Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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Zeitgeist Addendum II: Widerspruch gegen Kritik am Film

von Robert Grözinger

... ist lebhaft, aber unwirksam

Am 6. Oktober 2008 veröffentlichte der Autor dieser Zeilen einen Artikel auf dieser Website über den damals neu erschienen Film „Zeitgeist Addendum“. Der Grund, weshalb dieses Thema hier nochmals aufgegriffen wird ist der, dass sich dieser Artikel einer ungewöhnlich hohen Aufmerksamkeit erfreut. Das erkennt man vor allem daran, dass auch jetzt, gut acht Monate später, noch immer Kommentare hinzugefügt werden. Zuletzt am 17. Juni 2009.

Im ursprünglichen Artikel wurde der Film zunächst dafür gelobt, dass er das Hauptproblem unserer Zeit benennt und einigermaßen klar darstellt, nämlich „das Monopolgeldsystem der 'Weltreservewährung' der US Federal Reserve und das unter ihrer Ägide mögliche, inflationäre Teilreservebankwesen ohne Realwertbindung ihrer Banknoten“. Der Artikel verschwieg aber auch nicht das Negative, nämlich dass der Filmemacher Peter Joseph eine absolut blauäugige Vorstellung davon hat, wie die Probleme der Welt zu lösen seien. Kurz gesagt schlägt er vor, Geld gänzlich abzuschaffen. Dann würde ein „intelligentes Management der Ressourcen“ möglich, und jeder Mangel dieser Welt würde wie von Zauberhand verschwinden. Dazu wurde im Artikel ausführlich Stellung genommen, hier ein Zitat:

„Der grundlegende Denkfehler, der zu dieser Schlaraffenlandvision führt, ist, dass das gegenwärtige Geldsystem das einzig mögliche ist. Joseph und Fresco verhalten sich wie ein Arzt, der Blutkrebs korrekt diagnostiziert – unser krankhaftes Geldsystem –, dann aber sagt, dass es dem Patienten sehr viel besser ginge, wenn seine Gefäße kein Blut mehr enthielten. Es ist bedauerlich, dass Joseph es offenbar nicht für nötig gehalten hat, die Geschichte des Geldes und der Geldentstehung zu studieren. Mehr noch, dieses Versehen ist unerklärlich und eigentlich unentschuldbar. Denn im Film erwähnt Joseph den gescheiterten US-Präsidentschaftskandidaten Ron Paul, von dem er hätte lernen können, was die Österreichische Schule der Ökonomie dazu zu sagen hat. Nämlich, dass Geld ganz natürlich aus dem Tauschhandel entstanden ist. Es ist dasjenige Gut, das am 'marktgängigsten' ist, für das es also immer Nachfrage gibt, das haltbar ist, das leicht zu lagern und aufzuteilen ist. Mit anderen Worten: Es wird solange Geld geben, wie die Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben, weil sie dann Güter und Dienstleistungen untereinander tauschen werden. Von einem anderen Gelehrten „österreichischer“ Prägung, Hans-Hermann Hoppe, hätte Joseph lernen können, dass es selbst im Paradies knappe Güter gibt. Zumindest der Boden, auf dem jemand steht oder sitzt, steht in dem Augenblick keinem anderen zur Verfügung. Ein weiterer Einwand sollte jedem sofort einleuchten: So lange wir den Tod nicht besiegen, wird es für uns immer zumindest eine begrenzte, nicht erneuerbare Ressource geben: unsere Zeit. Nicht einmal der 'Social Engineer' vom 'Projekt Venus' geht so weit, unsere Unsterblichkeit vorauszusagen. Ergo werden die Menschen immer unterschiedliche Bedürfnisse haben, ergo wird es Tauschhandel geben, ergo Geld.“

Diese Widerlegung einer tragenden Säule des Films hat bei Zeitgeist-Fans viel Widerspruch erregt. Es folgt hier eine Auseinandersetzung mit einer Auswahl dieser Kommentare.

Kommentator „holadihi“ schrieb am 11. Dezember 2009: „Die Idee einer anderen Gesellschaft, so wie in diesem Film propagiert wird, beruht auf Freiheit und Respekt gegenüber allem. Wird in dem Film auch mehrmals erwähnt.“

Antwort: Das ist nicht die „Idee“ des Films, sondern das Ziel. Die „Idee“ des Films ist, dass eine Voraussetzung für die Erreichung dieses Ziel die Abschaffung des Geldes ist. Dieser Idee habe ich widersprochen und sie widerlegt.

„holadihi“: „In diesem Film wurde auch nichts von gleichmachen aller Menschen gesprochen, sondern von einer hierachielosen Gesellschaft in der jeder seine Bedürfnisse decken kann.“

Antwort: Natürlich wird im Film das „Geichmachen aller Menschen“ nicht erwähnt. Das wäre zu abschreckend. Wer jedoch zwei und zwei zusammenzählen kann, weiß, dass das propagierte Gesellschaftsmodell genau darauf hinauslaufen wird.

„holadihi“: „Und in der es andere Bedürfnisse geben wird, als Habgier und Materialismus.“

Antwort: „Habgier“ ist kein Bedürfnis, sondern ein Trieb. Ein Bedürfnis ist ein gespürter Mangel. „Materialismus“ ist auch kein Bedürfnis, sondern eine Ideologie. Wie schon oben angedeutet, gibt es jetzt schon eine unendliche Zahl an unterschiedlichen Bedürfnissen. Nur über den Markt gelingt es, diese einigermaßen zu befriedigen. Ungezügelte Habgier und Materialismus sind in der Tat Probleme unserer Zeit. Sie werden aber durch Abschaffung des Geldes nicht behoben, noch nicht einmal verkleinert. Sondern vergrößert. Ohne Geld gibt es keine Maßeinheit für die Feststellung der Bedürfnisse anderer. „Intelligentes Ressourcenmanagement“ ohne Geld ist eine totale Illusion.

„holadihi“: „Liegt es über ihrer [sic] Vorstellungskraft, dass Menschen Handel betreiben können ohne den anderen dabei übers Ohr zu hauen.“

Antwort: Nein, ganz und gar nicht, denn es ist dem Autor bewusst, das das tagtäglich milliardenfach stattfindet. Selbst mit dem schlechten, zentralplanerisch hergestellten Geld, das wir heute haben, treiben die meisten Leute Handel, ohne andere dabei übers Ohr hauen zu wollen. Gäbe es nicht die allgegenwärtigen staatlichen Gängelungen, gäbe es freie Marktwirtschaft und freie Geldproduktion, wären es noch viel mehr.

„holadihi“: „Schade, sie [sic] haben die Utopie des Filmes leider nicht verstanden.“

Antwort: Der Autor behauptet das Gegenteil. Er hat sehr wohl die „Utopie“ des Filmes verstanden. Und er hat verstanden wo der Versuch, diese Utopie zu verwirklichen, hinführen wird.

Kommentator „Brakiri“ ist sich seiner Sache so sicher, dass er gleich zu persönlichen Angriffen übergeht. Am 15. Februar 2009 schreibt er, er sei „erschrocken“ über den Autor, der „angibt, Diplom-Ökonom zu sein, aber anscheinend noch nichts von Wohlfahrtsökonomie, Internalisierung externer Effekte etc. gehört hat.“ Er, „Brakiri“, „bearbeite als Student grade [sic] diese Theorien, und sehe bei jeder Behandlung immer wieder, dass das eigendliche [sic] Problem wirklich der Mangel an Anreiz ist. Viele bzw. fast alle Probleme liegen in dem Profitstreben begründet. Das Verursacherprinzip wird in der Wirtschaft nicht wirklich angewand [sic], obwohl es eine folgerichtige Weiterentwicklung ökonomischer Theorie ist.“

Antwort: In der heutigen Wohlfahrts- und Umweltökonomie gibt es keinen „Mangel an Anreiz“, dafür aber jede Menge falsche Anreize, die sämtlich vom Staat gesetzt werden. In einer reinen Marktwirtschaft würde das Verursacherprinzip voll zur Geltung kommen, da dann das Prinzip der Unverletzbarkeit des Eigentums gelten würde. In einer reinen Marktwirtschaft gäbe es nur Privateigentum. Wo immer heutzutage dauerhafte – und nicht eingebildete – Umweltprobleme auftauchen, kann man sicher sein, dass unzureichend definiertes Privateigentum die Wurzel des Problems ist.

„Brakiri“ weiter mit persönlichen Angriffen: „Zum anderen zeigt der Author [sic] leider einen grossen Mangel an 'Google'-Fähigkeiten.“ Der Autor habe „Brakiris“ Meinung nach übersehen, dass „die gezeigten Technologien wie Geothermie, Gezeitenkraftwerke und sogar die Maglev-Technologie [...] erprobte und sogar bereits eingesetzte Technologien [sind], deren Einsatz aufgrund von Kostengedanken oder Aufgrund protektionistischer Aktion/Lobbyarbeit der Energiebetreiber und Ölgesellschaften nicht umgesetzt werden.“

Antwort: Nicht nur hat der Autor in seinem ursprünglichen Artikel die Technikfreundlichkeit des Films ausdrücklich gelobt. Zudem unterstützt der von „Brakiri“ hervorgehobene Aspekt von Protektionismus und Lobbyismus das Grundargument des Autors: Wir brauchen sehr viel mehr Marktwirtschaft und weniger Staat.

„Brakiri“ fragt weiter: „Auf der anderen Seite muss man sich fragen: Reicht es nicht, eine Alternative zu haben? Muss die Alternative sofort alle Probleme lösen?“

Antwort: Nein, muss sie nicht, auch wenn sie, wie in diesem Fall, den Anschein zu erwecken versucht. Aber wenn sie viel größere Probleme aufwirft als das, was wir bereits haben, dann ist es zulässig, dies auch zu sagen.

„Zum Ende“ möchte „Brakiri“ „den Author [sic] fragen, was sein Vorschlag zur Bewältigung der Probleme ist? Es ist leicht eine Idee zu kritisieren, aber wie wäre es mit etwas eigener Kreativität? Haben Sie was besseres auf Lager?“

Antwort: Ja – Marktwirtschaft.

Mehrere Kommentatoren scheinen den Autor insofern missverstanden zu haben, dass er meine, das gegenwärtige Geldsystem sei das einzig mögliche. Deshalb hier eine hoffentlich unmissverständliche Klarstellung: Genau das Gegenteil ist der Fall! Der Autor wirft im Ursprungsartikel den Filmemachern vor, dass sie sich nur vorstellen können, nur das gegenwärtige Geldsystem oder eben gar keines sei möglich. Unterschlagen wird aber von den Filmemachern, dass es noch ein anderes Geldsystem gibt, nämlich das auf freier, ungeregelter Geldproduktion beruhende. Das Kuriose, um nicht zu sagen höchst Verdächtige, am Film ist, dass er einen prominenten Vertreter dieses Gedankens erwähnt, nämlich den früheren US-Präsidentschaftskandidaten Ron Paul, aber auf seine geldpolitischen Ideen, nämlich die der österreichischen Schule der Ökonomie, mit keinem einzigen Wort eingeht.

Kommentator „MB“ stimmt am 4. Juni 2009 dem Autor freimütig zu, dass die vom Film geforderte „radikale Revolution des Bewusstseins“ im Grunde eine Gehinwäsche wäre, meint jedoch, „Gehirnreinigung“ wäre das bessere Wort. Dazu passt vielleicht – aber vermutlich nicht, wie „MB“ es meint – seine abschließende Aussage, dass in Zukunft die Menschen die „Überflüssigkeit von ... Knappheit ... erkennen und abschaffen“ würden.

Am 17. Juni schließlich meldet sich „Brakiri“ nochmal. Er meint, eine Antwort vom Autor auf seine Einlassungen sei bisher ausgeblieben, weil „weder die Intention noch die Argumente gegeben sind, um dass was ich lange und gründlich gelesen, studiert und recherchiert habe, auch nur im Ansatz auszuhebeln.“

Antwort: Erübrigt sich. Dieser Satz bedarf vermutlich keines weiteren Kommentars, um von den meisten Lesern korrekt bewertet werden zu können.

