Ronald Gläser

Jg. 1973, Amerikanist, freier Journalist, lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg.

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Niedergang der CDU: Angela Merkel und die Zonisierung Deutschlands

von Ronald Gläser

Wer hätte das gedacht?

Das bürgerliche Lager ist in Aufruhr. Zum ersten Mal kommt jetzt in Unionskreisen die Debatte auf, die eigentlich schon 2000 hätte diskutiert werden müssen: Kann Angela Merkel CDU-Chefin? Wirtschaftsliberale, Konservative, Vertriebene und Katholiken – sie alle drohen der Union davonzulaufen, weil die Kanzlerin gegen die Grundsätze ihrer Partei verstößt und auch die von ihr selbst ständig beschworene soziale Marktwirtschaft ein ums andere Mal verrät. Die Marktwirtschaftler ärgern sich über die Verstaatlichungsorgien, über die Verschwendung von Steuergeldern durch irrsinnige „Rettungspakete“, über Brüssel und über den Lissabon-Vertrag. Konservative schütteln angesichts von Wickelvolontariat und „Gender Mainstream“ mit dem Kopf. Vertriebene können ihr das Einknicken vor den Polen nicht verzeihen. Die Katholiken sind sowieso schon sauer, weil Merkel vor 16 Jahren die Abtreibung in Deutschland endgültig legalisiert hat; jetzt hat Merkel auch noch den Papst in einer Art angegriffen, die weder Gerhard Schröder noch Erich Honecker je gewagt hätten.

Angela Merkel ist aber nicht die Ursache der Krise, sie ist nur das Symptom. Die Krankheit heißt Ossifizierung. In der letzten „FAS“ fand sich ein längerer, polemischer Debattenbeitrag über die „Deutsche Deprimierende Republik“. All diese oben genannten Vorgänge haben mit dem Vormarsch der DDR in den Westen zu tun. Sicherlich – das sagt auch der Autor Maxim Biller: Auch die alte Bundesrepublik hätte sich weiterentwickelt. Wahrscheinlich nicht zu ihrem Besseren, wenn wir den schädlichen Einfluss der 68er berücksichtigen. Trotzdem gibt es heute bestimmte Dinge, die unzweifelhaft auf die Wiedervereinigung zurückzuführen sind, auf den roten Schuss Farbe, den die Einheit in unser Land gegeben hat. Die Einschränkung sämtlicher bürgerlicher Freiheiten und die Einmischung der Politik in die letzten Bereiche des Privatlebens zum Beispiel. Die Kinderkrippen und die Holocaust-Religion mit Befreiungskult und Sowjetdenkmälern. Biller nennt das den „Holocaust-Rap“. Oder denken wir an den „Weltfrauentag“ vor wenigen Wochen. Den gab es im Westen nicht. Der 8. März ist ein kommunistisches Ereignis, von Clara Zetkin erdacht und von Lenin zuallererst in der ruhmreichen Sowjetunion eingeführt. Und heute? Heute erklärt die CDU per Pressemitteilung am 8. März: „Der Weltfrauentag ermahnt uns dazu, diesen Weg engagiert weiterzugehen“ Vielen Dank auch.

Kein Wunder, denn Maxim Biller kritisiert zu Recht, dass keine richtige Aufarbeitung stattgefunden hat, nicht mal eine Wende, die diesen Namen auch verdient: „Das neueste deutsche Malheur fing damit an, dass die Revolution von 1989 keine war. Die Gegner des Westens und der Demokratie, die SED-Ober-, Mittel- und Unter-Chefs, die Staatssicherheits-Berijas und ihre willigen Helfer landeten, bis auf lächerlich wenige Ausnahmen, nicht vor Richtern und in Gefängnissen.“ Stattdessen wurde sofort mit dem Verzeihen begonnen. Der Möchtegern-Kanzler Rudolf Scharping erklärte, er wissen nicht, wie er sich verhalten hätte, sei womöglich „ein schweigender, duldender Hasenfuß“ geworden. Und auch der „Second-Hand-Bismarck Helmut Kohl“, der seine Macht 1990 durch die sofortige Rehabilitierung der Ost-CDU-Mitläufer ausbaute, sagte, er wäre wahrscheinlich auch ein Mitläufer geworden, wenn er in der DDR gelebt hätte. Schließlich Merkel. Über sie sagt Biller: „Das alles machte der stalinhaft-klammheimlichen Kohl-Killerin Merkel Mut, und sie erklärte plötzlich immer öfter, immer lauter, immer schamloser: ‚Ich war keine Heldin. Ich habe mich angepasst.’ Eine solche Extrem-Untertanin darf jetzt also das Drehbuch von sechzig Millionen westdeutschen Leben umschreiben.“

