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![]() Der Autor, Jahrgang 1966, ist Chemiker und lebt seit einigen Jahren glücklich im inneren Exil. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: |
Finanzkrise: Amerika ist nicht Japanvon Jörg Janssen Deflation oder Inflation? Nachdem die Finanzkrise sich endlich so entwickelte, wie seit Jahren vorhergesagt (z.B. North 2002, Shostak 2003, Vogt 2004, Thornton 2004, Schmidt 2005, Karlsson 2005) fragen sich viele, wie es nun weitergehen wird. Einige Autoren verweisen auf inflatorische Politik der amerikanischen Zentralbank und warnen vor einer Stagflation, das heißt vor einer wirtschaftlichen Stagnation bei gleichzeitiger Wucherung der Geldmenge. Die wuchernde Geldmenge würde auch irgendwann in steigende Preise münden. Warum aber, so könnte man fragen, sollte die gegenwärtige Finanzkrise nicht so ablaufen wie die japanische Krise der 1990er? Warum sollte nicht auch die Krise in den USA mit einer stagnierenden Geldmenge und gleichbleibenden, teils sogar rückläufigen Preisen einhergehen? Wo liegt der Unterschied zwischen beiden Krisen? Tatsächlich gibt es zahlreiche Parallelen zwischen der Japankrise und der aktuellen Finanzkrise. Doch auch dieser Autor erwartet anders als im Fall Japans mittelfristig in den USA eher eine deutliche denn eine verhaltene Entwicklung der Inflation (der Begriff „Inflation“ wird wie klassisch üblich als Steigerung der Geldmenge über deren Bedarf gebraucht. Wo „Preissteigerung“ gemeint ist, wird dies auch so genannt). Aber warum kam es dann in Japan nicht zu einer Inflation, gar einer Hyperinflation? Hierzu muss man nachvollziehen, wie der Staat über das Bankenkartell die Geldmenge wuchern lässt. Kurz erläutert funktioniert dieser Mechanismus folgendermaßen (ein etwas ausführlicheren Erklärungsversuch findet man unter Janssen 2008a-c): Der Staat benötigt Geld. Er schreibt die notwendige Summe auf Schuldscheine und verkauft diese den Banken. Die Banken tauschen bei der Zentralbank die Schuldscheine gegen neu gedrucktes Bargeld ein. Nun sind Banken dazu verpflichtet, einen bestimmten Mindestanteil ihrer Kassenbestände – der Summe aus Bargeld und Giralgeld – als Bargeld vorzuhalten. Dies ist die sogenannte „Mindestreserve“. Sagen wir, diese Grenze läge bei 2 Prozent. Dann muss von 50 Euro Buch- und Bargeld mindestens ein Euro als Bargeld vorliegen. Das bedeutet umgekehrt, dass die Banken aus jedem Euro Bargeld, welchen sie gegen staatliche Schuldscheine von der Zentralbank erhalten – der Geldbasis – bis zu 49 Euro Buchgeld aus dem Nichts erschaffen und verleihen können und mit den Zinsen Profit verdienen. Wenn es den Banken aber schlecht geht, erhöhen sie den Anteil ihrer Barreserven über die Mindestreserve hinaus. Sie verzichten darauf, daraus neues Buchgeld zu erzeugen und zu verleihen. Hierunter leiden einerseits jene Unternehmen, die ihre Projekte durch Darlehen finanzieren und nicht durch den Aufbau eigenen Kapitals. Es leiden andererseits Hersteller von Produkten, für deren Kauf sich Konsumenten verschulden: Immobilien, Autos usw. Auch eine Verringerung der Leitzinsen hilft dann nicht weiter. Sie wirkt im Gegenteil wie jede künstliche Preisdeckelung für ein begrenztes Gut, in diesem Fall Geld: Es kommt zur Verknappung. Selbst wenn ein Unternehmen Darlehen aufnehmen möchte, die Banken wollen sie nicht vergeben. Eben diesen Mechanismus konnte man während der Japankrise beobachten, die seit dem Platzen der japanischen Immobilienblase schwelt. Die Blase der japanischen Politik Die japanische Immobilienblase hatte eine ihrer Wurzeln im Plaza-Abkommen von 1985, welche durch eine Abwertung des Dollars das Handelsdefizit der USA bekämpfen sollte (eine ausführliche Darstellung der Japankrise kann der Leser bei Powell 2002 finden). Der Yen wurde teurer, der Export stagnierte. Um dem Konjunktureinbruch entgegenzuwirken, halbierte