„Brakiri“ weiter: „Alle Argumente des Autoren lösen das Hauptproblem, welches hinter der Basis steckt nicht: Gewinnmaximierung. Solange dies die Hauptmaxime ist, wird keine Veränderung INNERHALB des Systems zu einer Lösung führen.“

Antwort: Hier stoßen wir auf den Kern der Auseinandersetzung. Der Autor gibt gerne zu, dass er die Realität anerkennt, dass alle Handlungen aller Menschen von der „Hauptmaxime Gewinnmaximierung“ geleitet werden. Auch „Brakiri“ hat diese Realität anerkannt, wenn auch bisher nur implizit. Erklärung: Ihm gefällt meine Analyse nicht. Das ist sein gutes Recht. Weil sie ihm nicht gefällt, schreibt er gegen sie an. Auch das ist sein gutes Recht. Aber durch diese seine Handlung bestätigt er, dass auch er, wie jeder Mensch auch, vom Wunsch geleitet wird, einen für ihn wenig zufriedenstellenden Zustand in einen ihn zufriedenstellenderen Zustand zu verwandeln. Nichts anderes ist „Gewinnmaximierung“. Für „Brakiri“ war ein ihn wenig zufriedenstellenden Zustand entstanden, da es einen Artikel gibt, der sich sehr kritisch mit einem Film auseinandersetzt, der seiner Meinung nach den Weg zur Rettung der Menschheit aufzeigt. Das erzeugte in ihm dem Wunsch, einen ihn zufriedenstellenderen Zustand herzustellen, indem er Gegenargumente vorbringt. Er hat so gehandelt, weil er sich von dieser Handlung einen Gewinn versprach: Ein – seiner Meinung nach – überzeugender Widerspruch gegen die Kritik am Film „Zeitgeist-Addendum“. Es gibt kein Entkommen von der „Handlungsmaxime Gewinnmaximierung“, und das hat „Brakiri“ überzeugend, wenn auch ungewollt, demonstriert.

„Brakiri“: „Die Kritk [sic] zeigt, dass der Autor ein Anhänger des etablierten Systems ist, nicht willens ist, die Probleme im Kern zu erkennen, keine Lösungen ausserhalb des Systems anbieten möchte, eigene oder Kollegen-Bücher promoten will, und weder fachlich noch argumentativ in der Lage zu sein scheint, sich mit den Kernaussagen des Films intensiv auseinanderzusetzen.“

Antwort: „Brakiri“ hat nicht erkannt, dass der Autor ein Anhänger der freien Marktwirtschaft ist und somit ganz und gar kein Anhänger des „etablierten Systems“. Das etablierte System ist eine vom Staat auf alle erdenkliche Weise gegängelte Wirtschaft, die glücklicherweise noch einige marktwirtschaftliche Restelemente enthält, denen die meisten Leute ihr Leben verdanken.

Das „Zeitgeist“-System ist dem etablierten System viel näher als die freie Marktwirtschaft. Wie der Sozialismus und der Ökologismus ist das „Zeitgeist“-System nichts weiter als die neueste Geschmacksrichtung uralten totalitären Gedankenguts, wie es ihn mindestens seit der Zeit der Pharaonen gibt. Freie Marktwirtschaft ist dagegen das neuere, jüngere System. Es begann mit dem Exodus der Hebräer aus Ägypten, der dem Alten Testament zufolge die erste erfolgreiche Auflehnung gegen den Totalitarismus war. Seit dem hat der Totalitarismus immer wieder und mit wechselndem Erfolg versucht, jedes Element der freien Marktwirtschaft wieder aus der Welt zu schaffen. Seit dem haben Freiheitsbewusste immer wieder ideologische Gegenangriffe gestartet. Die österreichische Schule der Ökonomie ist die bislang stärkste intellektuelle Waffe gegen den Sozialismus, insbesondere gegen den der marxistischen Prägung, zu dessen Familie die „Zeitgeist“-Filme gezählt werden dürfen. Wie erfolgreich diese Filme sein werden, hängt davon ab, wie wachsam diejenigen sind, die sich von vernunftbasierter Realitätserkenntnis leiten lassen und nicht von Illusionen.

Internet:

Robert Grözinger: "Zeitgeist Addendum : Teilweise richtige Diagnose - völlig falsche Therapie" (Artikel vom 6. Oktober 2008)

18. Juni 2009

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Kommentare

Philipp Heinsch , am 18. Juni 2009 um 23:51 ( Link )

Also, mein lieber Herr Grözinger, bei der Formulierung

Der grundlegende Denkfehler, der zu dieser Schlaraffenlandvision führt, ist, dass das gegenwärtige Geldsystem das einzig mögliche ist.

haben Sie sich allerdings durchaus selbst ein Bein gestellt. Den Satz habe ich auch zweimal lesen müssen, um zu verstehen, was Sie damit eigentlich meinen. Offenbar ging es einigen der Kommentatoren da nicht anders - abgesehen davon, dass sie sich die Mühe wohl nicht machen wollten.

Ihren Überlegungen stimme ich im Übrigen vollkommen zu.

Viele der Kommentare auf Ihren Artikel haben mich an Diskussionen erinnert, die ich mit Bekannten und Freunden aus dem "linken" Spektrum geführt habe. Die Idee, dass Wunschdenken und Realität zwei verschiedene Dinge sind, ist offensichtlich nicht für jedermann leicht nachvollziehbar...

Ich frag(t)e mich bei solchen haarsträubend unlogischen Kommentaren immer, ob diese Jungs einfach nur zu idealistisch sind - oder tatsächlich unwillig, ihren Verstand zu gebrauchen.

Eine Formulierung wie „intelligentes Management der Ressourcen der Erde“ sollte einen doch eigentlich nachdenklich stimmen - denn: was heisst in diesem Zusammenhang "intelligent"? Wer bestimmt, was "intelligenter" Ressourcenverbrauch ist, und was nicht? Wer leistet überhaupt dieses Management? Und: ist es möglich, dass dieser "intelligente Manager" unter Umständen andere Vorstellungen von "intelligentem Erdressourcenmanagement" haben könnte als man selbst?

Auch schön ist, dass einige der Kommentatoren an der Existenz der (ökonomischen) Knappheit zweifeln. Hier die Preisfrage: wenn plötzlich keine Knappheit mehr da wäre - WOZU DANN DIE RESSOURCEN DER ERDE ÜBERHAUPT NOCH "MANAGEN"???

Wenn man (wie Sie) zwei und zwei zusammenzählt, ist sofort klar, dass es sich bei Formulierungen der Art „intelligentes Management der Ressourcen der Erde“ nur um die (implizite) Forderung nach einem Superstaat handeln kann.

Völlig schleierhaft ist mir, wie man ernsthaft der Meinung sein kann, dass ausgerechnet die Abschaffung des Geldes so mir nichts, dir nichts zu einer besseren Welt führt. Wenn das Geld weg ist (und die Knappheit bestehen bleibt) - wie werden die Leute untereinander handeln? Sie werden ein Umtauschmittel definieren (finden). Sprich: es wird wieder Geld entstehen. So einfach, so logisch... Und trotzdem für manchen nicht verständlich.

Aber gegen Utopismen kann man mit Grips schlecht anstinken - wer etwas unbedingt glauben WILL, der wird es auch glauben. Da hilft auch alle Logik nichts, ausser der Betreffende setzt irgendwann auch einmal seinen Kopf ein, anstatt immer nur sein Herz oder seinen Bauch.

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 18. Juni 2009 um 23:57 ( Link )

Herrjeh, Herr Grözinger, wieso verschwenden Sie Ihre wertvolle Zeit damit, den Blinden das Sehen beibringen zu wollen?
Ich selbst habe häufig schon versucht, Freiwirtschaftlern und Kommunisten die Welt zu erklären, das ist bis auf ganz wenige Ausnahmen absolut sinn- und zwecklos.

Seitdem habe ich mir vorgenommen, nur noch mit Menschen zu diskutieren, von denen ich wirklich etwas lernen kann. Ich rate Ihnen, beherzigen Sie diesen Rat und Sie werden erkennen, wie viel Zeit Sie mit diesen Steinzeitmenschen vergeudet haben.

Mit freundlichen Grüssen

Ernst-Gottlieb von Emhofen

Kreuzweis , am 19. Juni 2009 um 0:47 ( Link )

In der neuesten "Radioshow" befaßt sich Alexander Benesch von Infokrieg.TV mit diesem Film und den mutmaßlichen Gründen für die sozialistischen Lösungsvorschläge. Im Rahmen eines Rundumschlages gegen esoterische Problemlösungsrezepte verwirft er auch alle neuen Aufgüsse sozialistischer Wirtschafts- und Geldmodelle. Er mutmaßt, daß es sich um Pseudo-Systemkritik handeln könnte, um von den Hauptursachen und -verursachern der 'Systemfehler' abzulenken.

http://www.filefactory.com/file/ag568d7/n/IK_Radio_2009_06_09_mid_48kbps_mp3

dickbrettbohrer , am 19. Juni 2009 um 12:06 ( Link )

Sehr geehrter Herr von Emhofen, das Geplapper der blinden Maultaschen, so ärgerlich es sein mag, bringt auch Vorteile: es zwingt zu immerneuen Überlegungen und wirft ein grelles Licht auf oberflächliches Kurzschlußdenken, wie es in unserer Kultur von der geistig trägen Mehrheit gepflegt wird. Unter dem Aspekt der Pflege eigner Denkraft kann die Beschäftigung auch mit den dümmsten Einwänden fruchtbar sein. Man stelle sich vor, auf diesen Seiten meldeten sich nur noch kluge Leser – wie viele feurige Diskussionen entgingen uns da!

So drängte sich mir beim Lesen eine Metapher auf. Wer der Meinung ist, die Abschaffung des Geldes werde die Welt in ein Paradies verwandeln, zeigt damit eine weitverbreitete Krankheit – nennen wir es „Marionettensymptom“. Dieses Krankheitssymptom ist der wahnhafte Glaube einer Marionette, sie sei auch ohne Fäden in der Lage zu tanzen. Im Laufe vieler erfolgreicher Aufführungen erblindete sie für die Tatsache, daß ihre Fähigkeit, überhaupt die Glieder bewegen und auf einer Bühne zu spielen zu können, buchstäblich am seidenen Faden hängt. Nun fordert sie lauthals die Durchtrennung der Schnüre, weil diese doch – das muß man ihr faktisch zugestehen! – bei den Bewegungen hinderlich sind. Der beschränkten Sichtweise der Spielfigur zufolge ist das Vorhandensein der Schnüre die Hauptursache für alle Übel in ihrer kleinen Marionettenwelt.

Aus kritischer Eigenbeobachtung mag jeder von uns selbst feststellen, daß der Mensch dazu neigt, die Voraussetzungen für seine Existenz undankbar, ja gedankenlos als gegeben hinzunehmen. Kein Fisch macht sich je Gedanken über das Element Wasser, in dem er schwimmt und ohne das er ersticken würde. Diese jähe Erkenntnis mag ihm kurz vor seinem Exitus kommen, sobald der See trockenfällt. So ist es die Tragik menschlichen Lebens, daß er der Pflege und Erhaltung mancher lebensvoraussetzenden Grundlagen kaum Aufmerksamkeit widmet. Schon der Volksmund weiß, daß erst Verluste die schmerzhafte Erkenntnis der existentiellen Wichtigkeit gewisser Objekte ans Bewußtsein dringen lassen.

Wenn nun ein Volksphilosoph zu der populärwissenschaftlichen Auffassung gelangt, das Geld sei die Ursache und Wurzel für alles Schlechte auf der Welt dingfest zu machen, so erntet er bei gewiß begeisterte Zustimmung. Oberflächlich betrachtet hat er sogar recht, und das ist tragisch. Leider übersehen er und seine Zuhörer, daß die negativen Erscheinungen der Geldwirtschaft ein nur „Symptom“ sind, für das es eine tieferliegende Ursache gibt. Symptome (Gier, Betrug, Diebstahl usw.) sind nicht Ursache sondern auslösende Faktoren für Unbehagen, Armut und Krieg und so weiter. Die vielzitierte Gier ist Frucht einer Fehlentwicklung, nicht die hervorstechende Charaktereigenschaft des Menschen. Die Verwirrung der Begriffe tut nun das ihrige: die intellektuelle Kurzsichtigkeit mißversteht das, was ihr sichtbar vor Augen steht, für die Ursache. Niemals hat sie darüber nachgedacht, daß wir es außerdem mit einer hierarchisch geordneten Symptomkette zu tun haben, bei der ein Symptom das andere ursächlich hervorruft. Die eigentliche Ursache liegt am Ende dieser Symptomkette.

Vergleichen wir dies mit körperlichen Krankheiten: für jedes Krankheitssystem gibt es eine Ursache, die erkannt und beseitig werden muß, ehe die Krankheit geheilt und das Symptom zum Verschwinden gebracht werden kann. Was aber tut die moderne Schulmedizin? Genau wie die „Schulökonomen“ überschlagen sie sich im Beseitigen von Symptomen. Sie schneiden Krebsgeschwulste weg, was keine Therapie ist, da Krebs eine Systemerkrankung und die Geschwulst nichts anderes der Trieb einer verdorbenen Wurzel. Gewalt an Schulen will man durch Verbote von Waffen erreichen – das ist weder Ursachendiagnose noch geeignete Therapie, weshalb die Fehlentwicklungen in allen Bereichen weiter zunehmen werden.

