17. Mai 2009

Europawahl Hoffen auf ein gutes Abschneiden

Interview mit dem Spitzenkandidaten der AUF-Partei Dieter Burr

In dieser Woche wurde bekannt, dass die kleine AUF-Partei mit der Unterstützung der Europapartei Libertas in den Europawahlkampf ziehen wird. Noch vor Bekanntwerden dieser Nachricht befragte ef den Spitzenkandidaten der AUF-Partei Dieter Burr zu seinen Zielen.

ef:  Herr Burr, bei der Europawahl im Juni werden 31 Parteien auf allen Stimmzetteln zu finden sein - eine Rekordzahl. Die Gründung Ihrer neuen, erstmals antretenden Partei hängt eng mit einem Widerwillen gegen diese Zersplitterung zusammen. Wie kam es in wenigen Worten zu dieser Gründung?

Burr: Die AUF-Partei wurde gegründet, weil wir als Personen den Mangel sehen, dass die christlichen Werte und Positionen in Deutschland nicht mehr gelebt werden und von den großen Parteien – hier insbesondere der CDU/CSU – nicht mehr vertreten werden. Dies wurde auch bereits von verschiedenen Vertretern der Kirchen festgestellt und als Mangel hervorgehoben. Daher glauben wir, dass diese christlichen Werte und Grundsätze, die unsere Nation über viele Jahrzehnte geprägt haben, wieder Einfluss auf die aktive Gestaltung der Politik in unserem Land haben müssen. Vor diesem Hintergrund haben vor allem bisher Parteilose, aber auch Mitglieder aus ÖDP, PBC und Zentrum die neue Partei „AUF“ gegründet.

ef:  Dennoch werden auch die ÖDP und die PBC zur Europawahl antreten. Durch die neue AUF-Partei, so kann man meinen, wurden die Kräfte also nicht gebündelt, sondern noch einmal auseinanderdividiert?

Burr: AUF ist es wichtig, in der Europawahl und in verschiedenen Landtags- und Kommunalwahlen entschieden mit politischen Aussagen und Gestaltungsvorschlägen in die Politik einzugreifen und wir denken, dass eine solche politische Aussage, gegründet auf dem Fundament der biblischen Werte, nicht auseinanderdividiert, sondern die Bürger in unserem Land, die eine gleiche Sicht für politische Veränderungen haben, zusammenbringen kann.

ef:  In wenigen Sätzen – um welche konkreten inhaltlichen Ziele geht es der AUF-Partei?

Burr: Die AUF-Partei steht für Arbeit, Umwelt, Familie. Im Einzelnen: Für ein einfaches, gerechtes Steuersystem, den konsequenten Ausbau regenerativer Energien und die Förderung zukunftsweisender Technologien, einen rigorosen Abbau von Bürokratie und die Schaffung und Förderung transparenter Strukturen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt und Pornographie, ein Erziehungsgehalt ,das sowohl den Wert der Erziehungsleistung würdigt als auch Arbeitsplätze schafft, eine Rückbesinnung auf die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft und die Tugenden verantwortlichen Wirtschaftens.

ef:  Was bedeutet das konkret für Europa?

Burr: Wir wollen ein Europa der Nationen, in dem die Entscheidungskompetenz auf möglichst bürgernahen Ebenen konzentriert wird, ein Europa nach dem Prinzip der Subsidiarität. Wir fordern ein Austrittsrecht der einzelnen Mitgliedstaaten aus der EU. EU-Aufgaben müssen von jedem Staat auf Europa übertragen werden und können nicht von der EU einverleibt werden. In der EU-Verfassung muss ein Gottesbezug verankert sein. Der Vertrag von Lissabon kann nur durch Volksentscheid in allen Mitgliedstaaten beschlossen werden.

ef:  Welches numerische Wahlziel setzen in einem Prozentergebnis setzen Sie sich für die Europawahl?

Burr: Wir setzen uns auf der Ebene der Partei kein numerisches Wahlziel, hoffen aber bei der Europawahl auf ein gutes Abschneiden.

ef:  In Ihrer Grundsatzprogramm halten Sie eine „Rückkehr zu einem soliden und ehrlichen Geld- und Währungssystem, das auf hinterlegten echten Werten (z. B. Edelmetallen und Rohstoffen) als Reserven beruht, für dringend erforderlich.“ Wie wichtig ist Ihnen persönlich dieser doch überraschend tiefgreifende Programmpunkt?

Burr: Dieser tiefgreifende Programmpunkt ist für mich ein persönlicher Leitsatz in meinem Leben! Hintergrund dieser vielleicht überraschenden und auch tiefgreifenden Programmpunkte ist, dass wir beim Beschlusss über unser Grundsatzprogramm bereits die jetzt so langsam hervortretenden Veränderungen im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem gesehen haben und wir denken, dass nur eine Abkehr von vielen bisherigen Verhaltensweisen im Bereich der Wirtschaft und des Finanzwesens wieder zu einer soliden und tragfähigen Grundlage dieses Systems führen kann.

ef:  Bei einer zentralen Wahlkundgebung warten Sie mit prominenten Rednern wie etwa Eva Herman auf. Christa Meves soll ebenfalls die Partei unterstützen. Sind beide Mitglieder Ihrer Partei?

Burr: Wir freuen uns darüber, dass sowohl Eva Herman als auch Christa Meves unsere Arbeit in der AUF-Partei unterstützen. Die Frage hinsichtlich der Mitgliedschaft ist mit „nein“ zu beantworten. Es ist uns jedoch wichtig, dass wir vor Veröffentlichung einer Mitgliedschaft und deren öffentlichkeitswirksamen Verwendung mit unseren Mitgliedern sprechen und dies ist im Moment noch nicht erfolgt.

ef:  Wird die AUF-Partei auch flächendeckend zur Bundestagswahl antreten?

Burr: Die Entscheidungsgremien der AUF-Partei haben beschlossen, an der Europawahl teilzunehmen. Eine Teilnahme and an den Bundestagswahlen ist im Moment nicht beabsichtigt.

Information

Zeitgleich mit dem Spitzenkandidaten der AUF-Partei interviewten wir auch einen Spitzenkandidaten der Piratenpartei. Eine Zusammenfassung dieser beiden Interviews wird auch in die ef-Wahlempfehlung einfließen, die wir im kommenden Heft Nr. 93 in der Tradition US-amerikanischer Zeitschriften erstmals geben werden.

Internet


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