André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Großbritannien und die Niederlande haben gewählt: Über die ersten Sieger der Europawahlen

von André F. Lichtschlag

Dort Farage und Wilders, hier Brok und Schulz

Die ersten beiden europäischen Länder haben gestern gewählt. Offizielle Ergebnisse sind noch nicht bekannt, da die Europäische Union darauf besteht, dass keines ihrer 27 Mitgliedsländer Ergebnisse vor Schließung der letzten Wahllokale am Sonntagabend in Italien und Portugal veröffentlicht.

Dennoch sind die beiden ersten Sieger nicht unbekannt. In Großbritannien wird erwartet, dass die UK Independence Party (UKIP) mit 19 Prozent etwa gleichauf mit den Liberaldemokraten an die zweite Stelle hinter den Konservativen und noch vor der sozialdemokratischen Labour Party aufsteigt.

Aus den Niederlanden wird gemeldet, dass die Partij voor de Vrijheid (Partei für die Freiheit) gestern mit 15 Prozent zur zweitstärkste Kraft hinter den Christdemokraten und noch vor den Sozialdemokraten und den Liberalen emporgeklettert sei.

Beide Parteien sind der Albtraum des Establishments. In deutschen Mainstreammedien werden sie gerne unter dem Label „Rechtspopulisten“ geführt und in Aufzählungen mit europäischen Neonazis zur Achse des Bösen gelistet. Für die beiden das Bild des Deutschen in Europa prägenden Obereurokraten „der Brehl“ Elmar Brok (CDU) und „Capo Signore“ Martin Schulz (SPD) sind die britischen und niederländischen Europakritiker die Landesverräter an der eigenen Mission, die sie gerne öffentlichkeitswirksam mit großem Igittigitt verachten.

Worum geht es wirklich? Die beiden noch jungen Parteien sind geprägt von jeweils einem charismatischen Vorsitzenden, hier dem 45-jährigen Nigel Paul Farage, der zuvor Mitglied der britischen Konservativen war, dort dem ebenfalls 45-jährigen Geert Wilders, zuvor Mitglied der rechtsliberalen VVD.

Beiden politischen Formationen eint eine libertär-konservative Programmatik, eine Gegnerschaft gegen die Eurokratie wie gegen die eigene politische Klasse, das Eintreten für radikale Steuer- und Abgabensenkungen, die Skepsis gegenüber der multikulturellen Scheinidylle und das Eintreten für eine Begrenzung der Einwanderung insbesondere aus dem islamischen Raum, die konsequente Missachtung der Regeln der politischen Korrektheit sowie das unbedingte Eintreten für Meinungsfreiheit und für mehr Selbstbestimmung des Einzelnen gegen die zunehmende Politisierung des Lebens.

Die endgültigen Ergebnisse in beiden Ländern werden am Sonntagabend – da sich auch links und rechts des Kanals die Wähler nur ungern in Befragungen wirklich als Spielverderber outen – im Zweifel noch ein paar Prozentpunkte höher ausfallen als nun bereits angegeben. Offenbar ist die libertär-konservative programmatische Mischung kombiniert mit einer charismatischen Führungspersönlichkeit für europäische Wähler zunehmend attraktiv.

Und in Deutschland? Hier gab es einmal eine ähnlich aufgestellte neue Partei. Der Bund freier Bürger des Ex-FDPlers Manfred Brunner war jedoch 15 Jahre seiner Zeit voraus. Und jetzt verschläft Deutschland den Trend und wird daher weiter von Brok und Schulz statt von Farage und Wilders repräsentiert. Wie sagte der Philosoph und Politiker Joseph Marie de Maistre so treffend: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“

05. Juni 2009

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Kommentare

Stefan Miller, am 05. Juni 2009 um 9:55 ( Link )

wieso sollten eigentlich ausgerechnet die Ergebnisse der Europawahl erst nach Schliessung des letzten Wahllokals bekannt gegeben werden?
Bei den sonstigen Wahlen werden doch seit der Öffnung des ersten Wahllokals "Hochrechnungen" in allen Medien ständig wiederholt.

