04. Februar 2009

Vermögenserhalt Sachwert oder Geldwert?

Und wie der Fiskus das Dilemma zu lösen vermag

Längst ist die global wütende Finanzkrise nicht nur in der so genannten Realwirtschaft, bei den Konsumenten und Unternehmen, sondern vor allem und in erster Linie in den Portfolios der Anleger, Spekulanten und Spieler angelangt. Und gerade hier, in der Gruppe der privaten wie professionellen Vermögenswahrer und –mehrer ist innerhalb der pessimistischen Fraktion ein regelrechter Glaubenskrieg ausgebrochen. Im Gegensatz zu den Optimisten, die von einer baldigen Erholung der Weltwirtschaft ausgehen wollen oder müssen streiten sich die Pessimisten um das wahrscheinlichste Fortsetzungsszenario im aktuellen Krisenstrudel. So variationsreich diese im Einzelnen auch sind, letztlich lassen sich diesbezügliche Prognosen auf zwei, rezessive bis depressive ökonomische Grundvarianten reduzieren: Deflation oder Inflation. Von der Antwort und ihrer finanzwirtschaftlichen Projektion hängen auch in hohem Maße die Investitionsentscheidungen ab. In einem deflationären Umfeld verlieren solide Sachwerte – zum Beispiel Immobilien, substanzstarke Aktien, Edelmetalle – tendenziell an Wert, während ausfallsichere Geldwerte – Cash, Sparbücher, Anleihen, und so weiter – eher profitieren. Ein inflationäres Szenario würde diese Vorzeichen umdrehen, Geldvermögen wird entwertet, Sachvermögen steigt überproportional im Preis an.   

Im Grunde steht damit jeder Investor vor einem großen Dilemma, denn für beide Szenarien gibt es hinreichend plausible Erklärungen, die sich aus Zahlen, Daten, Fakten und historischen Vorbildern extrahieren lassen. Wie so oft bei ökonomischen Fragestellungen hängt das Ergebnis von der Betrachtungsweise ab – alles kann im Vorhinein richtig sein, auch das Gegenteil. Die Möglichkeit präziser Vorhersagen menschlicher Interaktionen, gleichsam eine sozialwissenschaftliche Mechanik, darf spätestens mit der Beweisführung des Wissenschaftsphilosophen Karl Popper in „Das Elend des Historizismus“ ad acta gelegt werden. Geschichte reimt sich zwar, wiederholt sich nun mal aber nicht, komplexe Systeme wie Volkswirtschaften sind, die Realität statuiert wie zum empirischen Beweis seit Monaten genügend Exempel, nicht beherrschbar und daher zwangsläufig auch nicht prognostizierbar. Die Wahrheit eröffnet sich erst im Nachhinein – sowohl die prognostischen Sieger wie auch Verlierer sollten ihren Sieg respektive Niederlage wohlweislich nicht zu persönlich nehmen, schließlich hat auch der Zufall in diesem Fall zu 50 Prozent recht. Dem Rat suchenden Anleger nutzt diese Erkenntnis freilich wenig, Geld kann nun mal nicht neutral geparkt werden. Muss es vielleicht aber auch gar nicht.

