Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Keynes reloaded: Die weltweite Wiederkehr eines Untoten

von Andreas Tögel

Am Ende muss doch konsequent gespart werden

In China pflegt man jemandem, dem man nichts Gutes will, „interessante Zeiten“ zu wünschen. Derart „interessante Zeiten“ erleben wir gegenwärtig – und vermutlich auch in den nächsten Jahren. Die Zunft der „neoklassischen“ Nationalökonomen erfrischt uns mittlerweile bereits im Wochentakt mit immer düsterer werdenden Prognosen und mutet uns dabei – voll unangebrachten Selbstbewusstseins – zu, ihre aktuellen Vorhersagen für bare Münze zu nehmen, ohne zu erläutern, weshalb ihre vor kurzem noch als Weisheit letzter Schluss verkauften Analysen schon zwei Wochen später nichts mehr taugen. Ein Fall bemerkenswerter Chuzpe!

Die auf den Rat derlei dubioser „Experten“ angewiesene hohe Politik wiederum ergreift dankbar jede sich bietende Gelegenheit, die Bürger noch stärker zu gängeln, mit noch höheren Schuldenbergen zu beladen und den Weg zur Planwirtschaft noch eiliger und entschlossener zu beschreiten als bisher. Kriegs- und Krisenzeiten stehen in der Beliebtheitsskala der politischen Kaste schließlich deshalb an oberster Stelle, weil sie ein jahrhundertelang erprobtes Mittel zur Ausweitung ihrer Macht darstellen. Wenn es also gerade einmal keine Krise gibt, sorgt die Politik zuverlässig dafür, dass es zu einer kommt. Und so geschieht es auch in unseren Tagen.

Der wirkungsmächtigste Wirtschaftswissenschaftler des 20 Jahrhunderts, der 1946 verstorbene britische Ökonom Maynard Keynes, ein später Apologet von Hobbes’ totalem Staat und – wenn man so will – der „Erfinder des Staatsdefizits“, lässt grüßen. Er tut dies übrigens keineswegs zum ersten Mal. Schon die langen Jahre der Depression, die dem „schwarzen Donnerstag“ des Jahres 1929 folgten, sind dem sonderbaren Glauben geschuldet, Ausfälle privater Nachfrage durch staatliche „Konjunkturprogramme“ ersetzen zu können. Die skurrile Vorstellung von der Gefahr einer „Unterkonsumption“ und die Möglichkeit deren Bannung durch den Staat verdankt ihre Geburt Lord Keynes und ist – seit der Publikation seiner „General Theory of Employment, Interest and Money“ im Jahre 1936 nicht umzubringen. (Eine unbedingt lesenswerte, ebenso detaillierte wie vernichtende Kritik von Keynes’ „General Theory“ hat der US-Wirtschaftsjournalist Henry Hazlitt anno 1959 unter dem Titel „The Failure of the New Economics“ publiziert. Die deutschsprachige Version, „Das Fiasko der Keynesschen Wirtschaftslehre“ ist leider seit Jahren vergriffen und nur antiquarisch zu finden).

Eine Renaissance keynesianischer Schuldenpolitik setzte in den 70er-Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks ein, die japanische Regierung doktert nunmehr seit eineinhalb Jahrzehnten – chronisch erfolglos – damit an der kranken Wirtschaft Nippons herum und gegenwärtig, im Zeichen der globalen Rezession, gibt es weltweit kein Halten mehr.

Die von einem auf den wirtschaftlichen Handlungen der einzelnen Akteure basierenden Ansatz ausgehenden wirtschaftstheoretischen Gegner Keynes’, die Vertreter der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre (namentlich die Herren Mises und Hayek), unterlagen ihm nicht etwa auf dem Schlachtfeld der wissenschaftlichen Auseinandersetzung – ganz im Gegenteil – sondern wurden von der Politik einfach ignoriert und am Ende, bis zur von Margaret Thatcher und Ronald Reagan herbeigeführten „konservativen Wende“ im Vereinigten Königreich und in den USA, beinahe völlig vergessen.