Aus Anpassung, folgert Biller, sei ein neudeutscher Kollektivismus entstanden. Der äußere sich jetzt unter anderem darin, dass Kinder auf Zeugnissen für ihr „Einfügen in die Gruppe“ benotet werden. „Noch unappetitlicher und folgenreicher ist das langsame, alles vergiftende Verschwinden des Ich, des Individuums und seiner Schönheit aus dem gesellschaftlichen Diskurs. Der Einzelne, der in Deutschland nie besonders viel zählte, aber in der coolen BRD noch am meisten, was die zu jenem einmaligen deutschen Staat in der langen Geschichte der deutschen Staaten machte, zählt fast nichts mehr. Gut gehen soll es nur noch der Gemeinschaft, die in der DDR Kollektiv hieß, diesem grauen, amorphen Konstrukt, das von der Obrigkeit besonders einfach gesteuert werden kann.“

Nicht alles in dem Aufsatz stimmt. Bei weitem nicht. Die antipreußische Haltung nervt ungemein. Natürlich ist Kadavergehorsam falsch, aber der ist eher das Produkt antipreußischer Propaganda und hat wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Da ist auch der Überreflex, wenn es gegen „provinziellen, für immer bolschewisierten Duckmäuserossis“ geht. Da wird Biller persönlich beleidigend. Niemand kann dafür, wenn er in der Zone groß geworden ist. Wären meine Eltern nicht kurz vor meiner Geburt so mutig gewesen, ihr Leben (und meins) bei ihrer Flucht nach Westberlin aufs Spiel zusetzen, dann wäre ich auch in Berlin-Friedrichshain groß geworden – und nicht in Berlin-Tempelhof. Die DDR hat siebzehn Millionen Menschen und fünf neue Länder „in die Einheit mit eingebracht“ (so lautete 1990 eine lebhafte Diskussion über das, was bleibt von der Zone). Das war doch was. Leider hat das nicht gereicht. Der Rest liegt uns jetzt schwer im Magen. Auf diesen Rest aber, den politischen und kulturellen Unrat von Marx bis Merkel, hätte ich gerne verzichtet.

Noch nicht überzeugt? Lesen Sie zum Schluss aufmerksam folgende Zeilen: „Merkel hat nicht nur genau gelernt, ihre wirkliche Meinung zu verbergen, sondern immer auch dann nur aus der Deckung zu treten, wenn sie eine bestimmte politische Konstellation zu ihren Gunsten nutzen konnte. Betrachtet man Merkels Wirken vom Beginn ihres politischen Wirkens in den frühen neunziger Jahren bis in das 21. Jahrhundert hinein, begegnet man immer wieder diesem Wechsel zwischen vollkommener Zurückhaltung und vereinzelten, kühl kalkulierten Auftritten, die jeweils dem Ausbau ihrer Macht dienten.“ Stimmt doch alles, oder? Das Hässliche daran: Diese zwei Sätze stammen nicht von mir und sind nicht auf Merkel gemünzt. Geschrieben hat sie Wolfgang Leonhard, der Papst der Kommunismus-Forschung. Ändern Sie den Namen und die Zeitangabe, und schon haben Sie die Charakterisierung Josef Stalins in Leonhards neuem Buch „Anmerkungen zu Stalin“. Die Ossifizierung ist tatsächlich inzwischen viel zu weit vorangeschritten.

Internet

Deutsche deprimierende Republik

24. März 2009

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Kommentare

Horst E. Böttcher , am 24. März 2009 um 23:32 ( Link )

Ich bin kein Wirtschaftsliberaler, Konservativer, Vertriebener oder Katholik und kann daher die Kritik an Frau Merkel nicht nachvollziehen. Die genannten Gruppen sind mir im Gegenteil sehr suspekt und wenn diese gegen die Kanzlerin Sturm laufen okay, das ist eigentlich ein Gütesiegel! Sie hat eine liberale, vor allem undogmatische und unideologische Politik betrieben und daher kann ich mich mit ihr identifizieren. Besonders dass sie die katholische Abtreibungs-Hysterie unterbunden hat und dem Papst gegenüber klare Worte gefunden hat, rechne ich ihr hoch an. Was ist an den Internationalen Frauentag verkehrt? Jeder Tag ist praktisch irgendeinem Thema gewidmet und auf wen das zurückgeht interessiert doch nicht. Ich könnte in diesem Jahr vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben CDU wählen!

Waldmeister , am 24. März 2009 um 23:36 ( Link )

...und so verlieh Horst E. Böttcher dem Demokratenstaat sein ganz eigenes, besonderes Gütesiegel...

:-)

Konservativer , am 25. März 2009 um 1:37 ( Link )

"Ohne die Wiedervereinigung wäre bei uns alles nicht so schlimm gekommen blablabla..."

Manchmal kotzen mich die Jammer- Wessis einfach bloß an.

Darum mal in Sachen Linksrutsch der BRD zur Erinnerung: Lafontaine ist Saarländer, nicht Sachse. Die Grünen sind ihrem Spitzenpersonal nach eine reine Westpartei. Die Stammhäuser und Chefredaktionen der roten Mainstreammedien sitzen in Hamburg, Köln, Frankfurt und München, nicht in Rostock, Halle oder Dresden. Ein Gerücht dürfte es auch sein, dass die unter F.J. Strauß noch konservative CSU einer brandenburgischen Verschwörung zum Opfer gefallen und nur darum ein Schatten ihrer selbst ist.

Doch es soll ja speziell um die CDU und deren Entwicklung gehen. Heiner Geißler, Rita Süssmuth, Norbert Blüm & Co. haben die Entwicklung der Union wesentlich geprägt. Aber hatten sie ihre Wahlkreise wirklich in Thüringen? Schließlich und aktuell Frau von der Leyen - sie hat ihre radikalfeministische Lektion in Hannover gelernt. Und das liegt zwar vergleichsweise nahe bei aber dennoch nicht in Sachsen- Anhalt. Dass sich diese Truppe heute mit einer gelernten FDJ- Sekretärin an der Spitze schmückt, ist da nur noch folgerichtig. Selbige welche dürfte in ihrem Herzen nicht einmal links sein - sie ist einfach nur opportunistisch. Übrigens ganz so, wie sie es bei ihrem Ziehvater Kohl gelernt hat.

JohnGalt , am 25. März 2009 um 6:52 ( Link )


Ich bin kein Wirtschaftsliberaler, Konservativer, Vertriebener oder Katholik und kann daher die Kritik an Frau Merkel nicht nachvollziehen. Die genannten Gruppen sind mir im Gegenteil sehr suspekt und wenn diese gegen die Kanzlerin Sturm laufen okay, … Ich könnte in diesem Jahr vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben CDU wählen!

Quod erat demonstrandum!!!

Goldelse , am 25. März 2009 um 9:23 ( Link )

Ich habe den Artikel in der FAZ schon vor 2 Tagen gelesen. Diesem Kommentar heute ist voll zuzustimmen.

Unter Merkel wurde die CDU noch beliebiger als sie im Laufe der Zeit ohnehin schon wurde, aber diese Partei sollte bedenken, dass, wer zwischen den Stühlen sitzt, durchfällt. Mit ihrem derzeitigen sozialistischen Fürhrungsstil holt sie tatsächlich keine Wirtschaftsliberalen, Konservativen, Vertriebenen und Katholiken an die Wahlurne. Wer die Merkelpartei wählt und wer mit ihr sympathisiert, hat dieselben sozialistischen Anschauungen wie sie. Ich wünsche mir mal jemanden in der Politik, der Klartext redet, wofür er steht.
Oben angeführten Gruppen haben zur Zeit keine wahlpolitische Heimat. Und so wird die Gruppe der Nichtwähler immer größer.

