Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef-Einkaufspartner

Wenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button:

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

ef Television

Österreichische Schule: „Wissen macht reich!“

von Andreas Tögel

Bericht über eine Veranstaltung des Austrian Economic Center

Das den Ideen der „Österreichischen Schule“ verpflichtete Austrian Economic Center richtete gemeinsam mit dem Superfund (ein 1995 gegründetes Investmentunternehmen) am 3. September in Wien eine Podiumsdiskussion zu obigem Thema aus. Es sollten (nicht ohne etwas dick aufgetragene Werbung für den Veranstaltungssponsor und die Bezirksvorsteherin des 1. Bezirks) Antworten auf die Frage gefunden werden, über welches Wissen man unserer Tage verfügen müsse, um nicht zum Opfer ungünstiger wirtschaftlicher Entwicklungen – insbesondere im Bereich der Geldveranlagung – zu werden.

Moderatorin Barbara Kolm von Hayekinstitut betonte in ihren einleitenden Worten die im Hinblick auf den individuellen Wohlstand vielfache Bedeutung von Wissen – etwa als Voraussetzung auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz und die Fähigkeit, erspartes Geld bestmöglich anlegen zu können.

Der in Vertretung von Wissenschaftsminister Hahn erschienene Generalsekretär des Hauses, Friedrich Faulhammer, erklärte, dass Wissensvermittlung nicht ausschließlich der öffentlichen Hand vorbehalten sein könne, sondern auch private Initiativen (wie die des Superfund, der eben mit einer Roadshow durch die Lande zwischen Wien und Berlin tourt) wachsende Bedeutung hätten. Die Beschäftigung mit Fragen wirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten habe etwa in seiner eigenen Familie große Bedeutung. Es wäre unerlässlich, grundlegende Zusammenhänge einer vernetzten Ökonomie zu begreifen.

Markus Weigel vom Superfund stellte in seiner Wortmeldung fest, dass die Finanzwelt immer komplexer werde und es daher für private Anleger wichtig sei, sich umfassend mit Fragen von Veranlagungszielen und deren möglichen Risiken auseinanderzusetzen. Nur wenige Anleger wüssten derzeit mit Begriffen wie „Futures“ und „Optionen“ umzugehen und diese richtig einzuordnen. Welche Wirkungen könne man von Regulierungen erwarten? Welche Unterschiede existieren zwischen verschiedenen Märkten und warum? Das wären Themen, deren man sich verstärkt annehmen müsse.

Wolfgang Layr, Vorstand der Volksbank Wien, meinte, dass es an einer „Finanzerziehung“ fast vollständig mangle. Ziele einer Veranlagungsstrategie und deren mögliche Risken zu kennen, sollte für einen 18-Jährigen heute ebenso selbstverständlich sein wie der Erwerb des Führerscheins, da man einschlägigen „Experten“ nicht völlig uninformiert entgegentreten dürfe. Er sei stolz darauf, dass sein Institut viel in die Mitarbeiterschulung investiere und die von ihm beratenen Kunden daher nicht zu den Verlierern der negativen Entwicklungen der letzten eineinhalb Jahre gehörten.

Markus Leeb, Wirtschaftsredakteur von „News“ betonte die große Bedeutung der Journalistenzunft, was Tendenz und Inhalte ihrer Berichterstattung in Wirtschaftsfragen angehe. Ein Schwergewicht auf Erfolgsgeschichten und die Thematisierung der Vorbildwirkung bestimmter Akteure habe langfristig große Bedeutung. So habe es etwa zehn Jahre gebraucht, um das Thema private Pensionsvorsorge einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen.

Die Gefahr der nächsten „Blasenbildung“ sehe er im Bereich der [mit Steuergeldern! Anm. d. Red.] vorangetriebenen „grünen“ Technologien.

Danielle Dycus von der CME-Gruppe (ein internationales Investmentunternehmen) meinte, dass – entsprechendes allgemeines Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge vorausgesetzt – die „Housing-bubble“ in den USA nicht hätte entstehen können. Die Vermittlung ökonomisch relevanter Sachverhalte sollte daher schon in den Grundschulen zur Selbstverständlichkeit werden.

Markus Weigel wies darauf hin, dass der spätere Nobelpreisträger Harry Markovitz bereits 1952 zeigen konnte, dass diversifizierte Portfolios dazu führen, Anlagerisiken zu senken und Ertragschancen zu mehren. „Niemals alle Eier in einen Korb packen“ wäre daher das Credo jedes langfristig erfolgreichen Investors, denn nur ein Investor, der niemals irre, brauche seine Anlagen nicht zu streuen. Computergestützte Handelsmodelle wie die seines Fonds seien geeignet, die stets von Emotionen beeinflussten Entscheidungen von Anlegern zu optimieren. „Managed Futures“ vereinigten Systematik, Disziplin und Emotionslosigkeit zu Erfolgsmodellen, die dem Investor auch bei fallenden Kursen positive Erträge bescherten.

Markus Leeb kritisierte, dass der Begriff „Kapitalismus“ zuletzt völlig pervertiert worden und ein System als „Kapitalismus“ verdammt worden sei, das gar keiner wäre.

In der anschließenden Publikumsdiskussion wurde von einem der Diskutanten die Fragwürdigkeit des derzeit weltweit etablierten „Fiat-Money-Systems“ kritisiert und die Rückkehr zum Goldstandard gefordert. Nur dieser könne eine nachhaltige Geldwertstabilität sicherstellen und die Gefahr einer Hyperinflation bannen. Ein anderer Teilnehmer (ein ehemaliger Redakteur des Staatsrundfunks ORF) benannte zwei für das Thema des Abends entscheidende Personengruppen: die Lehrer und die Politiker. Erstere hätten in drei Viertel der Fälle keinen blassen Schimmer von wirtschaftlichen Zusammenhängen. Wie aber sollten sie diese dann der Jugend vermitteln?! Die zweite habe gerade jetzt, da in Österreich das (selbstverständlich für alle verpflichtend verordnete!) „Gratiskindergartenjahr“ Realität werden sollte, bewiesen, was von der Qualität ihrer Planung zu halten sei. Es stünden nämlich weder die dafür nötigen Mittel noch das Personal zur Verfügung, weshalb nun peinlicherweise ein einjähriger Aufschub habe verfügt müssen. Nachsatz: „Und von solchen Trotteln erwartet man ernsthaft die Etablierung einer funktionierenden Finanzmarktaufsicht?“

Dem letzten Satz ist im Grunde nichts hinzuzufügen. Doch, etwas schon: dass alle auf dem Podium Versammelten kein kritisches Wort zur wachsenden Regulierungswahn der Bürokratie fanden, sondern es als quasi selbstverständlich akzeptierten. Dass offenbar allen Volten der politischen Eliten widerspruchslos gefolgt wird, ist wohl für jeden Freisinnigen niederschmetternd.

05. September 2009

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen