26. Oktober 2009

Zwei Politrentner für die Schlüsselministerien Finanzen und Wirtschaft Ein Zeugnis der Angst und Verzweiflung

Die beiden vermeintlich starken Männer der neuen Bundesregierung machen sich dünne

Würde die neue Koalition selbst daran glauben, die Wirtschafts- und Finanzkrise in den nächsten vier Jahren erfolgreich bewältigen zu können, die Kabinettsliste sähe anders aus.

Die entsprechend wichtigsten beiden Ministerien Finanzen und Wirtschaft wären so besetzt worden, wie es angesichts der übergroßen Herausforderung einige zunächst vermutet und andere erhofft hatten, nämlich mit dem unumstrittensten FDP-Vorsitzenden aller Zeiten, Guido Westerwelle, und dem kaum mehr heimlichen CSU-Chef und neuen Unions-Superstar Karl-Theodor zu Guttenberg. Solche Großkaliber hätten an „Plisch und Plum“, an den legendären Finanzminister Franz Josef Strauß und dessen Partner im Wirtschaftsministerium Karl Schiller erinnert. Beide machten sich vor mehr als vierzig Jahren daran, die erste große Wirtschaftskrise der Bundesrepublik zu meistern.

Westerwelle und Guttenberg hatten nun das Zugriffsrecht – und sie haben beide dankend abgelehnt und sich in Richtung Außen und Verteidigung dünne gemacht. Dort möchten sie die kommenden turbulenten Jahre überwintern, während zwei Politrentner auf den beiden Schleudersitzen platziert wurden, die nichts mehr zu verlieren haben. Einer von ihnen, der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble, ein schlauer alter Mann, schätzt sein Himmelfahrtskommando selbst als „ehrenvolle Zumutung“ ein.

Die schwarz-gelbe Kabinettsliste ist ein deutliches Zeugnis der Angst und Verzweiflung, welche die politische Klasse Deutschlands im Angesicht der größten Wirtschaftskrise nach dem Krieg längst mehr prägen als Zuversicht und Durchsetzungsstärke.


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