die japanische Zentralbank den planwirtschaftlich festgelegten Zins von 5 Prozent Anfang 1986 auf 2,5 Prozent im Februar 1987. Die Banken ließen wie von der Politik beabsichtigt das Buchgeld wuchern. Dies löste eine Darlehensschwemme und dadurch einen künstlichen Boom besonders in Zinssatz-anfälligen Wirtschaftszweigen aus, wie Automobilen und Immobilien. Bis 1989 nahmen die japanischen Unternehmen besonders in Kapitalintensiven Industrien gewaltige Darlehen auf – und gaben als Sicherheiten dafür Immobilien, die durch die Politik der Zentralbank überbewertet waren. Sie verhielten sich somit genau so wie amerikanische Konsumenten während Greenspans Eigenheimblase, deren Platzen die gegenwärtige Finanzkrise auslöste. Die Blase der Politik zerplatzt Als die Politik mit planwirtschaftlicher Erhöhung des Diskontsatzes bis auf 6 Prozent im Jahre 1990 gegensteuerte, platzte die Immobilienblase. Die Darlehen wurden notleidend, gleichzeitig fiel auch der Wert der Sicherheiten. Diese Buchverluste der Banken zehrten an deren Eigenkapital und drückten sie an den Rand der Insolvenz. Sie verliehen die an sie zurückgezahlten Raten nicht erneut, sondern verwendeten das Geld zur Stützung ihres Eigenkapitals. Gleiches galt für japanische Unternehmen: Unter dem Eindruck billiger Darlehen hatten sie sich verschuldet, um in ihre Expansion zu investieren. Ihre Eigenkapitalquote lag im Schnitt bei nur 20 Prozent. Nun mussten sie erkennen, dass ihrer Expansion keine entsprechende Nachfrage gegenüberstand. Auch sie verwendeten nach dem Platzen der Blase ihre Einnahmen, um ihre Schuldenberge abzutragen. Weitere staatliche Eingriffe sollen vorangehende korrigieren Blind hierfür reagierte die Politik, indem sie über die japanische Zentralbank planwirtschaftlich den Zinssatz wieder senkte. Dies sollte Unternehmen anregen, weitere Darlehen aufzunehmen. Doch die Unternehmen hatten genug damit zu tun, ihre alten Schulden abzuzahlen. Die Banken versuchten ebenfalls, ihr Eigenkapital vor weiteren Risiken zu schützen. Es gab somit keine Gelegenheit, auf der Basis des neuen Zentralbankgeldes neues Buchgeld zu erschaffen. Als nächstes versuchte die Politik die Konjunktur durch Staatsprojekte anzukurbeln, ganz im Sinne Keynesianischer Ausgabenpolitik. Von 1991 bis 1998 wurden so 100 Billionen Yen in Konjunkturprogramme gepumpt, hauptsächlich an die politisch wohlverknüpfte Bauindustrie. Nachdem auch das nichts half beschäftigte sich die Politik mit den Banken und deren Eigenkapital. Die Politik pumpte 1996 mit einem Bankenrettungspaket – dem Vorbild der heutigen „Bailout“-Pakete – 100 Milliarden Yen in die Banken. Auch diese Umverteilungen führten immer noch nicht zu mehr Produktion und Handel in der realen Wirtschaft. Ihre Lernfähigkeit bewies die politische Klasse zwei Jahre später mit dem Obuchi-Plan: Diesmal wurden Steuer- und Schuldenmittel in Höhe von 500 Milliarden Yen an die Banken umverteilt. Die Wirkung war dieselbe wie zuvor: sie blieb aus. Deflation oder Inflation Inflation ist die Erhöhung der Geldmenge, Deflation ihre Schrumpfung. In Japan herrscht seit Platzen der japanischen Immobilienblase eine Stagnation: Die Geldmenge bleibt in etwa gleich. Die Politik verdreifachte zwar in Japan die Geldbasis zwischen 1990 und 2006. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von 7 Prozent; der stärkste Anstieg fand zwischen 2001 und 2003 statt, als die Grundlage für die Buchgelderzeugung der Banken um etwa die Hälfte vergrößert wurde. Dennoch nutzten die japanischen Banken diese wuchernde Geldbasis nicht zur Wucherung neuen Buchgeldes. Warum erzeugten die japanischen Banken auf der Basis dieses neuen Zentralbankgeldes nicht das Vielfache an Buchgeld? Schließlich machen Bankiers einen Gewinn mit jedem Darlehen, das mehr Zinsen erwirtschaftet als die Buchgeld-Erzeugung kostet. Das Hauptproblem der japanischen