Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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Kampfschrift: Gegen die Federal Reserve

von Robert Grözinger

Das neue Buch des Ausnahmepolitikers Ron Paul

Wir hören derzeit viel über ein mögliches Ende der Rezession, über einen neuen Aufschwung. Einer, der sich von derartigen angeblichen Experteneinschätzungen nicht beeindrucken lässt, ist Ron Paul. Dem US-Kongressabgeordneten und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten zufolge erleben wir derzeit das endgültige Scheitern eines Geldsystems, das von der Existenz von Zentralbanken abhängig ist und meint, gänzlich ohne Realwertbindung auskommen zu können. „Wir haben, von einigen kurzen Unterbrechungen abgesehen, seit 1971 einen langen Aufschwung erlebt. Dieser ist im Jahr 2000 zu Ende gegangen“, schreibt Paul in seinem jetzt neu erschienen Buch „End the Fed“, das in diesen Tagen die Bestsellerlisten im Sturm erobert. Die von der US-Zentralbank Federal Reserve seit 2001 erzeugte Immobilienblase sei ihr „letztes Aufgebot“ gewesen; wörtlich: „the last hurrah“.

Scharfsinnige Ökonomen und Denker hatten schon vor vielen Jahrzehnten das endgültige Scheitern einer Geldpolitik vorhergesagt, die meint, mit dem Drucken von Geldscheinen und anderen Formen der Erzeugung von Geld aus dem Nichts echten Wohlstand schaffen zu können. Es war nur eine Frage der Zeit. Dieser Zeitpunkt sei nun gekommen, ist Paul überzeugt, und daher sei es auch endlich an der Zeit, die Ursache der heftigen Konjunkturschwankungen, der ständigen Inflation, der Handelsbilanzdefizite, der endlosen Kriege und des explosiven Wachstums der Regierung abzuschaffen: Die US-Zentralbank Federal Reserve.

Seit Paul vor mehr als 3 Jahrzehnten in die Politik ging, war dies sein oberstes Ziel gewesen. Der Anlass war, dass Präsident Nixon am 15. August 1971 die letzte Verbindung des Dollar mit Gold kappte. Immer wieder stellte er im Kongress und in den Ausschüssen unbequeme Anfragen und Anträge und wurde nie müde, vor den unvermeidlichen, katastrophalen Konsequenzen einer Politik des leichten Geldes, des Keynesianismus, des Interventionismus und der Umverteilung zu warnen.. Doch kaum einer hörte ihm zu, schon gar nicht seine Kollegen im Parlament. Das änderte sich schlagartig, als der gelernte Frauenarzt Anfang 2007 seine Präsidentschaftskandidatur ankündigte. Mit spontanen Aktionen, insbesondere mit Hilfe des Internets, befeuerten seine Unterstützer seine Kampagne und trieben sie zu ungeahntem Erfolg: Obwohl er von den Mainstream-Medien weitgehend ausgeblendet wurde, konnte er mehr als 35 Millionen Dollar an Spenden sammeln. Mehr als eine Millionen Wähler stimmten in den Vorwahlen für ihn. In den USA, aber auch weltweit, verfolgten unzählige Unterstützer die Kampagne fieberhaft in Foren, Nachrichtenportalen und nicht zuletzt über YouTube. Das unerwartetste Ergebnis jedoch war die Entstehung der vielversprechendsten Freiheitsbewegung seit dem Fall der Berliner Mauer: Die „Ron Paul Revolution“.

Mitten im Wahlkampf ertönte während einer seiner Reden aus dem Publikum heraus jener Slogan, der Paul heute als Buchtitel dient: „End the Fed“. Es ist durchaus möglich, dass dieser Spruch eines Tages der Schlachtruf, das „Wir sind das Volk“, einer neuen amerikanischen Revolution wird. Mit seinem neuesten Buch versucht er nicht nur, an den Erfolg seines Bestsellers „Revolution, A Manifesto“ vor einem guten Jahr anzuknüpfen, sondern auch, seinen neuesten Antrag im Repräsentantenhaus publizistisch zu unterstützen. Bei diesem Antrag, der jetzt schon von der Mehrheit des Parlaments unterstützt wird, geht es zwar „nur“ um eine umfassende Bilanzprüfung der Zentralbank, doch die Realisierung allein dieses Antrags würde schon einen erheblichen Machtverlust der Geheimniskrämer in der „Fed“ bedeuten und, so das offene Kalkül Pauls, das Ende dieser Institution einläuten. (ef-online berichtete.)

Beachtenswert ist in den autobiographischen Abschnitten die Selbstverständlichkeit, mit der Paul Eindrücke aus der Kindheit und Jugend auf gleicher Stufe mit Vertretern der österreichischen Schule der Ökonomie, seinem intellektuellen Einfluss späterer Jahre, stellt. Die Weltwirtschaftskrise sowie die Rationierungen und der Kauf von Kriegsanleihen während des Zweiten Weltkrieges lösten beim jungen Ron Fragen aus. Warum so kompliziert? Warum drucken die nicht einfach das Geld, das sie brauchen? „Dann wäre es nichts mehr wert“, so die vereinfachte, aber im wesentlichen zutreffende Antwort seines großen Bruders.

Geld stand also schon immer im Mittelpunkt des Interesses Pauls. Sein Vater hatte im Laufe der Zeit knapp eintausend Penny-Münzen in einem Glas gesammelt. Ron war von den Pennys fasziniert. Irgendwann in den 40er Jahren kaufte er seinem Vater die ganze Sammlung für 20 Dollar ab. „Für mich war das eine große Transaktion, aber nur ich wusste, dass sich tief im Glas verborgen eine gut erhaltene 1909-S befand, weshalb sich der Kauf schon damals lohnte“. Diese Silbermünze ist, je nach Zustand, heute zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Dollar wert.

Deutsche Leser werden mit besonderem Interesse den Absatz über Pauls Großeltern väterlicherseits lesen. Diese reisten im Jahr 1926 zu ihren Verwandten in ihrer alten Heimat Deutschland. „Ich bin sicher, dass sie viele Geschichten über die deutsche Inflation in den 1920er Jahren zu hören bekamen, und dass dies ihr Denken beeinflusste“, schreibt Paul, der sich erinnert, wie seine Großmutter kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als die USA selbst eine Inflation durchmachte, dazu riet, ein Stück Land nicht zu verkaufen, „falls Geld schlecht wird“. Die Einfügung dieser Erinnerung ist vielleicht auch ein freundlicher Wink Pauls an die sehr aktiven deutschen Unterstützer der nach ihm benannten Bewegung.

Rührend auch sein Bericht über seine einzige Begegnung mit Ludwig von Mises im Jahr 1972, als der große österreichische Denker, damals über 90 Jahre alt, in Houston, Texas einen seiner letzten Vorträge hielt. „Die Vorlesung wurde in einem mittelgroßen Klassenzimmer gehalten, aber der Raum war übervoll. Die Popularisierung der österreichischen Schule der Ökonomie stand zu der Zeit noch ganz am Anfang, aber es war schon damals klar, dass die Leute nach ökonomischer Wahrheit hungerten.“

Doch statt breiter Aufklärung behielten der Keynesianismus, der Interventionismus und der Glaube, dass einige wenige weise Menschen an den Schalthebeln einer Zentralbank die Wirtschaft für immer in ruhigen Fahrwasser lenken können, in den akademischen und somit den politischen Zirkeln die Oberhand. Folglich ist ein Großteil des neuen Buches von Paul der Geschichte und dem Wirken der Federal Reseve gewidmet, seinem jahrzehntelangen Kampf dagegen sowie den Gründen für ihre Abschaffung. Paul bedient sich dabei einer leicht zugänglichen Sprache. Er hat offensichtlich ein Wort von Mises beherzigt, das er zitiert: „Das Aufblühen der menschlichen Gesellschaft hängt von zwei Faktoren ab; von der intellektuellen Fähigkeit hervorragender Menschen, solide soziale und wirtschaftliche Theorien zu entwickeln und von der Fähigkeit dieser und anderer Menschen, diese Ideologien der Mehrheit schmackhaft zu machen.“ So zum Beispiel, wie Paul die enge Beziehung zwischen der Tätigkeit einer Zentralbank und der Fähigkeit eines Landes, aggressiven Krieg zu führen, veranschaulicht. „Stellen Sie sich einen verantwortungslosen Jugendlichen mit unbegrenztem Kredit vor“, fordert er seine Leser auf. „Jetzt stellen Sie sich vor, dieser Jugendliche ist bis an die Zähne bewaffnet und ist nicht der Herrschaft des Rechts unterworfen. Das ist es, was wir mit einer von einer Zentralbank gestützten Regierung haben.“

Über seine Kollegen im Kongress weiß Paul nicht allzu viel Gutes zu sagen. Die meisten wüssten gar nichts über die Verbindungen zwischen Papiergeld und dem Wachstum des Staates. „Sie wollen es nicht einmal wissen.“ Erst wenn ein informiertes und erzürntes Volk darauf drängt, wird der Kongress das richtige tun – wie jetzt zum Beispiel aus gegebenen Anlass mit dem oben erwähnten Antrag auf Bilanzprüfung der Fed. Ferner geht Paul auch auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise ein und erläutert, wie sie aus der viel zu lockeren Geldpolitik seit der Rezession von 2001 entstand. Der damalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan habe „schreckliche Fehler“ begangen. Er verdächtigt Greenspan, der einst schrieb, dass ein Goldstandard unverzichtbar für die Freiheit ist, gewusst zu haben, was er tat. Doch es sei falsch, daraus zu folgern, dass eine bessere Politik, schärfere Kontrollen oder bessere Fed-Manager die Lösung seien. Der Fehler stecke im System: „Wenn der Regierung und dem Bankenkartell Druckmaschinen zur Verfügung stehen, werden sie diese in Gang setzen“.

Mit Ben Bernanke, dem jetzigen Chef der Fed, geht Paul sogar noch härter ins Gericht. Die jetzigen Rettungsprogramme und staatlichen Hilfen für schwächelnde Branchen seien wie der Versuch, die Welt von der Schwerkraft zu befreien, indem man Dinge in die Luft wirft. Es wird an den Symptomen herumkuriert, nicht an den Ursachen. Ein falscher Schritt folge dem nächsten, wie jetzt die Quasiverstaatlichung von Großunternehmen wie General Motors. Paul versäumt es nicht, die wahren Gewinner dieser Art von Krisenbekämpfung zu nennen: Die großen Banken und Versicherungen mit besten Beziehungen zur Regierung und der Fed.

Der Texaner lässt keine Argumentationslinie aus, wenn es gegen die Fed geht: Historische Beispiele dafür, dass Geldentwertung immer dem Niedergang einer Zivilisation vorausgeht; der Hinweis darauf, dass eine starke Zentralbank ein wesentlicher Bestandteil des kommunistischen Manifests ist; die Tatsache, dass Geldentwertung zu „schrecklichen kulturellen Verzerrungen“ führt, wo „kurzfristiges Denken über langfristige Planung triumphiert“. Auf den Vorwurf, ein „Ideologe“ zu sein, antwortet er: „Es ist nicht eine Frage, ob man Ideologe ist; die Frage ist, welcher Ideologie man angehört. Es ist praktisch unmöglich, keine Ideologie zu unterstützen. Die Bezeichnung Ideologe wird verwendet, um moralisch prinzipientreue Ideologie streitsüchtig und gefühllos aussehen zu lassen. Aufgrund dessen erscheint dann die unmoralische Philosophie, die auf Regierungsgewalt basiert, als moralisch überlegen.“

Auf der Basis seiner prinzipientreuen Ideologie scheut Paul sich nicht, Dinge beim Namen zu nennen: „Die Vergesellschaftung der Wirtschaft unter nominaler Beibehaltung des Privateigentums ist lediglich eine andere Bezeichnung für Faschismus.“ In diesem Zusammenhang sagt er voraus, dass es bald einen Zwangsdienst für alle 18-jährigen Amerikaner geben wird.

Für jene, die die ökonomischen und philosophischen Argumente nicht verstehen, hat Paul noch ein weiteres Argument parat: Die Verfassung der USA, in deren zehntem Ergänzungsartikel klar und deutlich steht, dass den bundesstaatlichen Stellen nur das erlaubt ist, was ihnen die Verfassung ausdrücklich genehmigt. Und in diesem Dokument steht nichts über die Errichtung einer Zentralbank. Im Gegenteil: Es ist festgeschrieben, dass nur Gold und Silber legale Zahlungsmittel sind. Paul räumt ein, dass die Verfassung viele Schlupflöcher hat und dass das allgemeine Verlangen nach Sicherheit allmählich zu ihrem Bruch und zur Einschränkung von Freiheiten führte. Doch an diesem Punkt ist die Verfassung eindeutig und wurde schlicht missachtet. Das bedeutet, dass letztlich nur „die Moral des Volkes und der Charakter und die Weisheit unserer gewählten Amtsinhaber zählen“.

Allen, die sich Sorgen über eine Welt ohne Zentralbanken machen, versichert Paul, dass in dem Fall alle Errungenschaften des modernen Wirtschaftslebens erhalten bleiben, nur ohne die von den Zentralbanken erzeugten Konjunkturzyklen, Blasen, Inflationen, Handelsbilanzdefiziten und Regierungsauswüchse. „Wildwuchs“ würde es im Bankenwesen genauso wenig geben wie beispielsweise in der Gastronomie oder in der Schuhindustrie. Märkte sind selbstregulierend und reagieren auf die Wünsche der Konsumenten, so der ökonomisch geschulte Arzt.

Paul stellt in der gegenwärtigen Krise eine weit verbreitete Weigerung fest, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Dies sei der Grund für so absurde Aussagen wie die des ehemaligen Präsidenten George W. Bush, der am 16. Dezember 2008 sagte: „Ich habe marktwirtschaftliche Prinzipien fallengelassen, um das marktwirtschaftliche System zu retten.“ Leider stimmen ihm viele Amerikaner zu. Sie sind weiterhin bereit, „auf Freiheiten zu verzichten, damit sie ihre Freiheit genießen können“. Oder sie sind, wie beispielsweise im Vietnamkrieg, bereit, ein Dorf zu vernichten um es zu retten. Und nun sind sie bereit, den Dollar zu zerstören, um ihn zu retten.

Paul ist sich bewusst, dass es jetzt Bestrebungen gibt, mit dem alten keynesianischen Traum einer Weltwährung das System noch einmal über die Runden zu bringen, doch er bezweifelt, dass es jemals dazu kommt. Nationalistischer Druck und die Rivalität verschiedener nationaler Eliten werden zu stark sein, ist er sich sicher. Selbst das europäische Experiment sei nicht gänzlich stabil. Eher befürchtet Paul eine „Lösung“ der Art, die damals das Ende der letzten Weltwirtschaftskrise einläutete: Einen neuen Großkrieg.

Dabei, so führt Paul weiter aus, ist die Zeit heute reifer denn je für ein System freier, konkurrierender Privatwährungen. Digitaler Handel und neue Kommunikationstechnologien machen es möglich, dass jeder Mensch ohne Mittelsmann mit jedem in der Welt Handel treiben kann. „Der Markt würde auf dem Gebiet des monetären Unternehmertums so viele Segnungen hervorbringen, wie er es bei allen anderen Gütern und Dienstleistungen tut.“

Ein Jahr nach dem Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers wird deutlich, wie wichtig und aktuell das neue Buch Ron Pauls ist. Das Denken hat sich noch nicht geändert, die Banken machen im Grunde weiter wie bisher. Warum auch nicht? Es gibt ja weiterhin die Zentralbanken, die im Notfall mit frisch bedrucktem Papier jede Bank, jedes Unternehmen und jeden Politiker retten können, so lange sie ihnen genehm sind. Wenn sich hier nichts grundlegend ändert, sieht Paul Hyperinflation, Armut und Gewalt auf den Straßen auf Amerika zukommen. Protektionismus werde ebenfalls zunehmen und die Kriegsgefahr weiter anheizen.

Der Weg aus dieser Krise führe allein über Bildung. Erst müsse man sich selbst bilden – Paul liefert am Ende seines Buches eine Liste empfohlener Literatur – dann andere. Die meisten Unterstützer starker Regierungsgewalt seien nicht bösartig, sondern irregeführt. Paul zufolge lohnt sich das Unterfangen, eine friedliche Revolution anzustreben: „Es rumort im Herzen Amerikas, und Wut staut sich auf.“ Er wünscht sich, dass diese Wut nutzbar gemacht und in positive, konstruktive Energie umgewandelt wird. Mit seiner lebenslangen Prinzipientreue in schwieriger Umgebung hat Paul ein Vorbild dazu geliefert. Sein neues Buch ist ein weiterer Trittstein, der die Rückkehr aus der gefährlichen geldpolitischen Illusion in die Realität erleichtern wird.

Internet:

Ron Paul: End the Fed

Robert Grözinger: Wer ist Ron Paul? Der Kandidat aus dem Internet

Robert Grözinger: US-Federal Reserve: Gefürchtete Bilanzprüfung rückt näher (ef-online)

Auf deutsch erschienene Bücher der von Paul empfohlenen weiterführenden Literatur: 

Murray N. Rothbard: Das Schein-Geld-System

Jörg Guido Hülsmann: Die Ethik der Geldproduktion

Ludwig von Mises: Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel (PDF)

16. September 2009

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Kommentare

Hadik , am 16. September 2009 um 20:13 ( Link )

Ein Artikel der mal ein bisschen Hoffnung bringt in diesem kaputten System.

Danke

barthel_berand , am 16. September 2009 um 23:09 ( Link )

Hallo Herr Grözinger,

ich bin gerade in den USA unterwegs (LA, SF, Vegas, Tucson, FL) und thematisiere das Problem in jeder Gesprächsrunde, die sich bietet - mit unterschiedlichem Erfolg. Meist ist das Thema bei den hiesigen Eingeborenen unbekannt, manchmal steht der große Glaube an die Regierenden sowie der übergroße Patriotismus der Amerikaner einer eigenen Befassung mit dem Thema im Wege. Wer einmal vor dem Bellagio die Wasser- und Lichtspiele zu "God bless the USA" gesehen und gehört hat, versteht die Bedeutung des Wortes "Patriotismus".

Ich hoffe dennoch, dass Ron Paul nicht nur ausreichend Gehör finden, sondern dass sein Buch auch praktische Konsequenzen haben wird.

Eine deutsche Übersetzung des Buches wäre natürlich wünschenswert, aber wohl mangels Markt nicht möglich.

BB

joblack , am 17. September 2009 um 3:44 ( Link )

Eines der Probleme ist die kreditbasierte Geldschöpfung und die quasi-privatgeführte Zentralbank in der USA.

Unsinnig hingegen ist das künstliche Verbinden von Geld an einen "Realen Wert" wie Gold. Dadurch wäre das Geld an den entsprechenden Wert gebunden und bei einem Wirtschaftswachstum könnte man die Geldmenge nicht wie gewünscht anpassen.

Leider sieht weder Ron Paul noch Herr Mises die fatalen Fehler einer goldbasierten Währung.

Falls eine "goldgedeckte Währung" kommt springen wir von einer Deflation gleich in eine Depression ... schöne Neue Welt - schönes undifferenzierendes EiFrei ...

dickbrettbohrer , am 17. September 2009 um 7:40 ( Link )

joblack: heißt das Arbeitsloser?
Oder "lackt" es noch an weitaus mehr?

joblack , am 17. September 2009 um 7:42 ( Link )

Nein das heisst Jo.Black ... aber eins wird deutlich: Keine sachlichen Argumente abe emotional rumgeschwafelt ...

bernd_lessing , am 17. September 2009 um 8:23 ( Link )

@joblack:

Ihre Behauptungen sind bereits hinreichend widerlegt, u.a. durch Murray Rothbard. Jede beliebige Geldmenge ist ausreichend. Bei Wachstum der Produktion steigt einfach der Wert des vorhandenen Geldes - so what?

Übrigens spricht vieles dafür, dass es keine simple Rückkehr zum Goldstandard geben wird.

Entscheidend ist jedoch: Die Menge einer Sache, die als Geld verwendet wird, muss endlich sein. Oder anders formuliert: Die Herstellung von Geld muss so aufwendig sein, dass der innere Wert (die Herstellungskosten) mit dem Nominalwert praktisch übereinstimmt. Nach dieser Formel können viele Sachen zu Geld werden - Papier aber eben nicht, es sei denn, Sie wollen 0,01-ct-Scheine mit sich rumschleppen. :o)

joblack , am 17. September 2009 um 8:25 ( Link )

Wenn der Wert des Geldes steigt hat man Deflation und wie man das in Japan sieht sind Deflationen selbstverstärkend.

Ihre Kommentare "So what?" zeigen schon dass sie von Wirtschaft offensichtlich nicht viel Ahnung haben. GEnauso wie Herr Murray Rothbard - widerlegt hat er wohl gar nichts ... sonst würde er einen Deflation nicht als Lösung sehen.

Junge junge wenn ich schon solche Sache lesen wie "Jede beliebige Geldmenge ist ausreichend" frage ich mich ob die ihr "wirtschaftliches Grundwissen" bei der Baumschule angelesen haben?!

Molot , am 17. September 2009 um 8:56 ( Link )

Wenn der Wert des Geldes steigt hat man Deflation und...

Und was wäre dagegen einzuwenden?
B.Ullmann

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 9:10 ( Link )

@joblack
Wert hängt von der Nachfrage ab. Bei Wirtschaftswachstum sinkt manchmal die Nachfrage und damit der Wert. Unter Wirtschaftswachstum verstehe ich ein Zuwachs an Produktion. Wenn Sie also im Jahr X 1000 Tomaten ernten und diese kosten dann 1$ pro Stück und im Jahr darauf 2000 Tomaten ernten, dann kosten diese nur noch 0.5$. Oder umgekehrt, für den selben 1$ können Sie im Jahr darauf 2 Tomaten kaufen. Das Geld bleibt das selbe, der Wert der Tomate sinkt. Politik will aber Preise stabil halten und damit im Jahr x+1 die Tomate immer noch 1$ kostet müssen eben mehr Dollars auf dem Markt geworfen werden. Dabei kassiert natürlich einzig und alleine der Geldhersteller (Zentralbank), der dann z.B. die zusätzlichen 1000 Tomaten vom Markt wegkauft. Die Kosten der Zentralbank beschränken sich dabei auf die Herstellung des zusätzlichen Geldes.
Alles klar?

TrebMelsa Fördermitglied , am 17. September 2009 um 11:10 ( Link )

@ joblack

§§§§
Unsinnig hingegen ist das künstliche Verbinden von Geld an einen "Realen Wert" wie Gold. Dadurch wäre das Geld an den entsprechenden Wert gebunden und bei einem Wirtschaftswachstum könnte man die Geldmenge nicht wie gewünscht anpassen.
§§§§

Die Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts zeigt, dass Ihre Aussage nicht zutreffend ist. Eine wachsende Wirtschaft benötigt keine wachsende Geldmenge. Schlagendes Beispiel ist das 19. Jahrhundert, trotz strikt durch die Edelmetallvorräte begrenzte Geldmenge prosperierte die Wirtschaft – auch Arbeitsplätze und Löhne –, dabei blieben die Preise – im Gegensatz zur (Papier)scheingeld-Welt – sehr stabil. Etliche Preise in USA oder Großbritannien waren 1931 noch auf dem Niveau von vor 1800 oder sogar gesunken. Dies bestätigt in der Praxis die theoretischen Analysen von L. v. Mises und seines Schülers Murray N. Rothbard, dass jede Geldmenge optimal ist – z. B. ist Horten, das Grundübel für Keynes, vollkommen ohne Bedeutung.

nl , am 17. September 2009 um 11:27 ( Link )

> Eine deutsche Übersetzung des Buches wäre natürlich wünschenswert, aber wohl mangels Markt nicht möglich.

Wirklich, wenn es in den USA ein Bestseller ist? Das sollte sich doch wohl lohnen, dann würde ich auch ein paar Dutzend Seiten Übersetzung beisteuern.

sofasurfer , am 17. September 2009 um 11:32 ( Link )

@Molot
aus der Sicht der Unternehmer würden bei Deflation die Geldeinnahmen bei gleicher Absatzmenge sinken. Die Kosten der produzierten Güter könnten jedoch nur bedingt mit sinken.
Rohmaterialien - na klar.
Löhne - kann mann drüber reden.
Finanzierungskosten - Wie sollte das gehen?

Der Gewinn des Unternehmers wird sinken - was in die Pleite führen kann.
Der Nachfrager wird sich denken, wenn mein Geld morgen mehr wert ist warte ich mit dem Kauf - was in die Pleite führen kann.