SHSH, am 05. Juni 2009 um 12:11 ( Link )

der ZDF-Kommentar zum Wahlergebnis der Niederländer ist unfassbar. Exorzismus gegen "rechtsaußen".

JohnGalt, am 05. Juni 2009 um 12:13 ( Link )

Die Wahlen zum europäischen Parlament haben dieselbe Bedeutung wie Volkskammer-Wahlen in der DDR: KEINE!

EU-Parlament und Volkskammer haben ja auch dieselbe Funktion!

Dr_Ohnemoos, am 05. Juni 2009 um 12:40 ( Link )

Dank an die Niederlande. Den erbärmlichen Medienkampagnen, die Herrn Wilders, diesen Erzliberalen, als "Rechtspopulisten" diffamieren wollen, soll kein Erfolg beschieden sein. Es hat mit "rechtspopulistisch" nichts zu tun, wenn man ganz und gar vernünftige Forderungen stellt wie:

keine grenzenlose Einwanderung von Moslems (die nach der Einwanderung dann wieder großzügig mit Sozialleistungen überschwemmt werden)

kein EU-Beitritt der Türkei (der dazu führen würde, dass wir ein Land mit 70 Millionen Einwohnern dauersubventionieren dürften).

weniger EU generell, denn die EU besteht hauptsächlich aus einem Haufen überbezahlter und überflüssiger Bürokraten. Ich persönlich schlage die Abschiebung dieser Bürokraten in die Türkei vor.

Alles Forderungen, die ganz und gar vernünftig sind. Es wäre selbstmörderisch, NICHT das zu machen, was Wilders fordert. Man braucht nicht mal ein Funken patriotisch sein, um zu sehen, wie recht Wilders hat.

Einzig seine gelegentlich erhobene Forderung nach dem Verbot des Koran kann ich nicht teilen, da das nichts bringen würde und letztlich auch zur Zensur ganz andere Werke führen könnte.

Viele Grüße

Dr. O.

Stefan Miller, am 05. Juni 2009 um 12:40 ( Link )

offenbar ist aber die Bekanntgabe eines vorläufigen Ergebnisses bei den "sonstigen" Wahlen günstig, bei den Europa-Wahlen jedoch nicht.
Das ist sicherlich kein Zufall, denn es wird vom höchsten zuständigen Gremium bewußt so entschieden.
Die offizielle Scheinerklärung zieht nicht, denn sie würde auch bei den sonstigen Wahlen die selbe Rolle spielen.
Außerdem, was soll man von einem Ergebnis halten, wenn weniger als die Hälfte der berechtigten Wähler zur Wahl gehen? Ist das Ergebniss dann noch demokratisch korrekt?

Konservativer, am 05. Juni 2009 um 12:47 ( Link )

Das Ergebnis in Holland kann man sich hier
http://www.telegraaf.nl/verkiezingen/ep2009/
sehr detailliert ansehen. Demnach bekommt Wilders mit seiner Partij voor de Vrijheid glatt 17 %.

Und die MSM hierzulande schäumen bereits: Die Niederländer sollten sich schämen usw. http://www.tagesschau.de/kommentar/niederlande134.html

Es wird heftigst gesudelt. Und wohl auch ein bisschen gezittert, dass in Deutschland doch ebenfalls eine Partei aufkommen könnte, die das linke Establishment das Fürchten lehrt.

Sphairon, am 05. Juni 2009 um 13:19 ( Link )

Wie sehen eigentlich deutsche "Rechtspopulisten" wie die Republikaner im Vergleich zu Farage und Wilders aus? Vergleichbar oder doch noch eine andere Liga?

SHSH, am 05. Juni 2009 um 13:21 ( Link )

wie die aussehen? Wie Claudia Roth neben Gisele Bündchen.

Stefan Miller, am 05. Juni 2009 um 13:39 ( Link )

he,he...ein sehr guter Vergleich.
:-)

Stefan Miller, am 05. Juni 2009 um 13:48 ( Link )

vielleicht wird aber die Wahl noch wegen der unerlaubten vorzeitigen Bekanntgabe des Ergebnisses für ungültig erklärt. Das traue ich der EU zu.
Jeder Abweichler wird aber auf jeden Fall noch bestrafft werden.
An die früheren Kampagnien gegen Österreich bzw. Italien nach unerwünschtem Wahlausgang sei erinnert.