Banken ist nicht ein Mangel an Zentralbank-Geld. Das Hauptproblem der japanischen Banken seit 1990 ist ihr Kapital. Es ist schwer genug, mit dem durch die Zentralbank planwirtschaftlich niedrig gehaltenen Zinssatz etwas zu verdienen. Die wenigen Zinszahlungen nutzen die Banken, um ihre Kapitalverluste auszugleichen. Diese Kapitalverluste sind wesentlich größer als Banken und Politik zugeben. Als 1995 die Hyōgo-Bank in Konkurs ging stellte sich heraus, dass der Umfang notleidender Darlehen größer war als bis dahin angegeben – um das 25fache größer. Ähnliches gilt, wie oben erwähnt, für die Unternehmen. Diese sind bereits durch hohe Schulden belastet. Im Gegensatz zum Staat können Unternehmen nicht immer neue Schulden machen. Sie können nicht wie eine Regierung Schuldendienst durch Neuverschuldung ersetzen. Die Transmission der Inflation über die Banken findet daher nicht statt. Die japanische Geldmenge – genauer: die Geldmenge M3 – steigt nur geringfügig; das Geldmengenwachstum ist seit ca. 1993 vom Wachstum des Basisgelds der Zentralbank abgekoppelt. Dies schlägt sich auch in einem niedrigen Preisniveau nieder. Die Preissteigerungsrate fiel von 2-3 Prozent vor 1989 auf unter null im Jahre 1996, wo sie – bis auf ein kurzes Aufbäumen auf etwa 2 Prozent 1997/98 – blieb. Die jüngste Rohstoffblase führte zwar auch in Japan zu steigenden Preisen, doch dieser Anstieg war gering und die Preise beruhigten sich inzwischen wieder. Das Werk der Politik Doch nicht nur durch planwirtschaftliche Festlegung eines künstlich niedrigen Zinssatzes, nicht nur durch Keynesianische Umverteilung verlängerte die Politik die Krise. Die Politik verhinderte auch aktiv die Liquidierung der Produktionsmittel schlecht wirtschaftender Unternehmen. Somit konnte der Markt diese Produktionsmittel nicht an besser wirtschaftende Unternehmen weitergeben. Durch die Umverteilungen der Politik wurden ferner den Produzenten tatsächlich nachgefragter Güter diese genommen; es konnten sich gar nicht erst reale Ersparnisse bilden, mit denen produktive Investitionen hätten unterhalten werden können. Alles, was die Politik erreichte war erstens eine noch tiefere Verfilzung mit abhängigen Wirtschaftszweigen, besonders des „Konstruktions-Industriellen Komplexes“. Dieser Komplex aus Politikern, Bankiers und Baubossen wird offen als Bau-Staat im Staate bezeichnet, als „Doken Kokka“. Dessen 6 Millionen Beschäftige leben gut von Keynesianischen Konjunkturprogrammen. Man kann sich das vorstellen als eine Holzmann-„Rettung“ – auf die Baukonzerne eines ganzen Landes ausgebreitet. Zweitens kann die japanische Politik sich rühmen, ihren Steuerzahlern eine Schuldenquote von 180 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (USA: 72 Prozent, Deutschland: 64 Prozent, Österreich: 58 Prozent, Schweiz: 40 Prozent) beschert zu haben. Etwa die Hälfte der japanischen Steuereinnahmen werden für den Schuldendienst ausgegeben. Dadurch hat sich die Politik selber zur planwirtschaftlichen Festlegung eines auch weiterhin künstlich niedrigen Zinssatzes verurteilt. Bisher klingt es so, als würde die Politik in den USA die Fehler der japanischen Politik wiederholen. Auch in den USA funktioniert derzeit die Transmission von Zentralbank zu Geschäftsbanken nicht mehr: Die Überflutung der Banken mit frisch gedrucktem Zentralbankgeld wird von diesen nicht in eine Überflutung der Märkte mit frisch herbeigezaubertem Buchgeld nachvollzogen. Warum sollte die Krise in den USA sich anders entwickeln? Unterschiede zur amerikanischen Finanzkrise Ein erster Unterschied zwischen dem Platzen der japanischen Blase und demjenigen der amerikanischen liegt in der Politik der Zentralbanken: Im Japan der Neunziger Jahre war es nicht die Zentralbank, sondern die Regierung, die den Banken und Unternehmen ihre notleidenden Darlehen abnahm. In den USA dagegen tauscht die Zentralbank