22. Juni 2009

Zustimmung von unerwarteter Seite Für die Privatisierung des Geldes

Polleit, Prollius und Schäffler erhalten Beifall von einer Zeitung, die den „Kern der Debatte seit 15 Jahren begleitet“

In der „FAZ“ wurde kürzlich von den ef-Autoren Thorsten Polleit, Michael von Prollius und Frank Schäffler nichts weniger als die Privatisierung des Geldes gefordert. Ein Artikel, der seither breit diskutiert wurde und Aufsehen wie Aufruhr in der Hauptstadt erregte. Ungeteilte Zustimmung hörte man dabei erwartungsgemäß eher selten.

Ein Kommentator einer deutschen Zeitung aber ist ganz begeistert. Seine Überschrift: „In der ‚FAZ’ wird die Privatisierung des Geldes gefordert. Endlich.“ Endlich? Welche Zeitung schriebt so was?

Und das hier: „Die amerikanische und europäische Geldpolitik lehrt uns schmerzhaft, dass die Papiergeldmenge, die im Umlauf ist, praktisch keine Grenzen mehr kennt und immer wieder neue gefährliche Blasen bildet. Nur mit steigenden Geldmengen können die bankrotten Banken künstlich am Leben gehalten werden. Nur mit steigenden Geldmengen lässt sich der religiös anmutende Traum ewigen, bequemen Wachstums überhaupt einfach so weiter träumen.“

Wir erfahren, dass der „Kern der Debatte seit 15 Jahren von dieser Zeitung begleitet wird“. Seit 15 Jahren? „Bild“ und „Spiegel“ können es nicht sein. Die „Wirtschaftswoche“ vielleicht? Oder die „Weltwoche“?

Lesen wir noch eine Stelle aus dem ungewöhnlichen Kommentar: „Die heutigen Zentralbanken haben jedes Maß verloren. Die Fakten sind klar. Sogar die Geldmenge im Euroraum stieg innerhalb von 10 Jahren von 4,4 Billionen Euro auf 9,5 Billionen. Vom lawinengefährdeten Geldberg Amerikas wollen wir hier lieber ganz schweigen. Wer aufgeklärt ist und einigermaßen vernünftig denkt, kann dies nicht mit Argumenten rechtfertigen. Kein G20-Land und kein Politiker der westlichen Welt fordert aber etwa ein Ende der künstlichen Geldschöpfung. Eine Frage für einen anderen Tag wäre die folgende: Warum existiert die scheinbare Schicksalsgemeinschaft Geldschöpfung und moderne Politik unbefragt und als ‚Opium fürs Volk’ über alle Krisen hinweg?“ Und dann wird noch tiefer gefragt: „Warum muss es in einem freien Land überhaupt Zwangsgeld sein? Warum lassen wir nicht den freien Markt, also uns BürgerInnen entscheiden, welchem Geld wir vertrauen?“

Den „FAZ“-Autoren, so lesen wir weiter, sei „zuzustimmen, dass vermutlich viele Menschen in Gold handeln würden, sie müssen es aber andererseits nicht. Wichtig wäre nur, dass die Bundesregierung den Handel mit echten Gold- und Silbermünzen auch von der Mehrwertsteuer befreit. Den Rest erledigt ein eingesperrter Tiger, der berühmte freie Markt.“

Wer schreibt so was? Der Antwort kommen wir näher, wenn wir einen überraschenden weiteren Absatz lesen: „Die Forderung nach freiem Geldverkehr und freier Geldwahl hat im Islam eine lange Tradition. Schon der Rechtsgelehrte Imam Malik postulierte das Gebot echter ökonomischer Freiheit, nämlich, dass Geld jede Ware sei, die von den Menschen als Zahlungsmittel akzeptiert werde. Der Koran verbietet die Zinsnahme, akzeptiert – abgesehen von der Zakatpflicht – das private Eigentum und erlaubt den freien Handel, der natürlich mehr ist, als die heute übliche monopolisierte Distribution.“

Nun, die verbotenen Zinsen sind natürlich daneben, in der islamischen Welt werden Zinsen schlicht anders benannt, um dieses ökonomisch unsinnige Verbot zu umgehen. Und der freie Handel wird auch in moslemisch regierten Ländern von der monopolisierten Distribution eingeengt. Dennoch bleibt die Frage nach dem Autor und der Zeitung. Peter Scholl-Latour goes „Economist“?

Nein, es war Abu Bakr Rieger in der „Islamischen Zeitung“.

Internet

„Islamische Zeitung“: Gutes oder schlechtes Geld?

Der in der „FAZ“ erschienene Artikel


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige