28. Oktober 2009

Klimawandel Die CO2-Zakat

Lieber mit zwei Daumen handeln, als mit zehn Fingern arbeiten

Die Dynastie der Saud ist nicht zu beneiden. Ungemach droht den einst so stolzen Wüstenkriegern auf ihrer sandigen Halbinsel. Und Schuld am aktuell drohenden Wegfall der eigenen Identifikationsgrundlage ist einmal mehr die dekadente westliche Lebensart. Im unerschütterlichen Fortschrittsglauben begründeten ihre Vertreter dereinst das Maschinenzeitalter und entschieden sich für fossile Brennstoffe als deren Hauptenergieträger. Es war also ihr Hunger nach Rohöl, der die natürlich-archaische Lebensweise der vorderasiatischen Beduinenvölker zu Fall brachte und ihre Eliten aus dem Kameltreiberstatut direkt in das moderne Märchen aus Tausendundeiner Nacht katapultierte. Und jetzt, da man sich so langsam und einigermaßen an den kommoden Lebensstil gewöhnt hat, soll auch schon wieder Schluss damit sein. Denn schließlich droht die ganze Welt seit einigen Jahren auf mittelfristige Sicht an den Folgen eben jenes massiven Erdölkonsums der westlichen Welt zu verdorren. Die globale Erwärmung, die sich dieser Tage durch einen der frühesten Starts der Skisaison in den Alpen überhaupt mal wieder deutlich bemerkbar macht, wirft ihre langen Schatten voraus. Und diese sollen ja, wenn es nach dem Willen der Bundesregierung und Gleichgesinnter geht, vorzugsweise durch jene von Windkraft- und Solaranlagen ersetzt werden. Um fossile Brennstoffe und Kohlenstoffdioxid zu sparen. Dieses Programm muss dann aber notwendigerweise zu Lasten der erdölexportierenden Länder gehen. Eine Zeche, die zum Beispiel Saudi Arabien so nicht zu zahlen bereit ist. Doch anstatt den etwaigen Tränenfluss mit goldbedampften Tempotaschentücher zu stoppen besinnen sich die Saudis lieber ihrer handelserprobten Schlitzohrigkeit und fordern erst einmal dreist Transferleistungen von den Vorreitern der Ölsparwelle als Kompensation für die künftig entgangenen Einnahmen. Was eigentlich als absolute Unglaublichkeit und verspäteter Aprilscherz daherkommt hat übrigens gute Chancen, politisch anstandslos abgesegnet zu werden. Denn vom 7. bis 18. Dezember 2009 findet ja in Kopenhagen der nächste UN-Klimagipfel statt. Die Welt kann aber nur dann gerettet werden, wenn den erforderlichen Maßnahmen alle Mitgliedstaaten zustimmen. Und wer wird schon die infernale Apokalypse durch ein provoziertes arabisches Veto wahr werden lassen wollen? Eben! So kann sich die Saud-Dynastie, die allein in den letzten Jahren aus dem Erdölverkauf jeweils einen dreistelligen Milliardenbetrag per annum saugen konnte, ihre sukzessive Förderuntätigkeit wahrhaft versüßen lassen. Warum auch nicht. Denn was auf Ebene der Bundesrepublik Deutschland und der EU so gut funktioniert hat, kann doch in der Sphäre der UN nicht fehl gehen. Schließlich wird ja nicht nur die bekanntermaßen besonders in Küstennähe darbende Volksrepublik China durch westliche Entwicklungshilfe in Millionenhöhe gepäppelt, es waren letztlich die europäischen Bauern selbst, die als erste über Stilllegungsprogramme für nahrungspflanzliche Anbauflächen die bezahlte Arbeitsunterlassung offiziell durchsetzen konnten.

Quelle:

WAZ - Pressemeldung vom 08. Oktober 2009: Die Ölscheichs als Klimaopfer


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