05. Juni 2009

Die Tagesschau ist wütend auf die niederländischen Wähler Schmierig, kleingeistig und hochgradig peinlich

Die öffentlich-rechtliche Holländerbeschimpfung der ARD

Die Reaktionen der öffentlich-rechtlichen Staatsfunker auf Wahlerfolge von vermeintlichen oder wirklichen „Rechten“ sind legendär. Unvergessen etwa das hektische Gestammel, Wegdrängen, Weglaufen, Inswortfallen und Mikrofonabstellen gegenüber dem Spitzenkandidaten der NPD nach deren Wahlerfolg in Sachsen. Bei aller Komik musste die demokratische Attitüde notdürftig bewahrt werden. Die Wähler durften als „irrtümlich Verführte“ keinesfalls beschimpft oder entwürdigt werden, sondern – dafür um so mehr – die falschen Gewählten.

Eine solche Zurückhaltung gilt offenbar nicht gegenüber dem Ausland. Die gestrige „falsche Wahl“ der Niederländer macht den ARD-Korrespondenten Ludger Kazmierczak derart wütend, dass er auf der Internetseite der Tagesschau unter der doch recht deutschen Überschrift „Die Niederländer sollten sich schämen“ alle demokratische Maskerade vergisst: Kazmierczak ist es nämlich völlig „unverständlich“, dass „der selbsternannte Fortuyn-Epigone Geert Wilders als großer Triumphator aus der Europawahl hervorgegangen ist.“

Denn „der wasserstoffblondierte Sprücheklopfer Wilders“, so Kazmierczak, „hat weder die Ausstrahlung noch den Intellekt eines Pim Fortuyn, und dennoch haben etliche Wähler dem schmierigen Provokateur ihre Stimme gegeben.“

Auch diese Wähler – und das ist das Neue in der ARD – „sollten sich schämen!“ Dass nämlich „das Land nie so tolerant und liberal gewesen ist, wie wir alle angenommen haben, ist längst bekannt, aber dass sich die Sympathie für eine rechtsextreme, ausländerfeindliche und zudem diffamierende Politik so lange hält, ist erschreckend.“ Jawohl, erschreckend! Da gelten dann auch keinerlei Einwände, keine, lässt Kazmierczak wissen, denn was auch immer vorgebracht werde sei „noch lange kein Grund, einem kleingeistigen Patrioten hinterher zu hecheln“!

Schließlich hätten die Niederländer ja auch anders wählen können! Wirklich! Dann müssten sie sich jetzt auch nicht vom deutschen Staatsfernsehen anpöbeln lassen. Oder in Kazmierczaks Worten: „In den Niederlanden haben sich fast 20 Parteien für einen Parlamentssitz in Straßburg beworben, darunter auch konservativ-liberale Traditionsparteien, die Europa kritisch gegenüberstehen. Die Euroskeptiker hätten durchaus Alternativen gehabt, haben sich aber für die PVV entschieden.“ Und deshalb gelte: „Liebe Nachbarn, ich bitte um Nachsicht, aber das ist hochgradig peinlich!“

ARD und ZDF, so hört man, funken aus prächtigen Glashäusern.

Internet

Der Wortlaut der zwangsgebührenfinanzierten Wählerbeschimpfung


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