17. Dezember 2008

Daniel Cohn-Bendit und Vaclav Klaus Der total verdrehte Skandal

Deutsche Medien hetzen mal wieder gegen ein Verleumdungsopfer

Die deutschen Mainstreammedien gaben sich am 5. Dezember mächtig empört. Bei einem Treffen des tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus mit einer Delegation des Europaparlaments sei es nämlich „zum Eklat“ gekommen. Denn, so etwa der „Spiegel“: „Der tschechische Präsident drohte mit dem Abbruch des Treffens, als ihm der Grünen-Politiker Cohn-Bendit eine EU-Flagge als Gastgeschenk überreichen wollte.“ Nachdem Cohn-Bendit dem prominenten Prager EU-Kritiker die Fahne überreicht habe, hätte Klaus, so Cohn-Bendit gegenüber der Presse, „Fragen nicht mehr beantworten und das Treffen abbrechen wollen“. Der Grüne Fraktionsvertreter sprach, so der mit erboste „Spiegel“, „von einem verrückten Treffen“, bei dem sich Klaus „paranoid“ verhalten habe.

Am 9. Dezember veröffentlichte dann die Tageszeitung „Die Welt“ – und diesmal nur diese – den Wortlaut des „Gesprächs“ zwischen Cohn-Bendit und Klaus:

Daniel Cohn-Bendit: „Ich habe Ihnen eine Fahne mitgebracht, die Sie angeblich überall hier auf der Prager Burg haben. Es ist die Fahne der EU, ich werde Sie hier vor Ihnen hinstellen. Das wird eine schwere Präsidentschaft werden. Die Tschechische Republik wird sich mit dem Vorschlag der Arbeitsrechtsänderung und dem Klimapaket befassen. Das Klimapaket der EU enthält weniger, als wir in unserer Fraktion haben wollten. Es wird nötig sein, wenigstens dieses Minimum zu erhalten. Ich bin überzeugt davon, dass die Klimaveränderungen nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Gefahr für die weitere Entwicklung des Planeten darstellen. Ich beziehe mich auf wissenschaftliche Meinungen und die Mehrheitsmeinung im Europaparlament und weiß, dass Sie mit mir nicht übereinstimmen. Sie können glauben, was Sie wollen, ich bin der Überzeugung, dass die globale Erwärmung Realität ist und keine Frage meines Glaubens. Zum Vertrag von Lissabon: Ihre Ansichten darüber interessieren mich nicht, ich will wissen, was Sie tun werden, wenn er vom tschechischen Abgeordnetenhaus und vom Senat angenommen wird. Werden Sie den demokratischen Willen der Volksvertreter respektieren? Sie werden ihn unterschreiben müssen. Weiter will ich, dass Sie mir das Ausmaß Ihrer Freundschaft mit Herrn Ganley (dem Chef der irischen Libertas-Partei, die mit ihrer Kampagne maßgeblich das Nein der Iren zu Lissabon hervorrief) in Irland erklären. Wie können Sie sich mit einem Mann treffen, von dem nicht klar ist, wer ihn bezahlt? In Ihrer Funktion haben Sie sich nicht mit ihm zu treffen. Das ist ein Mann, dessen Finanzen sich aus problematischen Quellen speisen und der die jetzt zur Finanzierung seiner Wahlkampagne für das Europaparlament nutzen will.“

Klaus: „Ich muss sagen, dass niemand mit mir seit sechs Jahren (so lange ist Klaus Präsident, Anm. d. Red.) in diesem Stil und in diesem Ton gesprochen hat. Sie sind hier nicht auf den Pariser Barrikaden. Ich habe geglaubt, dass diese Methoden für uns vor 19 Jahren ein Ende gefunden hatten. Ich sehe, dass ich mich geirrt habe. Ich würde mir nicht erlauben, Sie zu fragen, womit die Aktivitäten der Grünen finanziert werden. Falls es Ihnen, Herr Präsident, in der halben Stunde, die wir für dieses Treffen haben, um eine rationale Diskussion geht, bitte ich Sie, das Wort einem anderen zu erteilen.“

Pöttering: „Nein, wir haben genügend Zeit. Mein Kollege darf fortfahren, weil jeder der Abgeordneten Sie das fragen wird, was er möchte. (Zu Cohn-Bendit): Fahren Sie nur fort.“

Václav Klaus: „Das ist unglaublich, so etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Cohn-Bendit: „Weil Sie mich bisher hier noch nicht erlebt haben. Mit Herrn Präsident Havel haben wir uns immer gut verstanden. Was sagen Sie mir zu Ihrem Standpunkt zum Antidiskriminierungsgesetz? Über unsere Finanzen werde ich Ihnen ruhig etwas erzählen.“

Dumm gelaufen für Cohn-Bendit, könnte man meinen. Denn seine wilden Vorwürfe müssten nach dem Protokoll des Wortlauts auf den – wie sagt er so schön: „paranoiden“ – Flegel zurückfallen. Es mussten schließlich schon Politiker wegen weit weniger peinlichen Ausfällen zurücktreten.

Doch Cohn-Bendit ist kein vermeintlicher „Rechter“ und öffentliche Rücktrittsforderungen, ja selbst nur eine Erörterung seiner Unverschämtheiten auf der Prager Burg, blieben schlicht aus.

Stattdessen startet der „Spiegel“ nun am 16. Dezember eine neue Hetzkampagne gegen Vaclav Klaus. Das Nachrichtenmagazin, das den Wortlaut des Gesprächs nach wie vor seinen Lesern verschweigt, ist ganz außer sich: „Eklat“ – wird gemeldet. Immer noch geht es um das „Gespräch“ in der tschechischen Hauptstadt. Es sei „ein unglaublicher Vorgang“, so der „Spiegel“. Nicht etwa der Inhalt, sondern die Tatsache, dass der Präsident das vermeintlich „vertrauliche Gespräch“ aufzeichnen und veröffentlichen ließ.

Der „Spiegel“ erwähnt nur beiläufig und indirekt einen Teil des Gesprächsinhalts. Das klingt dann „gespiegelt“ so: Daniel Cohn-Bendit „wollte wissen, wie Klaus zu der anti-europäischen Bewegung Libertas steht, die in Irland vor dem Referendum zum Lissabon-Vertrag erfolgreich gegen den Beitritt warb.“ Zur Erinnerung noch einmal das Original des so nett fragenden und doch nur „wissenwollenden“ Europaabgeordneten: „Weiter will ich, dass Sie mir das Ausmaß Ihrer Freundschaft mit Herrn Ganley (dem Chef der irischen Libertas-Partei) in Irland erklären. Wie können Sie sich mit einem Mann treffen, von dem nicht klar ist, wer ihn bezahlt? In Ihrer Funktion haben Sie sich nicht mit ihm zu treffen!“

Nein wirklich, da hatten der rote Dany und seine Freunde den tschechischen Präsidenten den deutschen Lesern so nett als „verrückt“ präsentiert – und dann erdreistet sich dieser, den Vorfall, wie er wirklich war, zu seiner Verteidigung zu veröffentlichen…

Doch Klaus hatte die Rechnung ohne die deutschen Medien gemacht. Es nützt ihm nämlich alles nichts, sie schweigen den Wortlaut – den eigentlichen Skandal – tot oder verdrehen ihn gekonnt. Und sie hetzen nun erst recht gegen den prominenten EU- und Klimawahn-Kritiker.

Armes Deutschland.

Internet

Der „Spiegel“ am 5. Dezember

Die „Welt“ am 9. Dezember

Der „Spiegel“ am 16. Dezember


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