Noack , am 25. März 2009 um 9:29 ( Link )

@ Konservativer: Meine volle Zustimmung!
Ich habe mir eine pauschale Unterscheidung zwischen Ossis und Wessis im Laufe der Jahre abgewöhnt. Der Hang zum Kollektivismus ist deutschlandweit verbreitet und zeigt je nach Himmelsrichtung nur unterschiedliche Nuancen und Akzente.
Widerspruch ist angebracht, wenn sich in dieser Situation jemand von "außen" (aus Sicht von Herrn Gläser also vom Alexanderplatz in Berlin oder gar vom Roten Platz in Moskau) bedroht fühlt und dort die Wurzel aller Übel verortet. Psychologisch vielleicht verständlich aber einfach an der Realität vorbei.

FritzLiberal , am 25. März 2009 um 10:06 ( Link )

@Horst E. Böttcher: IM Erika hat Ihrer Meinung nach eine "liberale Politik" gemacht? Was immer Sie auch einnehmen - nehmen Sie weniger davon!

freiheitistunteilbar , am 25. März 2009 um 15:56 ( Link )

@Konservativer:


"Ohne die Wiedervereinigung wäre bei uns alles nicht so schlimm gekommen blablabla..."
Manchmal kotzen mich die Jammer- Wessis einfach bloß an.
Darum mal in Sachen Linksrutsch der BRD zur Erinnerung: Lafontaine ist Saarländer, nicht Sachse. Die Grünen sind ihrem Spitzenpersonal nach eine reine Westpartei. Die Stammhäuser und Chefredaktionen der roten Mainstreammedien sitzen in Hamburg, Köln, Frankfurt und München, nicht in Rostock, Halle oder Dresden. Ein Gerücht dürfte es auch sein, dass die unter F.J. Strauß noch konservative CSU einer brandenburgischen Verschwörung zum Opfer gefallen und nur darum ein Schatten ihrer selbst ist.
Doch es soll ja speziell um die CDU und deren Entwicklung gehen. Heiner Geißler, Rita Süssmuth, Norbert Blüm & Co. haben die Entwicklung der Union wesentlich geprägt. Aber hatten sie ihre Wahlkreise wirklich in Thüringen? Schließlich und aktuell Frau von der Leyen - sie hat ihre radikalfeministische Lektion in Hannover gelernt. Und das liegt zwar vergleichsweise nahe bei aber dennoch nicht in Sachsen- Anhalt. Dass sich diese Truppe heute mit einer gelernten FDJ- Sekretärin an der Spitze schmückt, ist da nur noch folgerichtig. Selbige welche dürfte in ihrem Herzen nicht einmal links sein - sie ist einfach nur opportunistisch. Übrigens ganz so, wie sie es bei ihrem Ziehvater Kohl gelernt hat.

Und noch viel schlimmer sind diese Jammer-Ossis, diese Undankbare mit mehreren Billionen Steuergeldern... ;-))

Es ging dem Autor nicht um diesen pauschalen kollektivistischen Schwachfug von Ossis und Wessis, er sieht in den einfließenden DDR Strukturen eher den Brandbeschleuniger.

Niemand kann dafür, wenn er in der Zone groß geworden ist. Wären meine Eltern nicht kurz vor meiner Geburt so mutig gewesen, ihr Leben (und meins) bei ihrer Flucht nach Westberlin aufs Spiel zusetzen, dann wäre ich auch in Berlin-Friedrichshain groß geworden – und nicht in Berlin-Tempelhof. Die DDR hat siebzehn Millionen Menschen und fünf neue Länder „in die Einheit mit eingebracht“ (so lautete 1990 eine lebhafte Diskussion über das, was bleibt von der Zone). Das war doch was. Leider hat das nicht gereicht. Der Rest liegt uns jetzt schwer im Magen. Auf diesen Rest aber, den politischen und kulturellen Unrat von Marx bis Merkel, hätte ich gerne verzichtet.