EEkat, am 05. Juni 2009 um 14:01 ( Link )

Rechtspopulist, das wird tatsächlich das neue Bannwort.

Nachdem Haider, aus welchen Gründen auch immer, zu Wahlen nicht mehr antritt, sprießen nun neue Rechtspopulisten hervor.

Richtig ist demnach, wie Lichtschlag schon schreibt, daß charismatische Persönlichkeiten notwendig sind, um sich in dem vorherrschenden Demokratie-Verständnis gegen die Stigmatisierung einer ganzen politischen Ausrichtung durchsetzen zu können.

Wer also keine Persönlichkeit in den Vordergrund stellen kann, der hat keine Chance, eine vom vorgegebenen Mainstream abweichende politische Ausrichtung zur Wirkung zu bringen.

Mal sehen, wie es mit dem Wilders weitergeht. Ob der in die Regierung der Niederlande eintreten wird. Er strebt das ja an. Und ob die EU dann auch gegen die Holländer zu Sanktionen ausruft, so wie dies seinerzeit mit Österreich geschah, als die einen konservativen Kanzler bekamen, weil dieser von der Haider-FPÖ toleriert wurde.

Sanktionen der EU, unter Federführung eines gewissen Gerd Schröder, sowie Chirac. Man glaubt es kaum. Es ist mir bis heute nicht erklärlich, wieso die Öffentlichkeit dies schluckte. Andererseits wurde dadurch klar, daß Europa totalitäre Züge aufweist.

Mal sehen, wie die EU diesmal reagiert.

Es dauert aus diesem Grunde verdammt lange, bis sich politisch in unseren Breiten etwas tut, und für Deutschland können wir sowas gleich völlig ausschließen. Der Wechsel kann und wird demnach nicht über die Politik kommen. Er muß sich aus anderen Zwängen, aus anderen Mächten heraus ergeben.

Das ist bereits im Gange.

Wie wir in der Wirtschaft sehen, und demnächst noch deutlicher sehen werden. Sozialismus ist keine Basis für prosperierende Gesellschaften, auch dann nicht, wenn er so klammheimlich und getarnt daherkommt wie bei uns in der EUdSSR.

Die REP, sowie die AUF werden wohl Achtungserfolge bei der EU-Wahl erzielen. Das ist ohne Bedeutung, allenfalls noch eine Mißfallensregung.

Eine charismatische Führungsperson an der Spitze einer Partei jedenfalls können wir uns in D nicht mehr leisten.

Sofern es sich dabei nicht um einen Linken handeln sollte.

Das könnte dann den Kollaps unserer Gesellschaft noch beschleunigen.

Immerhin.

EEkat

Leider ist damit auch der Stab über das Funktionieren von Demokratie gebrochen.

Es ist nicht möglich, der einen Seite die Deutungshoheit über Begriffe zuzuerkennen udn dann zu erwarten, daß diese darauf verzichtet, die andere Seite mit Diffamierungen und Stigmatisierungen zu überziehen, wie es eben der Begriff des "Rechtspopulisten" darstellt.

Immerhin: Haider wurde noch als Nazi abgehandelt. Dieses Stigma hat sich wohl verbraucht.

Der Fortschritt ist eine Schnecke.

Max S., am 05. Juni 2009 um 15:23 ( Link )

@Dr_Ohnemoos:

Sehr liberal ist das aber nicht gedacht. Eine nette Alternative:

- Einwanderung ja, aber keine Sozialhilfe bis mindestens 2 Jahre ein Arbeitsverhältnis vorhanden war.

- Wir würden nicht die türkei subventionieren, dafür ist sie zu erfolgreich. Es ist aber fraglich, ob man ein land aufnehmen sollte, dessen Teil, der wirklich in Europa liegt, vernachlässigbar klein ist...