über die sogenannte „Term Auction Facility“ die nominal sicheren Schatzbriefe aus ihrem Portfolio gegen die unsicheren Darlehen der Banken bzw. die Kreditausfall-Verpflichtungen des Bankenversicherers AIG. Mit anderen Worten, während die japanische Zentralbank die Finanzwerte hinter ihrer Währung schützte, unterminiert die amerikanische Zentralbank diese. Oder um es noch klarer auszudrücken: Der Wert des Yen blieb immer gesichert, und sei es durch die Aussicht, japanische Steuerzahler mit hohen Steuern zu belegen. Bei einer Flucht aus dem Dollar hätte die US-Zentralbank aber immer weniger staatliche Schatzbriefe um gegenzuhalten, sondern nur praktisch wertlose „Sicherheiten“. Japan hat außerdem immer noch eine sehr hohe Sparquote und seine Unternehmen produzieren einen Exportüberschuss. Dazu passend sind die japanischen Staatsschulden hauptsächlich inländische Schulden. Es gab nie eine Bedrohung durch eine Yen-Flucht ausländischer Kreditoren. Lange Zeit blühte sogar der Carry-Trade mit günstig aufgenommenen Yen-Darlehen, die nach Währungstausch – z.B. in Dollar – zu höheren Zinsen weiterverliehen wurden. Als größter Schuldner der Welt sind die USA dagegen sehr verwundbar gegen eine Flucht aus dem Dollar. Die Bedrohung durch solch eine Flucht ausländischer Investoren wäre der wahrscheinliche Auslöser, der den USA zumindest eine galoppierende Inflation bescheren könnte. Deswegen war die Politik in den USA gezwungen, der Forderung insbesondere der Chinesischen Zentralbank nach Umwandlung fauler Zertifikate in Schatzbriefe zu entsprechen: Wären Fannie Mae, Freddie Mac und andere mit ihren Zahlungen auf ihre Zertifikate in Verzug geraten, hätte eine Massenflucht bereits eingesetzt. Durch diesen Tausch hält die amerikanische Zentralbank nun wertlose Zertifikate, während ausländische Investoren und Zentralbanken die Schatzbriefe halten. Eine Flucht aus dem Dollar müsste daher die Gestalt einer Flucht aus diesen Schatzbriefen annehmen. Danach, so könnten Verteidiger des Zentralbankenwesens einwenden, sieht es aber nicht aus; es scheint im Gegenteil eine Flucht in Schatzbriefe zu geben. Wie könnte es weitergehen Die Akteure einer Wirtschaftskrise entkommen nicht ökonomischen Gesetzen; die aktuelle Krise vorauszusehen bedurfte einiger Grundkenntnisse und geistiger Unabhängigkeit. Dies ist auch durch Verteidiger des Marktes geschehen. Sie zählten die Politischen Klasse geradezu aus, insbesondere auf Seiten wie Mises.org und Lewrockwell.com und auch in „eigentümlich frei“. Politik dagegen ist von Willkür und Irrationalität gekennzeichnet; hier Voraussagen zu treffen ist nahezu unmöglich. Mit diesem Vorbehalt wollen wir in die Kristallkugel blicken: Nach Meinung dieses Autors spricht die Flucht in Schatzbriefe für ein Phänomen, das im Japan der 1990er fehlte, das in den USA überdeutlich ist und das wenigstens eine galoppierende Inflation auslösen könnte: eine Investitionsblase in Schatzbriefen. Platzt auch diese Blase, dann haben wir die Flucht aus dem Dollar. Dieses Platzen könnte durch eine Refinanzierungskrise ausgelöst werden: Wir beginnen ein Jahr, in dem nicht nur mindestens 2 Billionen US-Dollar neuer Schulden angekündigt wurden, sondern auch noch 6 Billionen US-Dollar alter Schulden fällig werden. Diese 8 Billionen US-Dollar müssten wieder von ausländischen Investoren – Zentralbanken und Finanzinstituten – aufgebracht werden. Das bisherige Motiv für solche Käufe besonders der Politik in China und Japan war die Verbilligung der eigenen Exporte in die USA. Die Amerikaner konsumieren aber nicht mehr. Indien und Russland verkaufen sogar Dollar-Reserven, um ihre eigenen Währungen zu schützen. Wenn Japan und besonders China das nachvollziehen, dann ist es für den Dollar vorbei. China könnte diesen Weg wählen, um die eigenen Ausgabenprogramme zu finanzieren. Die geforderten Zinsen für Schatzbriefe würden