Für den Unternehmer ist Deflation die Pest.

Molot , am 17. September 2009 um 12:15 ( Link )

Für den Unternehmer ist Deflation die Pest.

Das, was Sie meinen sind nicht Unternemer, das sind Hasardeure.
Der Nachfrager wird sich denken, wenn mein Geld morgen mehr wert ist warte ich mit dem Kauf - was in die Pleite führen kann.

Warum sollte sparen in die Pleite führen?
B.Ullmann

dickbrettbohrer , am 17. September 2009 um 12:20 ( Link )

Geld (echtes Geld!) besitzt an und für sich keinen inneren Wert. Es ist der sichtbare Ausdruck für die wirtschaftliche Potenz einer Person oder Gesellschaft und macht Unterschiede sichtbar, die vielen Demokraten Dorn im Auge sind: Unterschiede zwischen den Menschen in Bezug auf Begabung, Fleiß, Tüchtigkeit und – ja, auch Glück. Echtes Geld ist ein unentbehrliches Instrument der Wirtschaftsrechnung und zugleich ein ideales Absicherungsmittel für die Zukunft (Ersparnisse).

Echtes Geld – wie Gold oder Silber – behält seine Relation zu den Gütern. Es spielt keine Rolle, wieviel Geld/Gold zur Verfügung steht, weil der Wert sich eben bloß als Verhältnis darstellt.
Sobald sich die Machtelite anmaßt, aus eigennützigen Zwecken in diese Relation einzugreifen, geht die ursprüngliche Funktion des Geldes verloren: Geld verliert seinen der Arbeitsteilung und dem Wohlstand dienenden Charakter und wird zu einem bloßen Mittel der Macht. Als solches betrachten wir Geld auch ohne zu begreifen, daß dieser häßliche Charakterzug nicht zum ursprünglichen Wesen des Geldes gehört, sondern ihm von der Machtelite aufgezwungen ist. Tragisch für die Opfer dieser Manipulationen – das sind wir alle! – ist, daß die Meinung vorherrscht, die Täter seien Wohltäter! Sie gebärden sich mit Erfolg als Kämpfer gegen die tollwütige Geldwirtschaft. Die Pyromanen geben sich als Feuerwehrleute aus, dabei spritzen sie Benzin ins Feuer, und kaum einer begreift das.

Beim Bruchrechnen bleibt der Wert einer Zahl unverändert, wenn Zähler und Nenner im gleichen Verhältnis stehen, gleichgültig, wie groß die Zahlen sind. Verändert man jedoch nur einen Faktor, dann verändert sich auch das Verhältnis und damit das Rechenergebnis. Genau das geschieht, wenn Geld aus dem Nichts erschaffen wird (Fiat money). Während der Nenner (Gütermenge, Wohlstand) gleich bleibt, wird der Zähler erweitert: Das Angebot auf dem Buffet bleibt dasselbe, aber immer mehr Menschen werden eingelassen, um sich zu bedienen. Wozu soll das nun gut sein? Wir dürfen nicht vergessen, daß wir selbst es sind, die mit ihrer Arbeit für das Angebot auf dem Buffet gesorgt haben. Unser rechtmäßig erworbenes Anrecht müssen wir nun mit immer mehr Mitessern teilen, so lange, bis für keinen mehr genügend zum Sattwerden übrigbleibt. Was nützen dann all die hübschen, papierenen Anrechte, die wir uns dank lebenslanger Schufterei erworben haben?

Den Wohlstand einer Gesellschaft durch Geldvermehrung steigern oder gar herstellen zu wollen gleicht dem Versuch des Mannes, durch Manipulationen am Thermometer die Außentemperatur beeinflussen und in seinem Sinne regeln zu wollen. Das ist nicht dumm, dafür fehlen entsprechende sprachliche Begriffe.
Eine mengenmäßige Vermehrung oder Verknappung des „Geldes“ bleibt auf die Geldmenge beschränkt und hat auf die Menge der Güter keinen Einfluß. Wenn auf dem Buffet 10 Fische liegen, dann liegen da 10 Fische. Ihre Zahl verändert sich nicht, wenn wir statt 10 Anrechtsscheinen 1000 Anrechtsscheine für Fisch ausstellen. (Die danach ausgelöste Prügelei wird sich allerdings sehen lassen!)

Geldvermehrung durch fiat money ändert also nicht die Warenmenge, es ändert etwas anderes: die Besitzverhältnisse. Derjenige, der kraft Monopolstellung aus dem Nichts Geld schafft, reißt die Verteilungsmacht an sich. Er ist ein Falschspieler in einem auf Fairness beruhenden Spiel. Der Falschspieler kann über einen wachsenden Anteil der Gütermenge bestimmen. Gelddrucken verschiebt den Besitz von den Eigentümern zu den Inflationserzeugern. Wer dies nicht sehen will, dem geschieht ganz recht, wenn er als Opfer der Willkür auf einem Haufen wertloser Geldscheine sitzenbleibt.
Geldmengenausweitung ist Kaufkraftminderung ist Raub. Diese Dreifachgleichung ist durch kein noch so akademisch verbrämtes Argument aufzuheben.

Durch das System der Erzeugung ungedeckter Papierwährungen ist dem globalen Betrug Tür und Tor geöffnet, dem man nicht durch Ausbringen moralischer Appelle begegnen kann. Wo es dem Menschen möglich ist, Grenzen zu überschreiten, da wird er es tun, nichts kann ihn davon abhalten, schon gar nicht ein wütender Mob oder salbungsvolle Sonntagsreden. Das System seit 1971 selbst ist der Fehler. Es gibt keine natürlichen Hindernisse mehr bei der Enteignung der globalen Massen. Es fehlt der „goldene Nagel“ in der Wand.

ISBN3451322005 , am 17. September 2009 um 12:22 ( Link )

@joblack

ich halte es für vollkommen berechtig, den ökonomischen Klärschlamm im heilbringenden Weihwasser des Goldstandardbottich mal auf zu rühren!

ISBN3451322005 , am 17. September 2009 um 12:45 ( Link )

Ich habe keine Ahnung woran es lag, aber Finanzkrisen reihen sich in den USA, auch unter dem Goldstandard, wie Perlen an der Kette, 1819, 1837, 1857, 1873 und 1893

sofasurfer , am 17. September 2009 um 12:54 ( Link )

@Molot

im Sinne von Hasardeur=Verantwortungslosigkeit ist mir schleierhaft wie Sie darauf kommen. Der verantwortliche Unternehmer versucht Gewinn zu erzielen, indem er Waren einkauft, verarbeitet und verkauft. Bei Deflation wird das für verantwortliche UN (mit realistischen Gewinnmargen) eben erschwert. Kosten steigen, Einnahmen sinken - wertmäßig. Nur Hasardeure können sich daraus befreien.

Sparen führt hier zur Pleite da es den Umsatz der Unternehmer verhindert. Bei steigendem Geldwert sinken die Preise je Stück - eine tolle investitions- und wachstumsfördernde Erwartung für die Unternehmer.

Robert Grözinger , am 17. September 2009 um 13:00 ( Link )

@ISBN: Vermutlich werden sich in allen Fällen vorhergehende Regierungsinterventionen finden lassen. Zu 1819 hat Murray Rothbard ein ganzes Buch geschrieben (habe ich noch nicht gelesen, muss ich also passen). 1837 war ein Jahr nachdem Präsident Jackson die Vorgängerzentralbank der Fed ersatzlos schließen ließ. Klar, dass es da zu Turbulenzen kommen musste. 1857, muss ich derzeit passen. 1873 war das Jahr der Beendigung der Nach-Bürgerkriegs-Inflation. 1893 muss ich passen, aber zu der Zeit waren die Banken schon wieder sehr mächtig. Damals kam die Bimetall-Bewegung auf, die sich gegen die Macht der Banken wandte.

Auch ohne Zentralbanken können Regierungen viel Unfug anstellen, aber nicht annähernd so viel. Das sieht man auch daran, dass die Abstände zwischen den Krisen im 19. Jh. viel größer sind (ungefähr alle 20 Jahre) als im 20. Jh. (ungefähr alle 10 Jahre). Und daran, dass das 19. Jh. in Amerika eine Zeit beispielloser Wohlstandsmehrung war.

Robert Grözinger , am 17. September 2009 um 13:41 ( Link )

PS @ ISBN: 1819 war die Folge einer zeitweiligen Aufhebung (!) des Goldstandards nach dem Krieg von 1812:

"As in every war, the host government's first battle was to pummel the local currencies, which in 1812 America consisted mostly of state bank notes redeemable in gold, or at least promised to be. Wars are always expensive and the government's inability to print paper money at will is a huge disadvantage to them. The America of 1812 adhered to a gold standard; it had to go, and by 1814 it went."

Aus: 1819: America's First Housing Bubble
http://mises.org/story/3395

Kalwies , am 17. September 2009 um 13:46 ( Link )

@Molot:

Wenn äquivalent zu einer Inflation bei einer Deflation die Preise sinken, so verursacht das zum Teil ähnliche Probleme.
Beispielsweise müssten die Preise ständig angepasst werden. Bei einem Wirtschaftswachstum von 10% müsste man die Preise eigentlich jeden Monat um fast 1% anpassen. Gleichzeitig ergibt sich, dass wenn im Jahr 0 ein Apfel 10 Cent kostet, er bei 10% Wachstum nach einem Dutzend Jahren unter einem Cent liegen wird, wodurch sein Wert ab da nur noch durch neue Münzen darstellbar sein wird. Wirtschaftlich stellt das durch eine starke Unruhe im System ein großes Problem dar.
Nicht zu vergessen, dass die Vergleichbarkeit der Preise stark eingeschränkt wird, da im Gegensatz zu konstanten Preisen nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, was teurer und was billiger geworden ist.

Preisstabilität ist nichts schlechtes. Inflation und Deflation hingegen schon.

sofasurfer , am 17. September 2009 um 14:16 ( Link )

@Kalwies
genau!

Inflation schadet den Geldbesitzern, Deflation den Besitzern von Sachvermögen. Preisstabilität ist für mich der Punkt an dem die Interessen gerecht ausgeglichen sind. Dies bedingt natürlich eine flexible Geldmenge und eine regulierende Institution.

Ron Paul hat Recht, das dies nicht die FED in der heutigen Form sein kann.
Aber die Gold/Silber -menge ist weder statisch noch wirklich flexibel und ist daher weder für Preisstabilität noch Geldmengenstabilität geeignet.

Molot , am 17. September 2009 um 14:18 ( Link )

Gleichzeitig ergibt sich, dass wenn im Jahr 0 ein Apfel 10 Cent kostet, er bei 10% Wachstum nach einem Dutzend Jahren unter einem Cent liegen wird, wodurch sein Wert ab da nur noch durch neue Münzen darstellbar.....

Der Wert des Apfels hat sich aber nicht verändert.
Gestiegen ist dagegen der Wert des Geldes. Wo ist das Problem?
B.Ullmann

Molot , am 17. September 2009 um 14:47 ( Link )

Inflation schadet den Geldbesitzern, Deflation den Besitzern von Sachvermögen.
Unsinn. Ein Mantel wärmt mich doch nicht weniger, wenn er, in Geld ausgedrückt, nur noch die Hälfte wert ist. Ein Tischler, welcher sich vor 10 Jahren eine Säge gekauft hat kann mit dieser heute genausoviel Stühle bauen wie damals obwohl die Säge heute vielleicht für die Hälfte zu haben ist. Im Gegenteil, da das Holz billiger geworden ist können sich mehr Leute seine Stühle leisten und er kann mehr absetzen.
Sehen Sie sich die Computerindustrie an, dort herrscht Deflation seit Jahrzehnten. Wem schadet es? Weder den Kunden noch der Industrie, offensichtlich.
B.Ullmann

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 14:56 ( Link )

Inflation und Deflation sind "weiche" Begriffe, die sich nicht genau definieren lassen und immer nur lediglich umschrieben werden. Sie hängen einzig und alleine mit dem staatlichen Geldmonopol zusammen. Preisstabilität kann es gar nicht geben, denn Angebot und Nachfrage befinden sich im ständigen Wechselspiel und der Preis ist dabei lediglich ein Engpassanzeiger. Der Staat (genau genommen die Zentralbank) versucht mit der künstlichen Preisstabilität (=Preismanipulation) den Markt zu beinflußen, um daraus Gewinne zu schöpfen.
Die Preismanipulation wird in dem Masse erschwert, wie die Geldmengenvermehrung erschwert wird (z.B. durch Goldbindung).

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 15:02 ( Link )

Molot:
ob etwas billiger oder teurer geworden ist, läßt sich ohne Goldbindung nicht sagen, denn auf was will man sich beziehen? Das Geld von heute heißt zwar genauso wie das Geld von gestern, ist aber ein völlig anderes Geld, weil die Geldmenge auch eine andere ist.

Der Tischler kann zwar mehr Holz kaufen aber nicht unbedingt mehr Holz verarbeiten, wenn die Säge die gleiche geblieben ist. Stühle (und Sägen und Holz) werden billiger, wenn sich die Produktionsmethoden verbessern. Nur dann.

sofasurfer , am 17. September 2009 um 15:50 ( Link )

@Molot
Wieso können sich die Leute mehr Stühle leisten? Ihr Lohn sinkt doch bei Deflation oder nicht?

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 16:21 ( Link )

Nochmal: ob bei einer gegebenen Situation Inflation oder Deflation vorliegt läßt sich nicht einmal eindeutig entscheiden, denn niemand weiß ob zu viel oder zu wenig Geld zur Verfügung steht (außer der Zentralbank oder FED, aber die halten dicht). Das ist genau das Dillema. Preise spielen verrückt, weil sie der Signalwirkung beraubt wurden. Das ist die beste Ausgansbasis um den Markt zu manipulieren, ohne daß es jemand merkt. Hinterher sind ein paar "Spekulanten" wieder ein paar Milliarden am echten Geld (und nicht leeren Bankengeld) reicher, egal in welche Richtung sich der Markt bewegt. Echtes Geld agiert auf dem Warenmarkt, leeres Geld nur zwischen Banken. Heißt zwar genauso, ist aber was völlig anderes.
Wenn die EZB einem bankroten Staat wie Island Geld leiht, und wenn sie einer großen Bank Geld zur Verfügung stellt, dann sind das immer um zehnerpotenzen unterschiedliche Beiträge. Denn das eine ist echtes Warengeld, das andere leeres Bankengeld.

Kalwies , am 17. September 2009 um 18:23 ( Link )

Molot:"Sehen Sie sich die Computerindustrie an, dort herrscht Deflation seit Jahrzehnten. Wem schadet es?"

Allen! Die Händler und Produzenten müssen die Preise ständig anpassen, der Wertverlust der Lagerhaltung ist enorm und die Kunden werden verwirrt.

Das heißt nicht, dass es etwas schlechtes wäre, weil es in der IT-Industrie systemimmanent ist, dass die Produkte sich in einem Wahnsinnstempo weiterentwickeln. Das ist halt der natürliche Markt.

Aber glauben Sie mir: für die IT-Händler sind die ständigen Preisanpassungen sehr wohl ein Problem. In der PC-Abteilung von Media Markt und Co. werden praktisch täglich neue Preisschilder geschrieben. In der HiFi-Abteilung nur ein, zwei mal pro Monat. Und für die Kunden ist es sehr schwierig, die Preise zu vergleichen, wenn die sich auf fast täglicher Basis ändern.
Genauso wie bei einer Inflation die Vergleichbarkeit der Preise massiv abnimmt, ist es bei einer Deflation genauso. Die Kunden fragen sich immer: hat mein Lieblingshändler den Preis noch nicht angeglichen? Oder ist er einfach teurer als ein anderer? Und soll ich noch etwas warten und dafür den PC billiger kaufen?

Wie gesagt, ist das nichts schlechtes, solange es die Technologie vorgibt. Die Preise sinken ja schließlich wegen der Effizienzgewinne der Industrie. Aber dass in einer Branche ohne Entwicklung sich die Preise ebenfalls ständig verändern, ist unnötig und schädlich.

joblack , am 17. September 2009 um 19:47 ( Link )

Erst mal gibt es einen Unterschied zwischen dem fallen einiger Spartenpreise und das Fallen auf breiter Ebene (=Deflation).

Wenn produktiver gearbeitet wird können Preise einzelner Produkte fallen.

Bei der angesprochene Computerindustrie ist das allerdings nicht richtig. Dort fallen die Preise fast nicht sondern es kommt zu einer Produktivitätssteigerung (d.h. nach zwei Jahren bekommt man einen doppelt so schnellen Computer).

Die goldgedeckten Währungen die vor allem vor dem Ersten Weltkrieg geherrscht haben, haben den exponentiellen Verschuldungszwang noch verstärkt. Die Rekordverschuldung war ein Mitgrund so schnell in den Krieg zu ziehen.

In der Great Depression nach 1929 hat man sehr deutlich sehen können was eine Deflation anrichtet. Dort wurden teilweise die Felder nicht mehr geerntet weil der Vorgang des Erntens teurer war als man für die Produkte bekommen hat. Dadurch kam es zu einer weiten Desertifizierung in der USA.

Wenn ich lese wie manche die Deflation als Lösung sehen zweifel ich an der logischen Denkfähigkeit.

Deflation nützt nur jemandem mit viel Geld und wenig Sachwerten (bedenke das Gold in einer Deflation auch fällt).

Das Wort Fiat Money ist übrigens auch nicht richtig denn aktuell entsteht Geld vorrangig durch einen Kreditvorgang und entsteht nicht einfach "aus dem Nichts".

Damit versucht man zu implizieren dass es auch nichts wert wäre. Das ist nicht richtig denn es stehen die staatlichen Schuldverschreibungen dahinter.

Ich kritisiere die grundsätzliche kreditbasierte Geldschöpfung die fast überall betrieben wird. Diese wird zu einer Wirtschaftskrise führen - nicht weil sie 'aus dem Nichts entsteht' sondern weil es irgendwann zur Überschuldung kommt.

Wer das aktuelle kreditbasierte Geldsystem durch ein sachwertbasiertes (Gold-) Geldsystem ersetzen will ersetzt die Pest durch die Cholera (oder heutzutage eine schlimmere Krankheit) ...

joblack , am 17. September 2009 um 19:51 ( Link )

TrebMelsa, besonders im 19. Jahrhundert gab es einige Wirtschaftskrisen welche fast immer Deflationen waren.

Prosperierend kann man dort nicht wirklich sagen ... wie schon gesagt man macht sich von einem Edelmetall abhängig.

Wenn viel Gold gefunden wird hat man Inflation ansonsten Deflation. Von der fehlenden Möglichkeit exponentiell mehr Gold anzuschaffen mal ganz abgesehen.

Andererseits wenn Libertäre mal wieder eine goldgedeckte Währung ausprobieren wollen macht das - aber nicht in Europa.

Das Experiment wird nach spätestens 20 Jahren abgebrochen - entweder durch eine Revolution, Bürgerkrieg oder eine Währungsreform.

Molot , am 17. September 2009 um 20:03 ( Link )

@joblack
Geld kann man nicht essen und es ist auch nicht dafür gedacht. Vielleicht machen Sie sich das als erstes mal klar.
B.Ullmann

joblack , am 17. September 2009 um 20:13 ( Link )

Wovon reden Sie?

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 20:53 ( Link )

joblack
Sie schlimmer Schwätzer Sie...
Wenn Computer doppelt so schnell werden, dann ist damit noch lange keine Produktivität verdoppelt. Die ist bei Computern sowieso schwer auszumachen.
Wie fiat money entsteht haben Sie auch nicht verstanden. Die Bank bekommt 100 Eur von einem Anleger. Sie verleiht es einem Gläubiger. Dann geht die Bank davon aus, daß der Gläubiger zuverlässig ist und das Geld termingerecht zurückzahlt und verleiht es sofort erneut, als ob es bereits zurückgezahlt worden wäre, usw. Das darf sie in der von der BIZ kontrollierten EU bis zu 10 mal machen (kein Scherz). Die verliehen Kredite werden wie echtes Geld gehandelt und als Risikoinstrumente an andere Banken verkauft. So entsteht fiat money.
ich habe bereits erklärt, wie eine Goldbindung Preismanipulation verhindert und wozu das gut ist.
Ihr Bezug auf das 19-te Jahrhundert ist allerdings erläuterungswert. Damals gab es echte Engpässe. es war einfach nicht genug von vielem da. heute ist das anders. Durch Massenproduktion und Globalisierung sind wir weitestgehend wetterunabhängig und in der Lage von fast jeder Ware in kürzester Zeit beliebig viel zu produzieren. Das ist eine völlig andere Ausganslage. Daher glaube ich, daß wir mit einem Sozialismus-light noch lange leben werden. Die große Krise wird eben nicht kommen.

joblack , am 17. September 2009 um 21:03 ( Link )

Die Produktivität der Hardware- und Prozessorhersteller hat sich verdoppelt nicht die Produktivität der Computer bzw. der Software die darauf läuft (wenn ich die vielen Leute sehe die auf QuadCore PCs immer noch nur ihre E-Mails checken ...).

Sie haben nicht verstanden wie eine Bank arbeitet. Eine Geschäftsbank braucht keine Anlagen von Kunden. Für das Kreditgeschäft braucht sie nur das gesetzliche Eigenkapital - Kredite kann sie ohne Anleger vergeben. Das sie trotzdem gerne Geld von Anlegern annimmt liegt daran dass deren Zinssatz meistens niedriger liegt als der von der EZB.

Geld entsteht vorrangig durch Kredite und nicht der Weg den sie beschrieben (welcher auch noch grössten Teils falsch bzw. unvollständig ist).

Wir können gerne um echtes Geld wetten, vorher sollte Sie aber noch in das Buch

Einführung in die Geldtheorie

von Ottmar Issung reinschauen - ich möchte ja keine Leute mit Halbwissen ausnehmen.

joblack , am 17. September 2009 um 21:08 ( Link )

Ausserdem bringen Sie die Begriffe Giralgeldschöpfung und (Bar-)Geldschöpfung durcheinander.

Erstes ist nur Buchgeld (d.h. Anspruch auf Geld) und zweiteres ist echtes gesetzliches Zahlungsmittel.

Beschäftigen Sie sich genauer mit der Geldschöpfung und wie Geschäftsbanken arbeiten.

So wie sie das formulieren ist es nicht richtig ...

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 21:16 ( Link )

der heißt Ottmar Issing nicht Issung und das Buch ist total veraltet und gibt nur die offizielle Version wieder. Genau diesen Mist lernen BWL Studenten und wundern sich hinterher, daß es so nicht stimmt. Dort finden Sie keine Erklärung der modernen Kreditinstrumente, wie die CDO/CDS, die die gegenwärtige Krise ausgelöst haben.
Wie das Geschäft wirklich läuft erfahren Sie nur wenn Sie bei einer Bank direkt an der Quelle arbeiten.

joblack , am 17. September 2009 um 21:31 ( Link )

Übrigens heisst er Otmar Issing (mit einem T) - so schnell machen Sie selber auch Rechtschreibfehler hinein.

CDO/CDS haben direkt nichts mit der Geldschöpfung zu tun und die Formulierung von ihnen sieht eher aus als wollten sie mit komplizierten Akronymen verschleiern dass sie dort die Unwahrheit gesagt haben.

So wie sie es formulieren ist es Unsinn - eine Bank braucht definitiv keine Anleger um Kredite zu vergeben und Giralgeld bzw Bargeld zu schöpfen.

Im übrigen habe ich auch über zwei Jahre in einer Bank gearbeitet und so wie Herr Issing das beschrieben hat funktioniert es.

Es mag sein dass die Schlussfolgerungen andere sind aber die Geldschöpfung ist auf jeden Fall richtig beschrieben.

Dieses Buch ist ausserdem aus dem Jahre 2007 und aktuell - anders als die mittelalterlichen und schon lange widerlegten Thesen von Herr Mises und Co.

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 21:51 ( Link )

eine Bank brauch seit Basel2 8% Eigenkapital, innerhalb der EU wird die 10% Marke eingehalten. Welche Bank bringt schon 10% Eigenkapital mit ohne Anleger? Wenn Anleger wüßten, wie ihr Geld verzockt wird, würde kein Mensch mehr zur Bank gehen, daher ist das ein offenes Geheimnis.
Die von mir erwähnten Kreditderivate waren das Instrument der Geldschöpfung der letzten Jahre und haben die teilweise geplatzte Blase zu verantworten.
Sie müßten schon im Risikomanagement-Bereich einer großen Bank arbeiten, um das mitzubekommen.

