Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Sommerloch in Österreich: Die Süßspeisen-Sorgen der staatlich besoldeten Intellektuellen

von Andreas Tögel

Über den vom Aussterben bedrohten „Mohr im Hemd“

Hatten Sie schon einmal die Möglichkeit, einen „Mohr im Hemd“ zu genießen? Wenn nicht, dann wird´s höchste Zeit, denn nach dem Willen der politisch korrekten Massen (insbesondere der aus den Reihen der Redakteure des Ösi-Staatsrundfunks ORF stammenden) sollte damit besser heute als morgen Schluss sein. Natürlich geht es (zumindest vorerst) nicht darum, eine im Land der Hämmer beliebte Süßspeise abzuschaffen. Vielmehr handelt sich um deren Bezeichnung!

Sollten Sie es nicht gewusst haben: „Mohr“, so werden wir von den stets mit dem Finger am Puls der Zeit lebenden Damen und Herren ORF-JounalistInnen belehrt, ist ein zutiefst „rassistischer Begriff“ und daher unerträglich. Natürlich ist auch gleich ein im Sold einer Menschenrechts-NGO stehender, überdurchschnittlich stark pigmentierter Mitmensch zur Stelle, der in schlechtestem Deutsch, dafür aber mutmaßlich den Tränen nahe, etwas von „Diskriminierung“ stammelt. Und der Mann hat ja auch recht! Wo kommen wir denn hin, wenn jeder hergelaufene Wirt oder Konditor seinen Speisen „diskriminierende“ Namen gibt?! Der Umstand, dass die Bezeichnung „Mohr im Hemd“ in Österreich seit ewigen Zeiten gebräuchlich ist (und sich bisher kein Mensch etwas Böses dabei gedacht hat), ist bedeutungslos, denn heute sind wir ja alle miteinander viel gescheiter und sensibler als unsere dumpfen Altvorderen, net woah? Also, künftig hat das kalorienreiche Dessert gefälligst „Schokoladekuchen mit Schokofüllung und Schlagobers“ zu heißen, gell?

Wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern gleich auch mit dem diskriminierenden Wahnsinn des „Zigeunerschnitzels“ aufräumen. „Roma-und-Sinti-Schnitzel“ – klar? Und die Mohren-Bräu (ein Vorarlberger Brauereibetrieb) gehört einfach von Staats wegen zwangsumgetauft! Was gilt schon der Wert einer gut eingeführten Marke gegen die Gefühle afrikanischer Zuwanderer? Dass ein prominenter Wiener Kaffeeröster sich nach wie vor erdreistet, einen kleinen „Mohren“ (in einer stilisierten Profildarstellung, mit einem Fes auf dem Wollkopf) als Logo zu verwenden, ist eine schwärende Wunde im Gemüt jedes Antidiskriminierungsspezialisten und daher schleunigst abzustellen.

Natürlich könnten sich im Zuge einer – außerhalb des rein kulinarischen Sektors liegenden – sprachlichen Flurbereinigung einige nicht ganz so leicht zu lösende Probleme ergeben. Des Operettenkönigs Johann Strauss „Zigeunerbaron“ etwa ist so ein Fall. Natürlich ist der Titel ein unerhörter Skandal, aber da wird es sich beim Umbenennen vielleicht spießen! Auch Mozarts „Zauberflöte“ könnte einiges Kopfzerbrechen bereiten. Nicht nur, weil einer der Protagonisten, Monostatos, als „Mohr“ ausgewiesen wird, sondern auch, weil ausgerechnet dieser „Mohr“ einen rechten Stinkstiefel gibt und ihm der Librettist außerdem noch – als Anfall von Selbsterkenntnis – die Bemerkung in den Mund legt „…weil ein Schwarzer hässlich ist…“. Empörend! Dass der „Mohr“ im weiteren Verlauf der Handlung schließlich auch noch (von Weißen!) ausgepeitscht wird, schlägt dem Fass den Boden aus! Man wird wohl nicht umhinkommen, das verkitschte Mozartbild (der Mann war bei der Auswahl des Librettisten offenbar grob fahrlässig!) nachhaltig zu ändern. Wie sich ein PC-kompatibel korrigiertes Libretto allerdings mit dem künstlerischen Anspruch auf Werktreue unter einen Hut bringen lässt…?

Selbstverständlich gehört – um berechtigten, antirassistischen Anliegen zu genügen – auch Mark Twains „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ dringend aus Buchhandel und Bibliotheken eliminiert, ehe eine zartfühlende Seele bemerkt, dass Neger darin prinzipiell als „Nigger“ tituliert werden. Man stelle sich vor, dieser üble Ethnoporno fiele am Ende einem unschuldigen Jugendlichen in die Hände… - nicht auszudenken!

Einerseits erscheint es haarsträubend, welche Nichtigkeiten intelligenten Menschen (die interessanterweise allesamt mittel- oder unmittelbar in Staatsdiensten stehen oder zumindest Subventionen aus Steuergeldern kassieren) schlaflose Nächte bereiten. Andererseits trägt der Umstand, dass sich an der nicht eben weltbewegenden Frage der Bezeichnung einer süßen Kalorienbombe die Gemüter erhitzen, auch etwas Tröstliches in sich; handelt es sich doch um einen schönen Beweis dafür, dass es mit der die Schlagzeilen seit Monaten beherrschenden Krise nicht so ernst sein kann – sonst wären für derlei Unfug wohl kaum Kapazitäten frei!

01. August 2009

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