steigen, und zwar sprunghaft. Die Politik in den USA stünde dann vor dem Problem, dass die Refinanzierung ihres Schuldenbergs immer teurer würde – eines Schuldenberges den sie auch noch wachsen lässt. Als Ausweg aus einer Refinanzierungskrise könnte die Politik in den USA einen direkten Kauf von Schatzbriefen durch die Zentralbank wählen. Das wäre dann der sichere Weg in die Hyperinflation. Ob die Politik dazu bereit ist hängt davon ab, ob sie versteht was sie tut und glaubt, damit durchzukommen. Fazit: Politik gegen das Volk Die Politik versucht sowohl in den USA als auch in Europa, die Krise zu bekämpfen, die sie durch ihre eigenen Manipulationen erzeugte. Sie tut das durch noch mehr Manipulationen. Sie erlaubt den Märkten nicht, sich produktiv zu restrukturieren, sondern subventioniert mit keynesianischen Ausgabenprogrammen unproduktive aber politisch wohlverbundene Unternehmen. Das funktioniert genauso gut wie während der Japan-Krise – mit dem Unterschied, dass dies in den USA aus den oben genannten Gründen vermutlich zu einer inflatorischen statt einer deflatorischen Depression führen wird. Doch die Politik lässt sich lieber dabei sehen, wie sie eine wirtschaftliche Katastrophe auslöst, als dass sie als tatenlos gälte. Ihre keynesianischen Höflinge in der „Wissenschaft“ liefern dafür die Vorwände. Sie werden ihr auch die Verschleierung ihrer Verantwortung liefern, so wie sie dies seit deren ersten Schritten zu dieser Krise taten. Durch diesen Schleier geschützt könnte die Politik versuchen, den Bankensektor zu verstaatlichen, oder wenigstens zu konzentrieren und von sich abhängig zu machen. Wirksame Maßnahmen, wie unsere Befreiung von ihrer Regulierungswut, ihren Kartellen und Monopolen werden wir von der Politik nicht bekommen. Auch nicht eine Reduzierung ihrer Ausgaben – geschweige gar eine Befreiung von den Manipulationen ihrer planwirtschaftlichen Zentralbank, was eine wirkliche Revolution wäre. Denn unsere Unabhängigkeit mag wirtschaftlich geboten sein, politisch ist sie das nicht. Internet Frühe Warnung: North, Gary (2002): The Lure of Making It Big, Early, and Fast. Lewrockwell.com (5.10.2002): "Wir stehen vor einer neuen Runde der Preisinflation als Folge bestehender Geldmengeninflation, mit der Erwartung von noch mehr davon, um fallende Preise zu vermeiden. Wenn es einen Bereich der Wirtschaft gibt in dem Konsumenten bereit sind, Schulden aufzunehmen und mehr Zeug zu kaufen, dann ist das der Immobilienmarkt. Wenn dieser zusammenbricht, dann ist eine Depression wahrscheinlich. Falls die FED beschließt, Fannie Mae und Freddie Mac mit Mitteln zu versorgen, kann sie diese Blase für eine lange Zeit aufrechterhalten. Sie wird der Darlehensgeber letzter Instanz für den Eigenheimmarkt werden." Karlsson, Stefan (2005): The Mess Greenspan Leaves. Mises.org (26.12.2005) Powell, Benjamin (2002): Explaining Japan's Recession. In: Mises.org (19.11.2002) 11. Januar 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareSatanas, am 12. Januar 2009 um 11:32 ( Link ) @Fatal Satanas, am 12. Januar 2009 um 12:10 ( Link ) Noch was nicht ganz off topic: Wenn man wirklich will, leihen die Banken auch.. http://optionarmageddon.ml-implode.com/2008/12 http://slycapital.com/2008/12/12/somali-pirates Reiner Vogels Der Kommentar von Janssen hat wie viele vergleichbare Kommentare ebenfalls den Nachteil, dass er eine rein ökonomische Analyse ist. Die politischen, insbesondere die machtpolitischen Faktoren, die die Gesamtsituation bestimmen, bleiben unberücktsichtigt. Man muss nämlich mitbedenken, dass ein großer Teil der im Ausland gehaltenen US-Bonds von den Führungseliten der ölreichen Staaten des Nahen Ostens gehalten werden. Diese Eliten kaufen US-Bondes nicht deshalb, weil sie nicht wüssten, dass der Dollar immer weiter an Wert verliert, sondern sie tun das als Bezahlung dafür, dass die US-Streitkräfte