Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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Finanzkrise: Ursachen, Hintergründe und mögliche Auswirkungen

von Robert Grözinger

Interview mit Professor Guido Hülsmann

Nur „einer von tausend Ökonomen“, schätzt der Ingenieur und Publizist Ira Katz in einem Beitrag heute bei lewrockwell.com, sind tatsächlich Wirtschaftswissenschaftler. Die anderen seien lediglich „Propagandisten“ für den derzeit stattfindenden größten Raubzug der Weltgeschichte. Mit einem der Wenigen, die Katz in seinem Artikel lobend hervorhebt, hat der Autor dieser Zeilen vor einem Monat, anlässlich der vierten Konferenz der Property and Freedom Society in Bodrum, Türkei, ein Video-Interview geführt. Es kam vor allem der Inhalt seiner Rede auf dieser Konferenz zur Sprache. Professor Guido Hülsmann stellte darin die Ursachen, Hintergründe und möglichen Auswirkungen der gegenwärtigen Finanzkrise dar.

Als ein führender Kopf der sogenannten Österreichischen Schule der Ökonomie vertritt der im französischen Angers lehrende Deutsche die Auffassung, dass das riskante Verhalten der Geldinstitute, das die Krise auslöste, auf das Zentralbankensystem zurückzuführen ist. Zentralbanken können Kredit und Geld aus dem Nichts schaffen. Ihre staatlich garantierte Monopolposition ermöglicht es ihnen, diesen Betrug ungestraft fortzusetzen. Das wissen die Betreiber der Geschäftsbanken, die von den Zentralbanken Kredite erhalten. Deshalb gingen die Geschäftsbanken auf volles Risiko bis an die Grenze dessen, was die Mindestreservepflicht vorschreibt.

Die jetzt allenthalben erhobene, und teilweise schon umgesetzte Forderung nach mehr Regulierung der Bankbranche bringt Hülsmann zufolge gar nichts. Der Bankensektor sei ohnehin schon mit einer Unzahl von Regulierungen eingedeckt. Weitere Regulierungen setzten lediglich den Trend in Richtung eines totalitären Wirtschaftssystems fort. Eine andere mögliche Auswirkung der Krise sei eine stark ansteigende Inflation. Welche Auswirkung wahrscheinlicher ist, sei derzeit aber nicht zu sagen. Möglich auch, dass sich beides, also Totalitarismus und Inflation, parallel entwickeln.

Zur Lösung der Finanzkrise seien weder eine Ausweitung der Geldmenge noch stärkere Regulierung nötig, sondern vielmehr ein Warengeldsystem. Dadurch würde die allgegenwärtige Gier auf ein Normalmaß zurückgestutzt. Geld auf der Basis eines oder mehrerer realer Güter, wie beispielsweise Gold oder Silber, sei nämlich nicht beliebig vermehrbar wie das derzeitige Geld im Zentralbanksystem. Damit falle der Anreiz zum übertrieben riskanten Verhalten weg.

Einen positiven Aspekt sieht Hülsmann in der Krise: „Die Leute wachen auf.“ Der Zusammenhang zwischen dem Geldsystem und der Krise werde immer deutlicher gesehen. Andere Ökonomen, auch jene, die nicht der österreichischen Denktradition angehören, kommen allmählich zu den gleichen Schlüssen wie er. Wodurch sich das oben erwähnte Verhältnis von „echten“ Ökonomen zu Propagandisten allmählich wenigstens etwas verbessern dürfte.

Internet:

Interview mit Professor Hülsmann (Video) vom 23.05.2009

Rede von Professor Hülsmann (Englisch) auf der 4. Konferenz der Property and Freedom Society, gehalten am 22.05.2009

Property and Freedom Society

Ira Katz: „More Dismal Than Ever“, lewrockwell.com vom 29.06.2009

29. Juni 2009

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Kommentare

Horst E. Böttcher, am 29. Juni 2009 um 15:54 ( Link )

Ob die These von den Ökonomen als "Propagandisten des Grössten Raubzuges der Geschichte" richtig ist, sei mal dahin gestellt.