Wodurch aber sind wir so blind gegenüber den Ursachen? Eine Erklärung wäre, daß das Leben kein unveränderliches Gebilde, also eine Art Konstruktion ist, sondern ein sich ständig verändernder Prozeß. Leben wie eine Landschaft abzulichten und das statische Bild als Grundlage für Verbesserungsvorschläge heranzuziehen, kann zu keinem positiven Ergebnis führen. Prozessuale Betrachtungen sind eine große Herausforderung für den menschlichen Verstand, sie entziehen sich wie kaum etwas der gedanklichen Stringenz. Wir müssen historische Betrachtungen anstellen und diszipliniert dazulernen und immer wieder nachdenken., hinter die Kulissen schauen, obwohl selbst die Kulissen kaum erkannt werden. Wir müssen unsere Phantasie bemühen. Diese Art von schöpferischen Denkens ist sehr anstrengend, tut sogar weh. Wer aber füt sich schon gern selbst Schmerzen zu?
Nun ist jedem selbst überlassen, ob er denken will oder nicht. Wählt er jedoch die bequeme zweite Alternative, sollte er sich zurückhalten mit ungefragten Ratschlägen, die er der ganzen Menschheit zur Bewältigung komplexer Probleme wie dem des Geldwesens erteilen will.

Vorschläge wie die Abschaffung des Geldes sind zwar dumm, aber es liegt auch eine gewisse Tragik darin. Die Beschreibung der Fehlentwicklungen deckt sich mit den Erfahrungen in der Realität. Die Erscheinungsformen der Fehlentwicklung werden nämlich korrekt beschrieben, dies macht ihre demagogische Kraft aus. Das ist für jeden nachvollziehbar, selbst für das kindlichste Gemüt. So bleibt es wenigen überlassen, die Hauptursache für gesellschaftliche Dekadenz und Unmoral in der Mißachtung des Eigentumsrechtes zu verorten. Der Schlüssel zu allen Fehlentwicklungen ist die Tatsache, daß es heute mit Hilfe der Funktionselite gelungen ist, in vielen Bereichen der Gesellschaft (nicht nur in den obersten Etagen) jene Art der Verantwortungslosigkeit zu pflegen, die sich dann einstellt, wenn die einen gewohnheitsmäßig und gesetzlich gestützt auslöffeln müssen, was die anderen in verantwortungsloser Fahrlässigkeit tun. Während die einen unter den schöpfungsbedingten Regeln des potentiellen Scheiterns den Wohlstand erarbeiten, sorgt die staatlich verordnete partielle Enteignung dafür, daß die anderen das Erarbeitete verantwortungslos genießen können. Säen und Ernten sind keine Einheit mehr, Verantwortung tragen nur noch die Schöpfungssklaven. Wer wundert sich da über den Verfall ehtischer Grundsätze – den Umgang mit Geld eingeschlossen? Fortschrittlich und gutmenschelnd denkende Studenten wie Brankin würden schlagartig verstummen, wenn sie für ihr Leben selbst verantwortlich wären statt auf Kosten der vielen anderen eine verlängerte Kindheit namens „Studium“ genießen zu dürfen. Das ist keine Verurteilung dieses Studenten, sondern eine nüchterne Feststellung. Brakin und andere sind nichts anderes als Marionetten, die vergessen haben, was sie hält. Sie sind ebenfalls nicht Ursache des Verfalls, sondern ein Symptom der Fehlentwicklung: der Mißachtung des Eigentums.
Noch einmal Brakin: Lassen wir ihn doch seine Fäden durchschneiden! Dann schauen wir weiter.

Icke , am 19. Juni 2009 um 12:31 ( Link )

Guten Tag, wenn ich meinem Kommentar einen Titel geben könnte würde ich diesen Kritik an der Kritik nennen.

Ich habe mir selbst vor einiger die Filme angeschaut, mich als erstes nach Kritik umgeschaut und anderen Informationsquellen um dieses Thema zu hinterleuchten. Mich interessiert ziemlich was andere über dieses Thema denken.

Ersteinmal zum Autor Herr Grözinger. Ihre Kritik ist ziemlich mieserabel geschrieben. Nicht was Formulierungen angeht, aber Sie beziehen sich auf Informationen aus Büchern und offerieren recht deutlich Ihre starre Meinung. Diesen Eindruck macht dieser Text, es tut mir leid aber ich bin da sicher nicht der einzige Mensch der das so sieht. Der Ausführung fehlt es an Sachlichkeit und wissenschaftlicher Betrachtungsweise.

Leider sind auch die Kommentare teilweise mit extrem ideologischer Betrachtungsweise vollgepackt die an "Wunschdenken" doch sehr nah herran kommen.

In meinen Augen sollte man die Zeitgeistfilme auch skeptisch sehen. Nun wird dort in zwei, bzw 4, Stunden an ein paar Themen geknabbert, die viele nicht mal ansatzweise Nachvollziehen können. Sie stecken voller Ideologie und möchten Mißstände erklären aber ohne eine Darstellung einer möglichen Realisierung. Ich muss Ihnen voll zustimmen, ihr Gedankengang in ein totalitäres System ist doch recht einfach nachvollziehbar, man kann kein Gleichheit der Menschen erlangen, dafür müsste man den Charakter abschaffen, da Bedürfnisse sich von Mensch zu Mensch unterscheiden.
Es ist nun aber auch so, daß wir heute in einer Welt leben die auf Sklaverei beruht. Die meisten europäischen Länder besitzen Überfluss, während in der sog. 3. Welt die Menschen in Verhältnissen Leben die sich niemand von uns vorstellen kann. Ich habe vor Jahren mit einer Brasilianerin gesprochen, sie wohnte in Rio und wir kamen auf das Thema Slums zu sprechen. Sie erzählte mir von Dingen die mich doch ziemlich stutzig gemacht haben, sie erzählte mir unter anderem daß sich die Menschen dort von gekochter Pappe ernähren..

Nun hängt doch vieles auf dieser Welt zusammen, wir wären nicht reich wenn andere nicht arm wären...es gibt dann ein paar Superreiche und ganz viele Superarme. Das ein solches System irgendwann explodiert ist nicht zu verhindern. Ich erinnere mich an einen Text den ich vor Jahren mal gelesen habe. In der Zeit des römischen Reiches haben die Sklaven normale Kleidung tragen "dürfen". Wenn Sie gewusst hätten, in welch einem Verhältnis die Sklaven zur römischen Bevölkerung in Rom gelebt haben...wäre das ganze schon ein paar hundert Jahre vorher zerbrochen. Genauso etwas haben wir heute auch, nur daß wir unsere Sklaven nicht Sklaven nennen und sie nicht in unserem Land leben, aber wir sind diejenigen die von deren Leid profitieren.

Auch die geschichte der Religion zeigt was dieses "Medium" anrichten kann, die Kirche hat jahrhunderte lang das Volk unterdrückt und gesteuert und hat die Wissenschaft und Entwicklung der Gesellschaft grausam unterdrückt, das möchte man natürlich als getaufter Mensch nicht sehen, deshalb ist es nur verständlich daß sich viele dieser Kritik in diesem Film wehemend verschließen. Fanatismus und Religion hat nicht sehr viel mit gesundem Menschenverstand zu tun, wenn sie als Kontrollmedium mißbraucht wird.

Die heutige Gesellschaft steht kurz vor dem Zusammenbruch, wir haben den Großteil unserer Umwelt zerstört und rennen mit voller Geschwindigkeit auf einen bodenlosen Abgrund zu. Wir haben die Möglichkeit die Erde mit den Bomben ein paar mal zu zerstören. Es gibt schlimmere Waffen als Atombomben, mit weitausgrößerer Sprengkraft, bei denen sich man nicht mal sicher ist ob die Erde danach noch in der gleichen Umlaufbahn bleibt. Das ist Realität, das werden sie auch nur schwer in einem Buch finden..

Nun aus schon rein menschlicher Sicht, sind viele Dinge zum Thema Zeitgeist sehr Interessant, denn die Idee einer anderen Menschheit ist bei solchen Aussichten doch irgendwie verlockend. Leider spiegelt Zeitgeist irgenwie nur Bruchteile ohne größeren Zusammenhang wieder.
Was ich persönlich doch sehr lustig fand war die Aussage daß es keine Verbrechen mehr geben würde, weil es keinen Grund mehr dafür gäbe. Ich glaube das ist echt eine der unsinnigsten Aussagen in diesem Film, denn Geld ist sicherlich nicht die Wurzel allen Übels, sondern der Mensch. So ein Sexualstaftäter wird sicherlich nicht von Gier geleitet. Ein Mord aus Eifersucht doch sicherlich auch nicht. Da sind die Menschen schlimmer als jedes andere Tier auf diesem großen bunten Ball.

Auch ein Punkt dem ich dem Film zugute schreibe ist der Punkt der Technologie. Wir haben heute sehr Wohl die Möglichkeit die gesamte Energie der Welt durch regenerative Technik aufzubringen. Die haben wir schon seit Jahrzehnten, wir können Autos und Transportmittel ohne jegliche Verwendung fossiler Brennstoffe antreiben, genauso wie Fabriken. Diese Technologie existiert Bereits länger, ich persönlich kann mir nur schwer vorstellen, wie viele Patente in irgendwelche geheimen Fächern liegen damit die Unternehmen weiter exisitieren können. Ich fand die Argumentation mit Einstein sehr gut, menschen die etwas erschaffen wollen oder ideen haben tun das sicher nicht aus finanziellem Antrieb. Das ist für viele Menschen heute nicht nachvollziehbar, aber ich möchte Ihnen auch entwicklungen des IT-Bereichs vor augen halten. Das Internet wäre heute bei weitem nicht so entwickelt

Eine Gesellschaft ohne Geld, ist Utopie und nach heutigen Maßstäben überhaupt nicht realisierbar. Eine solche Änderung der Gesellschaft würde mehrere Generationen dauern. Wir haben ja heute immernoch Probleme ausländische Mitmenschen in unserer Mitte zu akzeptieren und dieses Problem der Intolleranz wird immer weiter geschürt und verstärkt. Eine Gesellschaft mit Geld führt unweigerlich in den Abgrund, da der Mensch nicht in der Lage ist sich andersweitig zu orientieren, er wird immer den Zahlen nachjagen, da Bedürfnisse bei einigen zur unendlichkeit neigen. Wir erziehen Kinder mit einem Niveau für das man sich echt schämen muss, wir fördern diejenigen die Wohlhabend sind und zerstören jegliche Chance auf persönliche und damit gesellschaftliche Entwicklung...Es ist ziemlich dämlich zu glauben daß Menschen die mehr Geld haben auch automatisch klug oder besser sind, nur weil eine größere Zahl in einer Datenbank irgendwo in einem Erdloch auf dieser Welt vorhanden ist...

Geld hat einfach einen einfachen Nachteil, man verschiebt von a nach b, dadurch gibt es Menschen die auf einmal ein Geldvermögen von mehreren Millionen und Millarden haben, das ist Geld daß so schnell nicht mehr in den Umlauf kommt und somit im Gesamtkreislauf fehlt. Auch das Thema Zinsen, es ist einfach so daß Banken Geld aus nichts erschaffen. Das Zinsen ein offensichtlicher Betrug sind kann ein Kind der 5. Klasse ausrechnen.

Das Geld den Tauschhandel ersetzt hat ist einfache eine Entwicklung, daß sich jemand aber das Medium Geld so zunutze macht wie es heute ist...war ganz sicher nicht die Mutter dieser Idee. Nun wird es aber genau dafür mißbraucht und hat damit seine Daseinsberechtigung in der heutigen Art verloren. Die Menschheit hat nie gelernt mit Geld umzugehen, man könnte auch sagen wir sind einfach zu blöd dafür.

Ich persönlich muss sagen, ich weiß das hier gerade sehr viel im argen liegt, daß Regierungen ganz offensichtlich nicht mehr für das Volk arbeiten und die Ereignisse der letzten Jahre doch ganz stark nach einem inszenierten Bühnenstück riechen. Irgendetwas muss passieren damit sich die gegenwärtige Situation ändert und das passiert zuerst im Kopf jedes einzelnen Menschens. Zeitgeist ist eine Idee der man sich nicht verschließen sollte, eine Anregung um mal den Kopf aus der Schubladenwelt heraus zu ziehen und sich über das eigene Leben bewusst zu werden. Was nun wirklich dahinter steht ist wieder ein anderes Thema, aber man sollte sich doch mal ernsthaft mit der Gesamtthematik beschäftigen, es gibt mehr als nur Zeitgeist welches sich in diese Richtung bewegt...