Robert Grözinger , am 17. September 2009 um 22:04 ( Link )

@Stefan Miller:
"Ihr Bezug auf das 19-te Jahrhundert ist allerdings erläuterungswert. Damals gab es echte Engpässe. es war einfach nicht genug von vielem da. heute ist das anders."

Ich glaube die Engpässe rührten daher, dass man im Goldstandard Silber marktwidrig überbewertet hatte, und zeitweise sogar ganz als Geld verboten hatte, so dass er vom Geldmarkt verschwand.

Unter völlig freien Marktbedingungen kann es keine Geld-Engpässe geben. Ist eine Geldware, z.B. Gold, knapp, stellen die Marktteilnehmer einfach auf etwas anderes um: auf Silber, Kupfer, Reis, Salz, Zigaretten, was sich halt so anbietet.

joblack , am 17. September 2009 um 22:16 ( Link )

Wenn die Geschäftsbank durch den Ankauf von Staatspapieren Zentralbankgeld schöpft und gleichzeitig Kredite (welche erst mal Giralgeld sind) vergibt kommt sie locker in die Eigenkapitalquote.

Du brauchst als Geschäftsbank keine Anleger so lange die Kreditnehmer gut sind und Du nicht unter die Eigenkapitalquote fällst.

Durch die CDO/CDS wurde nicht umbedingt Geld geschöpft - die Derivate wurden gleich weiterverkauft und der schwarze Peter an jemand anderes weitergereicht. Damit hast Du aber noch nicht Geld geschöpft ... dies passiert durch einen Kreditvorgang.

Stefan Miller , am 17. September 2009 um 22:35 ( Link )

@Robert Grözinger
ich meinte keine Geld-Engpässe. Die sind unwichtig. Es gab aber echte existentielle Warenengpässe, es gab nicht genug zu essen, etc. Da hat der Bezug von Geld zur Ware eine völlig andere Rolle gespielt. Heute ist das anders. Wir leben in einem permanenten Überschuß und haben eigentlich nur Verteilungsprobleme. Engpässe gibt es alleine im oberen Konsumbereich. Existentielle Not gibt es nicht mehr auf Grund von Naturgesetzen, außer vielleicht temporär, direkt nach einer Naturkatastrophe. Aber das zählt nicht.
Das erste mal in der Menschheitsgeschichte sind wir in der Lage, die existenz aller Menschen zu gewährleisten. Da kann man sich sogar den schleichenden Sozialismus leisten, auch wenn es eine Riesenverschwendung ist.

Das sind völlig andere Voraussetzungen und vielleicht ist die österreichische Schule in der Tat hier erstmal obsolet geworden.

FritzLiberal , am 17. September 2009 um 23:15 ( Link )

@alle: ich denke, die x-te Diskussion über den besten Geldstandard ist müßig. Die einzige Art, wie sich diese Frage klären ließe, ist, das staatliche Geldmonopol abzuschaffen und den freien Markt walten zu lassen. Vielleich setzt sich dann ein allgemein akzeptierter Standard durch, vielleicht aber werden auch langfristig mehrere Währungen nebeneinander existieren.

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 7:43 ( Link )

@joblack

Sehr guter Mann!

Wer das aktuelle kreditbasierte Geldsystem durch ein sachwertbasiertes (Gold-) Geldsystem ersetzen will ersetzt die Pest durch die Cholera (oder heutzutage eine schlimmere Krankheit)

Frei nach Michael Schanze und seine Spielshow 1,2 oder 3 und weil das ganze Leben ja nur noch eine Spielshow ist:

„Ob du recht hast oder nicht sagt uns bald das Licht“

@FritzLiberal

Die einzige Art, wie sich diese Frage klären ließe, ist, das staatliche Geldmonopol abzuschaffen und den freien Markt walten zu lassen. Vielleich setzt sich dann ein allgemein akzeptierter Standard durch

und der Standard wird dann vom gottgesandten weisen Muhlei gamanagt?

vielleicht aber werden auch langfristig mehrere Währungen nebeneinander existieren.

viel zu ineffizient für eine globale Wirtschaft, wer soll da wem warum vertrauen? Zumal der FIAT-Fritze vermutlich immer einen Wettbewerbsvorteil hat.

Dr. Spiele , am 18. September 2009 um 9:01 ( Link )

Ich bin der FIAT Fritze. Ich drucke Dir so viel Geld wie Du willst. Du gibst mir dafür Deine Arbeitskraft, die Deiner Kinder, Dein Haus & Hof,
und singst mir dazu ein Lied. (ich liebe Sklavenblues).

Neben mir wohnt der Goldfritze. Er gibt dir für obiges Gold.

Du darfst frei entscheiden, welche Währung du akzeptierst. Oder von mir aus auch Dein Manager.

Solltest Du dich allerdings freiwillig für Gold entscheiden, steck ich Dich in den Knast.
DAS ist mein Wettbewerbsvorteil.

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 10:16 ( Link )

@Dr. Spiel

Sind Sie Doktor der Kindergärtnerei?

Es mag ja sein, dass Sie unser monetäres Treiben und das Wesen und die Herkunft des Geldes in Gänze erfasst haben und es sich deshalb erlauben können, das Geschehen mit Sprüchen auf den Punkt zu bringen die in ihrer Sachdienlichkeit von der Tapete bis zu Wand reichen.

Ich tue mich in diesen Fragen leider etwas schwerer und begrüße ausdrücklich die Einwürfe von joblack. Probiere ich Begriffe wie Girageld, Sichteinlagen, Bargeld, Zentralbankgeld Geldschöpfung, Zins, Kredit, Lombard, Diskont usw. usw. und deren Zusammenhänge tatsächlich zu durchdringen, so stoße ich schnell an meine intellektuellen Grenzen und kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ich mich dabei in bester Gesellschaft mit den vermeintlichen Fachleuten befinde.

Versuche ich die Herkunft und das Wesen des Geldes an sich zu ergründen tut sich ein regelrecht mystischer Abgrund auf.

Aus diesem Grund bitte ich um Verständnis, das mich Ihr recht profaner Einwurf nicht sonderlich beeindruckt.

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 10:38 ( Link )

@Joblack:

Bzgl. der Kreditgeldschöpfung bin ich ganz ihrer Meinung, da wird unter Austrians, zu denen ich mich zähle, leider sehr oft etwas simplifiziert argumentiert. Mish Shedlock ist da eine rühmliche Ausnahme. Der rechnet übrigens mit einer massiven Deflation, empfiehlt (aus ihrer Sicht trotzdem, aus seiner gerade deswegen) Gold und will ebenfalls die FED abschaffen.
"Fiat Money" trifft es dem Grund nach trotzdem. Versuchen sie doch ´mal, ungedeckte Wechsel gegen Sicherheiten auszustellen, wie es die Banken tun. Sie werden feststellen, daß Sie das im Gegensatz zu den Banken weit weniger erfolgreich tun können, weil nur diese das Regal usurpieren dürfen, sie aber nicht. Quod licet Iovi, non licet bovi.
"Geld" in unserer heutigen Form lebt in übrigen nur davon, daß die Masse glaubt, es funktioniere wie "Gold", daß also tatsächlich definierbare Einheiten existieren würden und davon, daß es eben gesetzliches (Zwangs-)Zahlungsmittel ist (mit schuldbefreiendem Annahmezwang, wie es so schön heißt). Sie brauchen sich aber keine Sorgen machen, daß sie in Europa nicht weiter von Staat und Banken über den Tisch gezogen werden dürfen, um die schlimme schlimme Deflation zu verhindern. Wenn, dann kommt das aus den USA, u.a. dank Ron Paul. Wenn die Masse in USA wüßte was sie wissen, wäre Schluß mit lustig.
Bzgl. der "Deflation":
Mir ist nicht ganz klar, wie sie sie definieren. Offenbar mal als Bewegung eines Warenkorbes gegenüber einer Maßeinheit die keine ist, mal als Kontraktion der zuvor betrügerisch aufgeblasenen Kreditgeldmenge (wie 1929).

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 10:40 ( Link )

@ISBN:

Da geht es mir wie Ihnen. Scio nescio, je mehr ich lese...

Was eine Unze ist, kapiert aber jedes Kind. Denken Sie mal ´drüber nach.

Dr. Spiele , am 18. September 2009 um 10:51 ( Link )

ISBN3451322005,

Ich, die Bank, darf von mir aus so viel Giralgeld schöpfen wie Ich will.

Hab grad schon wieder 500 Trilliarden geschöpft.

Und? Was nützt mir das wenn ich kein Währungsmonopol habe?

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 11:03 ( Link )

@Dr Spiele:

Sie dürfen sich über Kommentare wie von joblack nicht wundern, wenn sie insinuieren, daß Banken einfach so beliebig viel Giralgeld schöpfen könnten. Das kann aktuell nichteinmal der Staat, höchstens die Notenbank und selbst die "eigentlich" nicht.
Worauf Sie hinauswollen, ist mir persönlich trotzdem klar. "Wir Austrians" sollten uns bloß nicht solche Blößen geben, wenn wir mit informierten Staatsgeldapologeten diskutieren.

Dr. Spiele , am 18. September 2009 um 11:19 ( Link )

@Bossi, Ich redete nicht mit joblack, und halte dessen Kommentare für ausgezeichnet, im Gegensatz zu
den koketten Dummstellversuchen von ISBNblablabla.
Bin auch kein Austrian. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 11:29 ( Link )

@Dr Spiele:

Ach so. Sorry. Was auch immer sie dann sind, wir teilen offenbar die Skepsis gegenüber dem aktuellen System.

Übrigens, falls von Interesse, hier eine gute Darstellung, weshalb das mit dem fractional reserve Erklärungsmuster nicht hinaut:

Link

Mish Shedlock greift das auch auf:

Link

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 11:39 ( Link )

@Dr. Spiel

Ich, die Bank, darf von mir aus so viel Giralgeld schöpfen wie Ich will.
Hab grad schon wieder 500 Trilliarden geschöpft.
Und? Was nützt mir das wenn ich kein Währungsmonopol habe?

Wenn Sie nicht per Kreditnehmer zu Ihren Trilliarden eine Gegenposition aufbauen können, interessiert Ihre angebliche Geldschöpfung keine Sau, weder im Währungsmonopol noch sonst wo und wie wollen Sie das Zeuch den in Ihrer doppelt Buchführung ausweisen…., aktiva, passiva…, wieso bringen die Banken nicht ihre Bilanzen in Ordnung, so wie sie es vorschlagen, einfach mal eben ne Trillion hernehmen...??

Mein Hinweis auf den Wettbewerbsvorteil von FIAT oder auch Teildeckung, in einer freien Währungslandschaft, bezieht sich vor allem auf die Konditionen mit den Kredit angeboten werden kann.

Die Vorfinanzierung von Leistungen spielt dabei wohl eine nicht unerhebliche Rolle. Wo kommt das erste Gold her?

Aber wie gesagt…, ich bin da alles andere als Sattelfest… hab aber auch gerade 1 Billion geschöpft....., mal sehen ob es einen auffällt.

@Fabio Bossi

Was eine Unze ist, kapiert aber jedes Kind.

Ok…, ist gerade noch so nachvollziehbar. Ich bin ja selber fleißiger selbstlagernder EM Sparer. Nur lässt sich mit diesem Wissen allein wohl kaum eine fortschrittliche effiziente arbeitsteilige globale Weltproduktion hochziehen.

Mir ist es im Prinzip egal, ich komme sowieso nicht viel rum, hab nicht mal ein Auto und kann mich mit regionalem Abhängen bei Kerzenschein und Kartoffelanbau anfreunden.

Und, weil ich immer noch einen draufsetze:

Der zukünftigen materiellen Wertevernichtung sehe ich höchst wohlwollend entgegen, zumal bei mir eigentlich kaum was zu vernichten ist. Alle die sich in die Hose machen haben sich scheinbar zu sehr auf ihr materielles Glück fokussiert.

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 11:44 ( Link )

@ISBN:

Nur lässt sich mit diesem Wissen allein wohl kaum eine fortschrittliche effiziente arbeitsteilige globale Weltproduktion hochziehen.

Wer sagt das? Sind wir alle erst 1913 von den Bäumen gestiegen?

Und wie "fortschrittlich und effizient" ist unser Finanzsystem, wenn es die arbeitsteilige globale Weltproduktion zu ersticken droht?

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 11:50 ( Link )

@Fabio Bossi

"Wir Austrians" sollten uns bloß nicht solche Blößen geben, wenn wir mit informierten Staatsgeldapologeten diskutieren.

Ich verteidige hier gar nichts, ich versuche nur, so gut es eben geht, die Sachlage zu beleuchten und, just for fun, profanem Goldstandardgeschwätz entgegen zu treten.

So wie ich die Lage überblicke, hat uns der Herr offensichtlich nicht die Gabe geschenkt, unser Geldwesen allumfassend zu Ergründen und in ein abschließendes zufriedenstellendes System zu pressen.

Ich vermute mal, dass der Herr davon ausgeht, dass wir wesentlich wichtigeres zu tun hätten.

joblack , am 18. September 2009 um 11:57 ( Link )

Mish Shedlock hat recht, es wird eine massive Deflation geben. Meine Theorie ist das wir schon drin sind es aber (statistisch) noch nicht merken da die Zahlen erst verzögert herauskommen.

Der Begriff Fiat Money ist äusserst missbräuchlich verwendet da der Wert des Geldes der Bonität des Schuldners (d.h. vorrangig dem Staat) entspricht. Nichts neues in der Richtung.

Zu Gold und anderen Sachwerten. Nichts gegen Gold im richtigen Zeitpunkt. In einer Deflation ist Gold allerdings fehl am Platz (vor allem da der Goldpreis psychologisch nach oben gehandelt wurde und durch den fallenden Dollarkurs falsch dargestellt wird).

Gold kauft man erst kurz vor der (Hyper-)Inflation bzw. dem Währungsschnitt. Deflationen bzw. Depressionen ziehen sich allerdings im Normalfall über Jahre hin und ich meine nicht die Minideflation in Japan die durch eine horrende Staatsverschuldung relativ moderat gehalten wurde. Genau diese Option wird in Zukunft nicht mehr so einfach sein.

Das Fractional Banking ist mit ein Problem. Was viele nicht bedenken ist dass der Kunde natürlich echtes Geld (sprich Bargeld) will und nicht Giralgeld (d.h. Buchgeld). Selbst wenn er mit EC-Karte bzw. Überweisung zahlt fliesst durch das Clearing echtes Zentralbankgeld und nicht Giralgeld.

Wirklich inflationsrelevant ist nur Zentralbankgeld (von dem kleinen seltenen Sonderfall mal abgesehen: Sender- und Empfängerkonto sind auf der gleichen Bank).

Fractional Banking führt auch zu der irrigen Annahme dass die Bank 'ja ihr Geld selbst drucken kann' - das stimmt nun nicht.

Die Bank kann Giralgeld (in gesetzlichen Massstäben) schöpfen aber der Kunde wird sich, zumindest wenn er einigermassen schlau ist, nicht mit Giralgeld (d.h. Kontoguthaben) zufriedengeben.

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 12:07 ( Link )

@joblack:

Ich teile Ihre Meinung weitestgehend bis auf Gold. Da bin ich mir nicht so sicher. Wenn es tatsächlich zu einer deflationären Abwärtsspirale kommt (also hier mal nicht Defla im CPI-Sinn), dann tue ich mich sehr schwer mir vorzustellen, wie die Massenpsychologie pro Fiat Money eingestellt bleiben soll. Wenn sie von Europa sprechen würden, ok. Aber relevant sind hier die USA. Aber das ist Spekulation.
"Inflationsrelevant ist nur Zentralbankgeld": meinen Sie jetzt für den CPI? Gerade dafür ist ZBG doch völlig irrelevant?! Siehe aktuell die Excess Reserves. Wie meinen Sie das denn?

FritzLiberal , am 18. September 2009 um 12:12 ( Link )

@ISBN3451322005

und der Standard wird dann vom gottgesandten weisen Muhlei gamanagt?

Genau der gleiche, der z.B. Standards im Automobil- oder Flugzeugbau oder in der Computertechnik oder im Internet oder oder oder ... managed. Tipp: der Staat ist es nicht.

viel zu ineffizient für eine globale Wirtschaft, wer soll da wem warum vertrauen?

Na klar, genauso "ineffizient" wie die Tatsache, dass es mehrere Flugzeugbauer oder mehrere Automobilhersteller gibt. Und ich habe auch Vertrauen, dass Boeing zuverlässige Flugzeuge baut. Immerhin hängt fallweise mein Leben davon ab.

Zumal der FIAT-Fritze vermutlich immer einen Wettbewerbsvorteil hat.

Der staatliche "Fiat-Fritze" hätte in einem freien Markt wahrscheinlich einen ähnlichen "Wettbewerbsvorteil" wie die Trabant-Werke anno 1990 gegen Mercedes, Audi und BMW. Und falls ein privater Fiat-Fritze sich am Markt durchsetzt - so what?

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 12:59 ( Link )

@Fabio Bossi

Wer sagt das? Sind wir alle erst 1913 von den Bäumen gestiegen?

Sie Sprachen um das Wissen „was eine Unze ist“. Welche wirtschaftlichen Prozesse wollen Sie allein mit diesem Wissen in Bewegung setzen? Dieses Wissen allein reicht nicht mal zum Beerensammeln.

Und wie "fortschrittlich und effizient" ist unser Finanzsystem, wenn es die arbeitsteilige globale Weltproduktion zu ersticken droht?

Mit dieser Einsicht hätten Sie mal vor 40 Jahren an die Weltöffentlichkeit treten sollen, als die Wohlstandsmschine noch voll unter Dampf stand. Jetzt merkt bald jeder Idiot das hier was faul ist.

@FritzLiberal

Genau der gleiche, der z.B. Standards im Automobil- oder Flugzeugbau oder in der Computertechnik oder im Internet oder oder oder ... managed. Tipp: der Staat ist es nicht.

Leider wird Geld, seit seinem auftreten XY v. Chr., immer vom Staat gemanaged. Das wird seine Gründe haben…

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 13:08 ( Link )

@ISBN:

Sie Sprachen um das Wissen „was eine Unze ist“. Welche wirtschaftlichen Prozesse wollen Sie allein mit diesem Wissen in Bewegung setzen? Dieses Wissen allein reicht nicht mal zum Beerensammeln.

Ich dachte, sie würden implizieren, daß die besagten wirtschaftlichen Prozesse davon abhingen, daß Geld nicht in Unzen messbar ist.
Wenn dem nicht so ist, wäre ihr Kommentar ja sogar völlig sinnfrei.

Mit dieser Einsicht hätten Sie mal vor 40 Jahren an die Weltöffentlichkeit treten sollen, als die Wohlstandsmschine noch voll unter Dampf stand. Jetzt merkt bald jeder Idiot das hier was faul ist.

Also doch? Sie stellen einen Kausalzusammenhang her, wo zunächst nur eine Korrelation besteht?

Worum geht es Ihnen eigentlich? Zeitvertreib? Sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich da wenig Lust verspüre weiterzudiskutieren.

FritzLiberal , am 18. September 2009 um 13:25 ( Link )

@ISBN3451322005:

Leider wird Geld, seit seinem auftreten XY v. Chr., immer vom Staat gemanaged.

Kompletter Unsinn.

joblack , am 18. September 2009 um 14:47 ( Link )

ISBN3451322005:

Das Geld wird nicht vom Staat gemanagt. Die Staatspapiere sind zumeist Sicherheiten für die Kredite bei der EZB aber das wars dann schon.

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 15:06 ( Link )

@FritzLiberal

Kompletter Unsinn

Ich bitte um ein Beispiel für Geld im herrschaftsfreien Raum.

Ich war jüngst im Münzkabinett hier bei mir im Boode Museum. Fast durchgängig, vom alten Griechenland bis zum Euro waren auf den Münzen irgendwelche Herrscher-, Königs-, Kaiser-, und Fürstenköpfe und Insignien staatlicher Herrschaftsmacht aufgeprägt. Zufall?

@Fabio Bossi

Wenn dem nicht so ist, wäre ihr Kommentar ja sogar völlig sinnfrei.

kann ich nicht aus schließen

Worum geht es Ihnen eigentlich? Zeitvertreib?

Ja, was denn sonst? Etwa von hier die Welt erretten?

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 15:09 ( Link )

@ISBN:

Erkenntnisgewinn?

FritzLiberal , am 18. September 2009 um 15:13 ( Link )

@ISBN3451322005:

Lesetipp: "The Case for a 100% Gold Dollar" von Murray Rothbard.

Lesen bildet und erspart viele dumme Fragen.

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 15:24 ( Link )

@joblack

Das Geld wird nicht vom Staat gemanagt. Die Staatspapiere sind zumeist Sicherheiten für die Kredite bei der EZB aber das wars dann schon.

Ja, schon klar. Diese Praxis hat aber letztendlich der Staat per Gesetzt konstituiert und organisiert. Per Gesetzt kann der Staat das „outsourcing“ des Geldwesens aber auch wieder aufheben oder anderweitig umgestalten.

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 15:33 ( Link )

@FritzLiberal

immer dieselbe Scheisse, wenn's ernst wird streut das hilflose Pack Literaturhinweise…. Bist du nicht in der Lage eigene Sätze zu formulieren? Gib mir doch wenigstens einfach einen beschissen konkreten Hinweis dem ich nachgehen kann… Ort Zeit, USA 19. Jahrhundert... oder was??

ISBN3451322005 , am 18. September 2009 um 15:35 ( Link )

@Fabio Bossi

Erkenntnisgewinn?

bist du neu hier?

joblack , am 18. September 2009 um 15:36 ( Link )

Im Prinzip wäre eine Geldschöpfung durch den Staat gar nicht so schlecht so lange die Schöpfungsmöglichkeiten unter Kontrolle gehalten werden.

Die Auslagerung des Geldsystems führte geradezu der Staatsverschuldung die eigentlich zumindest national nicht sein müsste. Sogar Libertäre können eine rasant steigende Staatsverschuldung nicht gutheissen weil diese die Steuerquote immer weiter nach oben treibt.

FritzLiberal , am 18. September 2009 um 17:44 ( Link )

@ISBN3451322005: das würde bedeuten, einem Analphabeten die Schönbeit eines Stückes von Schiller näherbringen zu wollen. Zuerst die Basics (lesen lernen), dann kann man weitersehen.

joblack , am 18. September 2009 um 17:51 ( Link )

Jede Gold- bzw. Edelmetallwährung ist früher oder später zum wirtschaftlichen Tod verurteilt. Dafür muss man keine riesigen Bücher lesen da reicht schon etwas Mathematik und Boolesche Logik.

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 17:58 ( Link )

@Joblack:

Haben sie zumindest ein paar Tipps, wie ich diese Ihre Erkenntnis nachvollziehen kann?
Was sie unter "wirtschaftlicher Tod" einer Währung verstehen, wäre schon sehr hilfreich, zumal sie ja gerade nicht von Papiergeld reden, wo meine Phantasie noch ausreichen würde.

joblack , am 18. September 2009 um 18:11 ( Link )

Durch eine Edelmetallwährung ist das Wirtschaftswachstum immer von der Menge an Edelmetall abhängig. Wenn viel neues Gold gefunden wird gibts Inflation ansonsten Deflation.

Des weiteren muss dadurch das Geld angelegt wird, die Geldmenge exponentiell steigen was bedeutet dass man exponentiell mehr Gold ranschaffen müsste.

Nicht zu vergessen dass Länder die kein Gold besitzen dieses leihen (oder korrekter: mieten) müssten d.h. dort wären Zinslasten auf dem Geld obwohl es noch gar nichts macht.

Goldgeld ist deswegen mittel- bis langfristig immer deflationär und führt durch den früher oder später auftretenden Mangel an neuem Gold in eine Wirtschaftskrise.

Goldgeld hilft also nur Menschen die vorher schon viel Gold besitzen - der Rest verliert die Arbeit bzw. hat überhaupt nicht die Chance Geld zu verdienen.

bernd_lessing , am 18. September 2009 um 20:21 ( Link )

@joblack:

"Durch eine Edelmetallwährung ist das Wirtschaftswachstum immer von der Menge an Edelmetall abhängig."

Blödsinn. Bei steigender Produktion einer Ware X sinkt deren Tauschwert im Vergleich zu Ware Y (konstante Nachfrage vorausgesetzt). Sie bekommen bei insgesamt steigender Produktion und konstanter Geldmenge einfach mehr für Ihr Geld. Ist doch mal was Neues.

"Wenn viel neues Gold gefunden wird gibts Inflation ansonsten Deflation."

Der Witz ist ja gerade, dass die Menge neu geförderten Goldes im Verhältnis zu dem bereits in Umlauf befindlichen Gold sehr gering ist, die natürliche Inflation also sehr, sehr enge Grenzen hat und dadurch Goldgeld wertstabil ist.

"Des weiteren muss dadurch das Geld angelegt wird, die Geldmenge exponentiell steigen was bedeutet dass man exponentiell mehr Gold ranschaffen müsste."

Lösen Sie sich mal ein wenig von den verqueren Vorstellungen aus den Zeiten des Papiergeldes: Zins zahlt derjenige für das Ausleihen von Gold, der durch Schaffung von Mehrwert auch tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt mehr zurückzahlen kann. Das geht nur durch unternehmerisches Tun - und insofern ist der Zins eher mit dem Gewinn aus einer "Unternehmensbeteiligung" zu vergleichen.

Viel wichtiger aber noch: Wenn der Geldwert stabil bleibt, brauche ich mein Geld gar nicht anzulegen - ich kann es genauso unter das Kopfkissen legen.

"Nicht zu vergessen dass Länder die kein Gold besitzen dieses leihen (oder korrekter: mieten) müssten d.h. dort wären Zinslasten auf dem Geld obwohl es noch gar nichts macht."

Das ist viel zu kurz gedacht. Goldreserven bilden sich schnell, wenn Menschen produktiv sind. Deutschland hat das nach dem Zweiten Weltkrieg sehr schön gezeigt.

"Goldgeld ist deswegen mittel- bis langfristig immer deflationär und führt durch den früher oder später auftretenden Mangel an neuem Gold in eine Wirtschaftskrise."

Die Geschichte widerlegt diese Behauptung nachhaltig. Alle "Wirtschaftskrisen" z.B. des 19. Jahrhunderts waren (a) in ihrem Ausmaß deutlich kleiner als die des 20. Jahrhunderts und/oder (b) eng mit Kriegen und staatlichen Eingriffen in das Geldsystem (z.B. vorübergehender Aussetzung der Golddeckung) verbunden.

"Goldgeld hilft also nur Menschen die vorher schon viel Gold besitzen - der Rest verliert die Arbeit bzw. hat überhaupt nicht die Chance Geld zu verdienen."

Auch hier gilt: Die Geschichte zeigt exakt das Gegenteil.

Fabio Bossi , am 18. September 2009 um 20:54 ( Link )

@Joblack:

Kennen Sie Chris Martenson? Auch so ein "Austrian".

http://www.chrismartenson.com/blog/flow-funds-analysis-big-declines-credit-market-debt-except-government/27767

"...As I wrote a while back in one of the more important reports I wrote this year entitled "It's Not Over - The Collapse in Household Credit Says So" , the most important determinant of recovery will be whether or not consumer credit will expand.

After all, since our money is debt, then increasing the amount of debt is an essential component of the very basis of our financial markets. After all, if everybody is expecting a few percent return on their bonds and equities, but the money supply is contracting, then quite a bit of disappointment is in store for whomever is expecting positive returns.

For now, the government and the Federal Reserve, like nearly all of their major foreign counterparts, are busy stimulating and bailing and borrowing to fill the void left by the dearly departed corporate and public borrowers...."

joblack , am 18. September 2009 um 23:12 ( Link )

"Blödsinn. Bei steigender Produktion einer Ware X sinkt deren Tauschwert im Vergleich zu Ware Y (konstante Nachfrage vorausgesetzt). Sie bekommen bei insgesamt steigender Produktion und konstanter Geldmenge einfach mehr für Ihr Geld. Ist doch mal was Neues."

Wenn das im breiten Massstab passiert nennt man das Deflation. Nichts neues - jeder wartet ab und kauft erst mal nicht

"Lösen Sie sich mal ein wenig von den verqueren Vorstellungen aus den Zeiten des Papiergeldes: Zins zahlt derjenige für das Ausleihen von Gold, der durch Schaffung von Mehrwert auch tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt mehr zurückzahlen kann. Das geht nur durch unternehmerisches Tun - und insofern ist der Zins eher mit dem Gewinn aus einer "Unternehmensbeteiligung" zu vergleichen."

Nein ist es nicht. Denn Goldgeld würde genauso durch Kredite geschöpft wie das aktuelle Papiergeld. Und wo kommt der unternehmerische Gewinn her? Natürlich aus neuen grösseren Krediten (und nicht aus einem "unternehmerischen Gewinn"). Da kommt auch das ursprüngliche exponentielle Wachstum her. Ich empfehlen ihnen dringend sich erst mal mit der Geldschöpfung im allgemeinen auseinanderzusetzen. So ist dort nicht viel Wissen vorhanden.

Die Geschichte des 19. Jahrhunderts zeigt jahrelange Deflationen (besonders zum Ende hin in Deutschland) - wie sie dort als Beweis für Prosperität kommen weiss ich auch nicht.

Herr bernd_lessing, da haben sie entweder nicht weitergedacht oder sich ein gefährliches Halbwissen angeeignet.

Goldgeld würde nicht anders geschöpft werden als das aktuelle Papiergeld (kreditbasierend) und es hätte die gleichen Nebenwirkungen wie das aktuelle Geld nur dass man noch schneller in eine Depression kommt (da die Goldmenge nur unwesentlich anpassbar ist).

Wenn Staaten kein Gold haben und plötzlich alle Gold brauchen wird es noch wertvoller bzw. relativ seltener. Auch hier keine wirkliche Lösung für Länder ohne Gold.

Deutschland nach dem Krieg als Beispiel zu nehmen ist natürlich Unsinn. Deutschland hatte nach der Währungsreform eine so kleine Geldmenge dass man diese natürlich auf Gold hätte abbilden können. Nur in dieser Zeit ist viel passiert und die Geldmenge hat sich entsprechend dem Wirtschaftswachstum erhöht.

Und Inflation war, bis auf ein paar Bananenstaaten, nie ein ernsthaftes Problem auch wenn das gerne von ein paar Uninformierten behauptet wird.

Ich sehe immer noch keine Argumente bzw. Beweise, von der vermeintlichen Inflation und Psychologie abgesehen, die wirklich für eine Goldwährung sprechen.

Da lügt man sich doch lieber in die Tasche und arbeitet nicht wissenschaftlich??

TrebMelsa Fördermitglied , am 18. September 2009 um 23:12 ( Link )

@ joblack

&&&&
Die goldgedeckten Währungen die vor allem vor dem Ersten Weltkrieg geherrscht haben, haben den exponentiellen Verschuldungszwang noch verstärkt. Die Rekordverschuldung war ein Mitgrund so schnell in den Krieg zu ziehen.
&&&&

Dies ist kein Einwand zu Ihren Gunsten, sondern Sie bestätigen damit ungewollt, deshalb trotzdem ein Danke, die politische Analyse Ludwig von Mises:
Nicht die Golddeckung sondern die Politik, die damals von Chauvinismus, Imperialismus, übersteigertem Nationalismus und Etatismus absolute geprägt war, gepaart mit menschenverachtendem Sozialismus, waren die Gründe warum die Machtpolitiker und Etatisten eine – wie Sie sagen – „Rekordverschuldung“ aufgebaut hatten.

Auch alle Ihre übrigen Einwände sind für mich Bestätigungen, dass die staatliche Falschgeldpolitik die Katastrophen des >verdammten 20. Jahrhunderts< zu verantworten hat.
Vielen Dank also dafür, dass Sie meine Ansicht so schön – aber sicherlich ungewollt – bestätigt haben!

joblack , am 18. September 2009 um 23:25 ( Link )

Das ist keine Bestätigung Ihrer "Argumente".

Politiker die durch den Verschuldungszwang in Bedrängnis kommen. Durch die Goldwährung kam man in eine Deflation bzw. Depression herein.

Man hatte zwei Möglichkeiten entweder man lässt die Depression durch die Godwährung schlimmer werden (und riskiert einen Bürgerkrieg) oder man verlässt sie und macht eine Währungsreform.

Genau das hatte ich oben schon angesprochen - Goldwährungen kollabieren scho viel früher und halten selten länger als 20 Jahre.

Die Golddeckung war für die Wirtschaftskrise verantwortlich. Das Verhalten der Politiker war widerrum verantwortlich für den Krieg.

Aber sie verwechseln Symptome und Ursache.

---

Unglaublich wie religiös doch manche Goldbugs fest an ihren "Glaubenssätzen" hängen bleiben und das trotz aller Gegenbeweise.

Das kenne ich sonst nur von Kirchengängern oder Apple Kunden.

bernd_lessing , am 19. September 2009 um 8:00 ( Link )

@joblack:

"Wenn das im breiten Massstab passiert nennt man das Deflation. Nichts neues - jeder wartet ab und kauft erst mal nicht."

Na und? Da sitzen Sie wieder einem vermeintlich normalen Mechanismus unserer Zeit auf. Es ist doch ausgesprochen sinnvoll, wenn Menschen nur das kaufen, was sie aktuell brauchen und den Rest zur Seite legen oder investieren. Das mag als "Wachstumsbremse" erscheinen, ist aber sehr sinnvoll. Irgendwas ist doch "defekt", wenn es zum Funktionieren der Wirtschaft stetig maximalen aktuellen Konsum benötigt ...

"Denn Goldgeld würde genauso durch Kredite geschöpft wie das aktuelle Papiergeld."

Wie kommen Sie denn darauf?

"Deutschland nach dem Krieg als Beispiel zu nehmen ist natürlich Unsinn. Deutschland hatte nach der Währungsreform eine so kleine Geldmenge dass man diese natürlich auf Gold hätte abbilden können."

Es geht nicht um die theoretische Möglichkeit einer Goldwährung in Deutschland nach WW2, sondern darum, dass die deutschen Goldreserven nach dem Krieg binnen kürzester Zeit aufgebaut werden konnten - durch hohe Produktivität und hohen Export. Gold (oder jede Form echten Geldes) muss in einer Volkswirtschaft nicht vorhanden sein, sondern erwirtschaftet werden. Insofern entsteht echtes Geld eben gerade nicht durch Kredit sondern durch Produktion.

"Und Inflation war, bis auf ein paar Bananenstaaten, nie ein ernsthaftes Problem auch wenn das gerne von ein paar Uninformierten behauptet wird."

Wertverlust des Dollars seit Einführung der Fed in Höhe von 95 Prozent - kein Problem? Wollen Sie mich verschaukeln?

"Ich sehe immer noch keine Argumente bzw. Beweise, von der vermeintlichen Inflation und Psychologie abgesehen, die wirklich für eine Goldwährung sprechen. Da lügt man sich doch lieber in die Tasche und arbeitet nicht wissenschaftlich?"

Bevor Sie anderen Halbwissen vorwerfen, überlegen Sie doch mal, wo die Ursache der Finanzkrisen des 20./21. Jahrhunderts liegt. Wenn Sie dabei nicht früher oder später zum Papiergeldsystem kommen, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Die Tendenz des Problems haben Mises, Hayek, Rothbard und viele andere schon früh erkannt. Selbst Alan Greenspan hat sich in den 60er Jahren noch offen zu Goldgeld bekannt (und ist übrigens nie von diesem Standpunkt abgerückt!).

bernd_lessing , am 19. September 2009 um 8:05 ( Link )

@joblack:

"Genau das hatte ich oben schon angesprochen - Goldwährungen kollabieren scho viel früher und halten selten länger als 20 Jahre."

Entschuldigung, ich habe selten so eine Sch**** gelesen. Gold hat einen inneren Wert, der über Generationen hält. Wenn Sie mit einer römischen Goldmünze heute zu einem Händler gehen, hat diese heute noch Wert (mal vom Sammlerwert ganz abgesehen). Gleiches gilt für einen Silberdollar aus dem 19. Jahrhundert. Nennen Sie mir auch nur eine Papierwährung, mit der das möglich ist. Eine Goldwährung KANN gar nicht kollabieren.

"Unglaublich wie religiös doch manche Goldbugs fest an ihren 'Glaubenssätzen' hängen bleiben und das trotz aller Gegenbeweise."

Für Gold (respektive Silber oder jede "Währung" mit innerem Wert) sprechen Tausende Jahre historischer Erfahrung und die Logik. Für Papierwährungen sprechen nur Systemprofiteure oder Ahnungslose.

Aber lassen wir die Geschichte entscheiden.

joblack , am 19. September 2009 um 8:32 ( Link )

Gold hat keinen inneren Wert. Das kann man sich sehr gut mental vorstellen - was will man in der Wüste mehr, einen Liter Wasser oder ein Kilogramm Gold.

Gold ist ein Sachwerte wie alle anderen - mit einem leichten psychologischen Touch.

Natürlich hat (fast immer - Ausnahme siehe Wüstenbeispiel) Gold immer einen Wert die Frage ist welchen. Wenn Sie wegen der Deflation und fehlendem Geld gezwungen sind Gold zu verkaufen werden sie einen guten Verlust einfahren.

Ich hatte nicht angenommen dass die Frage war ob Gold einen Wert hat sondern wie ich Vermögen erhöhen oder zumindest beibehalten kann.

Ein Blick auf den Goldkurs der letzten 10 Jahre reicht im übrigen schon um ihre Aussagen zu widerlegen.

Im übrigen hat die Geschichte schon duzendfach entschieden - sie wollen das nur nicht anerkennen.

Naja die Christen haben ja auch immer noch an die Erde als Scheibe geglaubt trotz überragender Gegenbeweise. Vielleicht brauchen Sie einfach noch ein paar Jahre.

joblack , am 19. September 2009 um 8:41 ( Link )

"Na und? Da sitzen Sie wieder einem vermeintlich normalen Mechanismus unserer Zeit auf. Es ist doch ausgesprochen sinnvoll, wenn Menschen nur das kaufen, was sie aktuell brauchen und den Rest zur Seite legen oder investieren. Das mag als "Wachstumsbremse" erscheinen, ist aber sehr sinnvoll. Irgendwas ist doch "defekt", wenn es zum Funktionieren der Wirtschaft stetig maximalen aktuellen Konsum benötigt ..."

Man braucht stetiges exponentielles Wachstum um die Rendite der Anleger zu befriedigen. Wenn es zur Deflation kommt wird das Geld oder in diesem Fall das Gold gehortet und fehlt dem Wirtschaftskreislauf. Das wirkt selbstverstärkend und ist der"Supergau" in der Wirtschaft. Ich weiss nicht wie sie ernsthaft so einen Unsinn erzählen können. Hat die 'Österreichische Schule' überhaupt kein wirtschaftliches Grundwissen?

""Denn Goldgeld würde genauso durch Kredite geschöpft wie das aktuelle Papiergeld."

Wie kommen Sie denn darauf?"

Wie soll Gold bzw. Geld sonst in Umkreis kommen?

"Wertverlust des Dollars seit Einführung der Fed in Höhe von 95 Prozent - kein Problem? Wollen Sie mich verschaukeln?"

Das Geld hatte man auch nicht gehortet (was auch der Wirtschaft schadet) sondern man hat es angelegt. Da war die Inflation dann kein Problem.

"Bevor Sie anderen Halbwissen vorwerfen, überlegen Sie doch mal, wo die Ursache der Finanzkrisen des 20./21. Jahrhunderts liegt. Wenn Sie dabei nicht früher oder später zum Papiergeldsystem kommen, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Die Tendenz des Problems haben Mises, Hayek, Rothbard und viele andere schon früh erkannt. Selbst Alan Greenspan hat sich in den 60er Jahren noch offen zu Goldgeld bekannt (und ist übrigens nie von diesem Standpunkt abgerückt!)."

Alan Greenspan hat sich später von einer Goldwährung distanziert. Auch in seinem aktuellen Buch spricht er gegen Goldgeld.

Das Währungen nach Jahrzenten kollabieren liegt nicht daran dass es Papierwährungen sind sondern das Geld hauptsächlich durch Kreditvorgänge geschöpft werden und man so in eine Verschuldungs- bzw. Überschuldungskrise kommt. Das hat nichts mit dem Papier zu tun sondern ist der exponentiellen Geldschöpfungsmechanismus.

Beschäftigen Sie sich erst mal mit dem Geldschöpfungsmechanismus im allgemeinen bevor sie wieder so einen Blödsinn von sich geben. Mit so wenig Grundwissen hat das keinen grossen Sinn.

bernd_lessing , am 19. September 2009 um 9:04 ( Link )

@joblack:

"Gold hat keinen inneren Wert. Das kann man sich sehr gut mental vorstellen - was will man in der Wüste mehr, einen Liter Wasser oder ein Kilogramm Gold."

In diesem Beispiel hätte auch ein Sack Reis, ein Reisfeld, ein Haus, ein Auto (ohne Benzin) etc. pp. keinen "inneren Wert". Sie verwechseln "inneren Wert" mit "Nutzwert" respektive Marktwert - und letzterer ist IMMER von der Situation abhängig.

Gold wollten die Menschen immer haben, weil sein Wert nicht durch beliebige Mengensteigerungen beeinflussbar ist und weil es als Schmuckmetall einfach schön ist (und an dieser Stelle übrigens wirklich einen ganz praktischen Nutzwert hat).

Vielleicht nochmal zu Ihrem Beispiel mit der Wüste: Wenn Sie dort einen Nomaden treffen, können Sie ja mal versuchen, ihm mit ein paar Dollar Wasser abzukaufen - oder alternativ einer Gold- oder Silbermünze. :o)

"Wenn Sie wegen der Deflation und fehlendem Geld gezwungen sind Gold zu verkaufen werden sie einen guten Verlust einfahren."

Solange Papiergeld noch funktioniert und wir uns in einem depressiven und deflationären Umfeld befinden, verwende ich natürlich mein Papiergeld. Gold ist für die Zeit danach.

"Ich hatte nicht angenommen dass die Frage war ob Gold einen Wert hat sondern wie ich Vermögen erhöhen oder zumindest beibehalten kann.
Ein Blick auf den Goldkurs der letzten 10 Jahre reicht im übrigen schon um ihre Aussagen zu widerlegen."

Ein Blick auf die letzten 50, 100, 500, 1000 etc. Jahre widerlegt IHRE Aussagen - und zwar ganz fundamental. Ist Ihnen entgangen, dass wir in Deutschland zwei radikale Währungsschnitte hatten?

"Im übrigen hat die Geschichte schon duzendfach entschieden - sie wollen das nur nicht anerkennen."

Was reden Sie denn da für einen Blödsinn? Das größte Papiergeld-Experiment der Geschichte ist gerade mal 100 Jahre alt. Davor gab es höchstens mal kurze Zeiten von Papiergeld, z.B. in Frankreich oder in den USA mit dem Continental, die allesamt grandios gescheitert sind.

bernd_lessing , am 19. September 2009 um 9:20 ( Link )

@joblack:

"Man braucht stetiges exponentielles Wachstum um die Rendite der Anleger zu befriedigen."

Nochmal: Wenn Geld einen stabilen oder (durch Effizienzgewinne) sogar steigenden Wert hat, muss ich mein Geld nicht investieren. Rendite KANN nur aus tatsächlichem Produktivitätsgewinn resultieren, alles andere ist eine Luftnummer.

"Wenn es zur Deflation kommt wird das Geld oder in diesem Fall das Gold gehortet und fehlt dem Wirtschaftskreislauf."

100 Prozent Sparquote kann und wird es nie geben - die Leute müssen schließlich essen und leben. Insofern pegelt sich das ganz schnell ein. Hat über Hunderte von Jahren funktioniert.

"Hat die 'Österreichische Schule' überhaupt kein wirtschaftliches Grundwissen?"

Doch, aber das scheint ja gerade das Problem zu sein. :o)

"Wie soll Gold bzw. Geld sonst in Umkreis kommen?"

Gehen Sie einfach mal zurück zu Zeiten des Tauschhandels und denken Sie von dort aus einfach nur step-by-step weiter.

"Das Geld hatte man auch nicht gehortet (was auch der Wirtschaft schadet) sondern man hat es angelegt. Da war die Inflation dann kein Problem."

Wenn die Inflation die Rendite exakt ausgleicht und die Rendite dem tatsächlichen Produktivitätszuwachs exakt entspricht, wäre es in der Tat ein Nullsummenspiel. Das stimmt aber nun mal nicht. Vor allem fällt die Rendite bei denen an, die das Geld selbst schöpfen - insofern ist die Inflation ein Mechanismus zur Bereicherung einiger weniger Großbanken und der Finanzierung von Staatsausgaben.

"Das Währungen nach Jahrzenten kollabieren liegt nicht daran dass es Papierwährungen sind sondern das Geld hauptsächlich durch Kreditvorgänge geschöpft werden und man so in eine Verschuldungs- bzw. Überschuldungskrise kommt. Das hat nichts mit dem Papier zu tun sondern ist der exponentiellen Geldschöpfungsmechanismus."

Sie sagen es doch selbst: Papiergeld ermöglicht die exponentielle Geldschöpfung überhaupt erst. Nicht nur das: Papiergeld wurde im Grunde dafür erfunden. Schauen Sie sich nur die Geschichte der USA an: Es beginn mit solidem Gold- und Silbergeld. Als dann der Staat (!) zur Finanzierung von Kriegen (!) Geld brauchte, wurde der Versuch zur Einführung von Papier-/Kreditgeld gemacht, der mehrfach scheiterte und erst 1913 "erfolgreich" war.

"Mit so wenig Grundwissen hat das keinen grossen Sinn."

Den Ball kann ich nur zurückspielen. Blenden Sie mal das 20. Jahrhundert aus und schauen Sie sich die Geschichte von Geld davor an.

Kurz noch eine Randbemerkung: Vor drei, vier Jahren hätte ich Ihnen wahrscheinlich in den meisten Punkten noch zugestimmt. Da hatte ich mich mit dem Thema kaum befasst, hatte "solide" BWL-Kenntnisse, Aktien im Depot und ein Tagesgeldkonto. Seitdem habe ich bestimmt einen Regalmeter Bücher zu dem Thema gelesen und den Goldanteil in meinen Anlagen von 9 auf fast 50 Prozent gesteigert.

bernd_lessing , am 19. September 2009 um 9:21 ( Link )

Es sollte heißen:

"... den Goldanteil in meinen Anlagen von 0 auf fast 50 Prozent gesteigert."

TrebMelsa Fördermitglied , am 19. September 2009 um 10:06 ( Link )

@ joblack

Eher unglaublich wie ignorant Sie daran kleben, dass etwas WERTLOSES, eine irreale Größe das Gelbe von Ei sein soll.
Da Sie sich real nicht binden lassen wollen, lässt dies nur den Schluss zu, dass Sie sich vom Gegenpart binden lassen wollen; d. h. das Gegenteil von real ist irreal, ergo wollen Sie sich irreal binden - also in einer irrealen Welt wollen Sie leben oder besser tanzen?

Noch eine Frage, wie kommen Sie auf die krude Idee anzunehmen, dass ich ein Goldbug sei? Nur, weil ich nicht wie Sie an das betrügerische, hochkriminelle staatliche Geldmonopol glaube? Also Erkenntnisse bejahe, die seit dem hohen Mittelalter erforscht sind und heutzutage durch das Teilreservebankensystem hart verstärkt werden!
Wenn ich den Goldstandard des 19. Jahrhunderts beispielhaft anführe, dann nur um zu zeigen, dass echtes Geld besser ist als staatliches Falschgeld, auch wenn das echte Geld unter der alleinigen Regie des Staates steht, oder besser: unter der Fuchtel der in meinen Augen stets und immer hochkriminellen Politikvertreter (diese Akteure sind nun einmal Mitglied eines Raketts und erzwingen Schutzgeld vom Bürger, sind also Erpresser und Diebe).
Meine Ansicht ist, dass das Geld in den Markt zurück sollte und der Markt bestimmen sollte was Geld und Zins sind. Nicht die beiden zutiefst sozialistischen, zentralplanerischen Eckpfeiler der politischen Kleptokratie: Geldmengenfestlegung und Zinsfestsetzunge durch ein paar anmaßende Spinner irgendeines Direktoriums irgendeiner Zentralbank.
Dann würden wir ja sehen, ob der Markt sich für irreale Größen entscheidet, also z. B. für die surreale Drogenwelt der nicht existierenden Größen (die Sie offensichtlich propagieren) oder für handfeste reale Dinge.