Das Thema wurde vor einigen Tagen in einem langen Artikel von Norbert Häring im "Handelsblatt" behandelt, der die Ursache für Krisen in der kaum begrenzten Geldschöpfungsmöglichkeit der Banken sieht. Durch den Einbezug deer Zentralbanken in das System wäre dieses den Kunden gegenüber als "sicher" erschienen, da die Zentralbanken als "Lender of last resort" fungierten. Norbert Häring sieht die Lösung in einer höheren Mindestreservehaltung der Banken bei der Zentralbank, statt der heutigen 2% ein eher gen 50% tendierender Satz. Mir erscheint dieses plausibel.
("Es werde Geld - es werde Krise" - 23.06.09)

Minarchist, am 29. Juni 2009 um 18:11 ( Link )

Schön zu lesen, daß Sie, Herr Böttcher, inzwischen auch die tieferen Ursachen als Kern der Krise erkennen. Noch kürzlich haben Sie in diesem Blog die Schuld lediglich in "Gier", bei Managern etc. gesehen - also das übliche antimarktwirtschaftliche Phrasenvokabular vorgebracht, wenn ich mich recht erinnere.

Walter Plade, am 29. Juni 2009 um 21:53 ( Link )

[...] vertritt der im französischen Angers lehrende Deutsche die Auffassung, dass das riskante Verhalten der Geldinstitute, das die Krise auslöste, auf das Zentralbankensystem zurückzuführen ist.

Diese Auffassung ist falsch. Das Zentralbankensystem ist offenbar durch die Vertreter der Mehrzahl der wählenden Bevölkerung bislang noch nicht abgeschafft worden, mithin von der wählenden Bevölkerung also gewollt oder jedenfalls akzeptiert. Somit ist das riskante Verhalten nicht auf das Zentralbankensystem zurückzuführen, sondern auf diejenigen, die dieses erhalten, also die Mehrheit der wählenden Bevölkerung. Also auf uns.

Zentralbanken können Kredit und Geld aus dem Nichts schaffen. Ihre staatlich garantierte Monopolposition ermöglicht es ihnen, diesen Betrug ungestraft fortzusetzen.

Eine staatlich garantierte Monopolposition gibt es nicht, weil Gesetze mittels der Vertreter der Mehrheit der wählenden Bevölkerung jederzeit geändert werden können. (Jedenfalls ist das in bspw. Deutschl. und Österr. so.) Was die Mehrheit akzeptiert oder wogegen sie jedenfalls nicht vorgeht, ist Recht, nicht Betrug.

Zur Lösung der Finanzkrise seien weder eine Ausweitung der Geldmenge noch stärkere Regulierung nötig, sondern vielmehr ein Warengeldsystem. [...] Geld auf der Basis eines oder mehrerer realer Güter, wie beispielsweise Gold oder Silber, sei nämlich nicht beliebig vermehrbar wie das derzeitige Geld im Zentralbanksystem.

Hä? Das ist bereits und war immer der Fall. Reale Güte, wie bspw. Gold oder Silber, existieren und können gekauft und verkauft werden. Wer es wünscht, kann sein erarbeitetes Papier- oder Buchgeld sofort nach Erhalt in reale Güter umtauschen. Etwas strapaziös ist es zwar, Goldbarren mit sich 'rumzuschleppen, und nächtens immer einen im Team abzustellen, der Wache schiebt und aufpasst, aber wer das will, kann es doch tun.

W. P. alias V. G.

Horst E. Böttcher, am 29. Juni 2009 um 22:09 ( Link )

@ Minarchist

Ich bleibe auch bei meiner Meinung, dass die Gier
der Bank-Manager (allerdings auch der Aktionäre der
Öffentlich-Rechtlichen Institute) für die Krise verantwortlich sind. Worum es hier geht ist die Frage, welche Rahmenbedinungen der Staat bzw. die Aufsicht schaffen sollte, um das riskante Spiel zu kontrollieren.

ISBN3451322005, am 29. Juni 2009 um 22:31 ( Link )

@Horst E. Böttcher
Grämen Sie sich nicht. Warengeldsystem, Wahrenvolldeckung und Goldstandard ist auch Phrasenvokabular, nur halt nicht antimarktwirtschaftlich sondern liberal, was in der Qualität keinerlei unterschied macht.

@Minarchist

Schön zu lesen, daß Sie, Herr Böttcher, inzwischen auch die tieferen Ursachen als Kern der Krise erkennen.

Na toll…, tiefere Ursache als Kern der Krise??

