frei, die einen Epochenwechsel hin zu mehr Ehrlichkeit und Meinungsfreiheit in Deutschland einläuten möchte.

Bei alledem sollten wir wachsam bleiben: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien und Parallelgesellschaften! Mehr netto!

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Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 97


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