ihre ungerechte Herrschaft garantieren. Ohne die US-Militärpräsenz wären die zum Teil korrupten und ihre eigene Bevölkerung unterdrückenden Eliten längst nicht mehr an der Macht. Dass sie amerikanische Staatsanleihen kaufen, ist also eine Art Bezahlung für miltärischen Schutz, gewissermaßen Schutzgeld. Es stimmt also nur vordergründig, dass die amerikanische Volkswirtschaft (Automobilindustrie!)auf vielen Feldern ausweislich des Außenhandelsdefizits nicht mehr konkurrenzfähig ist. Auf dem "Dienstleistungssektor", nämlich in der Bereitstellung von militärischer Sicherheit für korrupte Regierungen, ist die amerikanische Wirtschaft nach wie vor konkurrenzloser Marktführer in der Welt. Es mag sein, dass sich die Eliten der Ölstaaten darüber ärgern, dass ihre Dollarbonds an Wert verlieren, da sie aber in unermesslichem Reichtum schwimmen, können sie das verschmerzen. Und sie werden es weiter verschmerzen, weil sie sonst von den Völkern ihrer Staaten vertrieben würden. Die militärische Absicherung ungerechter und undemokratischer Herrschaft hat eben ihren Preis. Das System kann durchaus noch einige Zeit funktionieren, auch wenn eine rein ökonomische Betrachtung einen baldigen Zusammenbruch des US-Dollars in Form einer Hyperinflation nahelegt. Irgendwann jedoch wird es wohl zusammenbrechen. Satanas, am 12. Januar 2009 um 16:06 ( Link ) @Reiner Vogels Reiner Vogels @Satanas China ist ebenfalls ein Staat, der über seine Vermögens- und Anlagepolitik nach politischen Interessen entscheidet. China kauft Dollar und Dollarbonds, um die amerikanische Währung zu stützen und die eigene nach unten zu drücken. China will auf diese Weise seinen USA-Export (der in den USA schon ganze Industrien in Existenznot gebracht hat) absichern. China nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf seine arbeitende Bevölkerung, die ja eigentlich das Recht hätte, über eine Aufwertung ihrer Währung, die aus dem Exportüberschuss folgen müsste, an den Gewinnen aus den chinesischen Exporterfolgen beteiligt zu werden. Die chinesiche Führung braucht auf die berechtigten Interessen seiner Bevölkerung nur in begrenztem Maß Rücksicht zu nehmen, weil es nicht demokratisch regiert wird. Allerdings könnte auch das chinesische System bald zusammenbrechen, dann nämlich, wenn die Amerikaner, weil sie selbst überschuldet sind, die Taschen geschlossen halten und trotz der manipulierten Währungskurse keine chinesichen Waren mehr kaufen. Satanas, am 12. Januar 2009 um 19:20 ( Link )
Der springende Punkt ist doch, daß viele dieser Industrien schon nach China verlagert worden sind. Selbst wenn die Amerikaner weniger chinesische Ware kaufen- wer die Produktion hat, wird schon Kunden finden. Immerhin hat man etwas zum Verkaufen. Daß dieses System für viele chinesische Arbeiter nicht gerade vorteilhaft ist, stimmt natürlich trotzdem. Cinquero, am 13. Januar 2009 um 0:20 ( Link ) Den letzten Schritt zur Hyperinflation habe ich nicht ganz verstanden: wieso führt das Aufkaufen der Staatsschulden durch die FED zur Hyperinflation? Durch das Kapital, das freigesetzt wird, wenn die Schulden an nicht-FED-Kreditgeber netto massiv ausbezahlt werden und damit das durch die Schatzbriefe bislang gebundene Geld zurück in den freien Markt dringt? Oder gibt es da noch andere Mechanismen? Fatal, am 13. Januar 2009 um 20:50 ( Link ) @ Cinquero: Das Aufkaufen von Schulden durch die FED ist eine völlig neue Dimension: Während die Schuldentilgung durch Steuereinnahmen noch für jeden Normalbürger einen sichtbaren Einkommensverlust bedeutet hat, kann die US-Regierung nun ihre Schulden einfach "wegdrucken" lassen. Nicht, dass das keinen Einkommensverlust für den Normalbürger nach sich zöge - dessen Einkommen bleibt zwar scheinbar gleich, verliert aber schlicht an Kaufkraft. Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Fatal, am 11. Januar 2009 um 21:09 ( Link )