Wie darf ich mir denn das Nullsummenspiel von Investition, Gewinn und Verlust bei konstanter Geldmenge im Warengeldsystem genau vorstellen? Oder schraubt das liberale Weltzentralorgan ganz behutsam und zum Wohle aller hin und wieder an der Geldmengenschraube, um den Wechselkurs zwischen Währungen und deckender Wahre zu regulieren? Oder kommt auch hier die Phrase von den regulierenden Kräften des freien Marktes ins Spiel? Da geben wir in D, mit unseren nicht vorhandenen Goldreserven, sicherlich eine vortreffliche Figur ab.

Die liberalen Wahrenvolldeckung und Goldstandardphrasen sind in ihrer gedanklichen Leichtigkeit in der Tat so frei, dass sie vollkommen haltlos in der Luft hängen. Auch unter dem Goldstandard wimmelte die Geschichte von Inflationierung und Krisen. Kleine Kostprobe...
http://thehistorybox.com/ny_city/panics/panics_article3a.htm

@Walter Plade

Somit ist das riskante Verhalten nicht auf das Zentralbankensystem zurückzuführen, sondern auf diejenigen, die dieses erhalten, also die Mehrheit der wählenden Bevölkerung. Also auf uns.

Gratuliere Herr Plade!! Dass wir es in erster Linie mit einem Problem des Demokratismus zu tun haben bleibt hier weitestgehend im Dunkeln. Das Verfrühstücken der Zukunft ist bekanntlich oberste Bürgerpflicht! Die ZB hilft dabei nur tatkräftig mit.

Minarchist, am 29. Juni 2009 um 22:59 ( Link )

@ Horst E. Böttcher

"Ich bleibe auch bei meiner Meinung, dass die Gier
der Bank-Manager (allerdings auch der Aktionäre der Öffentlich-Rechtlichen Institute) für die Krise verantwortlich sind."

Meiner Meinung nach berücksichtigen Sie bei dieser Einschätzung nicht den Staat der durch planwirtschaftliche Fehlanreize via Zentralbank diese "Gier"-Blasen doch erst ermöglicht hat ... der Staat tritt hier als Marktspieler bzw. Marktbeeinflusser auf, an dem sich die Marktteilnehmer ausrichten. Wenn der Staat durch verschiedensten Maßnahmen dafür sorgt, daß sich gewisse Marktteilnehmer (hier: Banken) darauf verlassen können, daß gewisse Güter (hier: Immobilien) weiter im Wert steigen, so ist es keinesfalls "gierig", sondern höchst rational, ja sinnvoll, sich an diesem Spiel zu beteiligen ...

Ich verstehe auch nicht, was immer diese Phrase von der "Gier" soll ... in einer echten freien Marktwirtschaft nützt "Gier" Einzelner allen. Zum Glück waren Automobilmanager mal so "gierig" nach weiteren Gewinnen, daß sie den Airbag entwickelten und vermarkteten - rein aus "Gier". Wieviele Menschenleben verdanken wird dieser "Gier"!

"Worum es hier geht ist die Frage, welche Rahmenbedinungen der Staat bzw. die Aufsicht schaffen sollte, um das riskante Spiel zu kontrollieren."

Der Staat hat doch das riskante Spiel erst initiiert und befeuert! Sie wollen den Bock zum Gärtner machen bzw. den Brandstifter zum Löschen rufen ...

Ernst-Gottlieb von Emhofen, am 29. Juni 2009 um 23:31 ( Link )

Sehr geehrter Herr Böttcher,

wie Sie vielleicht schon wissen, besteht der Zins aus drei wesentlichen Komponenten:

Der Zeitprämie
Den Inflationsausgleich
Der Risikoprämie.

Die Kritik der österreichischen Schule konzentriert sich zumeist auf den ersten Punkt. Ich möchte mich hier lieber auf den dritten Punkt konzentrieren.

Wenn die Bank bei einem bestimmten Kredit durch Addition der ersten beiden genannten Prämien auf - angenommen - 6% p.a. kommt, würde ein Kreditnehmer, der ein nahezu risikoloses Projekt finanzieren möchte, auf einen Zinssatz von 7 bis 9% kommen, ein riskanterer Kreditnehmer hingegen müsste gut zweistellig hinblättern, für ihn ist dieses Geschäft also wahrscheinlich nicht lohnenswert.

Nehmen wir aber mal, rein hypotethisch, an, ein Zentralbankvorsitzender, der so genial ist, daß man ihn nur noch `Maestro`ruft, kommt auf die Idee, den Zins bis auf 1% zu senken (wohl gemerkt, nominal, der Realzins war für die Banken negativ). Was heisst das für die Kreditstruktur? Ganz einfach, es kommen mehr risikoreiche Projekte zum Zuge. Betroffene Bankangestellte haben also keineswegs irrational gehandelt. Das einzige, was man ihnen vorwerfen könnte, ist die Naivität, Greenspans Wahnsinnzinssätze für nachhaltig zu halten.

Einen schönen Abend

Ernst-Gottlieb von Emhofen

vonclausewitz, am 30. Juni 2009 um 5:53 ( Link )

Endlich sagts mal einer!

Die Auswirkungen negativer Realzinsen auf die Risikostruktur im Portfolio findet ist leider weitestgehend ein blinder Fleck der Österreicher. Selbiges gilt für den Substituionseffekt der Steuer auf Kapitalertrag.

@ ISBN

Die Achillesverse der Edelmetallwährungen war doch das Münzmonopol des jeweiligen Lokaldespoten, welcher durch stetige Verschlechterung (Legierung) des gesetzlichen Zahlungsmittels die uns so wohlvertrauten Effekte ausgelöst hat.

Zwar kann auch eine gedeckte Währung Spekulationskrisen nicht verhindern, (siehe Weltkrise 1857) doch zwingt sie den Emittenten, in der Gleichung von S=I keinen Kurzschluss zu erzeugen.

Gruss

FritzLiberal, am 30. Juni 2009 um 8:38 ( Link )

@ISBN3451322005:

Die liberalen Wahrenvolldeckung und Goldstandardphrasen sind in ihrer gedanklichen Leichtigkeit in der Tat so frei, dass sie vollkommen haltlos in der Luft hängen. Auch unter dem Goldstandard wimmelte die Geschichte von Inflationierung und Krisen.

Nachdem Sie hier wohl Spezialist sind, darf ich Sie ersuchen, mir in den letzten 2000 Jahren in unserem Kulturkreis einen Zeitraum zu nennen, während dem Gold wertlos wurde. Und zwar so wertlos, dass man es etwa zum Straßenpflastern verwendeit hat. Das wäre wohl der äquivalente Verwendungszweck, verglichen mit dem Verbrennen von wertlos gewordenen Papierscheinen (soll in den letzten 100 Jahren öfter vorgekommen sein).

ISBN3451322005, am 30. Juni 2009 um 10:41 ( Link )

@FritzLiberal


Nachdem Sie hier wohl Spezialist sind

Ich bin um Gottes Willen kein Spezialist, im Gegenteil, ich suche verzweifelt einen Spezi, der mir die Phrasendrescherei in plausible Bahnen lenkt - ich kann nur leider keinen finden.

einen Zeitraum zu nennen, während dem Gold wertlos wurde.

Die Banane ist auch seit 2000 Jahren werthaltig. Die Werthaltigkeit von irgendwelchen Sachen macht allein aber noch kein gelungenes Geldwesen, das unseren gehobenen modernen globalen Ansprüchen gerecht wird.

Wenn Sie dem Papierzeug nicht trauen, können Sie es ja gegen Gold eintauschen und alles ist gut, da hindert Sie im Moment noch kein Mensch dran und ist in der Tat sehr empfehlenswert. Beantwortet aber leider nicht meine Fragen. Und belatschern Sie mich bitte nicht mit dem Regulativ des freien Marktes. Fällt der freie Markt im privaten Geldwesen morgen vom Himmel, werden Sie als erstes von den Massen niedergewalzt, die verzweifelt ihren Euros hinterher rennen.

Stellen Sie sich vor, Sie unterbreiten dem Kapitän eines sinkenden Containerschiffes, im Auge des Hurrikans, einen Rettungsplan, der Ihnen damals im Schlauchboot vor der Norderney bei Nippflut bestens weiter geholfen hat. So und nicht anders sieht es aus, wenn hier einer meint, die Wahrenvolldeckung jetzt als Rettungsanker auswerfen zu können. Dieses Spielzeug wird von den Wellen der allmächtigen modernen Realität zerfetzt.

FritzLiberal, am 30. Juni 2009 um 10:53 ( Link )

@ISBN3451322005

Dieser unsinnige Vergleich zeigt, dass Sie leider die Grundlagen noch nicht verstanden haben. Und solange das so ist, brauchen wir über "gehobene globale Ansprüche" gar nicht erst anfangen zu diskutieren.

