Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Wirtschaftskrise: Schuldfrage endlich geklärt!

von Andreas Tögel

Die „kapitalistische Gier“ ist verantwortlich

09. Juni 2009

Noch hat die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt nicht erreicht, da kennen sowohl Fachleute als auch in ökonomischer Hinsicht völlig unbedarfte Zeitgenossen schon deren Ursache: Es ist die Gier. Besonders schlichte Gemüter, wie etwa der ÖVP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Erich Strasser, setzen noch eins drauf und phantasieren von „kapitalistischer Gier“. Auch die Genossen in Ösiland können natürlich nicht an sich halten und machen einen „gierigen und ungezügelten Markt“ (Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter, SPÖ) für das Drama verantwortlich. Inwiefern etwas Abstraktes, ein System wie der „Kapitalismus“ oder ein Markt, eine so überaus menschliche Leidenschaft wie Gier entwickeln können sollte, bleibt ein Rätsel.

Um zu klären, ob Gier tatsächlich die Ursache der Wirtschaftskrise sein kann, ist zunächst die Bedeutung des Begriffs zu untersuchen. Ist es überhaupt möglich, ohne diesen Affekt zu (über) leben? Ist nicht schon das Verhalten eines unschuldigen Neugeborenen von Gier (nämlich nach Nahrung) getrieben? Wo wäre die Menschheit heute – ohne den Drang, ihre Lebensumstände laufend verbessern, stets nach mehr anstatt nach weniger zu streben?

Schon der als Vater der neuzeitlichen Wirtschaftstheorie geltende Adam Smith räumt mit dem frommen Wunsch auf, dass man auf pure Nächstenliebe vertrauen könne, wenn es etwa darum geht, seinen Hunger zu stillen: „It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker that we expect our dinner, but from their regard to their own interest.“ Es ist genau der von Smith apostrophierte „Eigennutz“, der nun als Gier gegeißelt wird. Ohne Eigennutz aber geht gar nichts!

Wer das nicht erkennt, hat das Wesen des Wirtschaftens nicht begriffen. Jeder Mensch zieht ein besseres Leben einem schlechteren vor. Jeder Mensch verhält sich entsprechend, um dieses Ziel zu erreichen. Niemand setzt Handlungen, von denen er a priori annehmen muss, dass sie seine Lage verschlechtern werden. Die Unterscheidung zwischen „berechtigtem Eigeninteresse“ und „Gier“ kann also nur willkürlich erfolgen und hängt ausschließlich vom Standpunkt des Betrachters ab. Es ist bezeichnend, dass die lautstärksten Kritiker der Gier, die selbstgerechten Pächter von Moral und Anstand, ihren Lebensunterhalt mit Geld bestreiten, das sie auf einem freien Markt nie verdienen würden. Als Kapitalismuskritiker profilierte Politiker, Gewerkschafter, Kammerfunktionäre und beamtete Gutmenschen leben, das sollte keine Sekunde lang vergessen werden, von Mitteln (Steuern), die den produktiv Tätigen zwangsweise abgepresst werden. Denn kaum ein Mensch, der seine Sinne beisammen hat, würde für die vollkommen unproduktive Betriebsamkeit weltfremder Moralapostel freiwillig auch nur einen Cent seines ehrlich verdienten Geldes aufwenden.

Wer dagegen – „gierig“ – erfolgreich auf dem Markt agiert, tut das auf produktive Weise. Die Herren Carnegie, Krupp, Ford, Gates und Stronach (um ein paar der „Gierigen“ beim Namen zu nennen) konnten und können – anders als die politische Klasse – keinerlei Zwang anwenden, um reich zu werden. Sie mussten und müssen Produkte anbieten, die zu kaufen der freien Entscheidung des Konsumenten obliegt. Tun sie das nicht, sind sie weg vom Fenster!

Ist es, da sich an der Gültigkeit der oben zitierten Smithschen Erkenntnis bis heute nichts geändert hat, sinnvoll, den Wunsch reich zu werden (indem man den Menschen Produkte liefert, die diese – absolut freiwillig – kaufen), als „Gier“ zu punzieren?

Eine Erklärung für das Phänomen, dass ausgerechnet der Finanzsektor von der Gier beherrscht werden sollte, bleiben planwirtschaftsaffine „Experten“ schuldig. Agieren außerhalb dieser Branche am Ende lauter dem schnöden Mammon abholde Altruisten? Kann es sein, dass in die Bereiche Maschinen- Bau- Luftfahrt- oder Textilindustrie investierende Kapitalisten vom Laster der Gier frei sind? Aus Sicht der Verfechter strikter Wirtschaftskontrolle und -lenkung muss es doch höchst seltsam erscheinen, dass gerade der Finanzsektor einer Regulierungsdichte und einer strikten staatlichen Aufsicht unterliegt, wie kein anderer Wirtschaftszweig. Denn wenn die Kontrolle (durch völlig gierfrei agierende staatliche Zensoren!) so segensreich wirkt, wie von notorischen Klassenkämpfern in Politik und Medien dargestellt, wie konnte es dann zur Produktion „giftiger“ Wertpapiere kommen? Und warum tobt die Gier ausgerechnet in einer Branche, in der man ausbeuterische Unternehmer weithin vergeblich sucht, weil hier so gut wie ausschließlich angestellte Manager agieren?

Die perfekt ins antikapitalistische Konzept passende Plattitüde von der am Ausgangspunkt des Debakels stehenden Gier hält offensichtlich keiner Prüfung stand. Wäre sie der bestimmende Wesenszug des Kapitalismus, so würde sich das Phänomen wohl kaum auf einen Wirtschaftsbereich beschränken. Und mit Sicherheit würde sie nicht ausgerechnet denjenigen Sektor dominieren, der – weit mehr als alle anderen – von bekanntlich völlig selbstlosen und ausschließlich am Gemeinwohl orientierten Staatsagenten kontrolliert wird. Auch ist ungeklärt, weshalb die Gier zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt – weltweit – in einer Weise kulminieren sollte, dass daraus eine globale Krise resultiert.

Fazit: Die „Gier-Theorie“ ist, wie faktisch alles, was mit dem Meinungsmainstream daherkommt, purer Unsinn. Oder besser gesagt: Sie hat als „Haltet-den-Dieb-Taktik“ durchaus Sinn. Die in Staatskanzleien und Zentralbanken hockenden Väter des Desasters (Schlag nach bei Mises’ Konjunkturzyklustheorie – Stichwort Währungs- und Kreditexpansion) haben nämlich jedes Interesse an der Schaffung des Mythos vom dämonischen „Kapitalismus“. Vor dem möge uns die allwissende und allmächtige Nomenklatura bewahren!

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