Ich wünsche noch einen schönen Tag

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 19. Juni 2009 um 12:43 ( Link )

Verehrter Dickbrettbohrer,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, Sie machen Ihrem Pseudonym wahrlich alle Ehre.

Nun mag ich Ihren Optimismus bezüglich Diskussionen mit Andersdenkenden nicht zerstören, doch sind sie mir zu oft frucht- und sinnlos, da die Anhänger vielerlei Scheinwissenschaften, die zumal im Internet bevorzugt gedeihen, keinen Nanometer von ihrer Meinung abrücken wollen, ist die Evidenz für die Falschheit ihrer Glaubenssysteme auch noch so erdrückend.

Ihre Metapher mit den Marionetten finde ich grossartig, paßt sie doch zu so vielen Fehlannahmen, denen die meisten Menschen bereitwillig anhängen. Vor allem zu der Tatsache, daß die Menschen um so marktwirtschaftskritischer werden, je mehr sie von der Marktwirtschaft genährt werden.

Ihrer Kritik an der modernen "Schul-" Medizin kann ich jedoch nicht folgen. Mag sie - wie jede wissenschaftliche Disziplin - auch den ein oder anderen Irrweg genommen haben, bin ich doch nach jedem Arztbesuch zutiefst dankbar für ihre Existenz. Die Tatsache, daß die durchschnittliche Lebenserwartung des vor 2000 Jahren reichsten Landes der Welt, dem Imperium Romanum, niedriger war als die des heute ärmsten Landes der Welt, Sierra Leone, ist nicht zuletzt dem medizinischen Fortschritt zu verdanken.

Den folgenden Absätzen, insbesondere dem letzten, ist nichts hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüssen

Ernst-Gottlieb von Emhofen

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 19. Juni 2009 um 13:32 ( Link )

Verehrte(r) Icke,

Ihre Kritik an Herrn Grözinger kann man 1:1 wieder an Sie zurückgeben. Sie sind voll mit einer Weltsicht, die sich im Gegensatz zu der Herrn Grözingers noch nicht einmal ein wissenschaftliches Fundament ihr Eigen nennen kann.

Ihre Behauptung, Drittweltländer verdankten ihre Armut einer angeblichen Ausbeutung durch Industriestaaten ist fern jeglicher Realität. Diese Länder sind vor allem deshalb arm, weil sie sich dem Handel mit anderen Ländern aus politischen Gründen verschliessen und weil ihre heimischen Politiker die wenigen vorhandenen Ressourcen für eigene Zwecke nutzen.
Aber angenommen, der gesamte afrikanische Kontinent würde im Meer versinken, hätte dies wirtschaftlich gesehen kaum Konsequenzen für uns in Europa.
Südkorea hingegen war in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein typisches Drittweltland: Keine Elektrizität, Malaria allerorts und der Grossteil der Bevölkerung verdingte sich als Kleinbauern. Bis der Präsident Park sich entschloß, die Wirtschaft zu öffnen und westliches Kapital ins Land strömen zu lassen. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte.

Die Behauptung, reiche Menschen würden Geld aus dem "Umlauf" halten, ist absoluter Blödsinn, bitte verzeihen Sie die Ausdrucksweise. Ich bin, weiss Gott, kein Milliardär, doch würden mich die meisten Menschen wahrscheinlich als "reich" bezeichnen. Doch mein Vermögen steckt ausschliesslich - das gebietet die Wirtschaftlichkeit - in Immobilien. Auf meinen Girokonten lagert wahrscheinlich nicht mehr Geld als auf dem eines gemeinen Arbeiters. Und auch dieses Geld wird dank des Teilreservesystems nicht dem Umlauf "entzogen" und selbst wenn dies so wäre, hätte dies keine Bedeutung für andere Marktteilnehmer.

Der einzige Punkt, bei dem wir beide übereinstimmen, ist die Kritik am Mindestreservesystem der Banken. Selbstverständlich ist es eine Perversion unseres heutigen Systems, daß Geld aus dem Nichts geschaffen werden kann. Auf die Begründung, warum angeblich das Zinssystem schädlich sein soll, bin ich gespannt. Wahrscheinlich läuft das Ganze wieder auf diesen freiwirtschaftlichen Irrsinn hinaus, der in Zeiten des Internets leider nur noch viel mehr Menschen verwirrt.

Geld ist keineswegs einfach nur "eine Entwicklung", es ist eine Notwendigkeit, ohne die wir niemals über das Niveau einer Stammesgesellschaft hinaus gekommen wären.

Mit freundlichen Grüssen

Ernst-Gottlieb von Emhofen

dickbrettbohrer , am 19. Juni 2009 um 14:19 ( Link )

Sehr geehrter Herr von Emhofen,

Diskussionen mit Dummköpfen: das "Fruchtbare" bezog sich auf die Klärung des eigenen Denkens, nicht auf das der Dumpfbacken.

Bei der Medizin habe ich meine Erfahrungen gemacht. Hätte ich das oberflächliche "Marionettendenken" für mich akzeptiert, säße ich heut im Rollstuhl oder wäre nicht mehr am Leben. Auch in der Medizin bestimmen Regeln das Wirtschaften, die eigentumsfeindlich sind: Kollektivierung ist das Problem. Hinzu kommt die Tragik der Allmende, letztere ist in diesem Fall der eigene Körper ...

Icke , am 19. Juni 2009 um 14:46 ( Link )

Ein Verehrter...sonst hätte ich ein Ickeline verwendet ...

Sehen Sie, wie man so schön sagt, alles hat zwei Seiten. Sie sollten vielleicht mal Ihren Text lesen...und meinen etwas objektiver. Ich kritisierte nur die Ausführung nicht die Meinung...es ist nun einmal sehr einseitig geschrieben, für mich liest es sich auf jedenfall so. Das Kritiken immer einen persönlichen Touch haben ist normal, sie sind ja schließlich nicht von Maschinen geschrieben.

Das was ich Kritisiere ist die Handhabung des Geldes wie es heute ist,

Ich glaube wenn Afrika heute im Meer versichen würden könnten sie sich morgen keinen Fernseher mehr leisten. Ich glaube ein großer Anteil der Resourcen für die Elektronikindustrie kommt von dort. Nehmen sie es mir nicht böse aber sie beziehen recht schnell persönliche Stellung. Wenn ich an Geld auf Konten denke, daß nicht mehr im Umlauf ist, meine ich solche Sachen wie die Liste der Superreichen, was sie auf Ihrem Konto haben interessiert mich herzlich wenig.
Wenn Sie einen gewissen Betrag im Umlauf haben und irgendwann ein großer Teil davon auf einem Konto liegt, müssen sie wiederrum welches herstellen damit genügend im Umlauf ist. Schon allein dadurch erreichen Sie einen Wertverfall des Geldes. Geld erschafft sich durch Zinsen selbst und der erschaffene Zinsbetrag steht nicht für eine äquivalente Leistung eines Menschen dadurch verliert das Geld an noch mehr Wert. Solange sich Zahlungsmittel zum großen Teil im Umlauf befinden ist noch alles prima, aber es gibt doch unter den Wirtschaftlern eine schöne Aussage : wenn einer spart ist es gut, wenn viele sparen nicht mehr.

Aus mathematischer Sicht absolut haltbar ob sie nun die Tatsache akzeptieren wollen oder nicht sie ist nun mal da. Sie haben eine schöne Aussage getroffen, den Blinden nicht das Sehen beizubringen. Diese kann man genauso gut auf Sie beziehen, vielleicht sollte Sie mal eine etwas entspanntere Haltung einnehmen. Bitte verzeihen sie die ausdrucksweise ;) .. ist wirklich nicht böse gemeint.

Ich habe vor einiger Zeit auch einen Mann kennengelernt der sein Hauptkapital in Immobilien hat. Es war eine recht interessante Unterhaltung. Der Herr ist einer der Menschen der sein Geld nicht nur in Aktien und Annehmlichkeiten gesteckt hat sondern auch in größerem Umfang weiterinvestiert, hat für seine Immobilien Solaranlagen und derlei Dinge montieren lassen, da kann man schlecht nur von materialistischen Gründen sprechen.
Nun es wird immer Menschen geben die mehr in der tasche haben als andere, obs nun geld ist oder was weiß ich. Die Sache wie man dann persönlich mit solchen Werten umgeht.
Sie müssen auch verstehen, wenn sie sich heute umschaun, dreht sich alles nur um dieses bunte Papier. Jeder will was vom Kuchen haben und dabei kommt es zu hahnenkämpfen. Das ist einfach der lauf der dinge wie sie heute sind. Mensch wird an seinem nutzen bemessen. wie eine maschine, da muss man sich nicht wundern daß es so viele unzufriedene menschen gibt und laut nach veränderung geschrien wird.

Eine Frage stellt sich mir noch, was verstehen Sie unter freiwirtschaftlichem Irrsin. Ich meine für ein "schlagkräftiges" Argument können Sie doch sicherlich genauer erläutern, vielleicht lern ich ja noch etwas dazu.

vg

ISBN3451322005 , am 19. Juni 2009 um 16:37 ( Link )

Hali Halo…

Ich lasse es mir nicht nehmen, die monetäre Trauergemeinde vor dem Wochenende noch zum Schneuztuch greifen zu lassen.

Geld ist keineswegs einfach nur "eine Entwicklung", es ist eine Notwendigkeit, ohne die wir niemals über das Niveau einer Stammesgesellschaft hinaus gekommen wären.

Wohl wahr!

Aber Geld war immer ein Machtderivat und hat sich nicht aus der Privatwirtschaft heraus entwickelt. Somit ist auch zur Zeit mit der Mutter der Geldidee alles in bester Ordnung, ob es mir nun passt oder nicht.

Ich behaupten sogar, dass den Machthabern nix anderes übrig bleibt, als uns per FED-System über den Tisch ziehen um der heilbringenden demokratischen Ideologie gerecht zu werden – gibt halt nüscht umsonst im Leben.

Schon klar… „ich nu wieder… und erst mal Mises lesen um der freiheitlichen Träumerei Vorschub zu leisten…“

Philipp Heinsch , am 19. Juni 2009 um 17:05 ( Link )

Thema "freiwirtschaftlicher Irrsinn":

Die Freiwirtschaftslehre geht davon aus, dass Geld, welches gespart wird, nicht produktiv/konsumtiv eingesetzt wird. Es wird sozusagen "geparkt" und modert auf den Konten vor sich hin, obwohl es, wenn es eingesetzt würde, so viel Gutes tun könnte. Sparen ist für den Freiwirtschaftler wachstumsschädlich.

Zur Kritik an dieser Idee:

Geld, dass Sie, verehrter Icke, auf Ihr Konto legen, ist eben NICHT geparkt. Dieses Geld arbeitet, da Ihre Bank es fast ganz nach gusto weiterverleihen kann (Teilreserve-Bankensystem) - und dies meist auch tut. Im Klartext: mit Ihrem Konto (mit-)finanzieren Sie Investitionen (über die Zirkulationskredite, die Ihre Bank ausgibt) und Konsum (Konsumentenkredite als besonders eklige Form des Zirkulationskredites).

Was jetzt die Superreichen angeht: die haben ihre Vermögen eben nicht auf Konten, sondern zum allergrössten Teil in diversen Vermögensanlagen (auch Sachwerte;). Sprich: dieses Geld arbeitet auch.

Würden wir in einer Welt realen Geldes (Warengeld) leben, wäre Sparen, ebenso wie Horten, ebenfalls kein Problem - das Preisgefüge würde sich anpassen.

Der grösste Unfug an der "Frei"-wirtschaftslehre ist ihre Methode, dass Geld immer im Umlauf zu halten: die Umlaufsicherungsgebühr. Das ist eine Art Extra-Gebühr auf gespartes Geld. Erstens setzt diese Gebühr einen gigantischen Überwachungs- und Kontroll- und Durchführungsaufwand vorraus (Polizeistaat hurra;). Zweitens verändert sie die Zeitpräferenz der Wirtschaftssubjekte, indem sie sie (künstlich weiter) erhöht. Sprich: das Verhalten der Wirtschaftssubjekte würde sich noch mehr an kruzfristigen Gegebenheiten orientieren, da sich Ersparnisbildung wegen der Extragebühr nicht mehr lohnt. Damit würde eines der Kernprobleme der heutigen Währungsordnung beibehalten.

Zu Ihrem vorletzten Absatz: Sie scheinen keine Ahnung zu haben, was Geld ist (nicht bös gemeint - ich schildere nur meinen Eindruck). Ich möchte Ihnen daher insbesondere die Analysen des Institutes für Wertewirtschaft weiterempfehlen (dort finden Sie auch eine hervorragende Kritik der Freiwirtschaftslehre). Dieses Institut ist im übrigen nicht "libertär" geprägt, sondern erfrischend wenig ideologisch (aus meiner Perspektive;).