ISBN3451322005, am 30. Juni 2009 um 12:03 ( Link )

@FritzLiberal,

...brauchen wir gar nicht erst anfangen zu diskutieren.

Sehe ich auch so!! Schwelgen Sie mal weiter in Ihren rosaroten Theorien der grundlegenden liberalen Stechapfel-Halluzinationen, während ich mich mit der leidigen Praxis quäle.

Jürgen Hodler, am 30. Juni 2009 um 12:11 ( Link )

@Minarchist

„Der Staat hat doch das riskante Spiel erst initiiert und befeuert! Sie wollen den Bock zum Gärtner machen bzw. den Brandstifter zum Löschen rufen ...“

Hier wird wohl eher die Frage aufgeworfen, welche Rolle der Staat im Wirtschaftsleben zu spielen hat. Demokrat Böttcher glaubt, daß sich das von ihm bemühte „riskante Spiel“ mit den entsprechenden Rahmenbedingungen irgendwie doch in geordnete Bahnen lenken ließe. Sie glauben, daß der Staat den Verlockungen eben dieses „riskanten Spiels“ mit – und das ist der springende Punkt – selbstgesetzten Rahmenbedingungen zu entsagen hätte. Dabei ist hier die eine Sichtweise so abstrus wie die andere. Demokrat Böttcher verkennt die Dynamik der demokratischen Geldherrschaft (das Zentralbankmonopoly ist nun einmal das Lebenselixier der neidbefeuerten Demokratien) vollends und der werte Minimalstaatler meint doch in der Tat, daß unter der Ägide der herbeigesehnten Minimaxlerei die Renaissance eines in Gänze reprivatisierten Geldwesens hereinbräche. Der herbeigesehnte Minimalstaat verzichtet aus freien Stücken heraus auf die Kontrolle über das Waffenbeschaffungsmetall Gold. Nun, hier würde man dann in der Tat mit einem geschichtlichen Novum konfrontiert. Die Geschichte des Zentralbankwesens im 19. Jahrhundert, also im Zeitalter der liberalen Illusionen, spricht in dieser Hinsicht nämlich eine ganz andere Sprache. Langer Rede, kurzer Sinn: Den Bock zum Gärtner macht der eine wie der andere. Demokrat Böttcher und der werte Minimalstaatler projizieren ihre Sehnsüchte nämlich in ein und denselben Staat hinein. Von einem anderen Staat oder gar dem vielbeschworenen „anderen System“ kann hier eh keine Rede sein. In der Ismen-Gosse herrschen nämlich engste verwandtschaftliche Beziehungen. Schlußendlich verliert man sich auch hier wieder in einem plumpen Vernunftglauben, der wie von selbst die Gestalt eines recht oberflächlichen Rationalismus annimmt. Und eben dieser plumpe Vernunftglaube wird die Wirklichkeit entweder begrifflich vergewaltigen oder am Schein ihrer Irrationalität verzweifeln. Da wären wir dann wieder an jenem Punkte angelangt, den ich unlängst im Strang „Gemäßigt natinalliberal…..“ (zu finden im Mai-Archiv) bemühte.

Minarchist, am 30. Juni 2009 um 13:00 ( Link )

Herr Hodler, ihre Lust an ziselierten Formulierungen und Ausflügen in die Ideengeschichte in allen Ehren, aber könnten Sie vielleicht einmal kurz skizzieren, wofür Sie selbst eigentlich eintreten, d.h. welchen Ordnungsrahmen Sie sich wünschen? Nur damit man Sie einordnen kann.

Horst E. Böttcher, am 30. Juni 2009 um 13:09 ( Link )

@Ernst-Gottlieb von Emhofen

Ich habe nicht über den Zins geschrieben, sondern
über die Möglichkeiten der Geldschöpfung, die den
Banken offensteht. Das Spiel ist eindeutig von den
Banken begonnen, die Zentralbanken geben nur eine Art Garantie. Ich habe dazu aus einem Artikel des
Handelsblattes zitiert, der für eine höhere Mindest-reservehaltung plädiert. Das ist für mich plausible, natürlich müssen auch andere Aktivitäten der Banken besser reguliert werden.