Es ist schade, dass hier der Erfolg von parteien bejubelt wird, die mit eigentlicher liberaler Freiheit wenig am Hut haben, sondern einen Anti-Muslimen-Hass und ein Ende der Globalisierung fordern. Es gibt viele Gründe gegen Europa zu sein, aber dieses Schubladendenken ist es sicher nicht...

@EEkat:
Haider? Noch so eine rechte "Licht"gestalt, die in seiner Kontinuität einem Oskar Lafontaine in nichts nachsteht...

Ich hoffe weder auf die REP noch auf die AUF, beides ewig-gestrige Familie, Christentum und Deutschtümelei vereinende parteien.

Shuca, am 05. Juni 2009 um 15:30 ( Link )

Das Problem liegt vielleicht daran,das der geneigte Wähler immer noch nicht Populisten von Aktivisten unterscheiden kann.Und deswegen sind die MSM immer so böse wenn es nicht klappt.

FritzLiberal, am 05. Juni 2009 um 15:46 ( Link )

@Max S:

- Einwanderung ja, aber keine Sozialhilfe bis mindestens 2 Jahre ein Arbeitsverhältnis vorhanden war.

Liberal wäre, sämtliche staatlichen Sozialleistungen abzuschaffen.

Lion Edler, am 05. Juni 2009 um 15:55 ( Link )

In der OMF-BRD fehlt im Gegensatz zu den genannten anderen europäischen Ländern eine einigermaßen vernünftige Rechtspartei, weil es ein pathologisch krankes Land ist, aufgrund der deutschen Geschichte und ihrer Verfälschung. Es wird möglicherweise noch sehr viele Jahre dauern, bis sich da was rührt. Dazu kommt die hier vermutlich noch stärker ausgeprägte linke Medienmacht (Lizenzpresse, Staatsfernseh-Imperium, pseudokonservative BILD-Zeitung zwecks Simulation von Pluralismus etc.).

Johann Hartmann, am 05. Juni 2009 um 16:39 ( Link )

Ja, leider gibt es in Deutschland keine Partei, die diese Eurokratie in der gegenwärtigen Form kompromisslos ablehnt.So bleibt dem deutschen Bürger, der die EU in dieser Form auf keinen Fall haben will, nur eines: nicht wählen. Eine historisch niedrige Wahlbeteiligung lässt sich politisch korrekt schlecht überspielen. Mein sehnlichster Wunsch wäre eine Wahlbeteiligung von ca. 20 %. Da möchte ich dann den "Volksvertreter" sehen, der sich als vom Volk Gewählter geriert. Wenn das Volk keine echten Alternativen geboten bekommt, geht es eben nicht wählen. Basta!

Robert Grözinger, am 05. Juni 2009 um 17:52 ( Link )

EEkat, am 05. Juni 2009 um 20:18 ( Link )

MaxS.

, Haider? Noch so eine rechte "Licht"gestalt, die in seiner Kontinuität einem Oskar Lafontaine in nichts nachsteht...

Was immer Sie damit ausdrücken wollen: mag sein.

Jedoch kaum ein Grund, ein Land - wie geschehen - offiziell mit EU- Sanktionen zu überziehen, weil dort eine nicht genehme Partei fast 30 Prozent geholt hatte.

Sie können das aber gerne anders sehen.

Wo ich ihren Geschmack nicht treffe, vielleicht sollten wir Wahlen abschaffen? Oder noch besser: es so machen wie in der DDR: Wahlpflicht.

Eine Einheitspartei-Situation haben wir ja schon, auch wenn unsere Politiker nicht so dumm sind, diesen Umstand offen rauszuhängen. Wie dies ja in der DDR gehandhabt wurde.

Die haben sich aber trotzdem Demokratioe genannt.

Das bleibt also erhalten.

