Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Der Staat, die Geldhäuser und die Wirtschaftskrise: Gedanken zur Rolle der Banken

von Andreas Tögel

Über die Helfer des Bankrotts

Die Debatten zur Frage, inwieweit sich der Staat in die Wirtschaft einmischen oder gar selbst unternehmerisch tätig sein sollte, sind zahlreich. Die Positionen sind klar: Linke wie rechte Etatisten misstrauen dem Bürger und dessen Urteilskraft in Wirtschaftsfragen. Nicht nur, dass sie ihm die Art seiner privaten Lebensführung bis ins letzte Detail vorzuschreiben für nötig erachten, sind sie auch davon überzeugt, dass ohne hoheitliche Regulative jeder wirtschaftlichen Aktivität das Chaos herrschen und die Menschen in Elend und Verwahrlosung vegetieren würden. Auch ohne Hobbes gelesen zu haben wissen sie instinktiv: Ohne den Leviathan geht gar nichts!

Freiheitsorientiert denkende und die persönliche Verantwortung hoch haltende Menschen dagegen lehnen jede wirtschaftliche Betätigung des Staates ab. Begründung: Die im Regierungsauftrag tätigen Akteure behaupten zwar, für das „Gemeinwohl“ zu wirken, in Wahrheit aber dienen sie lediglich ihren eigenen Interessen – ohne dabei auf die Wirtschaftlichkeit ihres Handelns Rücksicht nehmen und nachgefragte Güter zu günstigen Preisen anbieten zu müssen. Daher schädigen sie die Interessen aller übrigen Marktteilnehmer (gleich Steuerzahler). Zentral geplantes, wirtschaftliches Handeln – und darauf läuft jede staatliche Intervention in unternehmerische Entscheidungen hinaus – führt langfristig zur Kapitalvernichtung und damit zu Wohlstandsverlusten.

Wäre der Staat ein Akteur wie jede andere private oder juristische Person, und unterläge er damit allgemein gültigen Gesetzen, wären seine Möglichkeiten zur Geldbeschaffung auf wirtschaftliche Handlungen beschränkt. Damit stünde er im freien Wettbewerb mit effizienter agierenden privaten Konkurrenten. Anders als Tischler, Floristen, Rechtsanwälte oder Putzfrauen, die ihre jeweiligen Leistungen an freiwillig nachfragende Akteure verkaufen müssen, kann er jedoch, dank seines Gewaltmonopols, seine Einkünfte erzwingen. Nichts liegt daher näher, als seine Subjekte durch Steuern auszubeuten. Da die Steuerlast aber, wie James Buchanan es formuliert hat, endlich ist, sind dieser Art der Geldbeschaffung Grenzen gesteckt; Grenzen allerdings, die – eingedenk dessen, dass der maximale Einkommenssteuertarif in Österreich vor 100 Jahren ganze fünf Prozent (!) betrug – erschreckend weit entfernt liegen. Dennoch: Ab einer bestimmten Abgabenlast steigen die Steuerwiderstände. Der Zusammenhang zwischen Steuertarif und -Einnahmen (der sich ab einer bestimmten Tarifhöhe ins Negative verkehrt) wurde von Arthur Laffer untersucht und in der bekannten „Laffer-Kurve“ dargestellt.

Auf dem Staat, der ständig um die Ausweitung seiner Kompetenzen und die Kontrolle über die Bürger bemüht ist, lastet daher erheblicher Druck, laufend Mittel zur Finanzierung seiner zahlreichen Agenden (insbesondere zum planmäßigen Stimmenkauf vor Wahlen!) zu beschaffen. Diese Gelder müssen, um Widerstände seitens der Bürger gar nicht erst entstehen zu lassen, auf subtilere Weise beschafft werden als durch Steuern. Wirksamstes Verfahren ist die Inflationierung der Währung – das heißt, die Ausweitung der (ungedeckten) Geldmenge und die Expansion des (unbesicherten) Kreditvolumens. Dafür bedarf der Staat eines wirksamen Instrumentariums; jenes der Zentral- und Kreditbanken. Die Rolle der Banken für die Finanzierung des Staates wird in der politischen Debatte leider weitgehend vernachlässigt.

Die Bedeutung, die dem Bankensektor für die Staatsfinanzierung zukommt, lässt sich exemplarisch am Beispiel der USA zeigen (wie etwa der Historiker Thomas J. DiLorenzo in seinem erhellenden Buch „Hamiltons Curse“ minutiös darstellt). Beinahe vom Tage der Unabhängigkeitserklärung an entbrannte zwischen den Gründervätern (namentlich zwischen Thomas Jefferson und Alexander Hamilton) ein erbittert geführter Streit um die Gründung einer Staatsbank. Jefferson – ein von der Notwenigkeit zur Beschränkung staatlichen Handelns und eines ausgeglichenen Finanzhaushalts überzeugter Libertarian – lehnte dieses Ansinnen des autoritären Zentralisten Hamilton strikt ab. Doch allen bis heute angestimmten Lobgesängen auf die Lichtgestalt Jeffersons zum Trotz: Obsiegt haben am Ende die Ideen seines Widersachers. Die totale staatliche Kontrolle des Geld- und Bankensystems durch die Regierungen hat die beispiellose Verschuldung moderner (Wohlfahrts-) Staaten sowie die explosionsartige Geldmengenvermehrung (die auf beiden Seiten des Atlantiks annähernd vergleichbare Ausmaße angenommen hat) erst ermöglicht.