Ernst-Gottlieb von Emhofen, am 30. Juni 2009 um 13:19 ( Link )

werte mitdiskutanten,

bitte verzeihen sie meine kleinschrift, aber meine linke hand ist derzeit unpässlich.

ich finde herrn isbns sticheleien durchaus sinnvoll, da ein solcher advocatus diaboli dazu zwingt, die eigenen ansichten zu überprüfen und falls nötig zu widerlegen. der von vielen ersehnte goldstandard hat tatsächlich manche tücken. beispielsweise würde der wert von gold dadurch durch die decke schiessen, weshalb anderweitige verwendung von gold unmöglich werden dürfte. zudem können auch nachfrageschwankungen im goldmarkt einfluss auf die wirtschaft nehmen.

mit freundlichen grüssen

ernst-gottlieb von emhofen

Ernst-Gottlieb von Emhofen, am 30. Juni 2009 um 13:37 ( Link )

sehr geehrter herr böttcher,

selbstverständlich stehen die geldmenge und der zinssatz in einem festen abhängigkeitsverhältnis. dass die zentralbank im wesentlichen die geldmenge steuert, können sie daran erkennen, dass die kurve der fed fund target rate, dem leitzins, mit geringer zeitverschiebung der entwicklung der geldmenge vorausgeht.

auch wenn ich keineswegs ein anhänger der geldschöpfungsmöglichkeiten privater bankhäuser bin, so ist mir dies doch lieber als die macht der zentralbanken. während nämlich privaten geldhäusern im falle eines versagens enorme kosten drohen, bis hin zur banca rotta, sofern sie nicht vom staat geschützt werden, muß die zentralbank nichts befürchten, wenn sie versagt hat. im gegenteil, werden ihre befugnisse gar ausgeweitet und die budgets erhöht.

mit freundlichen grüssen

ernst-gottlieb von emhofen

Horst E. Böttcher, am 30. Juni 2009 um 17:32 ( Link )

@Ernst-Gottlieb von Emhofen

Da haben wir einen klaren Dissens! Die Znetralbanken sollten die Geldschöpfung der Geschäftsbanken über Mindestreservehaltung stärker kontrollieren. Dann wäre es nicht zu den Exzessen gekommen. Eine Zentralbank, die nicht so stark wie Geschäftsbanken auf die Rendite sehen muss, ist mir persönlich lieber. Sie sehen das anders, das ist eben Ihre Meinung!

Jürgen Hodler, am 30. Juni 2009 um 18:08 ( Link )

@Minarchist

„Herr Hodler, ihre Lust an ziselierten Formulierungen und Ausflügen in die Ideengeschichte in allen Ehren, aber könnten Sie vielleicht einmal kurz skizzieren, wofür Sie selbst eigentlich eintreten, d.h. welchen Ordnungsrahmen Sie sich wünschen? Nur damit man Sie einordnen kann.“

Meine Wünsche? Meine oder auch Ihre Wünsche sind dem Lauf der Dinge doch so gleichgültig wie nur auch etwas. Und was hat meine weltanschauliche Verortung mit Ihren Minimalstaatsträumereien zu tun? Dieses mir aber nun wirklich wohlbekannte Manöver läßt wohl den Schluß zu, daß Ihr im stillen Kämmerlein erdachter „Ordnungsrahmen“ dem Wesensgehalt einer hohlen Nuß gleichkommt und so einem weiteren Disput von vornherein zu entziehen ist.:)) Naiverweise habe ich zuerst mit einer fulminanten Verteidigungsreplik gerechnet, welche gar aus den tiefsten Katakomben der altliberalen Theoriebruchhütte schöpft. Aber so kann man sich täuschen.

Übrigens: Meine doch nicht wenigen Beiträge in diesem Forum geben im Hinblick auf meine weltanschauliche Verortung gar mehr als genug Auskunft. Dann wüßten Sie auch, warum mir das aus der neuzeitlichen Bewußtseinsphilosophie resultierende Meinungsschlachtfeld der illusionären Eitelkeiten, welches übrigens vollumfänglich einer heimatlosen Vernunft geschuldet ist, zutiefst zuwider ist.

Jürgen Hodler, am 30. Juni 2009 um 18:17 ( Link )

@M. S.