Noack , am 25. März 2009 um 16:37 ( Link )

Es geht eben nicht um die einfließenden DDR-Strukturen sondern vielmehr um einfließende sozialistische Strukturen. Ob sie nun in Frankreich erdacht, in der BRD gewünscht oder in der DDR umgesetzt waren, ist dabei ziemlich egal. Die Impulse für solche Tendenzen kommen heutzutage m.E. weniger von ostdeutscher Seite mit zugegebenermaßen unerträglichem Nostalgiegerede als von den schon lange in diese Richtung agierenden und etablierten Parteien oder Vereinigungen im Westen Deutschlands.
Und noch eine Anmerkung: Mir sind die Entwicklungen in der CDU wirklich sch...egal! Solange ich diese Partei erleben durfte, hat sie niemals Standpunkte vertreten, die man auch nur annähernd liberal nennen könnte. Der Artikel liest sich so, als ob die Liberalen mit dem Anbruch der Ära Merkel eine Plattform verloren hätten. Und das ist doch abwegig.

familienwehr.de , am 25. März 2009 um 23:08 ( Link )

Wenn man derart an Sozialismussymptomen erkrankt ist, kann das nur an einer ausgeprägten Imunschwäche liegen. Diese ist das Ergebnis des Marsches der extremen westdeutschen Linken durch die Institutionen.
Neufünfland hingegen genügt heute weit mehr seinen Vorurteilen als noch vor 1989, da die letzten Freigeister gen Westen gezogen sind, um prosperieren zu können. Der antisozialistische Widerstand im Westen wird überproportional von SBZ-Sozialisierten organisiert.
Dem linken Zeitgeist des Westens sind 1989 die Fesseln abgenommen worden, die wenigen (15Mio) Repräsentanten der Jahrzehnte währenden Negativselektion im Osten, taugen heute zu kaum mehr, als zum Treibholz der Geschichte.
Soviel gutmenschelnder Realsozialismus wie in Westdeutschland war in der SBZ nie. Das war für mich der erstaunlichste Eindruck nach dem Verlassen der Zone (nach Stasihaft).

dickbrettbohrer , am 26. März 2009 um 5:43 ( Link )

Es gehört zum Wesen des (naiven und wenig selbstkritischen) Menschen, den Feind immer nur außerhalb seiner selbst dingfest machen zu wollen. (Motto: schuld ist immer der andere.) Viel gefährlicher jedoch ist der Feind, der im Inneren wirkt, der Denken und Herzen verwirrt wie ein Virus. Wenn ein Organismus oder eine Gesellschaft schwächelt und tatsächlich, wie es scheint, von außen überwältigt wird, so sind dies die Folgen der eigenen "Immunschwäche", wie famlienwehr.de schrieb. Das bereitet sich lange und allmählich vor und wird nur von wenigen erkannt. Die Gutmenschen erweisen sich hierbei als verläßliche Stützen der innenwirksamen Zerstörung, die dann scheinbar plötzlich und "unerwartet" eintritt.

Ebenherz , am 26. März 2009 um 14:32 ( Link )

Ich schaue seit nunmehr neun Jahren aus dem Ausland auf Deutschland, und sehe die Dinge groesstenteils ebenso. Der Hang zum Totalitaeren, das Verschwinden des 'Ich' oder der Hass auf alles Preussische.
Alles das sehe ich sehr wohl, und es macht mir als Ossi sehr flaue Gefuehle.

Sie richten Ihre Kritik darueber hauptsaechlich auf Frau Merkel. Ich denke, es ist viel schlimmer.

Frau Merkel versucht zu ueberleben unter Umstaenden, die fuer den einzelnen Abweichler sehr gefaehrlich sind. Nennen wir das Kind doch beim Namen: Wer ist noch sicher? Friedmann, Reich-Ranicki , ZdJ usw. usw.

Das ist kein antisemitisches Statement. Nichts gegen Reich-Ranicki, er hat meinen Respekt. Es ist ganz einfach die Realitaet.

Zudem scheinen mir saemtliche wichtige Positionen vor allem der Medien in den Haenden von Alt-68gern. Jene ehemahligen Sympathisanten von Baader & Co. scheinen noch immer vom Paradies auf Erden zu traeumen. Und je mehr es sich (wieder einmal) als praktisch nicht durchfuehrbar herausstellt, desto aggressiver scheinen sie es dennoch zu versuchen.