EEkat

Satanas, am 05. Juni 2009 um 22:47 ( Link )

Zur Erinnerung:

Vaclav:
http://www.youtube.com/watch?v=gJAthagbT_A
http://www.youtube.com/watch?v=Wwfe8pac7AA

Martin Schulz vs. Nigel Farage
http://www.youtube.com/watch?v=KMZbs6zu5PU&NR=1

Last but not least:
The devalued prime minister of a devalued country (Daniel Hannan)
http://www.youtube.com/watch?v=94lW6Y4tBXs

Satanas, am 05. Juni 2009 um 22:58 ( Link )

@Lion Edler

Wozu eine Rechtspartei? Offen gesagt, mir geht dieser ganze schwarz rot goldene Europawahlkampf gegen den Strich, das ist nämlich Irreführung der Öffentlichkeit. Wir müssen erreichen, daß die Politik dem Willen der Wähler Rechnung tragen muß und dabei verschiedene Grundrechte respektiert. Dies könnte insbsondere durch starke, konkurrierende Regionen erreicht werden. Patriotismus wie Feuer, in den falschen Händen (d.h. der Politiker), richtet er nur Schaden an. Ob ein Poliker patriotisch ist oder nicht, kann man sowieso nicht nach seinen Reden beurteilen.

Satanas, am 05. Juni 2009 um 23:07 ( Link )

@eekat


Es ist mir bis heute nicht erklärlich, wieso die Öffentlichkeit dies schluckte.

Weil man sie nicht gefragt hat. Aber wie viele Urlaube wurden wirklich storniert? Das Problem ist, das man offenbar nicht gehört wird, solange man keine Autos oder Polizisten (wie am 1.Mai in Berlin) anzündet. Man müsste Politiker einfach per Volksentscheid ihres Amtes entheben können.

Lion Edler, am 06. Juni 2009 um 18:13 ( Link )

An Satanas:
Weil die Geschichte gezeigt hat: Je rechter eine Gesellschaft ist, desto besser funktioniert sie. Ob Wirtschaftspolitik , Familie, Ausländer, Werte - in fast allen Politikfeldern ist daszu beobachten. Insbesondere gilt es, eine Gesellschaft zu fördern die nicht nur auf Egoismus, Nihilismus und Materialismus basiert.

Ich finde nicht, dass man dem Willen der Bürger stärker Rechnung tragen sollte, im Gegenteil. Denn die meisten Bürger haben nunmal politische Vorstellungen, die ganz schön ins Auge gehen würden, wenn man sie umsetzen würde. Stattdessen sollte endlich eine kleine Elite das sagen haben. Aber ich sehe es zugleich als großes Problem an, was die derzeit herrschenden Politiker für ein Selbst-Verständnis haben, nämlich ein extrem arrogantes, ignorantes und überhebliches, geprägt von unglaublicher Bürger-Verachtung und dem Glauben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Gerade daher braucht es ja eine Rechtspartei. Für linke Politiker sind Bürger nur Gesocks mit dem man machen kann was man will, je rechter jemand ist, desto anständiger ist er.

Ich stimme Ihnen zu, dass man es an den Reden nicht erkennen kann, ob ein Politiker patriotisch ist oder nicht. An den Taten sollst du sie erkennen. Wenn ein Politiker trotz Diffamierungen und keinerlei Vorteile in der Wähler-Gunst sich patriotisch äußert, dann kann man schon davon ausgehen dass das glaubwürdig ist.

EEkat, am 07. Juni 2009 um 10:19 ( Link )

Lion Edler, "je rechter eine Gesellschaft ist, desto besser funktioniert sie"

Ist das so?

Ich kenne keine rechte Gesellschaft, die funktioniert. Jedenfalls nicht langfristig. Ich kenne allerdings auch keine linke Gesellschaft, die funktionieren würde, oder funktioniert hätte.

Aus diesem Grunde bliebe nicht viel anderes übrig, als einen unblutigen Machtwechsel durch Wahlen zu ermöglichen, der mal die einen Deppen, dann die anderen Deppen ans Ruder bringen könnte in der Hoffnung, daß durch diesen Machtwechsel dann die Fehler und Versäumnisse der abgewählten durch die ans Ruder gelangende andere Ausrichtung korrigiert werden.

Genau das ist Demokratie. Aus der Erkenntnis heraus, daß wir allesamt nur begrenzten Einblick haben, und uns als Individuum maßlos überschätzen, also Deppen sind, ist die Demokratie das Unterfangen, 2 verschiedene Ausrichtungen, meinetwegen Prägungen gegeneinander zu stellen, und diese sich abwechseln zu lassen, unterschiedliche Auffassungen in die Gesellschaft einzuführen und diese dadurch anzupassen, weiterzuentwickeln.