Abschließend zur Klarstellung und Beendigung des Ganzen:
Sie sind ein Freund der politisch-organisierten Kriminalität, also das genaue Gegenteil von mir.

bernd_lessing , am 19. September 2009 um 11:01 ( Link )

@TrebMelsa:

Nur als kleine Ergänzung sollten wir joblack noch darauf hinweisen, dass der Staat heute die Verwendung anderen Geldes bei Androhung drakonischer Strafen VERBIETET. Die Kritiker des staatlichen Papiergeldes wollen dieses gar nicht per Dekret abschaffen, sondern nur solides Geld als Alternative zulassen - dann erledigt sich das Thema Papiergeld in kürzester Zeit von selbst.

TrebMelsa Fördermitglied , am 19. September 2009 um 14:04 ( Link )

@ bernd_lessing

Sehr richtig Ihre Ergänzung.

Und die Staatsfans und Staatsgeldfans sollten vielleicht auch einmal einen der Experten – wie Bernard Litaer – fragen, der einmal in den Reihen der Staatsfans /Staatsfalschgeldfans zu verorten war.

Zur Erinnerung, Bernard Litaer arbeitete u. a. in der Belgischen Zentralbank und war in jener Funktion maßgeblich am Entwurf der Durchsetzung der „europäischen Währung beteiligt“. Heute ist er einer der schärfsten Kritiker und Mahner dieses – von ihm mit entworfenen - Geld-/Währungssystems.
Auch er plädiert nun seit Jahren für die Einführung von konkurrierendem Marktgeld, die Politik müsse beweisen, dass das Papierscheingeld wirklich das bessere Geld sei.

ISBN3451322005 , am 19. September 2009 um 22:26 ( Link )

@FritzLiberal

@ISBN3451322005: das würde bedeuten, einem Analphabeten die Schönbeit eines Stückes von Schiller näherbringen zu wollen. Zuerst die Basics (lesen lernen), dann kann man weitersehen.

Suppenkasper…, du brauchst mir keine Schönheit näher bringen, sondern nur zwei ganz profane Infos raus zu rücken.

An welchem Ort und zu welcher Zeit verortest du oder Herr Rothbard Geld, das bei nennenswerten privatwirtschaftlichen treiben, frei von staatlichem Einfluss in die Welt gesetzt wurde??

Total simple Frage!! Die natürlich auch von den anderen, möglicherweise willigen, Privatgeld-Freunden beantwortet werden darf.

@TrebMelsa

Staatsfans und Staatsgeldfans

Welche Fans? Ich sehe nur zwei Positionen, die sich hoffnungslos ineinander verkeilt haben und sich bis zum sankt Sankt Nimmerleins Tag die Bälle hin und her schieben.

Für mich stellt es sich ganz einfach dar. Geld wird so oder so immer ein Problem sein.

joblack , am 19. September 2009 um 22:34 ( Link )

Der Euro wird aktuell noch euphorischer genommen als vor 5 Jahren. Wie man da behaupten kann die Papierwährung würde inflationieren und nichts mehr Wert sein. Ähnlich ist es in der USA.

Falls man von einer massiven Inflation ausgeht wäre das nicht der Fall.

Wenn wie hier viele das aktuelle Geldsystem mit der Geldschöpfung nicht verstehen können sie es auch nicht verbessern. So einfach ist das.

Die ideele Ansicht von Goldgeld oder 'Privatgeld' wird es nicht geben.

Wenn man mit der Vergangenheit argumentiert und meint in der Goldgeldzeit war alles super dann lügt man sich selbst in die Tasche.

Es hat funktioniert für einen kleine Schicht. Der Rest war arm und hat für Sklavenlöhne arbeiten müssen.

Aber es war alles super ...

Ich habe bis jetzt noch keine stichhaltigen Argumente für ein Goldgeld gesehen ausser das es deflationiert (d.h. immer mehr wert wird). Genau das bringt eine Währung um.

Aber unter den Blinden ist der Einäugige (mit Halbwissen) König?

joblack , am 19. September 2009 um 22:36 ( Link )

TrebMelsa

"Abschließend zur Klarstellung und Beendigung des Ganzen:
Sie sind ein Freund der politisch-organisierten Kriminalität, also das genaue Gegenteil von mir."

Ihr Kommentar disqualifiziert sie selber. So primitiv 'argumentieren' als Goldgeldliebhaber.

Tipp für Sie: Wenn man keine Ahnung hat die Klappe halten.

bernd_lessing , am 20. September 2009 um 7:10 ( Link )

@joblack:

Mich würde wirklich mal interessieren, woher Sie Ihr "Wissen" über Geld und Geldschöpfung nehmen. Mit Hayek, Mises oder Rothbard können Sie sich jedenfalls nicht mal im Ansatz befasst haben. Und selbst banale Entwicklungen des 20. Jahrhunderts scheinen Ihnen entgangen zu sein. Kleiner Hinweis: Schauen Sie sich mal die Entwicklung der Geldmenge in den USA seit 1913 an - unter besonderer Berücksichtigung der Zahlen seit 1971.

"Der Euro wird aktuell noch euphorischer genommen als vor 5 Jahren. Wie man da behaupten kann die Papierwährung würde inflationieren und nichts mehr Wert sein. Ähnlich ist es in der USA."

Was ist das denn für ein "Argument"? Die meisten Menschen haben überhaupt keine Ahnung davon, auf welch fragilem Fundament die Papierwährungen stehen - geschweige denn davon, wie die Geldschöpfung wirklich funktioniert. Insofern ist da die "Mehrheitsmeinung" - wie so oft - keinen Pfifferling wert.

"Falls man von einer massiven Inflation ausgeht wäre das nicht der Fall."

Ich erinnere mich noch, dass in meiner Jugend eine Pizza für 4 Mark zu haben war und eine Kugel Eis für 30 Pfennig. Heute gibt's die Pizza kaum noch unter 6 EUR und das Eis für 80 Cent. Ähnlich sieht es mit Preisen der meisten anderen Güter aus. Viele Menschen ahnen/merken das schon, durchschauen aber das Spiel nicht. Allein schon die begriffliche Verwirrung, dass Inflation für einen "natürlichen" Preisanstieg gehalten wird (und nicht für einen Preisanstieg der ausschließlich durch die Ausweitung der Geldmenge entsteht), zeigt doch, wo der Hase im Pfeffer liegt.

"Wenn man mit der Vergangenheit argumentiert und meint in der Goldgeldzeit war alles super dann lügt man sich selbst in die Tasche. Es hat funktioniert für einen kleine Schicht. Der Rest war arm und hat für Sklavenlöhne arbeiten müssen."

Sie sehen mich mit den Augen rollen. Verwechseln Sie temporale nicht mit kausalen Zusammenhängen.

joblack , am 20. September 2009 um 7:20 ( Link )

Die Geldschöpfung wird sehr genau und wissenschaftlich fundiert im Buch

"Einführung in die Geldtheorie" von Otmar Issing beschrieben. Zusätzlich habe ich mir die Basel 2 Vorschriften angeschaut.

Kommen sie mir jetzt nicht mit 'in der Praxis ist das doch anders' oder 'stimmt nicht'.

Ich habe es selber in Bilanzen durchgerechnet und evaluiert. Und ein Buch von 2007 ist besser als uralte schon längst widerlegte Theorien von Mises und Co.

Zur Geldmenge - das ist ein solcher Wischi-Waschi-Begriff. Welche Geldmenge meinen sie? Zentralbankgeld (aka Bargeld, Zentralbankguthaben oder Münzen) oder Buchgeld? Sie müssen schon genauer sein.

Wenn sie in der USA die Geldmenge M3 meinen - das ist zum grössten Teil Buchgeld und bläst sich natürlich exponentiell auf. Inflationsrelevant ist zum grössten Teil allerdings nur M0 und nicht was auf den Konten drauf ist.

Inflation entsteht weil mehr Kredite angefordert werden (die sogenannten (Unternehmens-) Investitionen) und dadurch mehr Geld in den Umkreis kommt. Man muss aber auch mehr Geld haben weil man die Profite der Anleger und die Zinsen der Kredite mit bezahlen muss.

Ich frag mich wie oft ich das noch schreiben muss ...

Bücher von Herr Mises habe ich mal angefangen mit Lesen aber nach dem der Herr das Edelmetallgeld so hochlobt war mir schon klar das da nichts qualitativ gutes mehr kommen wird ...

TrebMelsa Fördermitglied , am 20. September 2009 um 9:20 ( Link )

@ joblack

Tipp für Sie: Wer wie Sie, das Geschriebene anscheinend nicht wahrnehmen kann, also ein Wahrnehmungs-Analphabet ist, der sollte die Klappe halten!
Sie disqualifizieren sich nämlich ständig selbst.
Oder Sie verbreiten bewusst Unwahrheiten, dies wäre noch schlimmer, denn dies wäre Vorsatz. Bei vorsätzlichen Unwahrheiten sollten Sie erst richt den Rand halten.

Molot , am 20. September 2009 um 10:33 ( Link )

@ joblack

Die Geldschöpfung wird sehr genau und wissenschaftlich fundiert im Buch

"Einführung in die Geldtheorie" von Otmar Issing beschrieben.

Vielleicht würde es helfen , wenn Sie zur Abwechslung mal ein Buch über Wertschöpfung lesen würden. Geld können Sie nämlich "schöpfen" soviel Sie wollen, Satt werden Sie davon nicht, wie ich Ihnen weiter oben schon mal begreiflich machen wollte. Jede Art von Geld -auch Gold- erhält seinen Wert erst durch die Waren oder Dienstleistungen welche man sich damit kaufen kann. Deren Vorhandensein und Menge sind wichtig und ursächlich für den Wohlstand, nicht die des Geldes. Wirtschaft ist kein Selbstzweck.
B.Ullmann

Viscount , am 20. September 2009 um 10:58 ( Link )

Schade, daß ich erst jetzt Zeit fand, mir die Diskussion zur Brust zu nehmen.

@joblack

Ich habe es selber in Bilanzen durchgerechnet und evaluiert.

Sehr schön. Sind Ihre hochmögenden Evaluationen auch irgendwo einseh- und damit nachprüfbar oder müssen wir uns, wie so häufig in dieser Diskussion, auf Ihr Ehrenwort verlassen, daß dies schon alles seine Richtigkeit habe, was Sie vortragen?

Und ein Buch von 2007 ist besser als uralte schon längst widerlegte Theorien von Mises und Co.

Diese Ihre These muß man sich mal auf der Zungezergehen lassen: Je jünger ein Opus ist, desto unangreifbarer ist es. Demzufolge müßte die Arbeitswerttheorie von Marx schon deshalb richtiger sein als die subjektive Werttheorie, weil Marxens altbekannter Schmachtfetzen eben Mitte des 19. Jahrhunderts erschien, während ein Louis de Molina leider 300 Jahre vorher lebte. Daß Sie dann auch noch die Stirn besitzen, einen Otmar Issing gegen den Goldstandard in Stellung zu bringen—nunja, das wäre in etwa so, als wollte man die staatliche Steuererhebung mit einer eidesstattlichen Aussage eines Finanzbeamten »beweisen« oder den unbestreitbaren Wahrheitswert biblischer Aussagen mit brieflichen Korrespondenzen des Apostels Petrus.

Sie sehen, wohin das führt? Und Sie sehen, weshalb diese Methode schon vor knapp 3000 Jahren als argumentativ unhaltbar zurückgewiesen wurde?

Übrigens: Daß Gold oder andere Edelmetalle angeblich keinen »inneren Wert« besäßen ist schon deshalb falsch, weil alle knappen Güter einen inneren Wert besitzen. Und es hat, wie ich meine, schon seinen guten Grund, daß die Menschheit über mehrere Jahrtausende hindurch ihre Rechnungen stets mit Gold oder Silber oder anderen »commodity currencies« beglich. Wenn Sie es nicht glauben, dann graben Sie eine altpersische Goldmünze aus, schmelzen sie ein und siehe da: Sie können mit dem Persergold noch heute ein Buch kaufen, zB eines über Makroökonomie, das ich Ihnen wärmstens ans Herz legen will.

Es gibt diverse Argumente gegen den Goldstandard. Und es gibt aus meiner Sicht noch ein paar mehr, die für ihn sprechen. Was Sie und die meisten anderen Vertreter der Geldfälscherfraktion (»Wir bezahlen am liebsten mit ungedeckten Wechseln, und weil das so gut klappt, haben wir auch gar keine Veranlassung, es dem freien Markt zu überlassen, darüber zu entscheiden, sondern wir nehmen das Ergebnis des Marktes mal vorweg, weil wir so gut Bescheid wissen«) bis heute nicht geschnallt haben ist, daß es nie das Ziel eines Goldstandards war, alle Inflation oder Deflation (daß Sie sich allein bei dem Wort schon in die Hose machen, tut ein Übriges, um Sie im ökonomischen Abseits zu verorten) für alle Zeiten auszuschließen. Im Grunde genommen ist es völlig wurst, ob Sie mit Gold, Silber, Hosenknöpfen oder Glasmurmeln bezahlen: Entscheidend ist, daß nicht ein Gewaltmonopolist mit unbeschränktem Expropriationspotential sich und den von ihm lizenzierten Organisationen gestatten kann, verbindlich zu entscheiden, womit Sie und ich und alle anderen die Rechnungen bezahlen.

Wenn die Papiergeldmeierei tatsächlich so überlegen sein sollte, wie ihre Apologeten aller Welt weißmachen wollen, wie kommt es dann, daß sie der freien Selektion des Marktes so wenig vertrauen, daß sie ihm zwingend ein legal tender vorschreiben müssen? Ja müsste nicht gerade die Superioritätsthese des ungedeckten Geldes, die man uns am laufenden Band zum Kaffee serviert, eben diesen Schritt nahelegen?

TrebMelsa Fördermitglied , am 20. September 2009 um 11:16 ( Link )

@ ISBN3451322005

Nun, meine Position ist die, dass das staatliche Geldmonopol immer und stets zum Schaden der Menschen des jeweiligen Staatsgebietes bzw. der jeweiligen Staatsgebiete eingesetzt wird. Ein Übel, welches im Hochmittelalter schon durch Nicolas von Oresme sehr gut dargelegt worden ist.
Daher bin ich auch der Meinung, dass das Geld dem Markt zurückgegeben werden soll, dem schädlichen Einfluss des Staates zu entziehen ist.
Daraus folgt notwendigerweise, dass der Markt – oder besser die Akteure am Markt und dies wären wir letztlich alle – entscheiden würden, was denn Geld überhaupt sein solle. Irgendeine handfeste reale Größe? Vielleicht dies oder das oder jenes oder was auch immer?
Oder entscheidet sich der Markt für das Gegenteil einer realen Größe – also irgendeiner irrealen Größe? Leute wie Joblack lehnen für Geld reale Größen ab, weil Realitäten eine Grenze auferlegen; ergo bleibt nur als Alternative: irgendeine irreale Größe ist für Joblack Geld. Joblack hat bisher aber nicht geantwortet, sondern nur beleidigt und beleidigend reagiert – wie Staatsfans oft – und ist selbstredend über das Echo, was von mir kam, erstaunt. Die freiwillig staatlichen Leibeigenen können gar nicht begreifen, dass jemand vom Staat erwarten kann, dass der Staat beweisen soll, dass er besser ist oder etwas besser kann.
Staatshörige sind eben damit zufrieden, dass die Politiker des Westens seit vielen, vielen Jahrzehnten den Auftrag von Marx, Engels, Lenin und Stalin erfüllen: nämlich das Geld, die Währung zu zerstören, damit die Marktwirtschaft nicht mehr funktionieren kann und so der Erfolg dem Sozialismus wie eine reife Frucht in den Schoß fällt. Deshalb auch die Ablehnung realer Größen auf Seiten dieser Leute, diese Ablehnung bedeutet implizit, dass diese Staatshörigen auf irreale Größen setzen.

Noch etwas zu Bernard Litaer, der – wie schon erwähnt – als „Papiergeldexperte“ bei der belgischen Zentralbank am Entwurf und an der Durchsetzung der europäischen Währung mitgearbeitet hat. Litaer plädierte in einem Interview für komplementäres Geld, für die Zulassung weiterer Zahlungsmittel, die neben dem staatlichen Zwangsgeld am Markt die Funktionen von ‚Geld’ übernehmen. Sagte in jenem Interview aber auch, dass konkurrierende Zahlungsmittel von den Staatsregierungen nicht zugelassen werden, weil das Papiergeld gegen Real-Geld keine Chance haben würde. In einem anderen Interview begründete er, warum alle unsere Währungen reines „Fiat-Money“ sind und an keine materielle Wirklichkeit gebunden sind. Litaer führte aus, dass heutzutage täglich mindestens 2 Billionen (europäische) Dollar transferiert werden. Und fügte hinzu
„Wenn Sie eine Druckerpresse hätten, die pro Sekunde eine Dollarnote drucken könnte und Tag und Nacht in Betrieb wäre, müssten Sie 63416 Jahre lang drucken, um diese Summe zu erreichen. Sie müssten zurückgehen in die Jungsteinzeit und einen Neandertaler die Druckerpresse in Gang setzen lassen, um die Geldmenge in Papier zu erzeugen, die heute täglich zu spekulativen Zwecken um den Globus fließen. Die Währungsreserven aller Zentralbanken der Welt, ihre sämtlichen Goldbestände eingeschlossen, entsprechen nur den Transaktionen, die in sieben bis acht Stunden getätigt werden. In einer weltweiten Währungskrise wäre keine Instanz in der Lage zu intervenieren. Die Mittel dazu sind überhaupt nicht vorhanden.“
Obwohl Herr Litaer ein ausgewiesener Experte ist, einer der beide Seiten kennt (pro und kontra), wird der allwissende Joblack wohl auch hier sagen, dass Herr Litaer, da er keine Ahnung habe, die Klappe halten soll.

Nun zu dem, was ich zu Staat als kriminelle Organisation geschrieben hatte, basiert auf ein Buch von Murray Newton Rothbard: The Anatomy of State. Brunswick 1979. Dort formulierte Rothbard auf Seite 139
„Staat ist diejenige Organisationsform in der Gesellschaft, die in einem gegebenen Territorium das Gewaltmonopol anstrebt. Insbesondere ist Staat die einzige soziale Organisation, welche legalerweise ihre Einkünfte mittels Gewaltandrohung/-anwendung erhält und nicht durch freiwillige Beiträge oder den Verkauf von Leistungen.“
Da der Staat sich notgedrungen aus der Enteignung von privaten Vermögens am Leben hält und seine Ausweitung immer mehr Reglementierungen des Individuums, der Gemeinschaft und der Privatinitiative mit sich bringt, ist der Staat seinem Wesen nach als antifreiheitlich anzusehen und ist Gegner freiwilliger privatrechtlicher Beziehungen.
Diese Ausführungen von Rothbard hatte ich überspitzt verkürzt auf, dass der Staat eine politisch-organisierte kriminelle Vereinigung ist, deren Akteure der Bevölkerung ‚Schutzgeld abpressen’. Jedwede Staatsorganisation, egal ob Minimal- oder Maximalstaat, angelehnt an Rothbard, ist ein Racket, d. h. eine Erpresser- und Diebesorganisation.
Demzufolge hatte ich Staatsfans oder Fans staatlicher Organisationen als Anhänger einer politisch-organisierten Kriminalität bezeichnet.
Die Reaktion war wie erwartet: vulgär und dumm!

P. S.: Im anderen Strang, wo wir uns auch schön beharkt hatten, hatte ich Ihnen noch geantwortet.

joblack , am 20. September 2009 um 12:25 ( Link )

Molot, um die Wertschöpfung geht es nicht. Diese ist da sonst hätten wir kein Wirtschaftswachstum.

"Sehr schön. Sind Ihre hochmögenden Evaluationen auch irgendwo einseh- und damit nachprüfbar oder müssen wir uns, wie so häufig in dieser Diskussion, auf Ihr Ehrenwort verlassen, daß dies schon alles seine Richtigkeit habe, was Sie vortragen?"

Vergleichen Sie die Bilanzen der verschiedenen Jahre und prüfen sie nach was sich verändert hat und wie mit was geschöpft wurde.

Direkt in die Buchungen können Sie natürlich nicht hineinschauen aber das brauchen sie für eine allgemeine Analyse auch nicht.

TrebMelsa:

"Tipp für Sie: Wer wie Sie, das Geschriebene anscheinend nicht wahrnehmen kann, also ein Wahrnehmungs-Analphabet ist, der sollte die Klappe halten!
Sie disqualifizieren sich nämlich ständig selbst.
Oder Sie verbreiten bewusst Unwahrheiten, dies wäre noch schlimmer, denn dies wäre Vorsatz. Bei vorsätzlichen Unwahrheiten sollten Sie erst richt den Rand halten."
---

Wir können über die aktuellen Geldschöpfungsmechanismen wetten - gerne auch um Geld.

Von ihnen kam nur Gebabbel ohne seriöse Quellennachweise. Also Null Informationen oder nur annähernd Argumente aber es wird schön beleidigt.

Ihnen möchte ich besonders ans Herz legen:

Wenn man es nicht kapiert und nichts weiss - einfach mal die Klappe halten.

TrebMelsa Fördermitglied , am 20. September 2009 um 13:27 ( Link )

@ joblack

Sie wiederholen sich, Klappe halten hatten Sie schon mal geschrieben.

Beleidigend und vorsätzlich unwahr sind Sie als Erster geworden. Also, dass jemand, von NICHTS Ahnung habe, die Klappe halten soll, sollten Sie an sich selbst richten, weil Sie von NICHTS Ahnung haben.

Und zur Information, mein VWL-Professor für "Geld - Kredit - Währung" war ein Keynesianer und Zeichengeldvertreter reinsten Wassers. Mit diesen naiven Geld-/Währungsmodellen, die Sie vertreten, hatte jeder Student - durch die Naivität der Modellwelt - die beste Möglichkeit zu guten und sehr guten Noten zu kommen.

joblack , am 20. September 2009 um 14:03 ( Link )

Wer kein Sachwissen hat macht zumeist nur eins:

Relativieren, relativieren, relativieren, relativieren, relativieren ...

Ihre Wortwahl zeigt schon sehr deutlich dass sie mit wissenschaftlichen Methoden nicht viel am Hut haben. Mit solchen Ansprüchen an die Wahrheit können sie in der Bildzeitung Karriere machen aber wenn sie nur etwas wissenschaftlichen Anspruch haben kommen sie mit "Ihren Theorien" nicht weit.

TrebMelsa Fördermitglied , am 20. September 2009 um 15:47 ( Link )

@ joblack

Um von Ihnen verstanden zu werden, hatte ich mich Ihrer Wortwahl anzupassen.

Scheint Ihnen nicht zu passen.

Anscheinend kommen Sie von den platten Zeitungen, da Sie dort so gut bescheid wissen.

Sie sind nun einmal jeman der bewusst über andere die Unwahrheit verbrietet. Gut zu wissen, danke für diese stetige Information.

joblack , am 20. September 2009 um 17:04 ( Link )

So viele Kommentare von ihnen aber immer noch keine verwertbaren Argumente oder Fakten.

Traurig traurig ...

Gamma , am 20. September 2009 um 18:09 ( Link )

@ TrebMelsa

"Die Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts zeigt, dass Ihre Aussage nicht zutreffend ist. Eine wachsende Wirtschaft benötigt keine wachsende Geldmenge. Schlagendes Beispiel ist das 19. Jahrhundert, trotz strikt durch die Edelmetallvorräte begrenzte Geldmenge prosperierte die Wirtschaft – auch Arbeitsplätze und Löhne –, dabei blieben die Preise – im Gegensatz zur (Papier)scheingeld-Welt – sehr stabil. Etliche Preise in USA oder Großbritannien waren 1931 noch auf dem Niveau von vor 1800 oder sogar gesunken. Dies bestätigt in der Praxis die theoretischen Analysen von L. v. Mises und seines Schülers Murray N. Rothbard, dass jede Geldmenge optimal ist – z. B. ist Horten, das Grundübel für Keynes, vollkommen ohne Bedeutung."

Was genau bedeuten in diesem Zusammenhang eigentlich "stabile Preise"? Dass man für dieselbe Menge Gold noch vergleichbare Waren bekommt?

Wirtschaftswachstum bedeutet sicherlich, dass mehr oder höherwertige Waren produziert werden. Stabile Preise im obigen Sinne würden dann bedeuten, dass der Gesamtwert des Goldes relativ zum Gesamtwert aller anderen Waren fällt. Irgendwann wäre nicht mehr genügend Gold da, um den Liquiditätsbedarf zu decken, man müsste auf andere Waren als Zahlungsmittel ausweichen. Das erscheint mir so nicht unbedingt wünschenswert, ist aber vielleicht einfach notwendig.

Dass "jede Geldmenge optimal" ist stimmt doch höchstens in dem Sinne dass man frei wäre, jede beliebige Ware als "Geld" zu verwenden. Der Wert einer Ware, also auch Gold, steigt schließlich nicht beliebig, je knapper sie ist. Ab einem bestimmten Preis weichen die Konsumenten auf Ersatzgüter aus.

@ bernd_lessing

"Na und? Da sitzen Sie wieder einem vermeintlich normalen Mechanismus unserer Zeit auf. Es ist doch ausgesprochen sinnvoll, wenn Menschen nur das kaufen, was sie aktuell brauchen und den Rest zur Seite legen oder investieren. Das mag als "Wachstumsbremse" erscheinen, ist aber sehr sinnvoll. Irgendwas ist doch "defekt", wenn es zum Funktionieren der Wirtschaft stetig maximalen aktuellen Konsum benötigt ..."

Der "Defekt" mit dem "etwas zur Seite legen" ist, dass niemand weiß wofür Sie etwas zur Seite legen, oder wann sie vorhaben Ihr Erspartes zu komsumieren (bzw. zu tauschen und dann das ertauschte Gut zu konsumieren). Wenn jetzt in einer Deflation jeder auf sinkende Preise wartet, dann bricht dadurch die Produktion ein - auf Halde will schließlich kaum jemand produzieren. Das ist Verschwendung von Zeit und Potenzial.
Eine Lösung für diesen Defekt ist mir allerdings nicht bekannt.

Hätten Sie übrigens eine Quelle die genau darlegt welche Art von Geld der Staat verbietet, und durch welches Gesetz? Ich zweifle Ihre Aussage keineswegs an, aber mich würden die Details interessieren, da es ja doch einige "Regionalwährungen" oder alternative Systeme gibt.

barthel_berand , am 20. September 2009 um 18:37 ( Link )

Hier geht es ja hoch her.

Nachdem ich mir das alles einmal durchgelesen habe, drängt es mich zu folgenden Feststellungen / Klarstellungen:

Sinkende Preise sind nicht mit Deflation gleichzusetzen. Sie Können Symptome einer Deflation sein; allerdings ist dies in den seltesten Fällen so.

Deflation ist nichts Schlimmes. Das Gegeneil ist richtig. Deflation führt in dem gleichen Maße zur Kaufzurückhaltung, wie die heutige Inflation zu Hamsterkäufen führt. Wenn ich die "Argumente" von Deflationskritikern lese, habe ich immer das Gefühl, sie gingen von Deflationsraten von 10% in der Woche aus. In der Realität wäre die Deflationsrate bei konstanter Geldmenge wohl eher gleichlaufend mit dem Wirtschaftswachstum; folglich eher bei 1-3 % p.a (in der BRD). D.h. unser Geld würde um den Faktor der gesteigerten Wirtschaftsleistung mehr wert. Und das wäre sowohl angemessen als auch wünschenswert. Was macht es denn für einen Sinn, Wirtschaftswachstum durch Geldentwertung wieder zunichte zu machen? Deflation ist Kaufkraftgewinn; nichts anderes.

Frage an Joblack:
Kann etwas - rein logisch - einen Wert haben, das beliebig und kostenlos vermehrt werden kann?

BB - USA

Molot , am 20. September 2009 um 20:04 ( Link )

Wirtschaftswachstum bedeutet sicherlich, dass mehr oder höherwertige Waren produziert werden. Stabile Preise im obigen Sinne würden dann bedeuten, dass der Gesamtwert des Goldes relativ zum Gesamtwert aller anderen Waren fällt.

Ja, die Kommunisten haben Ihre eigene Mathematik. Das ist nichts neues.

Der Wert einer Ware, also auch Gold, steigt schließlich nicht beliebig, je knapper sie ist.

Doch, tut er, auch wenn Marx oder Bofinger das Gegenteil behaupten.
B.Ullmann

Fabio Bossi , am 20. September 2009 um 21:03 ( Link )

Zum Thema sicher wichtiger als der alberne Streit hier:

Link

Das Kreditgeldsystem ist viel perverses, als selbst Rothbard es formuliert hat. Ohne Warengeld kann man diesen Wahnsinn nicht stoppen. Unser reines Symbolkreditgeldsystem führt uns in eine Katastrophe biblischen Ausmaßes. Vor einem Jahr sind wir gerade noch davongekommen.

Gamma , am 20. September 2009 um 21:14 ( Link )

@ barthel_berand

"D.h. unser Geld würde um den Faktor der gesteigerten Wirtschaftsleistung mehr wert. Und das wäre sowohl angemessen als auch wünschenswert."

Es lässt sich doch sowieso kein bestimmtes Wertverhältnis erzwingen, Preise sind ständig in Bewegung, und so eben auch der Wert des Geldes gegenüber allen anderen Waren. Der Wert von Gold orientiert sich ja auch an seinem wahrgenommenen Nutzen, und dieser kann aus verschiedenen Gründen schwanken.

@ Molot

"Ja, die Kommunisten haben Ihre eigene Mathematik. Das ist nichts neues."

Mir bleibt verborgen was oder wen Sie damit meinen. Aber um es nochmals klarer auszudrücken:

WENN man "stabile Preise" so versteht dass man für dieselbe Menge Gold stets vergleichbare Waren bekommt
UND Wirtschaftswachstum herrscht, die Warenproduktion also quantitativ und qualitativ steigt, während die Goldmenge etwa gleichbleibt
DANN bedeuten "stabile Preise", dass der Gesamtwert des Goldes gegenüber dem Gesamtwert der Waren sinkt. Denn für die gleiche Menge Gold bekommt man die gleichen Waren, welche aber mit Wirtschaftswachstum ein immer kleiner werdender Teil des gesamten Warenaufkommens darstellen.

"Doch, tut er, auch wenn Marx oder Bofinger das Gegenteil behaupten."

Mit "knapp" meinte ich hier lediglich eine sinkende Verfügbarkeit, nicht zwangsläufig eine gestiegene Nachfrage. Ich hätte stattdessen "rar" schreiben sollen. Wenn der Preis einer Ware zu hoch wird, weichen Konsumenten auf Ersatzprodukte aus. Wenn beispielsweise die Ölförderung nachlässt, wird nach anderen Energieträgern gesucht.

Wenn nicht genügend Gold vorhanden ist um die nötige Liquidität zu decken, dann wird der Goldpreis nicht unbegrenzt steigen, sondern die Menschen werden alternative Waren als Tauschmittel verwenden.

barthel_berand , am 20. September 2009 um 21:39 ( Link )

@ Gamma

Es lässt sich doch sowieso kein bestimmtes Wertverhältnis erzwingen, Preise sind ständig in Bewegung, und so eben auch der Wert des Geldes gegenüber allen anderen Waren. Der Wert von Gold orientiert sich ja auch an seinem wahrgenommenen Nutzen, und dieser kann aus verschiedenen Gründen schwanken.

Wo wäre dann das Problem?
Und wer will ein bestimmtes Verhältnis erzwingen? Ich jedenfalls nicht.

Gold ist der Maßstab. So wie ein Meter ein Meter ist und bleibt, oder ein Kilogramm ein Kilogramm ist und bleibt, unabhängig davon, was die anderen Waren machen, wie schwer sie sind oder wie lang. Sie werden ausgedrückt in Relation zum Maßstab.

Wenn nicht genügend Gold vorhanden ist um die nötige Liquidität zu decken, dann wird der Goldpreis nicht unbegrenzt steigen, sondern die Menschen werden alternative Waren als Tauschmittel verwenden.

Von mir aus gerne.

Zu Ihrer Frage zum gesetzlichen Zahlungsmittel: aus der Erinnerung § 14 Bundesbankgesetz. Weiter hinten in den 30´ern steht aber noch eine Killervorschrift, die den Tauschparagraphen des BGB aushebelt, wenn ich mich recht entsinne. Dirk Friedrich hat dazu mal einen guten Artikel geschrieben. Einfach noch mal nachlesen.

BB

bernd_lessing , am 20. September 2009 um 23:08 ( Link )

@Gamma:

"Hätten Sie übrigens eine Quelle die genau darlegt welche Art von Geld der Staat verbietet, und durch welches Gesetz? Ich zweifle Ihre Aussage keineswegs an, aber mich würden die Details interessieren, da es ja doch einige 'Regionalwährungen' oder alternative Systeme gibt."

Klar: §35 Bundesbankgesetz (http://bundesrecht.juris.de/bbankg/__35.html) droht mit bis zu fünf Jahren Knast für alles, was dem staatlichen Geld Konkurrenz machen könnte.

Der Status von Regionalwährungen ist nicht wirklich verbindlich geklärt. Ich habe vor einer Weile mal eine Stellungnahme auf eine Anfrage im Bundestag (meine ich) gelesen, in der eine bestehende Regionalwährung als ausnahmsweise und großzügigerweise zulässig deklariert wurde. Finde jetzt aber spontan die Quelle nicht mehr.

Veritas , am 20. September 2009 um 23:32 ( Link )

Über die Lage von Regionalwährungen gabs letztens einen Artikel in der SZ. Zitiert wurden Politiker und andere Experten, demnach diese Art von Währung, auf Grund allgemeiner Gefahr, eine bestimmte Verbreitung nicht überschreiten dürfen.

Dr. Spiele , am 21. September 2009 um 0:32 ( Link )

"Wenn nicht genügend Gold vorhanden ist um die nötige Liquidität zu decken, dann wird der Goldpreis nicht unbegrenzt steigen, sondern die Menschen werden alternative Waren als Tauschmittel verwenden."

Gold, Palladium, Platin, Silber, ... Kupfer usw.
zuletzt künsterisch wertvoll bedruckte Papierzettel, diese zb. für ein Brötchen - und, wo ist das Problem?

Gamma , am 21. September 2009 um 1:12 ( Link )

@ barthel_berand

Kein Problem, es geht nur darum dass der Geldwert nicht automatisch mit dem Wirtschaftswachstum mitgeht, sondern vom Nutzwert der Geldware abhängt. Würde man z.B., so unwahrscheinlich das auch ist, einen "Goldersatzstoff" entdecken der Gold sehr ähnlich ist und sich billig herstellen ließe, dann würde Gold auch bei Wirtschaftswachstum im Wert fallen.

Vielen dank Ihnen, bernd_lessing und Veritas für die Hinweise.

@ Dr. Spiele

Ich sehe da kein Problem, abgesehen davon dass mit einer größeren Tauschmittelvielfalt auch mehr Aufwand und Verwirrung einhergeht. Ich möchte nur ausdrücken dass in meinen Augen die Aussage, dass jede Geldmenge optimal sei, wenn nicht falsch, dann doch zumindest missverständlich ist. Die Menschen würden die Geldmenge optimieren, indem sie eine bestimmte Menge Waren als Geld verwenden, aber eine beliebige Geldmenge ist nicht automatisch optimal.

joblack , am 21. September 2009 um 2:13 ( Link )

"Frage an Joblack:
Kann etwas - rein logisch - einen Wert haben, das beliebig und kostenlos vermehrt werden kann?"

Es kann eben nicht beliebig vermehrt werden. Geld entsteht nur durch einen Kreditvorgang wobei die Banken die zusätzlichen Kredite (bei der EZB) aufnehmen müssen.

Die Banken manchen das nur wenn sie sich einen Gewinn versprechen - rein aus 'Nächstenliebe' oder 'Gemeinschaftssinn' wird das nicht gemacht.

Hinter dem Geld stehen also rein rechtlich erst mal die Schuldverschreibungen, des weiteren steht auch die Wirtschaftsleistung dageben.

Es gibt aktuell kein Problem dass jemand den Euro nicht annehmen will. Begrenzt gilt das auch in der USA (China überlegt sich zu wechseln).

Das Deflationen einen Gesundungseffekt haben ist nicht richtig. Deflationen wirken selbstverstärkend und es ist fast unmöglich aus diesen wieder herauszukommen (das geschieht zumeist mit einem Krieg um das Wachstum und die Investition wieder anzuwerfen).

Japan arbeitet schon seit über einem Jahrzehnt gegen die Deflation an - mit einer riesigen Staatsverschuldung. Und das war in weltwirtschaftlich guten Zeiten.
-----------------------------------------------

"WENN man "stabile Preise" so versteht dass man für dieselbe Menge Gold stets vergleichbare Waren bekommt
UND Wirtschaftswachstum herrscht, die Warenproduktion also quantitativ und qualitativ steigt, während die Goldmenge etwa gleichbleibt
DANN bedeuten "stabile Preise", dass der Gesamtwert des Goldes gegenüber dem Gesamtwert der Waren sinkt. Denn für die gleiche Menge Gold bekommt man die gleichen Waren, welche aber mit Wirtschaftswachstum ein immer kleiner werdender Teil des gesamten Warenaufkommens darstellen."
-----------------------------------------------
Schon wieder ein Denkfehler - die Preise fallen in der Hinsicht und damit auch die Gewinne der Unternehmen. Die Unternehmen interessiert vorrangig nicht wieviel Teile sie absetzen sondern was ihre Gewinnmarge daran ist.

Was sie hier etwas ungeschickt umschreiben ist genau meine Aussage. Es führt zu einer breiten Deflation und somit zu einer weitergehenden Hortung des Goldes.

Ich bin immer wieder amüsiert wie Goldbugs versuchen genau das mit bestimmten Konstrukten wie

"Denn für die gleiche Menge Gold bekommt man die gleichen Waren, welche aber mit Wirtschaftswachstum ein immer kleiner werdender Teil des gesamten Warenaufkommens darstellen."

zu verschleiern.

Das ist eine Deflation und jeder der zumindest etwas von Volkswirtschaft versteht wird Dir sagen das das mittel- bis langfristig nicht gut für die Volkswirtschaft ist.

bernd_lessing , am 21. September 2009 um 7:35 ( Link )

@joblack:

"Es kann eben nicht beliebig vermehrt werden. Geld entsteht nur durch einen Kreditvorgang wobei die Banken die zusätzlichen Kredite (bei der EZB) aufnehmen müssen."

Die Amerikaner zeigen gerade, dass die Grenzen der von Ihnen beschriebenen Geldschöpfung seeeeeehr dehnbar sind. Im Zweifel nimmt der Staat eben diese Kredite auf. Auch wenn man über die Auslegung des Begriffs "beliebig" streiten mag: JEDE Ausweitung der Geldmenge, die über ein Wachstum der Produktivität hinausgeht, ist problematisch. Jetzt wird vielleicht auch deutlich, weshalb die STAATSverschuldung im Vergleich zur Verschuldung von Unternehmen GENERELL ein Problem darstellt.

"Die Banken manchen das nur wenn sie sich einen Gewinn versprechen - rein aus 'Nächstenliebe' oder 'Gemeinschaftssinn' wird das nicht gemacht.
Hinter dem Geld stehen also rein rechtlich erst mal die Schuldverschreibungen, des weiteren steht auch die Wirtschaftsleistung dageben."

Die Banken erwarten nur Zinsen und Tilgung - egal, ob diese (bei Unternehmen) durch gesteigerte Wirtschaftsleistung, (bei Privaten) durch künftigen Konsumverzicht oder (beim Staat) durch Steuererhöhungen finanziert werden.

Kurz und gut: Es gibt keinen Mechanismus, der eine starke Ausweitung der Papiergeldmenge weit über das Produktivitätsplus verhindert. Im Gegenteil gibt es interessierte Parteien, die davon profitieren: Banken über Zinsen, denen keine Produktivität gegenübersteht, und der (demokratische) Sozialstaat, der Wohltaten verteilen kann, ohne sich um die sofortige Gegenfinanzierung zu kümmern.

"Deflationen wirken selbstverstärkend und es ist fast unmöglich aus diesen wieder herauszukommen (das geschieht zumeist mit einem Krieg um das Wachstum und die Investition wieder anzuwerfen).
Japan arbeitet schon seit über einem Jahrzehnt gegen die Deflation an - mit einer riesigen Staatsverschuldung."

Das, was Sie beschreiben, sind zyklische Effekte, die typisch für das 20. Jahrhundert mit seinem Papiergeld sind. So etwas gab es zu Zeiten stabilen Geldes in dieser Form nicht.

"Ich bin immer wieder amüsiert wie Goldbugs versuchen ..."

Wie kommen Sie darauf, dass Sie es hier mit "Goldbugs" zu tun haben? Man muss zu Gold überhaupt kein besonderes Verhältnis haben, um nach der Lektüre von Hayek, Mises oder Rothbard das aktuelle Papiergeldsystem aufs Schärfste zu kritisieren.

Viscount , am 21. September 2009 um 9:26 ( Link )

@Fabio Bossi

Vielen Dank für den Link, auch wenn er zunächst nicht richtig funktioniert. Man versuche es daher hier.

Fabio Bossi , am 21. September 2009 um 9:33 ( Link )

@Viscount:

Sorry und danke!

ISBN3451322005 , am 21. September 2009 um 11:08 ( Link )

@TrebMelsa

…es läuft ja bei uns zwei im Prinzip immer auf das gleiche hinaus.

Daher bin ich auch der Meinung, dass das Geld dem Markt zurückgegeben werden soll, dem schädlichen Einfluss des Staates zu entziehen ist.

Da ist leider nichts zurück zu geben, weil Geld nicht dem Markt entsprungen ist, schon gar nicht dem freien Markt, den es in diesem idealisierten Sinne nie gegeben hat. Da gefällt mir Bernhard Laum mit seiner Darlegung wesentlich besser als die idealisierten Ökonomen Theorien. Bernhard Laum verortet den Ursprung des Geldes im Kultus und der Staat ist Schöpfer des Geldes, weil er Träger und Hüter des Kultus ist. Vor diesem Hintergrund bekam Geld die Funktion als Abgabemittel (Tribut) gegenüber der Obrigkeit und dann auch die Funktion des universellen Tauschmittels im Marktgeschehen, ein Marktgeschehen, das aber bisher noch nie außerhalb staatlicher Hoheit aufgefunden wurde.

Auf Beispiel über Ort und Zeit dieses freien Privatgeldes und des idealisierten freien Markte, der nicht mittels Herrschaftsgewalt konstituiert oder staatlich reglementiert wurde, warte ich immer noch vergeblich. Oder haben sie dazu noch was im anderen Strang gebracht?

Nun zu dem, was ich zu Staat als kriminelle Organisation geschrieben hatte, basiert auf ein Buch von Murray Newton Rothbard: The Anatomy of State. Brunswick 1979. Dort formulierte Rothbard auf Seite 139

„Staat ist diejenige Organisationsform in der Gesellschaft, die in einem gegebenen Territorium das Gewaltmonopol anstrebt. Insbesondere ist Staat die einzige soziale Organisation, welche legalerweise ihre Einkünfte mittels Gewaltandrohung/-anwendung erhält und nicht durch freiwillige Beiträge oder den Verkauf von Leistungen.“

… und? Dem will ich nicht Widersprechen – nur was will man jetzt dagegen mache??

Geld ist ohne Eigentum nicht definierbar, Eigentum ist ohne Mach nicht definierbar. Die Macht liegt beim Herrscher (Staat). Der Staat ist die ursprüngliche Herrschaftsmacht ausgerüstete Verbandseinheit sesshafter Menschen, die seit ihrem Ursprung nicht verschwunden ist PUNKT

Da frage ich mir, ob die General-Attacke gegen „Staat an sich“ nicht einem sinnlosen Kampf gegen Windmühlen gleicht, so wie sich die Anti-Aging Industrie verzweifelt gegen das Altern von Iris Berben stemmt.

@Fabio Bossi

Das Kreditgeldsystem ist viel perverses, als selbst Rothbard es formuliert hat. Ohne Warengeld kann man diesen Wahnsinn nicht stoppen. Unser reines Symbolkreditgeldsystem führt uns in eine Katastrophe biblischen Ausmaßes. Vor einem Jahr sind wir gerade noch davongekommen.

Wie will man denn ohne Symbolkreditgeldsystem all die schönen Versprechungen realisieren, die wir per Mehrheitsmandat beim Staat beauftragen?

Das Verfrühstücken der Zukunft war (ist) ausdrücklicher Volkswille!!

bernd_lessing , am 21. September 2009 um 11:39 ( Link )

@ISBN3451322005:

Geld im ursprünglichen Sinn ist nicht mehr und nicht weniger als die konsequente Weiterentwicklung des Tauschhandels. Bestimmte Güter haben einfach gezeigt, dass sie als "indirekte Tauschware" u.a. aufgrund ihrer Wertstabilität und ihrer Handlichkeit besonders gut geeignet sind. Dass dieses normierte Tauschmittel in früheren Zeiten gerne auch zur Entrichtung irgendeines Tributs an religiöse oder weltliche Obrigkeit genutzt wurde, ändert daran nichts.

Es ist doch bezeichnend, dass die Rolle des Staates in Bezug auf Geld nur darin bestand, "natürliches" Geld, das seinen Ursprung im Tausch hatte, mit Stempeln zu normieren und seine Echtzeit zu bestätigen.

"Geld ist ohne Eigentum nicht definierbar, Eigentum ist ohne Macht nicht definierbar. Die Macht liegt beim Herrscher (Staat)."

Quatsch. Der erste Mensch, der sich Dinge aus seiner Umwelt "zu eigen" gemacht hat, tat dies ohne jegliche Mitwirkung von Staat oder irgendeiner anderen Institution.

Eigentum ist doch keine reine formal-juristische Konstruktion, die den Staat voraussetzt. Natürlich sind gewisse Mechanismen (Recht) und Institutionen (Staat) zum SCHUTZ von Eigentum sinnvoll, aber der Staat als VORbedingung für die DEFINITION von Eigentum ist doch eine geradezu absurde Vorstellung.

ISBN3451322005 , am 21. September 2009 um 13:49 ( Link )

@Bernd Lessing

Quatsch. Der erste Mensch, der sich Dinge aus seiner Umwelt "zu eigen" gemacht hat, tat dies ohne jegliche Mitwirkung von Staat oder irgendeiner anderen Institution.

Ich will Sie nicht aus der kleinen Welt Ihrer Privatdefinitionen herausreißen. Aber Ihrem ersten Menschen, über den Ihnen offensichtlich Detailinformationen vorliegen, ist Eigentum vollkommen unbekannt, weil mit Eigentum eine Abgrenzung einhergeht und gegen wenn oder was soll sich der erste Mensch abgrenzen?

Diese Abgrenzung besteht immer aus einer Rechtsgrundlage aus der heraus dann Eigentum „entsteht“.

Max Weber sieht in der Eigentumsbildung einen gesellschaftlichen Prozess (Appropriation).

Geld im ursprünglichen Sinn ist nicht mehr und nicht weniger als die konsequente Weiterentwicklung des Tauschhandels.

Na schön, Sie gestatten mir aber sicherlich, das ich den Damen und Herren, die sich dieser Frage aus kulturhistorischer Sicht angenommen haben, mehr Gewicht beimesse als Ihrem ökonomischen Dogma.

Nach meinem Wissen berichtet Herodots als erster über den Tauschhandel oder besser Tauschrituale. Dabei ist festzustellen, dass der Tauschhandel, wenn er nicht unter dem Schutz eines Gottes bzw. eines Gesetzes stand, von Angst beherrscht war und somit ein Tauschhandel ohne einen Macht- und Herrschaftsrahmen nicht zustande kam. Dieser Herrschaftsrahmen musste mit Abgaben (Geld) finanziert werden, was als Abgabemittel zu dienen hat, legt der Herrscher fest.

Macht --> Geld --> Tauschhandel

Der Umkehrschluss "Tauschhandel --> Geld --> Macht sowieso egal und stört nur beim friedlichen Tauschen" ist, nach allem, was bisher bekant ist, nirgends nachvollziehbar.

Aber was rede ich…, bringt ja nix…, Sie wissen halt noch viel mehr….

Bleiben Sie einfach bei ihrem libertären Irrglauben an die ersten Menschen, die sich zum fröhlichen Tauschen auf der Waldlichtung treffen und konstruieren Sie dann aus diesem Irrglauben den modernen befreiten Menschen.

bernd_lessing , am 21. September 2009 um 16:50 ( Link )

@ISBN3451322005:

"Aber Ihrem ersten Menschen, über den Ihnen offensichtlich Detailinformationen vorliegen, ist Eigentum vollkommen unbekannt, weil mit Eigentum eine Abgrenzung einhergeht und gegen wenn oder was soll sich der erste Mensch abgrenzen?"

Lesen Sie meinen Text nochmal. Ich schrieb nicht "der erste Mensch", sondern "Der erste Mensch, der sich Dinge aus seiner Umwelt 'zu eigen' gemacht hat". Und über diese Zeit liegen Ihnen genauso wenig Detailinformationen vor wie mir, es wird hier zwingend spekulativ.