Die Krise auf dem Ruecken der Bevoelkerung macht es nicht einfacher die Scharlatane aus dem Sattel zu heben. In schlechte Zeiten war schon immer Hochkonjunktur fuer die Rattenfaenger. Man kann sie taeglich im Fersehen bestaunen mit ihren hirnverbrannten 'Loesungen'.

Frau Merkel allein wird es nicht mehr richten. Selbst eine Gruppe in starken Positionen wird es schwer haben. Starke Opposition wird man nicht mehr dulden. Die Mittel sind bekannt.

Ehrlich gesagt, bin ich im Moment sehr ratlos.

Shuca , am 27. März 2009 um 21:26 ( Link )

@Horst E. Böttcher
Was ist hier los?Sie sprechen von katholischer Abtreibungshysterie?Die katholische Kirche muß gegen Abtreibung sein,denn sonst hört sie auf zu existieren.Ich kenne durch Zufall die Meinung von Angelas Mutter zur Abtreibung.Ihre Meinung dazu kenne ich nicht.Aber das kommt davon wenn mann sich nur für Angela Dorothea Kasner interessiert.

Shuca , am 27. März 2009 um 21:50 ( Link )

Ich glaube nicht das die 68ziger Revolte Zufall ist.Wenn Kinder ihren Eltern vorwerfen das sie Nazis sind und deswegen glauben keinen über 30 zu trauen,dann ist der Schwachsinn Methode.Hier stimmt irgendwas nicht.Der Zustand des deutschen Volkes ist besorgniserregend.Ich persönlich glaube das von der Leyen mit Absicht falsche Geburtenzahlen für das Jahr 2008 veröffentlicht hat.Die Frauen die heute Kinder kriegen müßten sind doch schon tot.

Horst E. Böttcher , am 28. März 2009 um 14:27 ( Link )

@Shuca

Es ist das gute Recht der katholischen Kirche, sich gegen Abtreibung zu stellen. Sie hat aber kein Recht darauf, dass diese Meinung auch in die Gesetzgebung einfliesst. Praktisch alle Industrieländer haben heute eine Regelung, die Abtreibung innerhalb einer bestimmten Frist erlaubt. Damit ist das Thema für den Staat vom Tisch. Wenn die katholische Kirche so sehr gegen Abtreibung ist, dann sollte sie sich für Empfängnisverhütung, Aufklärung und Sexualkunde-unterricht stark machen. Aber das ist für den Papst ebenfalls tabu. Die Katholische Kirche ist in diesem Punkt im abseits und die Kanzlerin tut gut daran, diese eher zu ignorieren. Was Frau Angela Merkel oder ihre Mutter persönlich über Abtreibung denken, ist völlig irrelevant. Persönliche Meinungen sollten niemals zum Gesetz werden.

Shuca , am 28. März 2009 um 17:09 ( Link )

@Horst E. Böttcher
Jetzt verstehe ich das Urteil des Verfassunggsgerichtes zur Abtreibung.Ich kann mich dunkel erinnern das Abtreibung nach dem Grundgesetz Unrecht ist , aber nicht bestraft wird.
Ich komme damit trotzdem nicht ganz klar.Industrieländer haben Fristen gesetzt. Wo endet eigentlich die Frist.Vielleicht bis eine halbe Stunde vorm Kreissal.Das Aufklärung und Sexualkunde-unterricht Abtreibung verhindert,daran glauben sie doch selber nicht.Es geht um ganz was anderes.Wir bestimmen wer geboren wird und am Ende werden wir auch bestimmen wer,wann zu sterben hat.Effizienz und Kosten sind das 1.Gebot einer marterialistischen Gesellschaft.Man könnte auch sagen einer Gottlosengesellschaft.

Shuca , am 29. März 2009 um 0:17 ( Link )

@Horst E. Böttcher
Es läßt mich keine Ruhe.
Wenn ein Gericht laut Grundgesetzt ein Unrecht festellt und trotzdem sagt ihr könnt es ungestraft weiter tun.Was ist das?Also ich als Katholik vor dem Konzil werde keinen umbringen,ich werde keinen betrügen,ich werde kein falsches Zeugnis aussagen gegen jedermann , aber ich werde mit tiefster Verachtung auf die Gesetze von den Mächtigen dieser Welt schauen.Ich gönne Zumwinkel seine Burg am Gardasee,aber die Verkäuferin die nach 30zig jähriger Arbeit im Betrieb wegen 1,30 Euro entlassen wird,tut mir leid.Kommen sie ja nicht mit den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland.
Per Mariam ad Christum.