Kleiner Exkurs zur Funktion von Banken: Deren Rolle als Aufbewahrer von Werten muss von der als deren Verleiher unterschieden werden. Der bewusste, zeitweilige und entgeltliche Verzicht eines Einlegers auf die Verfügungsgewalt über sein Geld erlaubt es der Bank, diesen Betrag an Kreditwerber weiterzugeben, die bereit und mutmaßlich imstande sind, diesen Betrag – inklusive der geforderten Zinsen – nach der vereinbarten Zeit zurückzuzahlen. In einem System voll gedeckten Warengeldes (etwa einer Gold- oder Silberwährung) darf die Bank nicht mehr Depositenscheine (Banknoten) in Umlauf setzen, als dem in ihren Tresoren gelagerten Warenwert entsprechen. Leiht die Bank mehr Geld aus und stellt damit faktisch die Behauptung auf, dass zur gleichen Zeit mehr als eine Person Eigentümer derselben Sache ist, wird damit der Tatbestand der Veruntreuung beziehungsweise des Betruges verwirklicht.

Das Zaubermittel zur Steigerung der im Umlauf befindlichen Geldmenge ist die Erfindung der „Teilreservehaltung“ (wie es Guido Hülsmann in seinem Buch „Die Ethik der Geldproduktion“ beschreibt). Damit wird – vom Staat gedeckt – der oben beschriebene Tatbestand des Betruges legalisiert. Einer Einlage von 10 können nun Ausleihungen von 100 (oder – ganz nach politischer Willkür – beliebig mehr!) gegenüberstehen. Das bedeutet, dass von den Banken keineswegs tatsächlich gebildete Ersparnisse verliehen werden, sondern lediglich der trügerische Schein von Ersparnissen. Ludwig von Mises bezeichnet in „Die Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“ diese nicht auf real gebildeten Ersparnissen, sondern auf politischem Willen beruhenden, fiktiven Mittel als „Zirkulationskredite“. Diese, als gedrucktes „Geld“ oder als Buchgeld geschöpften Trugbilder sind durch nichts anderes gedeckt als durch die bloße Hoffnung, es mögen nicht zu viele Einleger gleichzeitig auf die Idee kommen, ihr Geld abzuheben. Dann wären die (inhärent ohnehin zu jeder Zeit bankrotten) auf Teilreservebasis agierenden Banken augenblicklich zahlungsunfähig. Für dieses Phänomen hat sich der Begriff „Bankrun“ eingebürgert. Dessen Auftreten ist das Markenzeichen des staatlich monopolisierten Bank- und Geldsystems. In einem (privaten) Warengeldsystem würde die „Unterdeckung“ einer Bank dagegen recht bald durch Strafgerichte abgehandelt werden…

Unter den Bedingungen eines nach wirtschaftlichen Kriterien agierenden, freien Systems von Privatbanken müssen Kreditwerber zur Erlangung eines Darlehens über eine entsprechende Bonität verfügen, das heißt reale Werte als Sicherheit bieten.

Dubiose Kunden erhalten unter diesen Umständen entweder gar keine Kredite oder haben entsprechend hohe Risikoaufschläge zu zahlen. Nicht so in einem staatlich kontrollierten – politisch korrumpierten – Geld- und Bankensystem. Hier gelten keine wirtschaftlichen, sondern „soziale“ Kriterien. So wurden und werden die US-Geschäftsbanken – unter Androhung rechtlicher Konsequenzen – seit Jahrzehnten vom Gesetzgeber genötigt, an Kreditunwürdige Gelder zu verleihen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht würden zurückgezahlt werden können. Diese „faulen Kredite“ standen bekanntlich am Beginn der aktuellen ökonomischen Verwerfungen. Die Geschäftsbanken sahen und sehen so lange keinerlei Veranlassung zu einer restriktiven Kreditvergabe nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten wie sie sicher sein können, dass allfällige Zahlungsausfälle ungefragt vom Steuerzahler übernommen werden. Genau das ist dank staatlicher „Rettungspakete“ und „Sicherheitsschirme“ allerorts nach wie vor der Fall.