„Gratuliere Herr Plade!! Dass wir es in erster Linie mit einem Problem des Demokratismus zu tun haben bleibt hier weitestgehend im Dunkeln. Das Verfrühstücken der Zukunft ist bekanntlich oberste Bürgerpflicht! Die ZB hilft dabei nur tatkräftig mit.“

Natürlich! Es überrascht mich allerdings nicht, daß dieser Punkt so selten angesprochen wird. Bei der eigentlichen Ursachenforschung würde man sich nämlich inmitten des altliberalen Vorgartens wiederfinden. Der in Herrn Grözingers Abhandlung bemühte „größte Raubzug der Geschichte“ fiel nämlich ganz gewiß nicht als bloßer Schicksalsschlag vom Himmel. Da bedurfte es schon ganz konkreter Vorraussetzungen.

Minarchist, am 30. Juni 2009 um 19:35 ( Link )

@ Jürgen Hodler
Sie winden sich, wollen sich nicht festlegen. Bitteschön. Wie Sie wollen. So kann man sich vermeintlich souverän in seinen Elfenbeinturm zurückziehen - der dann aber doch nur Spielball des Zeitgeistes bleibt. Ihre dandyhafte Blasiertheit mag eine adäquate Haltung sein, nur hören Sie doch bitte mal auf, stets unverbindlich philosophierend all jene hier herablassend zu kommentieren, die den grassierenden Sozialdemokratismus bekämpfen möchten - mit welchen Mitteln auch immer. Daß es hier keinen Königsweg geben kann, ist klar, es geht jedoch um die Grundrichtung.

Sie hingegen scheinen mir einer zu sein, der sich nur an seinen eigenen Worten berauscht, die alles und doch nichts sagen - was für Sie sicherlich ein grandioser Coup ist.

Jürgen Hodler, am 30. Juni 2009 um 20:39 ( Link )

Warum entrüstet sich die zartbesaitete Seele des Minimaxlers nun derart? So ganz unverbindlich kann meine Wortwahl dann doch nicht gewesen sein. Einen wunden Punkt wird man schon getroffen haben. Ansonsten würde der getroffene Hund wohl kaum bellen.

Aber warum lassen Sie uns denn nicht beim eigentlichen Thema dieses Stranges bleiben? Es steht Ihnen doch frei, meine angeblichen Irrtümer im Hinblick auf Ihre minimaxlerische Herangehensweise in Sachen Papiergeldmonopoly geradezu in der Luft zu zerreißen. Niemand wird etwas dagegen haben. Allerdings überrascht es mich auch nicht sonderlich, daß Ihnen dieses Vorhaben bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht eine Silbe wert war. Mit heißer Luft – und dies weiß auch die Sozialdemokratie zu schätzen - läßt es sich halt schwerlich in den Kampf ziehen. Außer Ihnen übt sich hier niemand im Rückzug ins schützende Schneckenhaus des neuzeitlichen Ideologen. Das wird schon einen triftigen Grund haben.

Ernst-Gottlieb von Emhofen, am 30. Juni 2009 um 22:33 ( Link )

werter herr böttcher,

ein einziger blick in ein mittelmäßiges geschichtsbuch würde vollends genügen, um zu sehen, daß profitorientierte unternehmen deutlich besser, nachhaltiger und risikobewußter wirtschaften als die bürokratie.

und wenn sie die goldenen greenspan-jahre revue passieren lassen, dann sollte ihnen eine bis dato ungeahnte verantwortungslosigkeit ins gesicht springen, obwohl - oder weil - der werte maestro nicht auf renditen angewiesen war.

einen nachdenklichen abend

ernst-gottlieb von emhofen

Horst E. Böttcher, am 02. Juli 2009 um 15:55 ( Link )

@Ernst-Gottlieb von Emhofen

"ein einziger blick in ein mittelmäßiges geschichtsbuch würde vollends genügen, um zu sehen, daß profitorientierte unternehmen deutlich besser, nachhaltiger und risikobewußter wirtschaften als die bürokratie."

Das mag im allgemeinen für Warenproduktion gelten, bei Dienstleistungen bin ich mir nicht so sicher, die Deutsche Post war kundenfreundlicher als die Post AG.
Bei Finanzdienstleistungen habe ich ernste Zweifel. Nicht die isländische Zentralbank, sondern einige durchgeknallte Banker wollten halb Europa aufkaufen. Im Finanzsektor muss die Tätigkeit der Privatbanken strengstens und zielgerecht kontrolliert werden.


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