Horst E. Böttcher , am 29. März 2009 um 16:33 ( Link )

@ Shuca

Das BVerG-Urteil zum Schwangerschaftsabbruch war in der Tat etwas diffus. Es hat aber die Möglichkeit einer pragmatischen Lösung eröffnet. Das ist was zählt!
Doch ich glaube sehr wohl, dass Aufklärung und Verfüg-barkeit von Verhütungsmitteln die Zahl ungewollter Schwangerschaften reduziert. Es ist doch nur liberal wenn man es den Menschen selbst überlässt, ob Sie Nachwuchs haben oder nicht. Um die Geburtenzahl wieder zu steigern wurden jetzt mit der Kindebetreuung und anderen Massnahmen Anreize gesetzt Familie und Beruf zu vereinbaren. Das ist vernünmftiger als die Dogmen der Kirche.

Satanas , am 30. März 2009 um 12:49 ( Link )

@Horst E. Böttcher


Es hat aber die Möglichkeit einer pragmatischen Lösung eröffnet. Das ist was zählt!

Da irren sie sich! Letztlich zeigt dies, das die Institutionen aneinander vorbeiregieren und dadurch noch schlechter kontrollieren sind (wenigstens von den Untertanen).


Um die Geburtenzahl wieder zu steigern wurden jetzt mit der Kindebetreuung und anderen Massnahmen Anreize gesetzt Familie und Beruf zu vereinbaren.

Der Staat sollte keine Anreize und keine Abreize setzen. Ohnehin ist es ein Irrwitz erst die Kinder in den Schulen mit unserem Zeitgeist zu indoktrinieren (meine Schulklasse wurde einmal von der Lehrin gefragt: Ich kann mir nicht vorstellen, daß hier jemand Kinder will - oder?) um dann "Anreize" zu schaffen. Auch daß man über die Steuerpolitik erst die Frauen zwingt (und über den Zeitgeist drängt) zu arbeiten, um dann (mit Steuer geldern) die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern (und nebenbei auch die Kinder zu verstaatlichen) ist einfach Unsinn. Der Staat sollte sich insgesamt heraushalten.


Das ist vernünmftiger als die Dogmen der Kirche.

Auf jeden Fall ist es ein Irrwitz.

Horst E. Böttcher , am 30. März 2009 um 14:19 ( Link )

@Santanas

Das sehe ich ganz einfach anders!

Das Recht entwickelt sich weiter; noch in den 50'er
Jahren hat das BVerfG die Strafbarkeit homosexueller Handlungen als mit dem Grundgesetz vereinbar erklärt. Das wäre heute bestimmt nicht mehr der Fall!

Dass Lehrer ihre persönlichen Meinungen im Unterricht weitergeben, ist bedauerlich aber wohl menschlich. Ich hatte noch einen Lehrer, der im Staatsbürgerkunde-unterricht fragte: "SPD - kann man die überhaupt wählen?"

Ich kann nichts negatives an dem staatlichen Angebot der Kinderbetreuung sehen.

Satanas , am 30. März 2009 um 14:31 ( Link )

@Horst E. Böttcher


Ich kann nichts negatives an dem staatlichen Angebot der Kinderbetreuung sehen.

Denken Sie nicht, man sollte wenigstens dieses Angebot nicht wahrnehmen dürfen? Immerhin kann man sich die Lehrer nicht/kaum aussuchen.

Die staatliche Kinderbetreuung ermöglicht es dem Staat doch, seinen Einfluß auf die Gesellschaft immer weiter auszudehnen.

Horst E. Böttcher , am 31. März 2009 um 10:55 ( Link )

@Satanas
Meines Wissens ist die Kinderbetreuung frewillig.
Sowohl Schulen wie Kindergärten haben immer einen Einfluss auf die Kinder. Aber da ist mir ein neutraler demokratischer Staat lieber als Kirchen oder Privat-institute, die dann ihre Vorstellungen vermitteln wollen.


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