Der ständig weiterreichende Einsatz politischer Mittel zur Staatsfinanzierung ist wieder am Beispiel der USA deutlich darzustellen. Alexander Hamilton setzte in seiner Eigenschaft als Finanzminister unter George Washington die Gründung einer Staatsbank durch, mit deren Hilfe er jene Finanzmittel beschaffte, die er zur Ausweitung der Macht des Bundesstaates über die Teilstaaten und deren Bürger benötigte (1913 schließlich gipfelten seine Intentionen, beinahe 110 Jahre nach seinem Tode, in der Gründung des „Federal-Reserve-Systems“). Kaum war die Nationalbank etabliert, kam es auch schon zur Inflation: Geld wurde aus dem Nichts geschöpft. Staatsanleihen – über die eigene Bank vertrieben – waren das Mittel zum Zweck. Dieses Prinzip hat sich weltweit bis heute gehalten. Der Staat verschafft sich über das Bankensystem Geld, das er – vorgeblich im „allgemeinen Interesse“ – großteils für Konsumaufwand verpulvert (also produktiver Verwendung entzieht!), während seine Gläubiger in ihrer Rolle als Rentiers durchaus Interesse an einer zunehmenden Staatsverschuldung haben (zumindest so lange es wahrscheinlich erscheint, dass sie das verliehene Geld auch wieder zurückbekommen).

Für den Staat, der den „Hebel“ nach politisch opportunen Erwägungen einsetzt, indem er die Mindesteinlagequote beliebig festlegt, ergeben sich bei zur gleichen Zeit bestehenden „Zahlkraftgesetzen“ (die einen Zwang zur Annahme des hoheitlich monopolisierten „Fiat-Money“ etablieren) märchenhafte Möglichkeiten, schier jeden Unfug ohne größere Umstände zu finanzieren. Blickt man in der Geschichte zurück, so war es meist die Kriegsführung, die den größten Geldbedarf verursachte. Unserer Tage dagegen sind es die Finanzierung der Bürokratie, des Müßiggangs großer Teile der Gesellschaft und des in einer vergreisenden Gesellschaft auf Dauer uneinlösbare Versprechens, die Gesundheits- und Altersversorgung für jedermann zu garantieren, die nach einer ständigen Ausweitung des Geld- und Kreditvolumens verlangen.

Um den politisch unerwünschten Untergang maroder Banken zu verhindern (und das Vertrauen der Bürger in das von Grund auf verrottete Geld- und Bankensystem zu erhalten) springt der Staat oder die unter seiner Kontrolle stehende Zentralbank bei Bedarf als „Lender of last resort“ ein, und stellt – notfalls unbegrenzt – weitere aus heißer Luft gebildete Mittel bereit (indem die Notenpresse in Bewegung gesetzt und einfach Phantastillionen von Euro oder Dollar gedruckt werden).

Die fatalen Konsequenzen dieses frivolen Spiels liegen auf der Hand: Nicht der Sparer, sondern der Schuldner sieht sich als Nutznießer. Die Zeitpräferenzrate steigt, dank der vom Staat gesetzten Anreize, während langfristiges Planen und Handeln mit immer größeren Risiken belegt und Sparen faktisch sinnlos wird. Die Beschwörung des Binnenkonsums als „Konjunkturmotor“ durch die etatistischen Eliten ist ein augenfälliges Symptom hierfür. In Wahrheit kann durch Konsum natürlich Wohlstand nur verprasst, niemals aber geschaffen werden. Ein einmal verspeister Kuchen ist dahin und steht eben morgen nicht mehr zur Verfügung – ein einfacher Zusammenhang, der wohl jedermann mit Ausnahme der politischen Eliten einleuchtet.

Bei hoher Inflation ergibt sparsames Verhalten keinen Sinn (Inflation gleich Geldmengenausweitung und nicht – wie verbreitet dargestellt – Preisauftrieb). Die durchschnittliche Geldmengenausweitung der letzten Dekade aber bewegt sich sowohl im Euro- als auch im Dollarraum bei um die 10 Prozent pro Jahr. Ein Sparer ist daher genötigt, auf extrem riskante Anlageformen zu setzten, bloß, um Renditen zu erzielen, die allein zur Werterhaltung nötig sind (da ist noch keine Rede von einem realen Zinsgewinn). Dass unter diesen Umständen – von der stets um Ethik und Moral besorgten politischen Kaste – die „Casinomentalität“ vieler Anleger kritisiert wird, ist ein geradezu zynischer Witz.

Wer begriffen hat, dass sparsames Verhalten die Voraussetzung für Kapitalakkumulation ist und dass erst dieses Phänomen billige Produktionsmöglichkeiten und hohe Löhne – also allgemeinen Wohlstand – ermöglicht, wird sich angesichts der weltweit betrieben, völlig falsche Anreize setzenden, (Geld-) Politik die verbliebenen Haare raufen.

Es ist vorstellbar, dass es dem politischen Establishment dieses Mal noch gelingt, den Totalcrash abzuwenden. Die Basis für die nächsten Katastrophe ist mit der beispiellosen Geldmengenproduktion der letzten Monate und der verheerenden moralischen Wirkung der politischen Interventionen in die Wirtschaft indessen mit Sicherheit gelegt. Beim Betreten seiner Hausbank sollte man das deshalb im schönen Bewusstsein tun, dass auch sie – als verlängerte Werkbank des Leviathans – an der Zerstörung des in langen Jahren erreichten Wohlstands beteiligt ist.

Internet

Über den Tatbestand der Veruntreuung beziehungsweise des Betruges eine Studie des Instituts für Wertewirtschaft

24. Juni 2009

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