Viel Spass bei der Lektüre!

Philipp Heinsch , am 19. Juni 2009 um 17:14 ( Link )

@ISBN...:

Aber Geld war immer ein Machtderivat und hat sich nicht aus der Privatwirtschaft heraus entwickelt.

Geld ist nur dann als "Machtderivat" zu verstehen, wenn Sie Macht als "Handlungsfähigkeit" (Potenz) verstehen. Wieso? - Weil auch in den primitivsten Wirtschaftsformen Tauschmittel verwendet wurden (die berühmten Kaurimuscheln). Also: Geld. Geld steigert die Kooperationsmöglichkeiten einer jeden Gesellschaft, da es den Tausch erleichtert. Aber natürlich hätten Sie Recht, wenn Sie jetzt erwiderten, dass die Mächtigen einer jeden Gesellschaft versuchen würden, dieses Tauschmittel in ihrem Sinne zu verwenden und zu manipulieren. Das kann man historisch auch wunderbar beobachten (die Legende des König Midas nahm so ihren Ursprung).

Ihre Behauptung, dass Geld sich nicht "aus der Privatwirtschaft" heraus entwickelt hätte, kann ich nicht nachvollziehen. Tatsächlich ist in frühen Gesellschaften (solchen, die mit Kaurimuscheln handelten) eine Trennung zwischen "Staat" und "privat" nicht wirklich möglich (siehe die antiken griechischen Demokratien). Beide Sphären wurden als Einheit gesehen.

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 19. Juni 2009 um 17:49 ( Link )

Werter Icke,

ein reicher Handelspartner ist für jedes Land grundsätzlich attraktiver als ein armer. Denn eine reiche Bevölkerung schliesst grundsätzlich (sofern es sich nicht um arabische Emirate handelt) auf eine sehr produktive Bevölkerung, die viele und hochwertige Waren anbieten kann und gleichzeitig auch als solventer Abnehmer fungiert.

Nehmen wir zum Beispiel an, die USA, würden aus welchen Gründen auch immer zum Drittweltland verkommen. Würde dies einen maßiven Aufschwung für Europa bedeuten? Wohl kaum.

Wenn Sie auf der FORBES-Liste der Superreichen die vielen Milliardenbeträge sehen, sollten Sie nicht annehmen, daß diese als Bar- oder Buchgeld irgendwo von der Inflation zerfreßen werden, sondern in Form von Unternehmen, Immobilien, Schiffsflotten, Maschinen oder was auch immer vorliegen.

Daß sich Geld durch Zinsen selbst erschafft, ist unserem derzeitigen Mindestreservesystem geschuldet, älteren Geldformen, z.B. dem Goldstandard, war dieser Zusammenhang fremd.
Ich selbst gehöre übrigens, behaupte ich, zu genannten "Wirtschaftlern" und kann mich nicht erinnern, den von Ihnen zitierten Satz je vernommen zu haben.

Als Bindeglied zwischen der umlaufenden Gütermenge und der umlaufenden Geldmenge fungiert das Preisniveau, ein Zusammenhang, der durch die Fisher'sche Quantitätsgleichung meiner Meinung nach gut widergegeben ist. Sollte sich die umlaufende Geldmenge nicht schockartig extrem verändern, hat Geldhortung auch kurzfristig keinerlei Einfluß auf die "reale" Wirtschaft. Langfristig sowieso nicht.

Wenn Sie immer so schön von der "mathematischen Sicht" erzählen, bitte legen Sie mir doch Ihre Hintergründe mathematisch dar, aber ich befürchte, da kommt nicht viel.

Ähnlich wie der Herr, den Sie nennen, habe auch ich grösstenteils in Immobilien investiert. Daß Sie Aktien so runtermachen, finde ich nicht richtig. Schliesslich sind alle Aktien Anteile von real existierenden Firmen, die genauso sehr Investitionen bedürfen wie Immobilien et al. Übrigens habe auch ich schon Wohnanlagen mit Photovoltaikanlagen und Brauchwassersystemen ausstatten lassen, schlicht und einfach deshalb, weil Nachfrage danach bestand. Die Mieter konnten so ihre Nebenkosten beträchtlich senken und zahlen dafür kalt ein wenig mehr.

Wenn ich das Gefühl habe, ich würde zu sehr nach meinem Nutzen bemeßen, dann ziehe ich mich einfach in den Kreis meiner Familie und meiner Freunde zurück.

Ein paar Gegenargumente gegen die Freiwirtschaft hat ja schon Herr Heinsch geliefert. Wenn ich diese Argumentationskette aufbaue, möchte ich gerne etwas Zeit nehmen, die ich heute noch nicht aufbringen kann. Aber ich verspreche, daß spätestens morgen Nachmittag ein Nachtrag folgt.

Mit freundlichen Grüssen

Ernst-Gottlieb von Emhofen

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 19. Juni 2009 um 18:07 ( Link )

PS:

Folgende Zeilen, die seinerzeit an den werten Mitdiskutanten ISBN gingen, möchte ich heute Abend schon an Icke vorausschicken.

Einen schönen Abend

Ernst-Gottlieb von Emhofen

ISBN3451322005 , am 20. Juni 2009 um 14:19 ( Link )

@Philipp Heinsch; Ernst-Gottlieb von Emhofen

Manchmal erschrecke ich ja selber vor meinen provokanten, aus Stückwerk gezimmerten Thesen. Selbige sollen auch nur die Kontroverse würzen und – da sollte man sich nix vor machen - bevor die Kontroverse in einer einhelligen Erkenntnis mündet wird man sowieso von den Ereignissen belehrt. So sehe ich dergleichen Diskussion unter rein sportlichen Aspekt - dabei sein ist alles…

Jüngst habe ich Herrn Karl Polanyi aufgetan, der sich auf dem Gebiet der anthropologischen Ökonomie rum getrieben hat und den selbstregulierenden Markt, in seiner reinen Form, als Mensch und Gesellschaft zerstörend qualifiziert und staatliche Eingriffe in den Markt als reine Selbstschutzmaßnahmen der Gesellschaft versteht.

Die ursprüngliche Katastrophe liegt nach Polanyi im utopischen Bemühen des Wirtschaftsliberalismus, ein selbstregulierendes Marktsystem zu errichten. Dieser selbstregulierende Markt entstand (entsteht) aber, laut Polanyi, nicht aus sich selber heraus, sonder ist immer von erheblichen Machtmitteln abhängig um ihn zu errichten, durch zu setzen und zu schützen.

Das Geldwesen spielt in diesem Marktgeschehen selbstverständlich eine zentrale Rolle und die Machtmittel zur Errichtung des Marktes müssen vorfinanziert werden. Das Schulden machen erblickt mit dem Bemühen um den Markt also auch gleich noch das Licht der Welt.

Der Wirtschaftsliberalismus scheint mir im Kreis rum zu rennen, mit dem hoffnungslosen Bemühen, die Welt durch geistig rationale Kastration zu entzaubern. Das lässt mich nun mein Heil bei Gott nicht an linken oder freiwirtschaftlichen Ufern suchen, im Gegenteil, da bin ich ja vor Jahren erst los geschwommen.

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 20. Juni 2009 um 19:36 ( Link )

Werter ISBN,

leider entdecke ich in Ihrem letzten Beitrag kaum Punkte, an die ich anknüpfen könnte, versuche aber dennoch, darauf zu antworten.

Ich habe mich noch nicht allzu sehr mit Herrn Polanyi beschäftigt, um ihn letztendlich beurteilen zu können. Doch das was Sie über ihn schreiben, kann ich sehr wohl verwenden.

Es ist ein grosser Fehler, der oft und gerne begangen wird, den Markt als anonymes, nicht kontrollierbares Monstrum zu sehen, dessen Interessen denen der Gesellschaft diametral gegenüber steht. Im Gegenteil: Der Markt ist die Gesellschaft. Jeder Mensch der arbeitet, sein Geld anlegt, einkauft, in den Urlaub fährt oder was auch immer ist Teil des Marktes.
Wenn wir unsere Dienste im Markt anbieten oder Dienste in Anspruch nehmen, nehmen wir auch gleichzeitig Einfluß auf diesen Markt. Das interessante ist, daß jeder Marktteilnehmer inhärent gezwungen ist, den Wünschen seiner Mitmenschen zu entsprechen - das ist auch der Grund, warum viele ihn so hassen und freie Marktwirtschaft von allen erdenklichen Seiten unter Dauerbeschuß steht.

Gleichzeitig ist der Markt, um mit Franz von Böhm zu sprechen, das grösste und genialste Entmachtungsinstrument der Geschichte. Wenn Theoretiker wie Herr Polanyi und ganze Heerscharen staatlich subventionierter Marktwirtschaftskritiker meinen, "die Gesellschaft" müße den Markt kontrollieren, dann meinen sie in Wirklichkeit, daß eine kleine Elite mittels polizeistaatlicher Gewalt die friedlichen Tauschvorgänge der Gesellschaft stören soll.

Einen schönen Abend

Ernst-Gottlieb von Emhofen

Serdar , am 20. Juni 2009 um 20:09 ( Link )

Es gibt auch Vorstellungen von der Privatisierung des Geldes.
Klingt auch interessant.

Philipp Heinsch , am 20. Juni 2009 um 20:13 ( Link )

Dem ist nichts hinzuzufügen, Herr von Emhofen!

@ISBN:

Es ist interessant, wie ein Theoretiker nach dem anderen versucht, "den Markt" als von den Akteuren, die ihn konstituieren, losgelöstes, abstraktes System zu beschreiben, dass die Eigenschaften X Y hat... Polanyi reiht sich da nahtlos ein.

Was für ein Käse - als ob die Anwendung des methodologischen Kollektivismus in den Sozialwissenschaften je zu Erkenntnisserfolgen geführt hätte! Das einzige, was wir ihm verdanken, sind Ideologien wie Sozialismus, Faschismus, Kommunismus und Nazionalsozialismus - alles Ideen, wo das Handeln des Individuums komplett vom jeweiligen "System" abhängen. Der Liberalismus war insofern ein Fortschritt, als dass er keine "Systeme" konstruierte, sondern versuchte, bestehendes auf Basis des methodologischen Individualismus zu erklären. Damit hat er Denkfiguren ermöglicht, die Ihnen offenbar völlig fremd sind...

Wie Herr von Emhofen bereits schrieb: "der Markt" IST die Gesellschaft! Für methodologische Kollektivisten ist das natürlich eine rätselhafte Aussage, daher will ich versuchen sie Ihnen, werter ISBN... zu erklären.

"Der Markt" ist ein hypothetischer Ort, an dem die Wirtschaftssubjekte auf mehr oder weniger fiktive Weise zusammenkommen und wo sie dann kooperieren (handeln). Er stellt somit eine DENKFIGUR dar (ganz genau wie "Gesellschaft", "Staat", "Herde", "Klasse", "Volk" und andere Kollektivbegriffe).

Das Problem an den Kollektivbegriffen ist jedoch, dass sie auf individualistische Begriffe reduzierbar sein müssen, um Aussagegehalt zu haben. Ich gebe mal ein spontanes Beispiel:

"Das deutsche Volk braucht Raum."

Was heisst das?

1) Jede Person, die zum "deutschen Volk" gehört, braucht Raum.
2) Die Mehrheit der Personen, die zum "deutschen Volk" gehören, braucht Raum.
3) Es ist wahrscheinlich, dass eine Person, die zum "deutschen Volk" gehört, Raum braucht.
4) Es existiert eine Tendenz, dass Personen, die zum "deutschen Volk" gehören, Raum brauchen.
5) Die abstrakte Entität "deutsches Volk" an sich braucht Raum.

Hier liegt der Hase im Pfeffer - Satz 1) ist auf MINDESTENS 5 verschiedene Arten interpretierbar, wobei die Interpretation 5) keinen Sinn ergibt. Eine abstrakte Entität hat keine Handlungsfähigkeit, ja nicht einmal eine reale Existenz (deswegen ist sie ja abstrakt;).

Man sieht an dem Beispiel, dass der Begriff "deutsches Volk" eine Formel ohne konkretes Gehalt darstellt. "Deutsches Volk" ist eine Denkfigur, die die Kategorisierung, die sozusagen die Grundrechenoperation unseres Gehirns ist, ermöglicht. "Deutsches Volk" ist aber auch eine Sprachfigur, die es uns erlaubt, uns ökonomischer auszudrücken - "ökonomisch" hier im Sinne von "zeitsparend". Leider geht mit der Zeitersparnis automatisch auch ein Verlust an semantischem Gehalt einher. Daher muss der Satz konkretisiert werden, um Sinn zu ergeben.

