24. März 2009

Klimawandel Die einzig rationale Antwort

Vor schlechtem Wetter schützt uns am besten die wirtschaftliche Freiheit einer kapitalistischen Gesellschaft

Wie würden wissenschaftliche Laien über eine ehrlich geführte wissenschaftliche Debatte über den Klimawandel denken, fände eine solche Debatte tatsächlich statt? Für welche Seite würden sie sich entscheiden? Die überwältigende Mehrheit würde die Debatte wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen. Sicher, interessierte Laien würden ihre Meinungen austauschen. Die Debatte hätte aber auf den Lebensverlauf der Mehrheit ungefähr so viel Einfluss wie die teilweise sehr heftig geführte Debatte darüber, was genau das Aussterben der Dinosaurier ausgelöst hat.

Mit seiner Indifferenz würde das Publikum instinktiv richtig reagieren. Denn auf virtuelle, angenommene, vermutete, zukünftig möglicherweise sich zeigende Probleme zu reagieren birgt ein höheres Risiko als die Reaktion auf ein unmittelbares, greifbares, sinnlich erfassbares Problem. Wer sich mit einem vermuteten zukünftigen Problem intensiv befasst, kann gerne auf eine Lösung spekulieren, Zeit und Geld darin investieren und einen Gewinn erwirtschaften – oder einen Verlust erleiden, sein Problem. Wer aber andere in Panik versetzt, um an deren Steuergelder heranzukommen, um damit ohne eigenes Verlustrisiko zu spekulieren – womit die gegenwärtige Klimapolitik beschrieben wäre – wird mit aller Wahrscheinlichkeit gigantische Fehlinvestitionen tätigen, mal ganz abgesehen vom moralischen Aspekt der Lüge. Diese Mittel fehlen dann, wenn tatsächlich ein vom Klimawandel erzeugtes Problem auftaucht, dessen Lösung nicht mehr warten kann.

Würde das Kyoto-Protokoll vollständig umgesetzt, also auch von den USA, würden etwa 150 Milliarden Dollar pro Jahr in die Verminderung des CO2-Ausstoßes gesteckt. „Wenn wir das ein Jahrhundert lang machen“, hat der dänische Statistiker und bekannte Renegat der Umweltbewegung Bjön Lomborg errechnet, „hätten wir im Jahr 2100 die globale Erwärmung um fünf Jahre verzögert. Die Temperatur, die wir im Jahr 2100 bekommen hätten, würden wir im Jahr 2105 sehen. Der Mensch in Bangladesh, der im Jahr 2100 umziehen müsste, weil sein Haus unter Wasser steht, könnte nun bis 2105 warten. Das hilft ein wenig, ist aber nicht sehr gut im Vergleich zu dem, was mit dem Geld im Verlauf des 21. Jahrhunderts hätte gemacht werden können.“

Lomborg, der selber kein Klimaskeptiker ist, schlägt daher vor, dass alle Länder statt dessen 0,05 Prozent ihres Bruttosozialprodukts in die Forschung und Entwicklung von CO2-emissionsfreien Energietechniken stecken sollten. Das wären mit etwa 25 Milliarden Dollar pro Jahr ungefähr ein Sechstel des Kyoto-Programms. Lomborg: „Damit würde keine CO2-Reduktion stattfinden, was uns derzeit ein gutes Gefühl vermittelt, aber wir würden zukünftige Generationen in eine viel bessere Lage versetzen, mit dem Klimawandel umzugehen.“

Das ist schon besser als die Verschwendungssucht von Kyoto und die Ansätze, im kommenden Dezember auf der Kyoto-Folgekonferenz in Kopenhagen diese Verschwendung noch zu toppen.
Doch Lomborgs Lösung basiert, wie Kyoto, ebenfalls auf Steuerzwang und birgt damit ebenfalls die Gefahr von Fehlinvestitionen, Vetternwirtschaft und Korruption. Eine wahrhaft liberale Antwort auf die möglicherweise existente Gefahr für den Menschen durch Klimawandel – ob von ihm verursacht oder nicht – hat ein Ökonom formuliert. Techniker und Naturwissenschaftler neigen zu technischen Lösungen, ohne an die Kosten zu denken. Ökonomen sind zwar naturwissenschaftlichen Laien, können jedoch Hinweise darauf geben, wie eine möglichst kostengünstige Lösung gefunden werden könnte – ohne auf technische Details eingehen zu müssen.