"Na schön, Sie gestatten mir aber sicherlich, das ich den Damen und Herren, die sich dieser Frage aus kulturhistorischer Sicht angenommen haben, mehr Gewicht beimesse als Ihrem ökonomischen Dogma."

Aha: Geld als "reliöses Opferinstrument" ist also "kulturhistorische" Tatsache, Geld als Tauschmittel hingegen ein "Dogma". Da muss man schon eine SEHR selektive Geschichtswahrnehmung haben ...

"Nach meinem Wissen berichtet Herodots als erster über den Tauschhandel oder besser Tauschrituale."

Schön. Glauben Sie allen Ernstes, dass die Menschen erst dann mit dem Tauschen begonnen haben? Der Tauschhandel ist doch ohne Zweifel wesentlich älter als jede Geschichsschreibung.

"Dabei ist festzustellen, dass der Tauschhandel, wenn er nicht unter dem Schutz eines Gottes bzw. eines Gesetzes stand, von Angst beherrscht war und somit ein Tauschhandel ohne einen Macht- und Herrschaftsrahmen nicht zustande kam."

Belege? Diese These ist so dermaßen krude, dass ich sie ohne harte Beweise nicht mal für diskussionswürdig halte.

"Der Umkehrschluss 'Tauschhandel --> Geld --> Macht sowieso egal und stört nur beim friedlichen Tauschen' ist, nach allem, was bisher bekant ist, nirgends nachvollziehbar."

Hören Sie doch auf mit dieser dämlichen Polemik!

"Bleiben Sie einfach bei ihrem libertären Irrglauben an die ersten Menschen, die sich zum fröhlichen Tauschen auf der Waldlichtung treffen und konstruieren Sie dann aus diesem Irrglauben den modernen befreiten Menschen."

Ah, der Herr mit den biblischen Einsichten hat hier natürlich eine viel bessere Grundlage. Die ihn dann zum Beispiel zu der Erkenntnis führt, dass es einen Staat braucht, um Eigentum und Geld zu definieren. Ich stelle mir gerade vor, wie in der Steinzeit die Staatsgründung ablief. Ist ja auch naheliegend, dass die Menschen erstmal nach Macht und Ordnung streben, bevor sie sich überlegen, ob sie ein Fell gegen ein Beil tauschen sollen.

Viscount , am 21. September 2009 um 16:52 ( Link )

@ISBN

Dieser Herrschaftsrahmen musste mit Abgaben (Geld) finanziert werden,(...)

Eben. Genau deshalb ist es logisch, daß irgendwie und sowieso Markt- und Produktionsverhältnisse einer Herrschaftsbegründung vorausgegangen sein müssen, dasselbe gilt für Tauschmittel. Überlegen Sie mal: Welche Tribute soll Ihnen der Häuptling abknöpfen, wenn Sie gar keine Möglichkeit haben, die Kontributionen zu bezahlen? Naturalien als Tauschmittel haben Sie implizit ausgeschlossen, weil das wiederum Geld wäre, das es nach Ihrer Definition nicht geben dürfte, weil kein Herrscher oder Gott es zu einem solchen gemacht hat.

Damit erledigt sich dann auch der Rest des Kommentars. Halt, nein, nicht ganz:

Max Weber sieht in der Eigentumsbildung einen gesellschaftlichen Prozess (Appropriation).

Achso—ja und? Proudhon sieht in der Eigentumsbildung schon Diebstahl. Hegel sah in der Geschichte einen Geist wirken, und Dieter Thomas Heck sah in Rex Gildo den Stern am Schlagerfirmament.

ISBN3451322005 , am 21. September 2009 um 16:56 ( Link )

@bernd_lessing

...nicht mal für diskussionswürdig halte

vollkommen richtig..., quatschen Sie von mir aus die Wand an..., ich habe Ihren Beitrage nicht mal mehr bis zum Ende gelesen...

ISBN3451322005 , am 21. September 2009 um 18:02 ( Link )

@Viscount

Eben. Genau deshalb ist es logisch, daß irgendwie und sowieso Markt- und Produktionsverhältnisse einer Herrschaftsbegründung vorausgegangen sein müssen, dasselbe gilt für Tauschmittel. Überlegen Sie mal: Welche Tribute soll Ihnen der Häuptling abknöpfen, wenn Sie gar keine Möglichkeit haben, die Kontributionen zu bezahlen? Naturalien als Tauschmittel haben Sie implizit ausgeschlossen, weil das wiederum Geld wäre, das es nach Ihrer Definition nicht geben dürfte, weil kein Herrscher oder Gott es zu einem solchen gemacht hat.

Nein…, nicht eben…

Wir haben es mit einer Entwicklung hin zu speziellen Produktionsverhältnisse zu tun. In Stammesgesellschaften basiert die Produktion nicht auf Eigentumsverhältnissen und bedarf keiner Herrschaftsbegründung und der Markt ist hier unbekannt.

Der Unterworfene kann seinen Tribut in Naturalien entrichten. Welchen Grund gibt es aber, dass vom Herrscher abgeforderte Schaft als Geld zu bezeichnen?

Viscount , am 21. September 2009 um 18:55 ( Link )

@ISBN

Wir haben es mit einer Entwicklung hin zu speziellen Produktionsverhältnisse zu tun.

Das ist zum einen vollkommen richtig und ermöglicht zum anderen eine sehr entscheidende Erkenntnis: Wenn eine Entwicklung hin zu speziellen Produktionsverhältnissen erfolgt, dann müssen diese Produktionsverhältnisse logisch gesehen vorher unspezieller, d.h. weniger differenziert gewesen sein, nicht wahr?

Dann blieben eigentlich nur noch zwei Fragen zu klären:

1. Aus welchen Gründen und mit welchem Verfahren wurde diese unspezifischere Produktion betrieben?

2. Weshalb gab es diese Entwicklung hin zu spezielleren Produktionsverhältnissen?

So im großen und ganzen ist es relativ wahrscheinlich, daß die Ausdifferenzierung der Produktionsverhältnisse nicht eines Tages auftauchte, weil sich die Menschheit dachte: Na, jetzt differenzieren wir mal ein bißchen. Es ist anzunehmen, daß es gute Gründe dafür gab, zB Arbeitsteilung zu betreiben, nicht wahr?

In Stammesgesellschaften basiert die Produktion nicht auf Eigentumsverhältnissen (...)

Der erste Einwand wäre der, den Sie Herrn Lessing entgegen gehalten haben: Woher wollen Sie das wissen?

Der zweite Punkt ist die Frage, wie man irgendwas produzieren will, ohne auf die eine oder andere Weise Eigentumsverhältnisse ins Kalkül zu ziehen. Vielleicht haben Sie ja eine Erklärung dafür.

Der Unterworfene kann seinen Tribut in Naturalien entrichten.

Richtig. Und er kann nicht nur beim Herrscher sein Schutzgeld vermittels Naturalia bezahlen, sondern auch alle anderen, mit denen er in Austauschverhältnissen steht. Und nun lassen Sie diesen Prozeß mal über eine längere Zeit ablaufen und Sie werden ziemlich sicher irgendwann feststellen können, daß es ein Universalgut gibt, das knapp ist, gut teil- und zählbar, nicht von heute auf morgen verfällt (wenn Sie mit Äpfeln und Hammelkoteletts bezahlen, können Sie nur relativ wenig sparen und eintauschen, weil es Ihnen meistens schneller unterm Hintern wegfault, als Sie einen Tauschpartner finden, zumal der das vermutlich auch wissen dürfte und sich wohl kaum auf so einen Deal einläßt).

Sehen Sie, wohin das führt? Genau: Zu dem, was wir heute gemeinhin »Geld« nennen.

Die Vandalen haben wohl zunächst mit Bernsteinkugeln bezahlt. Das lief an sich recht gut—solange, bis der erste Vandalenschmied auf die Idee kam, den Römern ein Schwert zu verkaufen. Tja, dummerweise haben die Römer damals mit Gold und Silber bezahlt. Was würden Sie als als Vandale machen?

Fabio Bossi , am 21. September 2009 um 19:55 ( Link )

Lesenswert. Der Autor ist kein Goldbug. Ich bleibe der Meinung, daß ein solches Wuchern von Krediten nicht mölich wäre, wenn diese verbrieften Zahlungsversprechen auf Gold lauten würden. Banken und Staaten brauchen Fesseln aus Gold.

Why Ponzi Finances Fails
http://market-ticker.denninger.net/archives/1453-Find-The-Difference-Why-Ponzi-Finance-Fails.html

barthel_berand , am 21. September 2009 um 20:21 ( Link )

@ joblack

bernd_lessing hat mir ja schon einen Großteil der Arbeit abgenommen. Nur noch soviel: Meines Wissens hat die FED ihre Bilanzsumme soeben mal aus dem Handgelenk mehr als verdoppelt. Die Gütermenge leider nicht. (vermutlich hat sie es nur vergessen) Folglich passiert was? Werden wir dadurch alle ärmer oder reicher? Sie schreiben es ja selbst: Neues Geld kommt heute nur als Schuld in die Welt. Wenn Sie Bilanzverlängerung durch Geldschöpfung betreiben, hat das zur Folge, dass Ihre Eigenkapitalquote notwendigerweise sinkt. Sie werden ärmer. Ist das wirklich das Ziel der modernen Geldschöpfung, uns ärmer zu machen? Wahrscheinlich ist es nicht das Ziel dieser ahnungslosen Brut von Zentralbankern und Politikern, die diese Art der Geldschöpfung betreiben; aber sicher die Folge. Ganz sicher.

Das Deflationen einen Gesundungseffekt haben ist nicht richtig. Deflationen wirken selbstverstärkend und es ist fast unmöglich aus diesen wieder herauszukommen (das geschieht zumeist mit einem Krieg um das Wachstum und die Investition wieder anzuwerfen).

Diese Aussage ist nur deshalb richtig, weil Deflationen nicht zugelassen werden. Deflation deutet immer auf ein Strukturproblem hin. Es sind falsche Strukturen enstanden - meist durch falsch gesetzte Anreize staatlicherseits und eine krude Zinspolitik - die eigentlich weg müssten (aktuelles Beispiel ist Opel, oder auch die Automobilindustrie an sich). Dies will man aber nicht zulassen und feuert aus allen Rohren mit lockerer Geld- und Zinspolitik dagegen an (oder mit einer Abwrackprämie, oder mit Garantien - mit unserem Geld). Sinnlos. Strukturprobleme heilt man nicht durch Liquidität, wie ich schon mehrmals geschrieben habe. Man verlängert nur ihr Sterben (s. Japan). Dies steht uns auch hier bevor. Sicher ist ein Bereinigungsprozess schmerzhaft. Sehr schmerzhaft. Er ist aber unvermeidbar. Derzeit wird nur die Fallhöhe vergrößert. Nichts weiter. Oder die Lähmung vorbereitet, wie in Japan. Auch keine schöne Aussicht. "End the FED" kann ich voll unterschreiben.

Derzeit werden private Schulden nur durch staatliche Schulden ersetzt, was noch schlimmer ist. Denn wenn sich vorher die Leute Dinge gekauft haben, die sie wollten aber nicht brauchten, mit Geld, das sie nicht hatten, so gibt heute der Staat unser Geld aus, das wir nicht haben, für Dinge, die wir nicht einmal wollen. Schwachsinn im Quadrat.

Sie mögen wissen, wie Geldschöpfung detailiert funktioniert, wie das Bankwesen funktioniert, kennen Begriffe, die sonst niemand versteht, sind ein Experte in Geldschöpfung; aber Sie wissen nicht, was damit angerichtet wird.

Ich weiß auch, wie man Menschen umbringt. Deshalb ist das noch lange kein sinnvoller Vorgang.

BB

Juergen , am 21. September 2009 um 20:40 ( Link )

@ISBN3451322005

Die Frage, nach Geldschöpfung im herrschaftsfreiem Raum (ich glaube darum ging es Ihnen ursprünglich) kann ich auch nicht beantworten. In der Geschichte lassen sich dann aber doch einige Beispiele für unterschiedliche Grade der Monopolisierung (=Herrschaft) finden.

In seinen "Grundlagen der Nationalökonomie" schreibt Walter Eucken:

"Die Schaffung solchen (Waren-)Geldes ging und geht in den verschiedensten Marktformen vor sich. – Oft erfolgt sie in „geschlossenem Angebotsmonopol“: Wenn etwa eine griechische Polis in Monopol Münzen schlug und ausgab, und wenn der römische Staat seit Cäsar den Goldaureus und der byzantinische Kaiser als Monopolist den Goldsolidus in Verkehr setzten. Der Monopolist verhält sich hierbei nicht immer gleichartig. Entweder sucht er [...] die höchste Reineinnahme für sich selbst zu erzielen oder die bestmögliche Versorgung des Marktes. – Auch das „offene Angebotsoligopol“ findet sich in der Geschichte nicht selten. Im Hochmittelalter haben z.B. große Grundherren und Städte mit ihren Münzen im interlokalen Handel in oligopolistischem Wettkampf gestanden, lange Zeit z.B. die Lübecker und Kölner mit ihren Münzen im Norden Deutschlands. – Oft war schließlich „vollständige Konkurrenz“ in der Umwandlung eines Sachguts zu Geld verwirklicht. So nämlich muss man das freie Prägerecht nennen. Es bestand nicht nur in neuerer Zeit sondern auch früher. Zum Beispiel im fränkischen Reich des 6. Jahrhunderts, in dem privilegierte Münzmeister, manchmal im Wanderbetrieb jedem Gold und Silber gegen eine Gebühr ausprägten, so viel er zur Verfügung stellte. [...] Wie viel Geld umläuft bestimmt hier nicht eine Stelle, nicht ein Monopolist, der den Markt beobachtet, sondern die Menge des umlaufenden Geldes hängt davon ab, wie weit den Leitern der Einzelwirtschaften es lohnend erscheint Metall in Münzen, Sachgüter in Geld umwandeln zu lassen."

Freies Prägerecht im fränkischen Reich bedeutet gerade, dass die Geldschöpfung eben nicht staatlich kontrolliert wird. Natürlich ist dies trotzdem kein Beispiel für Geldschöpfung im herrschaftsfreien Raum, irgendjemand muss den Münzmeistern ja die Privilegien verliehen haben.

Walter Euckens Gedanken zu verschiedenen Währungssystemen sind allgemein sehr interessant, ich kann sie Ihnen nur ans Herz legen. Er bezeichnet unser heutiges System auch nicht als Staatsgeld sondern als ein Mischsystem aus geschlossenem Angebotsmonopol für Notengeld und offenem Angebotsoligopol (bis freier Konkurrenz, je nach Land) für Giralgeld. (Letzteres kann ja jede Bank schöpfen). Es gibt also ein Währungs- aber kein Geldschöpfungmonopol.

Ein Beispiel für eine nicht staatlich kontrollierte Währung aus der neueren Zeit finden Sie hier:

http://www.wir.ch/index.cfm?BFE9B56635A311D6B9940001020761E5

In der Schweiz wird seit über 70 Jahren von der WIR Bank Genossenschaft eine eigene Währung angeboten, die von etwa 60.000 KMUs für den Zahlungsverkehr untereinander genutzt wird. Die Währung ist nicht gedeckt, auch nicht durch Schweizer Franken (kann aber umgetauscht werden) und sie ist zinslos. Für wen das Sinn macht, gerne. Wichtig für die Diskussion ist ja nur, dass es keine staatliche sondern eine rein private Währung ist.

Sie hatten den Vorschlag von @FritzLiberal, frei Konkurrenz bei der Ausgabe von Währungen zuzulassen kritisiert. Aufgrund der berechtigten Befürchtung, dass das folgende "Währungschaos" zu Effizienzverlusten führt. Nun sollen Systeme aber nicht nur effizient sondern auch robustgegenüber inneren und äußeren Schocks sein. Hocheffiziente Systeme sind aber selten robust. Der von @TrebMelsa schon genannte Bernard Lietaer verdeutlicht diesen Zusammenhang sehr gut, siehe hier:
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/wirtschaft-neu/artikel/erhoehte-unfallgefahr.html
(Der brandeins-Artikel ist unbedingt zu empfehlen)
DIe biologische Evolution dreht sich eigentlich um nichts anderes als um das richtige Verhältnis zwischen Effizienz und Robustheit. Deshalb glaube ich wie viele andere in diesem Forum auch, dass sich bei einem freien Währungsmarkt dieses Verhältnis einstellen wird.

TrebMelsa Fördermitglied , am 21. September 2009 um 21:55 ( Link )

@ ISBN3451322005

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… und? Dem will ich nicht Widersprechen – nur was will man jetzt dagegen mache??
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Zumindest, mit den Mitteln, die die totalitäre Demokratie noch zulässt, die Vertreter der politischen Kelptokratenkaste ärgern. Z. B. so wie Wilhelm Hennis dies vor einigen Jahren mit seinem Aufruf zur Teilnahme an einer Petition gemacht hatte. Er hatte zwar auf lange Sicht nichts erreicht, aber wenigstens den Erfolg, dass Don Kohl-eone einige lange Monate länger auf seinen Persilschein warten musste.
Und Petitionen, so hat mit dies ein Jurist aus dem öffentliche Dienst geflüstert, machen viel Arbeit und Ärger.
Also, die politischen Kleptokraten ärgern, dies ist doch auch schon was.

Gamma , am 21. September 2009 um 22:00 ( Link )

@ joblack

"Schon wieder ein Denkfehler - die Preise fallen in der Hinsicht und damit auch die Gewinne der Unternehmen."

Es ist schon amüsant, wie sehr eine Aussage missverstanden werden kann. Ich bezog mich auf TrebMelsas Aussage, dass es im 19. Jh. Wirtschaftswachstum, relativ gleichbleibende Edelmetallmenge, und Preisstabilität gab, und wollte daraufhin wissen, was mit Preisstabilität gemeint ist.

Denn wenn man Preisstabilität so verstehen würde wie ich das später schrieb, müsste man ja davon ausgehen dass der Gesamtwert des Goldes im Vergleich zum Gesamtwert aller anderen Waren geschrumpft ist.

ISBN3451322005 , am 22. September 2009 um 8:22 ( Link )

@Viscount

Das ist zum einen vollkommen richtig und ermöglicht zum anderen eine sehr entscheidende Erkenntnis: Wenn eine Entwicklung hin zu speziellen Produktionsverhältnissen erfolgt, dann müssen diese Produktionsverhältnisse logisch gesehen vorher unspezieller, d.h. weniger differenziert gewesen sein, nicht wahr?

Speziell und unspezifisch sind hier vielleicht, auch von mir, etwas unglücklich ins Rennen geworfen. Es handelt sich um eigentumsbasierte Produktionsverhältnisse und nicht eigentumsbasierte Produktionsverhältnisse.

Dann blieben eigentlich nur noch zwei Fragen zu klären:

1. Aus welchen Gründen und mit welchem Verfahren wurde diese unspezifischere Produktion betrieben?
2. Weshalb gab es diese Entwicklung hin zu spezielleren Produktionsverhältnissen?

So im großen und ganzen ist es relativ wahrscheinlich, daß die Ausdifferenzierung der Produktionsverhältnisse nicht eines Tages auftauchte, weil sich die Menschheit dachte: Na, jetzt differenzieren wir mal ein bißchen.

Es ist anzunehmen, daß es gute Gründe dafür gab, zB Arbeitsteilung zu betreiben, nicht wahr?

Von den paar Hausgemachten Krisen mal abgesehen, liegt die Überlegenheit von eigentumsbasierten Produktionsverhältnissen (2) gegenüber der bloßen Subsistenzwirtschaft (1) auf der Hand.

Der erste Einwand wäre der, den Sie Herrn Lessing entgegen gehalten haben: Woher wollen Sie das wissen?

In dem ich die noch ursprünglichen Stammesgesellschaften betrachte. Privateigentum an Grund und Boden sind unbekannt und kein Nomade würde auf die Idee kommen, sein Zelt zu beleihen, so wie es das Verfügungsrecht über Eigentum vorsieht. Es sind keine Anzeichen zu finden, dass es in grauer Vorzeit anders war. Anzeichen für einen Bruch, weg von einer eigentumsbasierten Wirtschaft, sind auch nicht auffindbar.

Der zweite Punkt ist die Frage, wie man irgendwas produzieren will, ohne auf die eine oder andere Weise Eigentumsverhältnisse ins Kalkül zu ziehen. Vielleicht haben Sie ja eine Erklärung dafür.
Eigentum definiert eine Verfügungsgewalt die über das Produzieren hinausgeht. Die Indianer produziert ja auch – auf Grund und Boden zu dem niemand in einem Eigentumsverhältnis steht.

Richtig. Und er kann nicht nur beim Herrscher sein Schutzgeld vermittels Naturalia bezahlen, sondern auch alle anderen, mit denen er in Austauschverhältnissen steht. Und nun lassen Sie diesen Prozeß mal über eine längere Zeit ablaufen und Sie werden ziemlich sicher irgendwann feststellen können, daß es ein Universalgut gibt, das knapp ist, gut teil- und zählbar, nicht von heute auf morgen verfällt (wenn Sie mit Äpfeln und Hammelkoteletts bezahlen, können Sie nur relativ wenig sparen und eintauschen, weil es Ihnen meistens schneller unterm Hintern wegfault, als Sie einen Tauschpartner finden, zumal der das vermutlich auch wissen dürfte und sich wohl kaum auf so einen Deal einläßt).

Sehen Sie, wohin das führt? Genau: Zu dem, was wir heute gemeinhin »Geld« nennen.

Ja, ich sehe wo das hinführt. Der Ursprung (Keim) des Geldes liegt aber im Austauschverhältnis zum Herrscher, was sicherlich nichts mit dem Austauschverhältnis auf dem Markt zu tun hat. Erst wenn das Austauschverhältnis zum Herrscher geklärt ist konstituieren sich besicherte Austauschverhältnis auf dem Markt im ökonomischen Sinne. Zumindest – und ich wiederhole mich - ist mir kein Markt im herrschaftsfreien Raum bekannt. Es ist nie ein freier Mensch auf einen freien Markt getreten. Die Indianer waren von mir aus frei, hatten aber keinen Markt und auch keine individuellen eigentumsbasierten Verfügungsrechte über das Produzierte, um es am Markt anbieten zu können.

Und deshalb halte ich Aussagen wie „Geld dem freien Markt zurückgeben“ oder „Geld ist das universelle Tauschmittel für das sich freie Menschen am freien Markt entschieden haben“ nicht für haltbar.

Hier kann natürlich nicht an eine haarscharfe Trennung gedacht werden. Der Herrscher macht heute Geld und eröffnet morgen den Markt. Sicherlich ist hier in der Entwicklung Gegenseite Einflussnahme zu verzeichnen Aber der Ursprung des Geldes liegt beim Herrscher, damals wie heute.

Die Vandalen haben wohl zunächst mit Bernsteinkugeln bezahlt. Das lief an sich recht gut—solange, bis der erste Vandalenschmied auf die Idee kam, den Römern ein Schwert zu verkaufen. Tja, dummerweise haben die Römer damals mit Gold und Silber bezahlt. Was würden Sie als Vandale machen?

?? Mein reden…, die vorherrschende Macht, das Römische Reich, sagt wo es lang geht…, gezahlt wird mit Gold und Silber, nix Bernsteinkugeln…

TrebMelsa Fördermitglied , am 22. September 2009 um 8:36 ( Link )

@ ISBN3451322005

%%%%
Bernhard Laum verortet den Ursprung des Geldes im Kultus und der Staat ist Schöpfer des Geldes, weil er Träger und Hüter des Kultus ist
%%%%

Ich vermute Sie beziehen sich auf dieses Buch von 1924 >>Bernhard Laum: Heiliges Geld. Eine historische Untersuchung über den sakralen Ursprung des Geldes<< ?

Ich sehe darin keinen Widerspruch zu z. B. Rothbard oder Hülsmann, die den Kultus sozusagen im Vorübergehen auch erwähnen bzw. einbeziehen. Nichtsdestotrotz gehen beide Autoren weiter zurück als nur zum antiken Tempelkult (wobei ich hier einzuräumen habe, dass ich bisher von Laums Buch nur Inhaltbeschreibungen bzw. Inhaltszusammenfassungen gelesen habe). Und so wie ich den logischen Aufbau der Argumentation bei Rothbard oder Hülsmann sehe, schätze ich es eben auch als wahrscheinlicher ein, dass die Tauschfunktion schon lange vor dem Priester-Obrigkeiten-Tribut-Kultus existent war. Also die Einführung von Geld keinen hoheitlichen Akt bedingt.
Dabei ist es ziemlich gleichgültig, was für ein Gut die Tauschmittelfunktion z. B. bei den Nomadenvölkern übernommen hatte. Es sollen die verschiedensten Dinge gewesen sein, die jedoch die Rechen-, die Tausch- und auch (nicht immer) die Wertaufbewahrungsfunktion zufriedenstellend erfüllten.

