28. Juni 2009

Klaus Wowereits bildungspolitisches Bekenntnis „Ick bin ein Amerikaner“

Über „Affirmative Action in Germany“. Oder: Ins Elite-Gymnasium durch das große Los

In der letzten Woche beschloss die rot-rote Berliner Landesregierung, dass ab 2010 rund ein Drittel der Plätze an den Gymnasien der Hauptstadt verlost werden sollen. Durch das Bildungs-Lotto sollen zukünftig auch „Schüler aus bildungsfernen Schichten“ Zugang zu bisherigen Elite-Gymnasien erhalten.

Was in Deutschland ungewohnt klingt, ist in den USA längst etabliert: Nachdem der Bundesgerichtshof dort den Zugang an Universitäten nach rassischen Kriterien verboten hat, werden nun allgemein immer niedrigere Eingangshürden und dann Verlosungsverfahren gewählt, um auf diese Weise „soziale und ethnische Gleichheit“ an den höheren Bildungseinrichtungen durchzusetzen.

In den USA sind es namentlich Schwarze und Latinos, in Deutschland die, wie man sie politisch korrekt bezeichnet, „bildungsfernen Schichten“, die mit aller politischen Gewalt zu größeren prozentualen Anteilen bessere Abschlüsse erzielen müssen.

Beispiele dazu beschreibt der Historiker Steven Farron in der in drei Tagen erscheinenden neuen Ausgabe der Zeitschrift eigentümlich frei.

Farron erklärt den früheren Rassismus etwa so: „Die Universität von Michigan in Ann Arbor verwendet als Zulassungsbestimmung ein Punktesystem. Dieses bewertete jedes in Betracht gezogene Kriterium mit einer gewissen Punktezahl. So gab es 12 Punkte für ein perfektes SAT-Ergebnis (das heißt bei 800 von 800 Punkten), und es gab 20 Punkte dafür, wenn man Schwarzer, Hispanic oder amerikanischer Ureinwohner war, also wenn man schwarze, lateinamerikanische oder indianische Vorfahren hatte. (Der lateinamerikanische Vorfahr könnte blaue Augen und blonde Haare haben.) Der sozioökonomische Hintergrund wurde nicht in Betracht gezogen. Das Kind einer weißen alleinerziehenden Mutter, die als Kellnerin arbeitete, oder das Kind von des Englischen nicht mächtigen bulgarischen Einwanderern erhielt für ein perfektes SAT-Ergebnis 12 Punkte. Ein Multimillionär erhielt 20 Punkte dafür, dass er schwarze, lateinamerikanische oder indianische Vorfahren hatte.“

Doch im Jahr 2003, so Farron, „urteilte das Oberste Gericht, dass diese offene und ehrliche Methode von Rassendiskriminierung gegen den vierzehnten Zusatzartikel der Verfassung verstieß. Die Universität von Michigan kündigte daraufhin an, dass sie dieselben Rassen-Verhältniszahlen auf andere Weise erzielen würde.“

Was das bedeutet, erläutert Farron anhand eines Beispiels aus Kalifornien. Dort wurden „durch Volksabstimmung staatlichen Institutionen verboten wurde, die Rasse in Betracht zu ziehen. Die Ausbildungsprogramme für Krankenschwestern an den öffentlichen Fachschulen Kaliforniens bilden 70 Prozent der Krankenschwestern dieses Bundesstaates aus. Da diese Schulen nicht mehr offene rassische Diskriminierung praktizieren dürfen, sind jetzt alle Schülerinnen mit einer High-School-Durchschnittsnote von C oder höher zugangsberechtigt. Dann wird von den zugangsberechtigten Kandidatinnen per Lotto oder nach Bewerbungsdatum ausgewählt. Das Ergebnis ist, dass viele der Schülerinnen nicht mehr in der Lage sind zu lernen, ein für das Berechnen von medikamentösen Dosen nötiges algebraisches Problem mit einer Variable zu lösen: Wenn X gleich 100 Kubikzentimeter eines Medikaments sind, wie viele Kubikzentimeter sind dann zwei X? Viele Schwesternschülerinnen Kaliforniens sind nicht fähig, diese Kalkulation zu lösen.“

Weitere Beispiele lesen Sie in drei Tagen in der neuen ef 94 im Artikel „Diskriminierungspolitik als schlechter Scherz“ von Stefen Farron sowie in weiteren exklusiven Beiträgen zu den Schwerpunktthemen „Political Correctness“ und „Affirmative Action“.


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