George Reisman, der in der Tradition der österreichischen Schule der Ökonomie steht, denkt, ganz wie sein Lehrer Ludwig von Mises, vom Individuum aus: „Nur Individuen denken und nur Individuen handeln.“ Daraus folge zwingend, dass nur Individuen für ihre Handlungen zur Verantwortung gezogen werden dürfen. Doch die befürchteten „großen“ Umweltgefahren wie Klimaerwärmung, Ozonabbau und so weiter werden, wenn sie überhaupt vom Menschen verursacht sind, allesamt nur vom Menschen als Kollektiv erzeugt. Nur in der Masse verursachen die Menschen – einigen Naturwissenschaftlern zufolge – diese Probleme. Ein einziges Auto erzeugt keinen Klimawandel. Eine Milliarde Autos vielleicht schon. Doch hierin liegt das grundsätzliche Handlungsproblem, so Reisman: „ Falls Klimaerwärmung, Ozonabbau oder was auch immer tatsächlich Folgen von Handlungen der Menschen als Kollektiv sind, jedoch nicht von Handlungen irgendeines gegebenen Individuums, auch nicht eines gegebenen individuellen Unternehmens, dann ist es nur richtig, diese entsprechend als Phänomene der Natur zu betrachten. Da sie nicht durch Handlungen individueller Menschen erzeugt werden, entsprechen sie Handlungen, die moralisch überhaupt nicht von Menschen verursacht werden.“

Weiter führt Reisman aus: „Wenn wir die Angelegenheit erstmal in diesem Licht betrachten, wird ersichtlich, welche die angemessene Antwort auf derartige Umweltveränderungen ist. Es ist die selbe angemessene Antwort, wie die des Menschen auf die Natur allgemein. Individuelle Menschen müssen die Freiheit haben, mit der Natur auf eine Weise umzugehen, die ihnen den maximalen individuellen Vorteil erbringt, bedingt allein durch das Verbot, physische Gewalt gegen die Person oder das Eigentum eines anderen individuellen Menschen auszuüben. Indem diesem Prinzip gefolgt wird, wird der Mensch mit jeder negativen Naturgewalt, die als Nebenprodukt seiner eigenen, summierten Handlungen resultieren, auf genau die gleiche erfolgreiche Art umgehen, wie er auch sonst mit den elementaren Gewalten der Natur umgeht.“

Reisman kritisiert an den „Ökologisten“, dass sie bereit sind, die Segnungen der industriellen Zivilisation und des Kapitalismus zu vernichten, nur weil sie angeblich „schlechtes Wetter“ erzeugen. Auf diese Einstellung, die Reisman als irrational kritisiert, sei die angemessene Antwort, „dass wir nicht ein Deut der industriellen Zivilisation opfern werden; und wenn Klimaerwärmung und Ozonabbau tatsächlich zu ihren Konsequenzen gehören, werden wir sie akzeptieren und mit ihnen umgehen - auf so angemessene Weise wie den Einsatz von mehr und besseren Klimaanlagen und UV-Blockern, nicht durch die Aufgabe von Klimaanlagen, Kühlschränken und Autos.“

Reismans noch fundamentalere Antwort auf die Ökologisten ist, „dass die angemessene Reaktion auf Umweltveränderung, sei sie Klimaerwärmung oder eine neue Eiszeit, die wirtschaftliche Freiheit einer kapitalistischen Gesellschaft ist. Früher oder später wird eine derartige Umweltveränderung stattfinden - wenn nicht in diesem neuen Jahrhundert oder gar im neuen Jahrtausend - dann mit Sicherheit irgendwann in der noch ferneren Zukunft. Dann werden riesige Veränderungen in der wirtschaftlichen Aktivität der Menschen notwendig sein. Es werden große Veränderungen in den komparativen Vorteilen auf breitem Feld stattfinden; und die Menschen müssen die Freiheit haben, darauf zu reagieren.“

Die rationale Antwort auf die Möglichkeit großflächiger Umweltveränderungen sei die Etablierung der wirtschaftlichen Freiheit der Menschen, damit umzugehen, falls und wenn sie stattfinden. Kapitalismus und der freie Markt seien die wesentlichen Mittel dazu, so Reisman, nicht paralysierende Kontrollen durch die Regierung oder Ökologismus. Und der Wegweiser sowohl in der Etablierung der wirtschaftlichen Freiheit als auch in jedem anderen wesentlichen Aspekt der Antwort auf Ökologismus sei die Philosophie von Ludwig von Mises und Carl Menger, also die österreichische Denkschule der Ökonomie.

Internet

ef-online: Klimawandel - Ängstliche verweigern Kommunikation

Speaking with a Skeptical Environmentalist (Interview mit Björn Lomborg)

Gedanken der österreichischen Schule der Ökonomie

George Reisman: Ökologismus widerlegt


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