Was ich nicht verstehe, dies ist Ihre Bemerkung:

§§§§
Geld ist ohne Eigentum nicht definierbar, Eigentum ist ohne Mach nicht definierbar. Die Macht liegt beim Herrscher (Staat). Der Staat ist die ursprüngliche Herrschaftsmacht ausgerüstete Verbandseinheit sesshafter Menschen, die seit ihrem Ursprung nicht verschwunden ist PUNKT
§§§§

Ohne Eigentum findet kein Tausch statt, habe ich dies irgendwo bestritten?
Die Macht des Herrschers sich an meinem Eigentum zu vergreifen hat jedoch Grenzen. Bevor der Herrscher mir meinethalben mein Haus wegnimmt, kann ich dieses abfackeln.
Und auch ist jeder Mensch hier auf Erden zunächst einmal sein Selbsteigentümer und nicht Eigentümer irgendeines anderen irdischen Wesens. Sollte sich also irgendein Machttyp einbilden, dass andere Menschen sein Eigentum sind, dann können diese – wie z. B. in Westindien zur Kolonialzeit geschehen – durch Selbsttötung das Gegenteil zeigen. Wie die Selbsttötung mit religiösen Fragen – z. B. im Rahmen des Christentums – verwoben ist, lasse ich hier außen vor.

ISBN3451322005 , am 22. September 2009 um 8:42 ( Link )

@Juergen

In der Geschichte lassen sich dann aber doch einige Beispiele für unterschiedliche Grade der Monopolisierung (=Herrschaft) finden.

Ja! sicherlich…, keine Frage…

Und danke für den Walter Ecken Hinweis, durch den ich mich aber nicht grundsätzlich ausgehebelt fühle. Er zeigt nur auf, dass die Herrschaftsmacht das Geldwesen in unterschiedlicher Art und Weise zu organisieren versteht. Und, wie gesagt, geht es mir bei meinem Geschreibsel primär um den Ursprung des Geldes.

Sie hatten den Vorschlag von @FritzLiberal, frei Konkurrenz bei der Ausgabe von Währungen zuzulassen kritisiert.

Wer lässt zu und wieso sollte er es tun? Um freiwillig eines seiner schärfsten Machtmittel aus der Hand zu geben? Es womöglich einem Anderen überlassen? Kaum vorstellbar.

ISBN3451322005 , am 22. September 2009 um 9:36 ( Link )

@Juergen

Auf dem Weg in mein Autistenbüro ist mir noch die folgende mögliche Steigerung in den Sinn gekommen.

Da der Laden, auch in der von W.Euken beschriebenen Zeit, vom Machtinstrument des Glaubens zusammen gehalten wurde, konnte sich der Herrscher noch ein „liberales“ Geldwesen erlauben.

In der Moderne ist der Glaube bereits privatisiert und so werden die Herrschenden wohl kaum das Geldwesen, als letztes Mittel aus der Hand geben, das den Laden noch zusammenhält.

@TrebMelsa
jetzt muss ich ausnahmsweise erst mal arbeitsvertraglich festgelegten Verpflichtungen nach kommen....

oder doch lieber als Zeitmillionär in Hartz IV fallen lassen?

Viscount , am 22. September 2009 um 11:36 ( Link )

@ISBN

Mein reden…, die vorherrschende Macht, das Römische Reich, sagt wo es lang geht…, gezahlt wird mit Gold und Silber, nix Bernsteinkugeln…

Nö. Die Römer haben die angrenzenden Völker ja nicht gezwungen, den römischen Münzstandard einzuführen. Das hat sich, eben justament durch Handel und Wandel, wie von selbst ergeben. Da lief kein anderer Prozeß ab als innerhalb des Vandalengebiets, zumal der erste logische Schritt auf seiten unseres bekannten Vandalenschmieds auch nicht ist, von jetzt auf gleich auf Gold umzustellen, sondern zunächst mal eine Art Wechselkurs zu ermitteln zwischen der Bernsteinwährung und en komischen Goldplatten, mit denen die Latiner bezahlten.

Bezeichnenderweise entstammt das Münzregal des Mittelalters ja nicht irgendeinem Staatszauber oder dergleichen, sondern geht auf das Domänenrecht des Herrschers zurück, also auf privaten Besitz des Herrschers in seinem Gebiet.

ISBN3451322005 , am 22. September 2009 um 14:13 ( Link )

@Juergen

Nö. Die Römer haben die angrenzenden Völker ja nicht gezwungen, den römischen Münzstandard einzuführen.

Die angrenzenden Völker führen den Römischen Münzstandard freiwillig ein? Umso besser für die Römer und ändert nichts daran, wer Herr über diesen Münzstandard ist.

Der Euro kam ja auch mit der logischen Zwanglosigkeit der mehrheitsgebundenen Gesetzgebung und die Ossis dürsteten, im Konsens aller Beteiligten, vollkommen zwanglos nach der DM.

Das hat sich, eben justament durch Handel und Wandel, wie von selbst ergeben. Da lief kein anderer Prozeß ab als innerhalb des Vandalengebiets, zumal der erste logische Schritt auf seiten unseres bekannten Vandalenschmieds auch nicht ist, von jetzt auf gleich auf Gold umzustellen, sondern zunächst mal eine Art Wechselkurs zu ermitteln zwischen der Bernsteinwährung und en komischen Goldplatten, mit denen die Latiner bezahlten.

Der Prozess der „Gelderfindung“ war zu diesem Zeitpunkt längst durch. Was Sie beschreiben zeigt nur, wie sich die Teilhabe an der „Erfindung“ und die Anpassung verschiedener Entwicklungsstufen vollziehen kann. Zwang muss dabei nicht unbedingt eine Rolle spielen

Bezeichnenderweise entstammt das Münzregal des Mittelalters ja nicht irgendeinem Staatszauber oder dergleichen, sondern geht auf das Domänenrecht des Herrschers zurück, also auf privaten Besitz des Herrschers in seinem Gebiet.

Was unterscheidet das Domänenrecht des Herrschers vom Staatszauber?

ISBN3451322005 , am 22. September 2009 um 14:41 ( Link )

@TrebMelsa

&&&&… und? Dem will ich nicht Widersprechen – nur was will man jetzt dagegen mache?? &&&&

Zumindest, mit den Mitteln, die die totalitäre Demokratie noch zulässt, die Vertreter der politischen Kelptokratenkaste ärgern….

Sicherlich…, die Möglichkeiten sind Mannigfaltig, bis hin zu dem Weg, den Jesus beschritten hat. Kann aber eben beliebig viel Kosten und im Zeitalter der alles beherrschenden Wirtschaftlichkeit steht die Frage im Mittelpunkt, ob es sich für mich lohnt.

Nichtsdestotrotz gehen beide Autoren weiter zurück als nur zum antiken Tempelkult

Na ja…, ich frage mich ja schon, wie irgendwelche Altertumsforscher, aus irgendwelchen Hyroglyphen, Grabbeigaben und Ruinen, belastbare Erkenntnisse über die gesellschaftlichen Gegebenheiten im Zeitalter des Antiken Tempelkults ziehen können. Wenn Rothbard oder Hülsmann noch weiter zurück gehen, kann das mit Wissen eigentlich nicht mehr viel zu tun haben.

Ohne Eigentum findet kein Tausch statt, habe ich dies irgendwo bestritten?

Nicht das ich wüsste…?

Die Frage ist, wie kommt es zu wirtschafts- bzw. marktrelevantem Eigentum.

Die Macht des Herrschers sich an meinem Eigentum zu vergreifen hat jedoch Grenzen. Bevor der Herrscher mir meinethalben mein Haus wegnimmt, kann ich dieses abfackeln.
Und auch ist jeder Mensch hier auf Erden zunächst einmal sein Selbsteigentümer und nicht Eigentümer irgendeines anderen irdischen Wesens. Sollte sich also irgendein Machttyp einbilden, dass andere Menschen sein Eigentum sind, dann können diese – wie z. B. in Westindien zur Kolonialzeit geschehen – durch Selbsttötung das Gegenteil zeigen. Wie die Selbsttötung mit religiösen Fragen – z. B. im Rahmen des Christentums – verwoben ist, lasse ich hier außen vor.

Ja, sicherlich hat die Macht des Herrschers Grenzen. Hinter dieser Grenze beginnt die nackte Gewalt, das Recht des Stärkeren. Sofern nicht, wie in der Stammesgesellschaft üblich, Tradition und Blutsverwandtschaft für Ordnung sorgt.

Hinter dieser Grenze und außerhalb des Herrschaftsrahmens macht der Eigentumsbegriff aber auch keinen sinn und es existier auch kein Markt, der nach Angebot und Nachfrage Tauschgeschäfte reguliert. Die Ökonomen haben an dieser Stelle die mysteriöse unsichtbare Hand erfunden, um nicht vom Traum des freien Marktes zu erwachen.

Außerhalb des Herrschaftsrahmens ist leider niemand, der meinen gewaltsamen Zugriff auf Ihr Eigentum sanktioniert. Das können Sie dann nur selber übernehmen. Nicht auf der Basis von Recht und Ordnung, sonder nur auf der Basis Ihrer physischen Überlegenheit. Ob Sie die Sache um die es dann bei unserem Ringen geht Ihr Eigentum nennen ist irrelevant.

Was ich nicht verstehe, dies ist Ihre Bemerkung: Geld ist ohne Eigentum nicht definierbar, Eigentum ist ohne Mach nicht definierbar.

Die Tauschmittelfunktion ist für die Definition von Geld nicht hinreichend. Sonst wäre alles Geld und ein Schaf nicht nur ein Schaf, sondern auch Geld. Wenn dem so wäre, dann wäre das Geldwesen vollkommen frei, weil es nach meinem Wissen nicht verboten ist, ein Fahrrad gegen eine Motorsäge zu Tauschen.

Geld, als Kredit und Wertspeicher verstanden, setzt Kreditwürdigkeit mittels belastbaren Eigentums voraus, in das ich das Geld zum Termin vollstrecken kann…., so oder so ähnlich… wandle ich auf dünnem Eis...

@alle die noch da sind…

Nachdem hier oft nicht viel rüberkommt, wurde ich ja nun doch noch halbwegs sinnstiftend in der Rübe weich geklopft und bin nun etwas Diskussionsmüde und verbleibe bis auf weiteres mit allumfassenden Halbwissen und freundlichen Grüßen.

Viscount , am 22. September 2009 um 15:05 ( Link )

@ISBN

Nachdem hier oft nicht viel rüberkommt, wurde ich ja nun doch noch halbwegs sinnstiftend in der Rübe weich geklopft und bin nun etwas Diskussionsmüde und verbleibe bis auf weiteres mit allumfassenden Halbwissen und freundlichen Grüßen.

Weichei. ;-)

P.S.: Ich bin übrigens nicht der Juergen, sondern der Viscount. Schwamm drüber.

Molot , am 22. September 2009 um 20:40 ( Link )

und kein Nomade würde auf die Idee kommen, sein Zelt zu beleihen,

Wieso nicht, wenn er keine andere Sicherheit bieten kann, was glauben Sie was heutzutage alles beliehen wird?
Die Indianer produziert ja auch – auf Grund und Boden zu dem niemand in einem Eigentumsverhältnis steht.

Ja, so ählich muß George Custer auch gedacht haben, wurde aber eines besseren belehrt.
Die Indianer waren von mir aus frei, hatten aber keinen Markt und auch keine individuellen eigentumsbasierten Verfügungsrechte über das Produzierte, um es am Markt anbieten zu können.

Sie hätten blos mal versuchen müssen, mit diesem Argument, so einem Indianer seinen Flitzbogen oder seine Bieberfelle wegzunehmen, der hätte Ihnen sofort das Gegenteil eingebleut.
EIGENTUM existierte schon, bevor sich die Menschheit von den Bäumen herunterwagte.

Und Handel (Tausch) ebenfalls.
B.Ullmann

TrebMelsa Fördermitglied , am 22. September 2009 um 22:10 ( Link )

@ Gamma

Sie hatten mir eine Frage gestellt, auf welche ich bisher nicht reagiert hatte. Entschuldigen Sie dies bitte! Da ich in diesem Rahmen persönlich verleumdet und persönlich beleidigt worden bin (nicht von Ihnen), hatte ich mir reiflich überlegt, ob ich überhaupt antworten solle.

Nun, ich habe mich entschieden indirekt zu antworten, d. h. mit Literaturangaben, um erneutem vulgären und dummen Gewäsch aus dem Weg zu gehen.

Also Murray Newton Rothbard und Jörg Guido Hülsmann erklären Ihr Anliegen in verschiedenen Texten so gut, wie ich es nicht könnte. Deshalb empfehle ich als Lesung, die Bücher sollten zumindest über die Fernleihe erhältlich sein:

Murray Newton Rothbard: Das Scheingeldsystem. Rech-Verlag, 2. Auflage 2005; diese deutsche Übersetzung hat als Basis die amerikanische Ausgabe „What has Goverment done to our money?, 4. Auflage 1990, Ludwig-Mises-Institute.

Jörg Guido Hülsmann: Die Ethik der Geldproduktion. Manuscriptum 2007; die deutsche Übersetzung basiert auf der amerikanischen Ausgabe vom Ludwig-Mises-Institute, 2007, „The Ethics of Money Production“.

Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen analysiert Rothbard in den Kapiteln 8 (Das „richtige“ Geldangebot) und Kapitel 9 (Das Problem des „Hortens“). Bei Hülsmann findet man zunächst im Teil 3 (Das Geld und der Marktprozeß) Antworten zu Umfang und Grenzen der Geldproduktion und in Teil 4 (Wie zweckmäßig ist die natürliche Geldproduktion) unter 2. und 3. Prof. Hülsmanns Antworten zu ‚Wirtschaftswachstum und Geldmenge’ und zum ‚Horten’.

Falls Sie noch an weiterer Literatur interessiert sind, dann wäre natürlich in erster Linie die Habilitationsschrift des Ludwig von Mises ‚Theorie des Geldes und der Umlaufmittel’ zu nennen. Wobei die deutsche Ausgabe des Verlages Duncker & Humblodt von 2005 ein Nachdruck der 2. Auflage von 1924 ist. M. W. nach ist die amerikanische Ausgabe noch um einige Positionen erweitert. Ich gebe gerne zu, dass ich die amerikanische Ausgabe nicht gelesen habe, ganz einfach, weil mein Englisch zu schlecht ich, um alles richtig zu verstehen.
Aus diesem Grunde kann ich eben auch nicht behaupten, dass ich Rothbards Werk über die ‚große Depression’ richtig verstanden habe.

Sollten Sie eine etwas einfachere Beschreibung der von Ihnen angesprochenen Probleme vorziehen, dann wäre Roland Baaders Buch „Gold, Geld und Gottspieler“ von 2004 zu empfehlen. Baader schreibt hier für ein breites Publikum, also nicht unbedingt für Ökonomen. D. h., dass das Buch in umgangssprachlichem Deutsch verfasst ist – keine trockene Ökonomensprache.
Übrigens sagte Baader in diesem Buch das Szenario, welches seit letztem Jahr als Weltfinanzkrise bezeichnet wird, exakt voraus – m. W. nach hatte er schon 1998 in einem Artikel erstmals vor einer solchen Krise gewarnt. Andere Ökonomen, die sich m. W. nach zu den Austrians rechnen, wie z. B. Hans Friedrich Sennholz, Gary North, William Bonner, Peter Schiff, Mark Thornton oder Frank Shostak, hatten auch frühzeitig gewarnt. Die Warner wurden natürlich nicht gehört oder sogar ausgelacht. Und jetzt wo die Krise da ist, wer wird um Rat gefragt, die Warner? Nein, diejenigen, die von der Krise überrascht waren und sogar, wie z. B. Paul Krugman, jahrelang die Geld- und Kreditpolitik gefordert haben, welche schließlich diese Krise auslöste.
Genauso war es vor 1929. Felix Somary, Bankier und Austrian, warnte schon 1925 vor dem großen Crash, ebenso Mises und Hayek 1928 über Veröffentlichungen des ‚österreichischen Institut für Konjunkturforschung und Statistik’. Die Warnungen wurden verlacht, gehört wurde auf Irving Fisher und John Maynard Keynes, die beide vom Crash überrascht wurden. Fisher, der noch wenige Tage vor dem Crash von einer noch jahrelang weitergehenden Börsenparty schwärmte, ging durch den Crash in Konkurs und Keynes verlor erheblich.

M. E. zeigen alleine diese beiden Beispiele, dass die „österreichische Schule“ nicht die falsche Lehre sein kann. Einen guten Überblick und eine gute Einführung in die „österreichische Schule“ bietet Jesús Huerta de Soto: Die österreichische Schule der Nationalökonomie – Markt und unternehmerische Kreativität, Hayek-Institut-Wien 2007. In diesem Buch sind ein paar ausgezeichnete Tabellen enthalten, welche in plakativer Art die Unterschiede zwischen der „österreichische Schule“ und der sog. „neoklassischen Synthese“ aufzeigen.

M. E. werden Sie für Ihre Fragen in den Veröffentlichungen der „Zeichengeldtheoretiker“ (egal ob Monetaristen oder Keynesianer) keine Antwort finden. Persönlich weiß ich keinen, der eine befriedigende Antwort gibt. Obwohl ich mich mit diesen Theorien im Studium intensiv auseinandersetzen musste, denn mein VWL-Professor für ‚Geld-Kredit-Währung’ war ein Keynesianer reinsten Wassers und erklärter Anhänger des „Zeichengeldes“. Um dessen Seminare, Klausuren und sonstige Prüfungen mit guten Noten zu meistern, hatte man eben die Steckenpferde des Professors zu pauken. Eine ähnliche Bemerkung ist mir schon als ‚relativieren’ vorgeworfen worden, dabei war und ist dies nur eine Klarstellung.

Ich hoffe, dass Sie mit dieser Antwort zufrieden sind und nicht glauben ich möchte mich herausmogeln. Ich habe nur keine Lust wiederum von einer gewissen Seite Beleidigungen und Verleumdungen zu lesen.

Übrigens haben Murray Newton Rothbard und Hans-Hermann Hoppe die „österreichische Schule“ durch Arbeiten zur politischen Ethik normativ erweitert, da Rothbard der Ansicht war, dass die Wirtschaftstheorie alleine eine normative Begründung für den ‚freien Markt’ nicht erbringen kann und nur Bestandteil einer umfassenden Sozialphilosophie ist.

ISBN3451322005 , am 23. September 2009 um 8:24 ( Link )

@Molot

Witzblödia…

Eigentum ist die Verfügungsgewalt über Gegenstände auf rechtlicher Grundlage. Vom Besitz unterscheidet sich das Eigentum dadurch, dass es einen Rechtstitel voraussetzt. Ein Titel bezeichnet in der Rechtswissenschaft ein verbrieftes Recht. Und ich ergänze…., wir leben in einer verbrieften Welt - wer stellt diese Briefe aus?

Die Indianer konnten sich bei der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage nur auf Manitu berufen George Custer auf seinen Präsidenten und wer sich heute bei uns auf Gott beruft wird ausgelacht.

Ich finde es immer sehr bemerkenswert, wie die selbsternannten Freiheitsfreunde und angeblichen Kollektivismusgegner ihre moderne kulturelle und ökonomische Denke mit dem Heil der absoluten Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit segnen und ausnahmslos allem und jedem überstülpen.

Vollkommen ausgeschlossen, das unser Eigentumsbegriff bei den Indianer nicht auftrat. Wir sind doch alle gleich!?

Um nicht wieder auf irgendwelche Sensibilitäten zu treten, bin gnädig und gehe davon aus, dass der ein oder andre hochgeschwungene Freiheitsfreund eigentlich gar keine Ahnung hat was es mit dem Eigentum auf sich hat. Eigentum klingt nur einfach irgendwie gut.

nl , am 23. September 2009 um 11:14 ( Link )

Eigentum entsteht durch Übereinkunft zwischen A und B. A und B respektieren einander und den Gebrauch ihrer Güter, da sie das für nützlich sehen. C und D usw. sehen das auch so und so entsteht eine Grundlage allgeminer Akzeptanz in einer Gesellschaft. Einen Rechtstitel braucht es dazu nicht. Das ist nur die dogmatische Sicht der Rechtspositivisten. Ob bei Indianern oder Europäern - das Prinzip ist das Gleiche, Das was als Eigentum angesehen wird, ist aufgrund der Lebensweise in der konkreten Ausprägung etwas anders. So what?

TrebMelsa Fördermitglied , am 23. September 2009 um 12:31 ( Link )

@ nl

>>>>Einen Rechtstitel braucht es dazu nicht. Das ist nur die dogmatische Sicht der Rechtspositivisten. Ob bei Indianern oder Europäern - das Prinzip ist das Gleiche<<<<

Korekt: 100% Zustimmung, nur Rechtspositivisten pochen auf einen Rechstitel.

Man könnte natürlich streiten, ob bloße Okkupation von herrenlosem Gut schon genügt, oder ob - wie Rothbard es in Anlehnung an Locke fordert - das herrenlose Gut immer mit der eigenen menschlichen Arbeit vermischt werden muss, um dadurch in einem veredelten Zustand zu Eigentum zu werden.
Aber einen Rechtstitel braucht es in keinem der beiden Fälle.

ISBN3451322005 , am 23. September 2009 um 13:07 ( Link )

@nl

C und D usw. sehen das auch so und so entsteht eine Grundlage allgeminer Akzeptanz in einer Gesellschaft.

und wenn nicht hilft man eben ein wenig nach...

Es schüttelt mich zwar, aber ich warte nun einfach mal ab, bis diese dolle Theorie ihre segensreiche Wirkung entfaltet. Auf ein paar tausend Jahre mehr oder weniger kommt es ja nun auch nicht mehr an.

nl , am 23. September 2009 um 16:06 ( Link )

> ein paar tausend Jahre

Die Antropologen schreiben alle, dass das i.R. ganz spontan passiert, ehe es einer wirklich begriffen hat.

bernd_lessing , am 23. September 2009 um 19:17 ( Link )

@ISBN3451322005:

"Eigentum ist die Verfügungsgewalt über Gegenstände auf rechtlicher Grundlage. Vom Besitz unterscheidet sich das Eigentum dadurch, dass es einen Rechtstitel voraussetzt."

Das ist schon mal im juristischen Sinne nicht korekt: Besitz beschreibt lediglich die aktuelle (!) physische (!) Verfügungsgewalt, Eigentum die gesamten Rechte an der Sache.

"Ein Titel bezeichnet in der Rechtswissenschaft ein verbrieftes Recht. Und ich ergänze…., wir leben in einer verbrieften Welt - wer stellt diese Briefe aus?"

Und wieder liegen Sie falsch: Ein Recht ist ein Recht, also komplett abstrakt. Man kann Recht niederschreiben, verbriefen und durchsetzen - das sind Dinge, die ein Staat gerne mal tut. Aber das Recht war vor dem Staat und existiert unabhängig von diesem. So oft Sie es wiederholen: Weder Rechte noch Eigentum entstehen durch "staatliches Dekret".

"Ich finde es immer sehr bemerkenswert, wie die selbsternannten Freiheitsfreunde und angeblichen Kollektivismusgegner ihre moderne kulturelle und ökonomische Denke mit dem Heil der absoluten Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit segnen und ausnahmslos allem und jedem überstülpen."

Überstülpen? Gott behüte, ich will Ihnen nichts "überstülpen". Wenn ich Sie nicht mit Argumenten überzeugen kann, ist mir das letzten Endes auch egal. Ansonsten halte ich es mit Murray Rothbard: Die libertäre Ethik folgt einer logischen Argumentation. Sie ist keineswegs unfehlbar. Insofern steht Ihnen frei, mit logischen Argumenten auf Augenhöhe dagegen zu argumentieren. Dass "Überzeugungen" oder Geschichte logische Argumente nicht ersetzen können, ist an dieser Stelle wohl selbstredend.

barthel_berand , am 24. September 2009 um 1:13 ( Link )

@ all

Mal wieder was zum eigentlichen Thema:

Das Handelsblatt über Ron Paul und "End the Fed"

BB


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