Das verwundert in der Rückschau deshalb, weil die Theorie der „Austrians“ die einzige ist, die eine konsistente Begründung für das Entstehen jener Konjunkturzyklen bietet, um deren Erklärung und Bekämpfung sich sowohl Keynesianer als auch Monetaristen seit vielen Jahrzehnten erfolglos bemühen. Dagegen warnten sowohl Mises als auch Hayek noch kurz vor dem Börsenkrach des Jahres 1929 in mehreren Publikationen vor einer dräuenden Rezession!

„Stagflation“ (steigende Preise bei sinkender Nachfrage) – also das, was uns nun blüht, dürfte es in der Welt des staatlich orchestrierten Dauerbooms à la Keynes gar nicht geben. Arbeitslosigkeit und Armut sind Phänomene, die in dieser märchenhaften Welt überhaupt keinen Platz haben und daher längst ausgemerzt sein sollten.

Aber, wie uns schon Bert Brecht in seiner Dreigroschenoper wissen ließ: „Die Verhältnisse, sie sind nicht so.“ Die dieser Tage auch von der rotschwarzen Regierung Kakaniens verkündete Absicht, die Wirtschaft durch ein milliardenteures Konjunkturprogramm „ankurbeln“ zu wollen ist fadenscheinig, kurzsichtig und bedeutet per Saldo eine gewaltige Hypothek, welche sich in schon demnächst zu erhöhenden Steuern und/oder einer galoppierenden Inflation (man denke dabei etwa an die Jahre 1922/23!) manifestieren wird.

Faktum ist: Die „Wirtschaft ankurbeln“ kann nur derjenige, der über eigenes Geld verfügt; der sparsame Bezieher produktiver Einkommen. Er überlegt sich sorgfältig, was er mit seinem sauer verdienten Geld anfangen soll. Ob er es spart (und damit entweder selbst direkte Investitionen tätigt oder diese Dritten ermöglicht), ob er es konsumiert oder ob er seinen Barbestand erhöht. Der Staat dagegen pflegt einen notorisch unbekümmerten Umgang mit „seinen“ Finanzen. Er ist selbst naturgemäß unproduktiv und vermindert, indem er den Bürgern ihr Geld aus der Tasche zieht, deren Investitionsmöglichkeiten, um damit Brot und Spiele – also Konsumaufwand zwecks Stimmenkauf – zu finanzieren. Deshalb ist als einziger Teil der vom Parlament nun halbjährlich beschlossenen „Konjunkturmaßnahmen“ jener zu begrüßen, der eine Nettoentlastung der Steuerzahler mit sich bringt: also eine (lächerlich magere) Steuersenkung.

Wer aber Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Ausgaben zu senken gedenkt, kann dies nur über weitere Schulden tun – und das kostet! Der Bewegungsspielraum der Bundesregierung wird sich durch den enorm steigenden Zinsendienst weiter stark einschränken (das sind die aus der Erhöhung der Staatsschulden im Gefolge der bislang beschlossenen „Konjunkturmaßnahmen“ resultierenden Kosten, mit denen – ganz nebenbei – die „Maastrichtkriterien“ verletzt werden).

Allerdings ist den Regierungen zu konzedieren, dass kaum Alternativen zur Synchronisation ihrer Maßnahmen mit dem Rest der keynesianisch verstrahlten Welt bleiben – auch wenn F. A. Hayek in seinem Wiener Grab rotiert…

Dennoch sollte niemals vergessen werden, dass es in der Natur staatlicher Lenkungseingriffe in die Wirtschaft liegt, damit einen Teufelskreis in Gang zu setzen. Am Ende sind es regelmäßig Maßnahmen auf der Ausgabenseite (das heißt konsequentes Sparen!), die ein Ende des Konjunkturabschwungs bewirken werden – auch, oder gerade deshalb, weil die politische Kaste weltweit anderer Ansicht ist.

09. April 2009

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