Das funktioniert aber nur in Strukturen, die stark genug sind, sich nicht in einen Konsens flüchten zu müssen.

Sardinen-Mentalität und Demokratie sind unvereinbar.

Diese Sardinen-Mentalität - auf den Menschen und seine Möglichkeiten übertragen deutet dies auf eine Schwäche, auf mangelnde Souveranität des Individuums - führt, wir wir ganz klar beobachten können, dazu daß man sich in eine bestimmte vorherrschende Ausrichtung flüchtet deshalb: weil alle dies tun.

Was versteht der Normalo schon von Bankgeschäften. So ist er angewiesen auf Deuter, die ihm einblasen: das sind Verbrecher. Oder von der Beeinflussung von Kaufverhalten, meinetwegen gegenüber dem Automobil? Er verhält sich nach dem, was ihm Konsens zu werden scheint. Wird das auto problematisiert, dann ändert er sein Kaufverhalten, und wenn auch nur soweit, daß er ein kleiners Auto kauft. Irgendjemand muß den Sardinen klargemacht haben, daß sie sich in eine andere Richtung bewegen müssen.

Andere Richtung? Wenn möglich, dann gerne nach rechts. Wenn rechts offiziell nicht mehr angesagt ist, dann nennt man es schon mal anders.

In Nationalsozialismus steckte ja nun auch irgendwie Sozialismus drin und bediente vieles von dem, nach dem auch heute wieder gerufen wird.

Freiheit jedenfalls ist nicht, was Menschen dieses Landes am Herzen liegt, sofern ich unwidersprochen eingeführten massiven Einschränkungen der Bürgerrechte, der Überwachungen etc richtig deute. Die uinbeteiligte Widerspruchslosigkeit, mit der man dies über sich ergehen läßt.

So besehen ist es folgerichtig, daß dieser Staat zunehmend zerfällt. Auf der einen Seite das Volk übrigläßt, udn deren immer mehr unbefriedigt bleibende Bedürfnisse, und auf der anderen Seite dessen Dressurelite, denen die Alternativen ausgehen, weil sie diese nicht haben können. Unsere politischen Parteien und ihre Funktionäre untzerscheiden sich faktisch nicht voneinander.

Demokratie hat einen geriungen Wirkungsgrad. Aber sie stellt am Ende die einzig mögliche politische Organisationsform dar, die langfristig trägt. Sie setzt dazu freilich voraus, auf ein Volk zu treffen, das weiß, wie Demokratie funktioniert, welche Voraussetzungen dazu vorliegen müssen.

Bei uns ist praktisch nur noch das Verfassungsgericht sichtbar, welches die notwendigen Rahmenbedingungen einer demokratie hochhält. Fragt sich, wie lange noch. Ich warte sehnsüchtig auf deren Entscheid zum Lissabon- Vetrag und befürchte das Schlimmste.

Konsens-Sucht gehört jedenfalls nicht dazu, um Demokratie zu praktizieren. Und Parteien, die außer im Vorwahlkampf sich in dem Konsens geeinigt haben, sie würden diesen Staat zu verwalten haben sidn auch nicht das, was uns weitergebracht hat.

Wir haben eine satte Systemkrise, die politisch nicht mehr einzufangen ist.

EEkat

Lion Edler, am 07. Juni 2009 um 21:02 ( Link )

An EEkat:

"Rechts" definiere ich hier als "elitär" und "anti-egalitär", d.h. "Freiheit vor Gleichheit", somit sind die Nationalsozialisten für mich zumindest stark links angehaucht. Ich finde schon das rechtere Gesellschaften eindeutig besser funktionieren. Wenn Sie meinen dass Sie keine kennen die funktioniert, so legen Sie vielleicht etwas zu hohe Ansprüche an den Begriff des "Funktionierens" einer Gesellschaft an. Freilich "funktioniert" auch der menschliche Körper nur insofern, dass auch ein gesunder Körper spätestens nach ca. 100 Jahren zu vergammeln beginnt und von diversen Insekten verzehrt wird.

