27. März 2009

ef 91 Editorial

Intellektuelle Allmachtsphantasien

Die Wirtschaftskrise ist im Bewusstsein der meisten Bundesbürger angekommen, wenn auch noch nicht in ihrem vollen Ausmaß. In den nächsten Monaten werden die Arbeitslosenzahlen deutlich steigen. Immer mehr Menschen werden nach Schutzmöglichkeiten gegen die immer deutlicheren Auswirkungen der Krise fragen. In ef machen wir uns heute schon einmal auf die Suche nach politischen, ökonomischen und mentalen Abwehrmaßnahmen. Die Ergebnisse finden Sie im Schwerpunkt dieser Ausgabe.

Diesseits der Krise wurden die Nachrichten in den letzten Wochen von den schrecklichen Ereignissen in Winnenden bestimmt. Mit den gängigen Analysen, die uns Presse und Politik präsentieren, stimmen wir eigentümlich frei nicht überein. Uns wird gesagt, dass es zu wenig Betreuung und zuviele Waffen in Deutschland gebe, im übrigen sei der Täter vermutlich ein Frauenhasser gewesen und die Eltern treffe möglicherweise eine Mitschuld, keinesfalls aber die Schule. Lesen Sie in diesem Heft, warum wir meinen, dass eher das Gegenteil zutrifft, dass Schüler wie Eltern längst an zuviel psycho- und sozialtherapeutischer Betreuung leiden, dass Schulgebäude und potentielle Opfer erfolgversprechender zu be- als zu entwaffnen sind, dass die staatlichen Schulen – auch als Zentren der Gewalt und als Horte der feministisch motivierten systematischen Benachteiligung von Jungen – grundsätzlich zu hinterfragen sind und dass Eltern sich eher mehr und liebevoller um die Bindung zu ihren Kindern bemühen sollten. Nebenbei: Warum wird eine sorgfältig geplante und eiskalt ausgeführte Tat überhaupt als Amoklauf – malaiisch: meng-âmok, in blinder Wut angreifen und töten – bezeichnet? Weil die offensichtlich viel größeren Parallelen etwa zu islamischen Selbstmordattentätern politisch unkorrekt und daher unaussprechlich sind?

Die Weltwirtschaftskrise im global Großen und Winnenden im schwäbisch Kleinen sind nicht die ersten und sicherlich nicht die letzten furchtbaren Entwicklungen, die wesentlich durch intellektuelle Allmachtsphantasien hervorgerufen wurden. Theodore Dalrymple geht in seinem Beitrag der verhängnisvollen Kraft der Ideologien grundsätzlich auf den Grund. Bleiben Sie unserer Skepsis gegenüber den einfachen Antworten gewogen, getreu unserem Motto: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien! Mehr netto!


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