Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Internationaler Aktionstag: Dräut die vierte Komintern?

von Andreas Tögel

Über den Antikapitalistensabbat

03. April 2009

„Wir zahlen nicht für eure Krise!“ lautete am 28. März das Motto einer bunten Schar ideologisch gefestigter Propagandisten der Planwirtschaft. Es war ihr Beitrag zur Bewältigung des globalen wirtschaftlichen Niedergangs an ihrem eigenen „internationalen Aktionstag“. Tatsächlich folgte auch in Österreich eine beachtliche Zahl von Berufsdemonstranten dem Appell und ging auf die Straße. Nichts leichter, als eine Rezession hinwegzuprotestieren – oder?

Ehe man sich mit den recht konkreten Forderungen der Aktivisten auseinandersetzt, lohnt ein Blick in die Liste jener 265 Organisationen, die in Österreich Seite an Seite für das von „Attac“ verheißene, sozialistische Paradies demonstrierten. Dass die KPÖ-Frauen, die Gewerkschaft Vida, der VSStÖ oder die Grüne Bildungswerkstatt dabei waren, verwundert nicht. Dass zahlreiche katholische Verbände (wie die „Katholische Sozialakademie“ oder die „Katholische Aktion“) mitmarschierten, deren ganzer Ehrgeiz seit Jahren dem einzigen Ziel zu gelten scheint, die Kommunisten links zu überholen, ist auch keine wirkliche Überraschung. Etwas weniger einleuchtend erscheint indessen das klassenkämpferische Engagement einer „IG-Fahrrad“, der Volksschule Neufelden oder einer „Plattform für spirituelles Erwachen“.

Worum es den erzürnten Genossinnen und Genossen geht, enthüllt deren Internetauftritt: in erster Linie um eine „demokratische Kontrolle der Finanzmärkte“, und in deren Rahmen selbstverständlich um die „strenge Regulierung aller Akteure und Produkte“. Ein bemerkenswerter Gedanke! Jene älteren Semester unter uns, die das Privileg hatten, zu Zeiten der vor 20 Jahren selig entschlafenen Arbeiter- und Bauernparadiese „DDR“ und UdSSR dieselben zu bereisen, wissen aus eigenem Erleben, welch großartige Sache es ist, wenn anstatt skrupelloser, engstirnig auf ihren eigenen Vorteil bedachter Plutokraten, eine ebenso selbstlose wie allwissende Staatsbürokratie die Güterproduktion und -Zuteilung erledigt. Wer verspürt nicht – angesichts der selbstverständlich dem (je nach Gusto um Raubtier- oder Casino- zu ergänzenden) „Kapitalismus“ geschuldeten Krise – den Wunsch, diesen herrlichen Zustand diesmal möglichst weltumspannend wiederherzustellen?!

Die von den Herolden des Sozialismus erhobenen Forderungen nach Mindestlohn, Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnverzicht, höherem Arbeitslosengeld und „repressionsfreier Grundsicherung“ sind bestimmt – ganz besonders in Zeiten der wirtschaftlichen Depression – das beste Mittel zur Schaffung oder Erhaltung dringend benötigter Arbeitsplätze. Wird doch dadurch das Überleben oder die Gründung produktiver Unternehmen zweifellos nachhaltig begünstigt. Merke: Gewinne (als treuer Jünger Marx´ wählt man bevorzugt den pejorativen Begriff „Profite“) oder zumindest die Aussicht darauf, solche zu erwirtschaften, dürfen im sozialistischen Utopia klarerweise kein Handlungsmotiv mehr sein. Der wahrscheinlich den Reihen von Attac oder der Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes entstammende Unternehmer der Zukunft wird sein ganzes Sinnen und Trachten vielmehr in die Bereitstellung von mit Höchstgagen dotierten stressfreien Arbeitsplätzen, sicher aber weder in die Befriedigung von Kundenwünschen (nach hochwertigen, preisgünstigen Waren und Dienstleistungen) oder die Erwirtschaftung eines positiven Betriebsergebnisses setzen.

„Verursacher und Profiteure müssen zahlen“ – eine Forderung, der sich durchaus auch denkende Menschen anschließen könnten. Doch wird von den Protestlern am Ende leider das falsche Schwein geschlachtet: Es sollen nämlich „progressive Vermögenssteuern“ zur Finanzierung der erforderlichen Aufräumungsarbeiten eingeführt werden, anstatt dass von ihnen auch nur ein Gedanke an die Beseitigung des das Debakel begründenden staatlichen Geldmonopols (mit seiner immanenten Inflationierungsneigung) und des System einer Teilreservehaltung der Geschäftsbanken verschwendet würde. Wer nun, da jeder Cent für private Investitionen gebraucht wird, ernsthaft zusätzliche Steuern – noch dazu auf akkumuliertes Kapital, also auf die Basis hoher Arbeitslöhne – fordert, bezieht sein spärliches Wissen um die Mechanismen funktionierender Märkte und der Produktion von materiellem Wohlstand wohl ausschließlich aus der phantasievollen Prosa von „Experten“ wie John Rawls, Naomi Klein, Jean Ziegler und Co.

Der Anspruch auf „alternative Formen des Wirtschaftens“, die auf den Säulen „demokratischer Mitbestimmung“ und „sozialer Gerechtigkeit“ ruhen soll, stellt ein weiteres Kleinod dar. Wir haben den Typus des „Neuen Unternehmers“ bereits weiter oben beschrieben. Zu ergänzen ist noch, dass dieser das von ihm in sein eigenes Unternehmen eingebrachte Kapital künftig dem demokratisch legitimierten Kollektiv seiner Angestellten zur weiteren Verwendung abzutreten hat. Das Risiko des Kapitalverlustes trägt er selbstverständlich weiterhin selbst, während aber die Verfügung über seine Mittel den „ArbeitnehmerInnen“ überlassen bleibt. Das ist – nach den Vorstellungen der neuen Komintern – der proletarische Königsweg, um zu einer prosperierenden Wirtschaft zu kommen. Der Erfolg risiko- und verantwortungsfreier Kolchosensysteme ist ja schließlich hinreichend empirisch belegt…

Würde Karl Marx heute wiederauferstehen, wäre er vermutlich entsetzt zu sehen, wohin seine Ideen geführt haben. Er würde als analytisch begabter Mann die vernichtende Kritik seiner „Arbeitswerttheorie“, die einen zentralen Baustein seiner ökonomischen Betrachtungen bildet, durch die „Österreichische Schule“ und deren Bestätigung durch den Untergang des Realsozialismus zur Kenntnis nehmen und entsprechende Schlüsse daraus ziehen.

Dass aber – 126 Jahre nach seinem Tod – ganze Horden von erkenntnisresistenten Sektierern mit exakt jenen Rezepten hausieren gehen, die schon bei ihrer 150 Jahre zurückliegenden Formulierung Makulatur waren, ist schlicht erschütternd!

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