Ihre Beobachtungen darüber, dass eine Demokratie verschiedene politische Strömungen integrieren soll, und sie abwechselnd an die Macht kommen lassen soll, finde ich im Prinzip richig. Allerdings sollte in diesem Wettbewerb jegliches linkes Gedankengut keine Chance mehr haben, weil die Geschichte einfach eindeutig gezeigt was für ein Scheiß das ist. Zu Recht gibt es ja heute auch etwa einen weitgehenden Konsens darüber, dass z.Bsp. der Sozialismus und aggressiver Nationalismus keine gute Idee waren. Warum nicht etwas konsequenter die Fehler der Geschichte analysieren und eingestehen, dass das Linke nichts taugt? Der Wettbewerb in einer halbwegs funktionierenden Demokratie sollte daher vielleicht eher zwischen den beiden Polen "konservativ" und "liberal" ablaufen.

Ihre Beobachtungen bezüglich der "Sardinen"-Mentalität sind natürlich völlig richtig. Was stattfindet, ist die schleichende weltweite Umwandlung der Demokratie in eine Ochlokratie. Bereits Platon sah ja die Demokratie als Vorstufe der Ochlokratie. Dies könnte nun natürlich die Frage aufwerfen ob Demokratie überhaupt einen Sinn macht, aber das ist ein anderes Thema.

Jürgen Hodler, am 07. Juni 2009 um 21:44 ( Link )

@DEMOkat

"Demokratie hat einen geriungen Wirkungsgrad. Aber sie stellt am Ende die einzig mögliche politische Organisationsform dar, die langfristig trägt. Sie setzt dazu freilich voraus, auf ein Volk zu treffen, das weiß, wie Demokratie funktioniert, welche Voraussetzungen dazu vorliegen müssen."

Sie sind mit diesen Vorraussetzungen, welche sich im Orbis Catholicus und im Mundus Reformatus übrigens grundlegend unterscheiden, anscheinend zur Genüge vertraut. Sie gestatten aber dennoch, daß ich dies bezweifle. Zumal die Demokratie in der Geschichte stets nur kürzere Zwischenspiele – oder besser: Gelage – feiern durfte. Übrigens ganz im Gegensatz zur Erbmonarchie, welche – und diese wurde bereits von Plato und Polybius in weiser Sicht erkannt – geschichtlich die große Permanente darstellt. Das ist ja auch kein Wunder, denn die an für sich wertfreie Demokratie, im Gegensatz zur Monarchie eine reine Abstraktion darstellend, ist im Prinzip nichts anderes als ein leerer Bilderrahmen und es versteht sich von selbst, daß die dazugehörige Leinwand insbesondere totalitäre Parteien zum Austoben ihrer Malkünste animiert. Der Neid, in demokratischen Zeiten eine geradezu liebevoll gepflegte „Tugend“, wirkt auf diese Künstler ja auch stets inspirierend. Nun, das Problem dabei ist nur, daß die schillernde Farbenpracht des demokratischen Parteienspektrums den armen Bilderrahmen nur allzu gern sprengt. Und schon legt die demokratische Doktrin in Sachen Fäulnis den Schnellgang ein. Hier findet sich dann auch in der Tat ein mit Sorgfalt in die demokratische Doktrin eingewobener Selbstzerstörungsmechanismus. Sind es doch gerade die demokratischen „Tugenden“, welche, sobald zum Exzeß getrieben, dieser durch und durch verderbten Doktrin zum Verhängnis werden. Wie schrieb doch Antoine de Rivarol? Ein König kann ein Marc Aurel oder auch ein Nero sein. Das Volk hingegen könnte kollektiv ein Nero, aber niemals ein Marc Aurel sein.

Langer Rede, kurzer Sinn: Es zeugt in der Tat von einer gehörigen Portion geschichtlichem und kulturmorphologischem Analphabetentum, wenn in der demokratischen Doktrin gar eine langfristig tragfähige „politische Organisationsform“ vermutet wird.


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