Meist ergeben sich solche Konkretisierungen aus dem Kontext. Wenn ich von einer "Herde" sage, dass sie sich bewegt, meine ich, dass sich jedes Exemplar, dass zu ihr gehört, bewegt, sofern ich mich auf eine konkrete Herde, in der dies tatsächlich der Fall ist, beziehe. Andernfalls ist eine alternative Interpretation des Begriffes "Herde" angebracht.

Mit "dem Markt" verhält es sich nicht anders. Als abstrakte Entität verstanden, hat er keine Handlungsfähigkeit. Aussagen über "den Markt" müssen immer reduzierbar sein auf Aussagen über die Individuen, deren Handeln sich "im Markt" manifestiert, bzw auf Aussagen über das konkrete Handeln dieser Individuen.

In Kurzfassung: es ist (epistemologisch) vollkommen sinnlos, fiktiven Kollektiventitäten Eigenschaften und Handluingen zuzuschreiben, die sie logischerweise nicht haben können, wenn man die Aussagen über "die Eigenschaften oder Handlungen dieser Entitäten" (innerer Widerspruch, daher die Anführungszeichen) nicht auf Aussagen zurückführen kann, die einen konkreten Sinn ergeben.

Herr Polanyi bewegt sich mit seinen Theorien sehr schön an der gedanklichen Oberfläche des Faktischen. Er ist einer von vielen Theoretikern, die ihren Erkenntnisgegenstand lieber metaphysikalisieren, als ihn mit adäquaten epistemologischen Methoden zu analysieren.

Viel Spass beim Lesen dieses Beitrages - nehmen Sie sich dafür ruhig eine halbe Stunde Zeit, Herr ISBN... ! Vielleicht hilft Ihnen die Lektüre des folgenden Textes bei Ihrer epistemologischen Selbstfindung:

http://arjournals.annualreviews.org/doi/abs/10.1146/annurev.soc.28.110601.140938

Philipp Heinsch , am 20. Juni 2009 um 20:23 ( Link )

@Serdar:

Jupp, (Re-)Privatisierung des Geldes ist eine mittlerweile recht traditionelle Forderung vieler Liberaler.

Danke für Ihren Link auf die islamische Zeitung! Ich werde jetzt wohl einige meiner Positionen dieser Religion gegenüber überdenken müssen ;)

Ernst-Gottlieb von Emhofen , am 20. Juni 2009 um 21:05 ( Link )

Sehr geehrter Herr Heinsch,

dies ist eine sehr interessante, wenn auch ungewöhnliche Umschreibung für den methodologischen Individualismus. Insbesondere der Hinweis, kollektivistische Denkmodelle würden zwangsläufig zu kollektivistischen Ideologien führen, hat meine Sicht auf die Welt noch ein wenig geklärt. Mit diesem augenöffnenden Gedankengang werde ich mich in Zukunft beschäftigen, wie auch mit dem von Ihnen verlinkten Artikel. Vielen herzlichen Dank!

Vielen Dank auch an Serdar, für den Artikel, den ich ohne Ihre Verlinkung wohl nie zu Gesicht bekommen hätte!

Einen geruhsamen Abend noch

Ernst-Gottlieb von Emhofen

dickbrettbohrer , am 20. Juni 2009 um 22:19 ( Link )

Hallo, Herr Heinsch!
Lese mit großer Aufmerksamkeit Ihre Ausführungen. Danke sehr! Schöne Sonnwendfeier heute nacht wünscht
»Der dicke Bretter bohrt«

Philipp Heinsch , am 21. Juni 2009 um 3:39 ( Link )

Werter Herr Emhofen, wenn Sie sich für den methodologischen Individualismus interessieren, so kann ich Ihnen lebhaft das Buch "Sprachwandel" des deutschen Linguisten Rudi Keller empfehlen.

Es handelt sich dabei um eine äusserst überzeugende Applikation des methodologischen Individualismus auf das Phänomen des Sprachwandels. Dort habe ich auch (einen Teil;) meiner obigen Kritik an den Kollektivbegriffen her. Ganz generell ist das Buch sehr empfehlenswert, auch für Nichtlinguisten.

Den Hinweis, "kollektivistische Denkmodelle würden zwangsläufig zu kollektivistischen Ideologien führen", den Sie mir unterstellen, habe ich nie gegeben, weil diese Aussage falsch wäre.

Ich kann auch mit kollektivistischer Denkmethodik den Liberalismus verteidigen. Spontan fallen mir da etwa ein paar utilitaristischen Argumente ein, mit diesen dies machbar wäre.

Methodologischer Individualismus und Kollektivismus sind Denkmethoden bzw. sozialwissenschaftliche Denk-Doktrinen - die Anwendung des ersteren ermöglicht lediglich ein "besseres", weil richtigeres, Betrachten der Welt. Der methodologische Kollektivismus hingegen verführt zu leicht dazu, den jeweiligen Erkenntnisgegenstand zu metaphysikalisieren und damit nur ungenügend bzw. gar nicht zu begreifen.

Damit begünstigt seine Applikation, kollektivistische Ideologien als deren Resultat zu erhalten; zwangsläufig ist dieser Zusammenhang aber eben nicht.

Danke im Übrigen für Ihr Interesse! (Gleiches geht an dickbrettbohrer)

Hager , am 21. Juni 2009 um 22:27 ( Link )

Ich sehe das Grundproblem im Menschen. Hier wird zwar darüber diskutiert, welches Modell besser geeignet wäre, aber letztendlich wird jedes System an der Habgier und Machtstreben des Menschen scheitern. Es ist dieses Gewinnmaximierende Denken. Der Mensch will immer mehr haben und kann sich nicht zufrieden geben mit dem was er hat.

„Die Menschen sehen nur das, was sie noch alles haben und bekommen könnten, schätzen aber nicht was sie haben, bis sie es verlieren.“ Jimi Hendrix

Letztendlich ist das Venusprojekt eine Utopie, da stimme ich zu, aber nur weil der Mensch nicht bereit dafür ist(jedenfalls der Großteil). Wir können nicht zurückstecken und jeder ist sich selbst der nächste. Neid, Hass, Egoismus etc. alles Dinge die zum Untergang jedes Systems führen.
Der Mensch ist zu schwach sich einfach selbst zu befreien und so wird es immer weiter gehen, bis es vielleicht hoffentlich irgendwann mal zu einem Bewusstseinssprung kommt.

ISBN3451322005 , am 22. Juni 2009 um 10:24 ( Link )

Danke…., ich wäre aber wesentlich dankbarer, wenn mir die Gemeinde erklärt, was sich wie im Wesen des Menschen wenden sollte, damit die friedfertige liberale Denkfigur endlich mal irgendwie einen Praxisbezug erhält.

Bewegen sie sich mit ihren Theorien doch mal gedanklichen in die Tiefe des Faktischen und unterrichten mich darüber, wie sie sich von den Fesseln befreien wollen.

„Der selbstregulierende Markt entstand, nicht aus sich selber heraus, sonder ist immer von erheblichen Machtmitteln abhängig um ihn zu errichten, durch zu setzen und zu schützen.“

„Der Staat ist die mit ursprünglicher Herrschaftsmacht ausgerüstete Verbandseinheit sesshafter Menschen. Seit ihrem Ursprung ist die Macht nicht mehr verschwunden“

„Ohne Eigentum kein Geld, ohne Macht kein Eigentum, die Waffe ist das erste ursprüngliche Eigentum“

Apropos gedankliche Oberfläche.

Jupp, (Re-)Privatisierung des Geldes ist eine mittlerweile recht traditionelle Forderung vieler Liberaler.

Wer der hier versammelten würde denn von der neuen Freiheit gebrauch machen und sein privates Geld auf den Markt zu bringen? Beziehungsweise kennt einer einen der einen kennt…?

Philipp Heinsch , am 22. Juni 2009 um 14:13 ( Link )

@ISBN...:

Eigentlich wollte ich eine längere Erwiderung schreiben - aber Sie schneiden so viel an, dass ich es lieber lasse. Ich hatte nicht vor, heute noch ein Buch zu schreiben.

Versuchen Sie doch für den Anfang einmal, die von Ihnen zitierten Sätze in KLARES DEUTSCH zu übersetzen, und offenzulegen, was damit so alles gemeint sein könnte. Sie werden auf ein paar lustige Überraschungen stossen.

Denkanstoss: Übersetzen Sie einmal den Begriff "Herrschaftsmacht".

Die Forderung nach "Praxisbezug" ist fehl am Platz, ebenso wie Ihre letzte Frage. Schliesslich haben SIE eine Diskussion über THEORIEN (Stichwort: Polanyi) angestossen.

Und da diskutiere ich als Theorie-Fan doch liebend gern mit! Wenn Sie auf dem von Ihnen abgesteckten Spielfeld nicht mehr mitspielen können, ist das mein Problem nicht ;)

@Hager:

Schon mal die "Bienenfabel" gelesen? Da vertritt einer die These, dass es grade die Sünden und Laster sind, die letztlich allen Gutes tun ;)

ISBN3451322005 , am 23. Juni 2009 um 13:06 ( Link )

Denkanstoss: Übersetzen Sie einmal den Begriff "Herrschaftsmacht".

Wenn ich Ihnen sage wo es lang geht und Sie mit kommen, auch wenn sie nicht wollen, habe die Herrschaftsmacht.

ISBN3451322005 , am 23. Juni 2009 um 13:08 ( Link )

sorry...

Wenn ich Ihnen sage wo es lang geht und Sie mit kommen, auch wenn sie nicht wollen, nenne ich das (habe ich) die Herrschaftsmacht.

Brakiri , am 05. September 2009 um 15:36 ( Link )

Zunächst: Meine Kommentare sollten nicht beleidigend sein. Sollte das so rübergekommen sein, meine Entschuldigung dafür.

Sie schreiben:

Antwort: In der heutigen Wohlfahrts- und Umweltökonomie gibt es keinen „Mangel an Anreiz“, dafür aber jede Menge falsche Anreize, die sämtlich vom Staat gesetzt werden. In einer reinen Marktwirtschaft würde das Verursacherprinzip voll zur Geltung kommen, da dann das Prinzip der Unverletzbarkeit des Eigentums gelten würde. In einer reinen Marktwirtschaft gäbe es nur Privateigentum. Wo immer heutzutage dauerhafte – und nicht eingebildete – Umweltprobleme auftauchen, kann man sicher sein, dass unzureichend definiertes Privateigentum die Wurzel des Problems ist.
-----------------------------------------------

Das Problem was ich hier sehe, wird relativ eingängig im Coase-Theorem behandelt.
Wenn ich als Fabrikant mit den Anwohnern, die jeweils über Ihre Eigentumsrechte verfügen, über eine z.B. Emissionserhöhung und damit Schädigung ihres Eigentums verhandeln will, wie umgehe ich dort das Problem der hohen Transaktionskosten?

Würde das im Endeffekt an vielen Stellen nicht dazu führen, dass sich eine Produktion überhaupt nicht lohnt, da die Transaktionskosten und die Kompensationsforderungen den Nutzen der Produktion übersteigen?

Darüber hinaus: Wer vergibt die Eigentumsrechte?
Theoretisch müsste der Staat sofort alles "Staatsterretorium" per Auktion veräussern.

Gäbe es dort nicht erneut grosse Schwierigkeiten mit Machtkonzentrationen? Im Klartext würde dies doch bedeuten, dass Geld noch in viel grösserem Maße Macht bedeutet als heute?

Kennen Sie Shadowrun? Was würde eine freie Marktwirtschaft abhalten, genau dieses Gesellschaftssystem zu etablieren? Wie könnte man freie Marktwirtschaft "zähmen", ohne die Effizienz zu beeinträchtigen?

