04. März 2009

CDU-Jakobiner und „Bild“-Claqueur Elmar Brok Der Eurokrat hat Blut geleckt

Zu humorvoll im Vergleich mit Horst Schlemmer, zu intolerant in Vergleich mit Thomas Brehl

Er sieht aus wie mein Grevenbroicher Kollege Horst Schlemmer. Aber er ist schlimmer: Der CDU-Eurokrat Elmar Brok fordert heute via „Bild“-Zeitung (wo sonst?) einen europäischen Haftbefehl gegen den „Gedankenverbrecher“ und „Holocaust-Leugner“ Bischof Richard Williamson.

Williamson hatte zwar nicht grundsätzlich bestritten, dass die Nazis Juden in unvorstellbarer Zahl ermordet haben (sondern Zahl und Methode angezweifelt), und in Großbritannien, wo Williamson Staatsbürger ist, werden falsche Meinungen auch nicht mit mehrjährigen Haftstrafen wie andernorts ein Kapitalverbrechen bestraft. Noch nicht. Das alles hindert den deutschen Komiker aus dem EU-Parlament jedoch nicht daran, den am Sonntag 69 Jahre alt werdenden Bischof auf dem ganzen Kontinent wie einen Terroristen jagen zu wollen, um ihn möglichst viele Jahre aufgrund des traditionell deutschen Meinungsverbrechens einzuknasten. (Dabei fällt mir auf, dass Herr Brok äußerlich vielleicht doch mehr dem schwulen Neonazi Thomas Brehl ähnelt, der, wenn er könnte, womöglich auch den einen oder anderen mit anderer Meinung gerne verfolgen und im Knast duschen sehen wollte.)

Nun sind wir von Medien und Politik heute in Deutschland nichts besseres gewohnt als Hysterie, Inkompetenz und eine als gutmenschliche „Toleranz“ getarnte grausame Intoleranz.

Etwas Mut machen alleine einmal mehr die meist anonymen Leserkommentare im Internet, die sich erneut fast einig sind in der Bewertung. Ein paar Beispiele: Erstens: „Ich fordere einen Haftbefehl für Elmar Brok. Wegen sträflichen Vergehens gegen die charakterliche Lauterbarkeit sowie Mordes an Freiheit der Meinung und Rede. Strafverschärfendes Übergewicht muss in die Urteilsfindung mit einbezogen werden.“ Zweitens: „Ein internationaler Haftbefehl wegen einer Meinungsäußerung, die nur bei uns unter Strafe steht? Lächerlich!“ Drittens: „Die Welt ist am brennen und die Politmarionetten jagen den Butzemann.“ Viertens (und besonders köstlich): „Von deutschem Boden darf nie wieder ein Interview ausgehen. Da musste Elmar Brok mal so richtig Zivilcourage zeigen.“

Ja, das ist der Unterschied zur Nazizeit. Die braunen Totalitären hatten in Ihrem Wahn große Teile des Volkes bis kurz vor dem Ende hinter sich. Brok und Konsorten stehen bereits heute mit dem Rücken zur Wand. Herr Brok, wie wird man mal mit Ihnen umgehen, wenn der Zeitgeist sich richtig ändert?

Fotos

Elmar Brok

Horst Schlemmer

Thomas Brehl


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