Denn frei nach Karl Kraus sollte, wer sich zwischen zwei ausschließenden Alternativen entscheiden muss, einfach beide gleichzeitig wählen. Im Fall der Geld- gegen Sachwertproblematik kommt dabei die Hilfestellung auch noch von völlig unerwarteter Seite, nämlich dem Bundesfinanzministerium. Seit 2002 emittiert diese sonst leidlich ungeliebte Institution zwischen vier und sechs 10-Euro-Gedenkmünzen im Jahr. Mit diesen Prägungen sollen besondere Themen oder Personen aus Politik, Kultur und Geschichte alljährlich gewürdigt werden. Das interessante an den Münzen ist nun weniger der numismatische Sammlerwert denn vielmehr Material, Gewicht, Varianten, Status und Preis. Die 10-Euro-Gedenkmünzen werden aus feinem 925er Sterlingsilber hergestellt und wiegen 18 Gramm. Sie enthalten also 16,64 Gramm oder etwas mehr als eine halbe Unze Feinsilber. Das entspricht trotz einem im letzten Jahr stark unter die Räder gekommenem Preis des edlen Weißmetalls immer noch einem inneren Silberwert von knapp 5,30 Euro je Münze. Die bei jedem besseren gewerblichen Händler erhältlichen Münzen in limitierter Spiegelglanzausführung, einer hochqualitativen Prägeart, kosten gemäß amtlichem Erstausgabepreis 15,00 Euro. Weitaus interessanter sind jedoch die häufiger geprägten Münzen in Normalausführung. Sie kosten nämlich nur 10,00 Euro. Dabei aber sind beide Münzen im Emissionsland gesetzliches Zahlungsmittel, haben also innerhalb Deutschlands von Rechts wegen genau denselben Status wie ein entsprechender 10-Euro-Schein. Wie bei bestimmten anderen Silbermünzen auch beträgt der Mehrwertsteuersatz zwar sieben Prozent, ist aber bereits in den eben genannten Preisen inbegriffen. Anders ausgedrückt: Für 10 Euro gesetzliches Zahlungsmittel in Papierform können 10 Euro gesetzliches Zahlungsmittel in Münzform erworben werden, die zudem eine gute halbe Unze Feinsilber enthalten. Lediglich außerhalb Deutschlands, auch in der Eurozone, gilt die Münze, wie gemeinhin alle mit Ausnahme der 2-Euro-Gedenkmünzen, nicht als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Ausführung in Normalprägung gibt es zudem nur bei bestimmten, am Gedenkmünzenprogramm teilnehmenden Banken und den Filialen der Deutschen Bundesbank. Während erstere berechtigt sind, Aufschläge auf den Verkaufspreis zu erheben, erfolgt der Verkauf über die Bundesbank grundsätzlich zum Nennwert von 10 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Übrigens ist auch für 2009 die Prägung von sechs Gedenkmünzen geplant.

Letztendlich erwirbt der Käufer auf diesem Weg die ideale Kombination aus konservativem Geld- und unvergänglichem Sachwert und ist damit für sämtliche Krisenszenarien gut gerüstet. In einer Deflation steigt die Kaufkraft über die stets konstant bleibenden 10 Euro Nennwert, eine Inflation lässt den materiellen Gegenwert über die mit dieser üblicherweise einhergehenden Preissteigerung des „Goldes des kleinen Mannes“ klettern. Sollte der Silberpreis seinen nominellen Spitzenkurs von Anfang 2008 jenseits der 20 US-Dollar je Unze wieder sehen, würde der Materialwert bei derzeitigem Euro-Dollar-Wechselkurs gar fast mit dem Nennwert gleichziehen. Weitere Vorteile sind die relativ hohe Auflage und damit Verfügbarkeit, die kleine Stückelung, die selbst kleinpreisige Alltagsgeschäfte ermöglicht und der dank Verwendung von Silber relativ gute Schutz vor politischer Konfiskation. Ein Wermutstropfen bleibt freilich: Wie bei allen Münzen steht der Schlagschatz oder auch Münzgewinn, der aus der Differenz zwischen Verkaufspreis und Herstellungskosten resultiert, der Emittentin zu. Angesichts der zu Stützungsmaßnahmen notwendigen Milliardenbeträge ist das allerdings ein schon fast mitleidiger Tropfen auf den heißen Stein.

Haftungsausschluss

Die obigen Ausführungen dienen ausschließlich der Information und stellen ausdrücklich weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung dar, die hier dargestellten Anlageobjekte zu kaufen, zu verkaufen oder in sonstiger Art und Weise zu handeln. Zu rechtlichen und/oder finanziellen Fragen und Anlagen fragen Sie den Rechtsanwalt, Steuerberater, Banker oder professionellen Berater Ihres Vertrauens.

Weitere Informationen:

Bundesministerium der Finanzen – Informationen zu Sammlermünzen

Deutsche Bundesbank – Filialnetz

Deutsche Bundesbank – Häufig gestellte Fragen zu den Euro Münzen

Silber.de - Übersicht über alle bisherigen 10-Euro-Gedenkmünzen aus Silber


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