Sie schreiben weiter:

Antwort: Hier stoßen wir auf den Kern der Auseinandersetzung. Der Autor gibt gerne zu, dass er die Realität anerkennt, dass alle Handlungen aller Menschen von der „Hauptmaxime Gewinnmaximierung“ geleitet werden. Auch „Brakiri“ hat diese Realität anerkannt, wenn auch bisher nur implizit. Erklärung: Ihm gefällt meine Analyse nicht. Das ist sein gutes Recht. Weil sie ihm nicht gefällt, schreibt er gegen sie an. Auch das ist sein gutes Recht. Aber durch diese seine Handlung bestätigt er, dass auch er, wie jeder Mensch auch, vom Wunsch geleitet wird, einen für ihn wenig zufriedenstellenden Zustand in einen ihn zufriedenstellenderen Zustand zu verwandeln. Nichts anderes ist „Gewinnmaximierung“. Für „Brakiri“ war ein ihn wenig zufriedenstellenden Zustand entstanden, da es einen Artikel gibt, der sich sehr kritisch mit einem Film auseinandersetzt, der seiner Meinung nach den Weg zur Rettung der Menschheit aufzeigt. Das erzeugte in ihm dem Wunsch, einen ihn zufriedenstellenderen Zustand herzustellen, indem er Gegenargumente vorbringt. Er hat so gehandelt, weil er sich von dieser Handlung einen Gewinn versprach: Ein – seiner Meinung nach – überzeugender Widerspruch gegen die Kritik am Film „Zeitgeist-Addendum“. Es gibt kein Entkommen von der „Handlungsmaxime Gewinnmaximierung“, und das hat „Brakiri“ überzeugend, wenn auch ungewollt, demonstriert.
---------------------------------
Ha..touché! ;)

Meine Fragen an die freie Marktwirtschafts-Verfechter sind immer die folgenden:

Was passiert mit den "moralischen" Teilen der Gesellschaft? Wie lässt sich die "Menschlichkeit" in einer extrem rauen Welt aufrecht erhalen?

Was wäre z.B. mit behinderten Leuten? Angenommen, sojemand hätte keinerlei Möglichkeit Geld zu erwerben, und keine Familie, die ihn finanzieren könnte. Was würde passieren?

Würde sojemand auf der Strasse verhungern? Würde man aus Eigeninteresse als Elternteil schon dazu übergehen, das Kind abzutreiben/zu töten, in dem Wissen, dass es keinerlei Produktionswerte generieren kann, und man selber nicht in der Lage ist, diese finanzielle Mehrbelastung zu tragen?

Was wäre mit Rechten bezüglich Arbeit? Wenn jeder dem freien Arbeitsmarkt ausgesetzt ist, und der Staat sich auch dort nur wenig bis garnicht einmischt, dann wäre jeder Arbeitnehmer noch viel extremer der Willkür von Entscheidungsträgern der Wirtschaft ausgesetzt. Mittel- bis langfristige Familienplanung wäre beinahne unmöglich, und der Druck und der Stress für die Mitarbeiter astronomisch.

Normalerweise würde man ja vermuten, es gibt einen übergreifenden Druck der arbeitenden Masse, eine Firma zu Zugeständnissen zu zwingen. Aber hier gibt es ja das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher und individueller Rationalität. Wenn ich mich dem Protest anschliesse, gehe ich das Risiko ein meinen Job zu verlieren. Dagegen steht eine geringe Chance auf Verbesserung der Arbeitskonditionen.
Hier kann eine Firma einfach solange ihre Mitarbeiter austauschen, bis die Belegschaft kuscht. Wäre sowas nicht ein Rückschritt in die Vor-Bismarksche Zeit?

Was wäre ausserdem mit armen Leuten, die es einfach nicht schaffen, aus welchen Gründen auch immer? Die dem Leistungsdruck nicht gewachsen sind, die psychologische Probleme haben oder was auch immer. Welches Schicksal würde für solche Leute bereitstehen?

Ein Freund von mir, der Ihre Ansichten teilt meinte dann zu mir, es würden sich dann viele feiwillig in Vereinen zusammenfinden, die sich um diese Aufgaben kümmern, Leute würden spenden usw. Aber meine Frage daraufhin, konnte er nicht beantworten: Warum sollten die Leute das tun? Sie kennen aus ihrem Leben und aus Ihren Erfahrungen folgende "Wahrheiten": Es gibt nichts geschenkt. Du musst für das was du möchtest arbeiten. Keiner fängt dich auf, du bist 100% auf dich alleine gestellt. Wie sollte eine Person, die diese gesellschaftliche Konditionierung hinter sich hat, auf die Idee kommen, zu spenden, oder sich ehrenamtlich zu betätigen? Aus der Denkweise, er könnte es auch mal benötigen? Wäre es so einfach?

Das Risiko in der freien Marktwirtschaft sehe ich primär darin, dass die immateriellen Werte die eine Gesellschaft überhaupt möglich machen, in einem vollkommen profitorientierten Denken weiter erodieren, um dann irgendwann in einer "Gesetz des Dschungels"-Alternative zu landen in der die Waffe Geld/Eigentum ist, und nicht Stärke.

Vielleicht können Sie diese Befürchtungen entkräften?

Roland Otto de Mentock , am 22. September 2009 um 2:39 ( Link )

Zuerst einmal, mache ich keine Politik. Ich verfolge die Kommentare seit Monaten und, wie viele hier, mache ich mir Sorgen und stelle ich mir viele Fragen. Nicht zuletzt, weil dieses betrügerisches System mich ruiniert hat, nicht nur finanziell, sondern auch seelisch.

@Brakiri
Ich bewundere deine Argumentation und dein Wissen, wirklich! An vielen Stelle, erkenne ich sogar mein eigenes Denken. Mir hat der kanadische Film von Paul Grignon geholfen,(zu sehen unter http://video.google.com/videoplay?docid=6433985877267580603#)die Lücken von Zeitgeist Addendums Vorschlag besser zu verstehen. Solltest du es noch nicht kennen, und wenn du magst, solltest du es dir anschauen. Eine gute Ergänzung dazu sind die Bücher von Roland Baader. Ich denke besonders an "Totgedacht" um nur eins zu zitieren. Weiter Quelle, die mir geholfen haben, die glabalen Zusammenänge zu verstehen, sind solche Bücher wie z.B "Das emotionale Leben der Nationen" von Lloyd deMause(http://de.wikipedia.org/wiki/Lloyd_deMause), ein Buch, das den Zusammenhang zwischen Kindererziehung und Gesellschaftsform verdeutlicht, oder, um bei sich anzufangen, Liebe dich Selbst von Eva-Maria Zurhorst.

Ich denke, wenn wir die Welt verändern wollen, MUSS man nicht nur das Geld-System reformieren, sondern uns auch ändern, und diese Änderung an die nächste Generation weiter leiten... Das heutige Geld(system) hat gute, aber auch verheerende und schreckliche Eigenschaften. Diese Eigenschaften sind gut bekannt und analysiert. Unter http://www.flexibles.ch/Projekte/vf_flecu.htm kannst du u.a. nachlesen, welche das sind. Deswegen bin ich auch ein Verfechter alternativer Währungen, wie z.B. dem sehr erfolgreichen Chiemgauer(http://www.vimeo.com/4606454).

Wenn eine Partei in diesem Land, mir die vier im Film "Dept-Money" gestellte Fragen ausführlich beantwoten könnte, wurde sie sofort meine Stimme bekommen:

1. Warum leihen Regierungen das Geld bei Privatbanken gegen Zinsen, wenn sie das Geld, das sie benötigen, genausogut, und zinsfrei, drucken könnten?

2. Wieso überhaupt Geld als Schuld generieren? Wieso Geld nicht schaffen, das ständig umläuft, und nicht fortwährend gegen Zinsen erneut geliehen werden muss, um überhaupt zu existieren?

3. Wie kann ein Geldsystem, das nur andauernd beschleunigendem Wachstum funktioniert,genutzt werden, um eine nachhaltige Wirtschaft zu schaffen? Ist es denn nicht einleuchternd, dass andauernd beschleunigtes Wachstum und Nachhaltigkeit inlompatibel sind.

4. Warum ist unser jetziges System vollständig abhängig von andauerndem Wachstum? Aws muss geändert werden, um die Enstehung einer nachhaltigen Wirtschaft zu ermöglichen?

Ich denke, dass ein Politiker, der auf die Idee käme, die Verstaatlichung de Zentralbanken als politisches Programm vorzuschlagen, nicht lange leben würde.

WUCHER ist das größte Übel überhaupt. Aber wie können wir es stoppen? Sogar eine gute Seele, die ihr Geld Zinslos leihen würde, würde Geld verlieren, weil es sich ständig entwertet. Also verlangt sie auch Zinsen, was dazu führt, dass wir am Ende alle Opfer, aber auch Täter sind. Die Falle ist perfekt. Ist es nicht genial aufgebaut? Es gibt kein Entkommen aus dem System. *müdes Lächeln.

Für die unter euch, die Französisch sprechen, kann ich auch den Film "Comprendre la folie financière... et en rire!" empfehlen(unter http://www.dailymotion.com/relevance/search/comprendre+la+folie+financi%C3%A8re/video/x6xzj9_comprendre-la-folie-financiere-et-e_news)

Ich persönlich bin zu dem Schluß gekommen, dass die beste Möglichkeit diesem betrügerischen und unehrlich System zu entfliehen, das Streben nach der höchten mögliche Autarkie ist. Den Kauf eines sparsames Auto z.B., macht mich unabhängiger den großen Energiemultis gegenüber.

In der Zeitschrift von National Geographic Nr 11 "ENERGIE" steht auf Seite 108 einen Artikel mit dem Titel "Verzicht ist Gewinn". Da steht:
Barack Obama hatte Unrecht. In seiner Eintrittsrede sagte der neue Präsident der USA: "Die Welt hat sich verändert. Wir müssen
uns mit ihr ändern". Aber nicht die Welt hat
sich verändert. Wir haben die Welt verändert. Deshalb missen wir uns ändern. Die Frage ist, ob wir das wollen. Wir, das ist die heutige Generation der westlichen Konsumgesellschaften. Angesichts der Energieprobleme und des Klimawandels werden unsere Enkel freilich gar nicht mehr fragen können, ob sie sich ändern wollen. Sie werden es müssen.

Beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
melden sich oft Leute, die am menschengemachten
Treibhauseffekt zweifeln. Der Meteorologe Friedrich-W. Gerstengarbe erzählt gern, dass man sie inzwischen einteile. In die "Verlierer" etwa; das sind die, deren Profite abnehmen, wenn die Menschen Öl und Benzin sparen. Dann gebe es die,,Querulanten, die immer dagegen sind; egal wogegen. Eine dritte Gruppe seien die "Konsumjunkies". Das sind Menschen,
die nicht einsehen, dass unser Lebensstil mehr
verlangt, als die Erde auf Dauer geben kann.

Schon heute verbrauchen wir Deutschen ein Drittel
mehr, als uns an Ressourcen zusteht - geht man
davon aus, dass alle 6,7 Milliarden Menschen den
gleichen Anteil bekommen sollten. Würden alle so
leben wie die US-Amerikaner, brauchten wir die
Rohstoffe von drei Planeten. Und die Anzahl der
Menschen steigt immer noch.

"Aber mMüssen wir Leben, wie wir leben?"
Autofahren und Fernreisen sind als zwei Quellen des Treibhausgases CO2 kaum noch umstritten. Ein weniger bekanntes Beispiel für nicht nachhaltiges Veihalten ist der Fleischkonsum Menge. Steigert man die Fleischproduktion je Rind
von 1000 auf 1500 Gramm pro Tag, sinkt der Pro-
Kilo-Ausstoß von COu um rund 40 Prozent. Was
in der Bilanz nichts nützt, wenn wir dafür immer
mehr Fleisch verbrauchen. Fragt jemand, was diese
Leistungssteigerung für die Rinder bedeutet? Die
Forscher sicher nicht. - die vor 30 fahren gestellte Frage des Psychoanalyikers Erich Fromm scheint längst beantwortet: Haben ist Sein. Mehr haben ist besser sein. Wirklich?

Tatsächlich mehren sich Stimmen, die zum Maßhalten mahnen. Angeblich sogar ohne Verzicht. Stefan Thomas etwa, ein Experte für Energieeffizienz am Wuppertal-Institut, schrieb in der März-Ausgabe 2009 von National Geographic: "Wir müssen den Gürtel nicht enger schnallen, um unseren Beitrag zum Klimaschstz zu leisten. Deutschland kann Wachstum erzielen - und seinen Energieverbrauch bis 2050 halbieren. Etwa zwei Drittel des restlichen Energiebedarfs können aus erneuerbaren Quellen kommen. So würde das Ziel erreicht: pro Person jährlich nicht mehr als 1,5 Tonnen CO2-Emission."
So viel dürfte jeder Mensch auf der Welt jährlich
verursachen, wenn das Klima stabil bleiben soll.
Denn prinzipiell wäre (unser Planet sehr wohl in der Lage, alle seine Bewohner DJversorgen>, sagte der amerikanische Soziologe Mike Davis, als er 2008 den Kulturpreis der Münchener Universitätsgesellschaft entgegennahm. Aber nur, falls wir bereit wären, unsere Gesellschaft auf Gemeinschaft sdenken statt auf privatem Verbrauch aufzubauen. Wer sich dafür nicht einsetze, omacht sich zum Komplizen eines Prozesses, dem die Menschheit zum Opfer fallen wird>. Noch verursachen die Deutschen durch ihren
Konsum einen CO2-Ausstoß von zehn Tonnen pro
Kopl US-Amerikaner das Doppelte.
Vor der wachsenden Gefahr von Klimakriegen
warnt deshalb Harald Welzer, ein Sozialpsychologe
an der Uni Witten/Herdecke. Millionen von Menschen würden sich aus künftig unbewohnbaren Regionen Asiens und Afrikas auf den Marsch machen. Zu uns. "Abstrakt wissen wir", sagt Welzer, "dass wir vor einem Problem stehen." Noch würde es aber "unser Lebensgefühl nicht ernsthaft berühren".
Jedenfalls nicht das unserer Generation. Dabei
sind doch wir diejenigen, die noch eine Wahl haben. Wir könnten Obama zustimmen, der in seiner Antrittsrede den Wohlstandsnationen zurief: "Wir können uns weder Gleichgültigkeit darüber leisten, was jenseits unserer Grenzen geschieht, noch dürfen wir die Ressourcen dieser Welt ohne einen Gedanken an die Folgen verschwenden." Oder wir sagen uns: "Hey, ich selber werde in den kommenden 30 Jahren kaum betroffen sein, also fahre, fliege und esse ich weiter wie bisher. Nach mir die Sintflut!" Wollen wir es wirklich darauf ankommen lassen?

Gruß

Roland Otto de Mentock , am 22. September 2009 um 11:52 ( Link )

All diese Erkennisse führen zu nichts, wenn wir nichts davon umsetzen können. Eine meiner Freudinnen, die ich über dieses Thema angesprochen hatte, sagte mir: "Ich bin nicht so der Typ, der viel auf der Meta-Ebene denkt! Ich konzentriere mich auf meine jetzige Situation und denke nach, was ich will und wie ich dahin komme und setze dieses dann um. Wie der Staat oder die Banken oder sonst ein System funktioniert, ist für mich in dem fall unwichtig. Es gibt Menschen, Analytiker, Philosophen oder wer auch immer, die sich damit intensiv auseinander setzten, was auch wichtig ist. Nur, ich habe das Gefühl, würde ich das tun, käme ich auf meinem Weg nicht sonderlich weiter!

Mein Dilemma ist, dass ich dieses betrügerische System nicht mehr dienen will oder kann. Wie könnte ich es noch tun, und gleichzeitig mir treu bleiben, mit all meinen Erkenntnissen? Bleiben für Menschen wie mich nur noch den physischen, wirtschaflichen oder seelischen (Frei-)Tot oder den Exil in den Wahnsinn nur noch übrig? Mische ich mich in die Politik ein, entwickele ich mich zum Parasiten, wie Herr Baader sagt, da ich dann nichts mehr produziere und mich fremdfinanziere. Tue ich das nicht, kummert sich die Politik um mich und versklavt mich.

Eine andere Lösung wäre, das zu machen, was viele machen: "sich verstellen ode eine Maske tragen". Es geht aber immer schief auf Dauer. Wenn man als Schaf unter den Wölfen eine (Überlebens-)Chance haben will, ist es weise, ein Wolfpelz zu tragen, sagte ein Mal ein ebenfalls weiser Mann. Aber dann kann ich mein Schafsein nicht mehr ausleben. *smile

Die Frage bleibt deswegen offen: Was tun? Durch die Globalisierung setzt sich zusätzlich ein Modell durch, das alles gleich macht. Und absolut gesehen, ist das auch eine Art der Freiheitszerstörung und -Beraubung. Freiheit setzt immer eine Wahlmöglichkeit voraus. Wer zwischen A und A wählen darf, ist nicht mehr wirklich frei. Und das ist, langsam aber sicher, was derzeit passiert, leise, kaum sichtbar für das ungeschulte Auge.

Ich persönlich will nicht mehr. Wozu noch kämpfen? Wir können nicht mehr gegen so einen Moloch, wie in Zeitgeist Adendum oder Dept-Money gezeigt wird, noch gewinnen. Herr Baader sagte auch in seinem Artikel "Der papierene Selbstmord": "Es ist womöglich zu spät!"

Schönen Tag noch!

Henson , am 08. November 2009 um 12:18 ( Link )

Ein toller Artikel, ich konnte mir das Schmunzeln beim Lesen nicht verkneifen. Vor allem der äußerst amüsante Versuch des Zeitgeist-Verfechters Fremdwörter zu benutzen ohne deren wirkliche Bedeutung zu kennen. ^^

Außerdem stimme ich grundsätzlich mit dem Autor überein, dass die im Film propagierte Lösung in eine Sci-Fi Version eines totalitären Systems führen würde.

Hans Dieter Müller , am 23. Januar 2010 um 10:21 ( Link )

Ein nicht so toller Artikel. Wie kann man so eine moralisch und ethisch gute Idee, bzw., so ein aufrüttelnder Film, mit ewig gestriges, konservatives "Eigentum und Geld ist alles" Gedankengut niedermachen? Nix Kommunismus, nix Sozialismus, nix Kapitalismus, nix Utopist-mus... nix ISTMUS! All diese "istmus" Systeme haben versagt. Liegt es an den einzelnen Individuen, wenn Systeme die Ordnung schaffen sollen (und eventuell für ein erfülltes und glückliches Leben sorgen) versagen? Ist Gier angeboren? Können Menschen, die doch soooo intelligent sind - vom Hause aus - nicht mit "Geld" umgehen; im Ökonomischen Sinne? Natürlich kann der Mensch auch OHNE Geld leben. Selbst primitiv lebende Ureinwohner aus den entlegensten Winkeln dieser Erde können es heute noch (Brasilien-Amazonas, etc.). Mir fehlt der Philosophische Aspekt in der des Autors verfasster Kritik zu dem Film. Konservative Menschen scheuen Veränderungen. Was man sich nicht vorstellen kann (weil Ängste hochkommen) soll auch nie ernst in betracht gezogen werden, man sitzt ja schließlich noch (meist gut betucht) im Monetären Boot (System) und da man nichts anderes kennengelernt hat, wird alles „Unbekannte“ über Board geworfen... "mir geht es doch gut" hab auch hart dafür gearbeitet, usw. Selten in mein Leben hat mich ein Film so bewegt. Diese Klarheit und diese konzeptionelle Reinheit - in 2 Stunden soviel wie möglich an Informationen zu "packen" - finde ich unglaublich gut. Die Argumentation ist stimmig, meine zweifeln sind ausgeräumt, mein Bewusstsein ist geschärft, und für mich ist dies die Wahrheit - die Realität. Also wieso sollte der Gedanke so abstrakt sein, in einem anderen System zu wechseln, wo Güte, Liebe, Hilfsbereitschaft und nicht nur das eigene Wohlsein höchste Priorität hat? Zumal wir doch unseren Lebensraum selbst erschaffen, also unsere eigene REALITÄT selbst kreieren. Es gibt viele Menschen, die NICHT nur wegen des Geldes (Profitgier) neugierig sind und Probleme jegliche Art gerne mit Enthusiasmus lösen, Freude daran haben was zu tun was ihnen gefällt und noch ganz nebenbei, geniale Entdeckungen machen die der Allgemeinheit (Gesellschaft) nützlich sind und allen (früher oder später) zugute kommen. Es ist kein totalitäres Schreckgespenst diese Ideologie, keine Diktatur entsteht durch die Idee ohne Geld zu leben. Wenn es allen gut geht, gibst es selbst für einem EGOZENTRISCHEN/EGOISTISCHEN Menschen nichts Lohnenswertes zu holen. Spätestens nach 2 Generationen sind solche Individuen (Persönlichkeiten) eh nicht mehr vorhanden. Nun… Energie bedeutet WOHLSTAND, und Wohlstand bedeutet Glück und Zufriedenheit. Es kann funktionieren. Wir kennen es nur nicht, weil wir (nicht alle) nichts anderes kennengelernt haben als für den Wohlstand von ungefähr 3% der Weltbevölkerung zu pauken und zu schuften. Das macht der Film deutlich. Müsste ich mich als Kind in der Schule nicht den „WETTBEWERB“ aussetzen, wer der stärkere ist usw., hätte ich mich auch nie im leben geprügelt. Wir müssen als Zivilisation auch nicht wie „echte“ Raubtiere jagen um zu überleben. Schon Kinder wissen was gerecht ist und was nicht. Das hat nichts mit WUNSCHDENKEN und REALITÄTSFREMDE zutun. Der Autor (Kritiker des Films) hat halt noch ein Dogma den er sich, verständlicherweise, nicht entledigen kann. Dafür muss es einem so richtig SCHLECHT gehen, damit es im Bewusstsein zu einem Umdenkprozess kommt und nicht nur der ewige Kampf… des Lebens und Überlebens im Vordergrund steht. HABGIER und WETTBEWERBSEIFER sowie NATIONALISMUS sind die System-Killer schlechthin. Wohlstand und Bildung für ALLE, und selbst das Überbevölkerungsproblem wäre vom Tisch. Gebildete Menschen vermehren sich nicht unkontrolliert. Nicht ausbeuten, sondern intelligent VERSCHWENDEN wäre ein gutes Motto. Es ist eigentlich genug für alle da. Bin eigentlich nicht so ein Menschen-Freund (Humanist), aber wenn es mir gut geht, warum soll es den anderen nicht ebenfalls das schönes Gefühl nicht gegönnt sein?! Leben und leben lassen *hr,hr,hr* Bin Fleischfresser und jetzt müde… Gute Nacht :-)

P.S: An alle BWLer, Ökonomen & co.: Bevor die Ratten das sinkende Schiff „Europa“ verlassen haben um nach Amerika zu fliehen um dort die Ureinwohner zu „dezimieren“, weil sie nichts aus ihrem eigenem Schicksal gelernt hatten, hatten die Indianer im Einklang mit der Natur gut gelebt und KEIN Geld benötigt. Heute brauchen Sie Feuerwasser... und das kostet ^^

Konstruktivist , am 23. Januar 2010 um 13:30 ( Link )

Hallo Herr Grözinger,

ich frage mich, warum so viele Ökonomen so oft solchen Unsinn veröffentlichen. Ich möchte einfach mal zwei Ihrer Sätze zitiren:
"Gäbe es nicht die allgegenwärtigen staatlichen Gängelungen, gäbe es freie Marktwirtschaft und freie Geldproduktion, wären es noch viel mehr. "
"In einer reinen Marktwirtschaft gäbe es nur Privateigentum."

Ich fange mal mit der "freien Geldproduktion" an: Bedeutet das nun, daß jeder berechtigt ist, "Banknoten" zu drucken? Oder darf jeder Münzen prägen? Was unterscheidet diese "freie Geldproduktion" von Geldfälschung?

Ok - wir schaffen die "allgegenwärtigen staatlichen Gängelungen" ab. Keine Justiz, keine Polizei, keine Steuern, keine gängelnden Gesetze! Der Rechtsstaat gängelt ja immer irgendwen - gut, daß wir ihn abgeschafft haben. Aber wer setzt dann ihre Eigentumsrechte durch? Ohne gängelden Staat gibt es nur noch Besitz.

Also doch wieder den gängelnden Staat einführen? Aber natürlich mit privatisierten Gerichten und privatisierter Polizei - oder vielleicht doch nicht "nur Privateigentum"? Schwierige Sache - oder? Und wie finanziert sich der Staat? Durch Steuern - und wenn auf was? Führen wir eine Eigentumssteuer ein - ist ja eh alles Privateigentum? Oder wird nur wieder "Arbeit" besteuert? Getreu der Deviese: Staatliche Gängelung ist nur dann ungerecht, wenn sie Eigentümer trifft, werden die Eigentumslosen gegängelt, ist das keine Gängelung, sondern (göttliche?) Gerechtigkeit!

Lassen wir auch wieder Privateigentum an Menschen zu - besser bekannt als Sklaverei?

Vielleicht hätten Sie besser über die logischen Konsequenzen Ihrer Forderungen nachdenken sollen, bevor Sie sie als Argumente ins Feld führen, Ihre Kritiker als "blöd" darzustellen.

Es wäre an der Zeit, die Ökonomie als Wissenschaft zu betreiben, und nicht länger als Lehre oder Schule. Es geht nicht darum, ein selbstgefälliges Lehrgebäude zu errichten, benötigt wird ein axiomatisches Modell der Ökonomie, was auf innere Widerspruchsfreiheit überprüft werden kann. Anstatt Widersprüche rhetorisch "wegzureden", ist das nachweislich widerspruchsfreie Modell die bessere Grundlage. Das hat sich sowohl in der Mathematik, als auch in der Physik bewährt.

Wie wäre es, wenn Sie die von Ihnen so hoch gelobte "Wiener Schule der Ökonomie" axiomatisch formulieren und deren Widerspruchsfreiheit beweisen?


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