03. Mai 2009

Nach dem revolutionären ersten Mai Dort die Lügen, hier die Wahrheit

Es kam, wie es kommen musste

Die Prognose auf ef-online vor wenigen Tagen war nicht schwierig. Der revolutionäre erste Mai würde zu schwersten roten Ausschreitungen führen. Die von den Propagandaleitmedien dann kurzerhand den braunsozialistischen Brüdern in die Schuhe geschoben würden. Schließlich musste der pseudoreligiöse „Kampf gegen rechts“ immer und überall als jener ideologische Überbau unseres Staates zementiert werden, der Politiker, Medien und die nun wieder brandschatzenden Fußtruppen gleichermaßen Halt geben soll.

Der Blogger Kewil zählt ein paar typische Überschriften so auf: N24: „Schwere Krawalle bei NPD-Aufmarsch in Ulm“. „Zeit“: „Schwere Randale bei NPD-Aufmarsch in Ulm“. „Süddeutsche“: „Rechtsradikale greifen Kundgebungen an“. „Bild“: „Verletzte bei NPD-Aufmarsch in Ulm“. „Kölnische Rundschau“: „Gewalteskalation auf NPD-Demo“. „Tagesspiegel“: „Schwere Randale bei NPD-Aufmarsch in Ulm“.

Was war tatsächlich geschehen? Nehmen wir auch hier zunächst die Auflistung des Kewil-Blogs „Fakten – Fiktionen“:

Köpenick, 2000 rote Mehrheitsfaschisten gegen einen braunen Neonazi

„Um kurz nach zwölf startete der Protestzug der Gegendemonstranten in Köpenick, rund 2000 Menschen waren dabei, Fahnen von Gewerkschaften, SPD, Grünen und Linken waren zu sehen, viele Jugendliche liefen auch schon hier im Outfit des schwarzen Blocks auf. Die Lage blieb friedlich, nur einmal drohte kurzzeitig die Eskalation – als ein Neonazi auf dem Balkon seiner Wohnung im dritten Stock den vorbeiziehenden linken Demo-Zug provozierte. Minutenlang zeigt der junge, kahl rasierte Mann den Hitler-Gruß. Steine und Flaschen fliegen in seine Richtung, durchschlagen Fenster des Hauses. Dann verschwindet der Mann in die Wohnung, Sekunden später taucht stattdessen ein behelmter Polizist auf dem Balkon auf. Da applaudiert sogar der schwarze Block – zum letzten Mal an diesem Tag.“ („Spiegel“)

Seelenbinderstraße, Berlin, insgesamt nur 200 braune Alt- und Neonazis

„Die Rechtsextremisten wollten - wie in anderen Städten in Deutschland - zum ersten Mal seit Jahren wieder am 1. Mai Präsenz zeigen. Tatsächlich war jedoch so gut wie nichts von ihnen zu sehen. Polizeikräfte hatten das Gebiet um die Parteizentrale in der Seelenbinderstraße weiträumig abgesperrt. Etwa 200 alte und neue Nazis zogen sich zum Familienfest auf den Hof des Hauses zurück.“ („Spiegel“)

Kreuzberg und Kotti, 5000 gewalttätige rote Mehrheitsfaschisten

„Tatsächlich bestätigten sich am Abend die Befürchtungen. Von vielen der rund 5000 Teilnehmer der abendlichen Demo ging eine lange nicht gekannte Aggression aus.“ („Spiegel“)

18:40 Uhr, Kreuzberg, autonome SS, Palis und linksfaschistische Antifa

„Die Autonomendemo ist gestartet. Vorneweg ein Transparent: ‚Kapitalismus ist Krieg und Krise’, dahinter ein Block sonnenbebrillter Schwarzjacken, gefolgt von den ‚Antifaschistischen Linken’. Palästinenserflaggen und Antifa-Fahnen sind zu sehen. („Tagesspiegel“)

19:00 Uhr, Kottbusser Tor, Dittfurth fordert neue RAF und Umsturz

„Der Revolutionärszug steht zunächst wieder, jetzt werden Reden gehalten. Die ÖkoLinX-Politikerin Jutta Dittfurth ruft vom Demonstrations-Truck herab zu einem bundesweiten Schul- und Unistreik am 17. Juni auf. Außerdem sagt sie: ‚Die soziale Ordnung in Deutschland bleibt eine Gefängnisordnung.’ Im Verlauf der Wirtschaftskrise seien in Deutschland 100.000 Leiharbeiter ‚geräuschlos entsorgt’ worden. Dittfurth heizt die Menge an: ‚Ulrike Meinhof hat Bambule empfohlen’ – in einem Fernsehspiel über Mädchen, die sich gegen die Unterdrückung in ihrem Heim auflehnen – ‚wir auch!’. Die Rednerin fragt, indirekt einen gewaltsamen Umsturz rechtfertigend: ‚Wäre die Bastille gefallen - nur durch Lichterketten? Wäre die Befreiung vom Faschistenpack denkbar - als Loveparade?’“ („Tagesspiegel“)

19:26, Moskauer Str., Kreuzberg: Roter Stoßtruppführer Kyrill Jermak

„Tagesspiegel-Reporter Jörn Hasselmann berichtet von anderer Stelle: ‚In Angst und Panik vor der sich Bahn brechenden Gewalt nahmen Myfest-Besucher Reißaus, Mütter zerrten ihre Kleinkinder an den Händen davon, um sich aus der Gefahrenzone zu bringen.’ Und: ‚Die Demo-Teilnehmer bahnten sich mit Leuchtkugeln, die sie abfeuern, den Weg durch die Massen des Myfests. An der Spitze marschiert der Bezirksverordnete der Linkspartei in Lichtenberg, Kirill Jermak.’ („Tagesspiegel“)

Ulm: 1000 Braune gegen 10.000 rote Mehrheitsfaschisten

„Bei einem Aufmarsch von mehr als 1000 Neonazis ist es am Freitag in Ulm zu schweren Angriffen von militanten Linken gekommen. Durch umherfliegende Steine und Flaschen wurden 21 Demonstranten und 29 Polizisten verletzt. Auch ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur dpa ist unter den Verletzten. Die Einsatzkräfte setzten Wasserwerfer ein, um gewalttätige Gruppen auseinander zu treiben. Die Gewalt sei nach ersten Erkenntnissen ausschließlich von militanten Linken ausgegangen, sagte ein Polizeisprecher. ‚Mir sind keine Straftaten bekannt, die aus dem rechten Spektrum kamen.’ Der Aufmarsch war von der NPD- Nachwuchsorganisation ‚Junge Nationaldemokraten’ organisiert worden. („Stuttgarter Nachrichten“)

„Obwohl die Gewalt also wieder von den sich in großer Überzahl befindlichen linksautonomen SS -Schwarzhemden und deren rotfaschistischen Sympathisanten aus Kommunisten, Gewerkschaftlern, SED, Linkspartei und SPD ausging“, so Blogger Kewil, versuchte „die gleichgeschaltete Systempresse dies mit verklausulierten Texten und Überschriften zu verschleiern.“ Kewil schließt: „Während Dittfurth zu neuem RAF-Terror aufruft – dafür darf sie morgen bestimmt zu Anne Will – werden in zig Headlines immer die Rechten vorgeschoben.“

Ähnlich sieht es auch der Blogger Marco Kanne (Opponent). Er hat dazu über die „national befreiten Zonen“ der Neonazis bei Wikipedia folgende Definition nachgeschlagen: „Einen Bereich, in dem rechtsextrem motivierte Gewalt das Straßenbild so stark prägt, dass Menschen mit Migrationshintergrund, sich als links oder alternativ verstehende und andere von Rechtsextremen als ‚fremd’ und ‚feindlich’ Eingestufte wie Homosexuelle, Juden, Behinderte sich aus Furcht vor gewalttätigen Übergriffen nicht mehr auf die Straße oder in öffentliche Einrichtungen wagen und aus Angst vor Repressalien auch nicht Anzeige erstatten.“

Kanne ersetzt nun „gedanklich rechtsextrem durch links; Menschen mit Migrationshintergrund kann bleiben (zum Beispiel traditionsbewusste Bayern); links oder alternativ wird mit rechts, konservativ oder liberal substituiert; anstelle Homosexuelle tritt traditionsbewusste Familienväter und -Mütter; Juden kann ebenfalls stehen bleiben, da viele Linke auch Antisemiten sind, und aus Behinderte wird Kapitalisten.“ „Was hat man dann?“, fragt Kanne. „Eine ziemlich realitätsnahe Beschreibung Kreuzbergs“ am revolutionären ersten Mai.

„Der kleine aber wenig feine Unterschied“, so Kanne, sei die Tatsache, „dass die Polizei in national befreiten Zonen nicht zugunsten der Neonazis gegen deren Kritiker und Gegner vorgeht, wie dies in den sozialistisch befreiten Zonen Berlins mit seiner blutroten Regierung unter Beteiligung der in Die Linke umbenannten SED der Fall ist.“

Die „Junge Freiheit“ schließlich berichtet wie folgt über die Ausschreitungen: „Nach den traditionellen Demonstrationen zum 1. Mai war es am Freitag in Berlin zu den erwarteten Übergriffen von Linksextremisten auf die Polizei gekommen. Dabei wurden die Beamten unter anderem mit Brandsätzen, Steinen und Flaschen beworfen. Die Krawalle brachen anders als von der Polizei erwartet nicht erst nach Einbruch der Dunkelheit aus, sondern bereits kurz nach 18 Uhr. Aus einem Demonstrationszug mit 5.000 Menschen im Stadtteil Kreuzberg wurden die Polizisten mit Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern und Brandsätzen beworfen. Die Polizei ging mit Tränengas und Pfefferspray gegen die Gewalttäter vor, die sich vor allem in einem rund 400 Personen starken sogenannten schwarzen Block zusammengerottet hatten. Diese versuchten unter anderem, eine von Polizisten geschützte Tankstelle anzugreifen. Nach Angaben der Polizei wurden 289 Personen festgenommen. Gegen sie seien Ermittlungsverfahren unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden. Zudem wurden 273 Polizeibeamte verletzt, 14 von ihnen konnten laut der Polizei ihren Dienst nicht fortsetzen.“

Inzwischen berichtet auch die „Welt“ recht offen von versuchten Polizistenmorden: „Wir haben Glück gehabt, dass es keine Toten gab!“

Man stelle sich die Lichterketten, Parteiverbotsverfahren, Sondersendungen und das Gesicht Claudia Roths vor, wenn auch nur ein Bruchteil des Terrors wirklich von denen ausgegangen wäre, denen man es tagelang systematisch in die Schuhe zu schieben suchte…

Internet

Vorbericht auf ef-online

Fakten-Fiktionen

Opponent

 „Junge Freiheit“

„Welt“


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