05. Dezember 2008

500-Euro-Konsumgutscheine Letzte Runde und Freibier für alle

Karl Lauterbach und Andrea Nahles als würdige Totengräber einer sterbenden Kultur

Wie würden Politiker auf eine beginnende große Weltwirtschaftskrise reagieren? Besonnener als ihre Vorgänger in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts? Haben sie aus den Fehlern lernen können, die damals zur weltweiten Depression und am Ende in den Zweiten Weltkrieg führten?

Die vergangenen Tage und Wochen ließen deutlich werden, dass die größten Pessimisten zu optimistisch waren. Die hektischen und immer neuen Abermilliardenprogramme in den USA, in Frankreich, in Großbritannien und auch in Deutschland, sie übertreffen bei weitem das, was noch vor einem Jahr jedem vernünftigen Menschen überhaupt vorstellbar erschien.

Die jüngste, nun kaum mehr überbietbare Form des politischen Amoklaufs wird uns von Karl Lauterbach und Andrea Nahles aus der SPD präsentiert: 500-Euro-Konsumgutscheine für jeden!

Das ist, als wenn der Vater einer bis über beide Ohren hochverschuldeten Familie noch einmal einen allerletzten windigen Kredit erschwindelt hat und Frau und Kindern befiehlt, dieses durch nichts gedeckte Geld nun ganz schnell auszugeben. Sie sollen es in einen neuen Fernseher, einen Yoga-Kurs, ein vollelektrisches Spielzeugauto oder einfach einen bis obenhin mit Speis und Trank gefüllten Kühlschrank stecken. Alles ist erlaubt, nur ja dürfen sie nicht investieren oder sparen.

Jedes Kleinkind versteht, wie unsozial und verantwortungslos ein solcher Familienvater handelt. Lauterbach und Nahles aber spielen sich zu unser aller Wahnsinnsgevatter auf. Statt endlich zu sparen und zu investieren, also die Voraussetzung für jeden nachhaltigen Wohlstand zu schaffen, zwingen sie auch noch den letzten Vernünftigen in einen letzten orgastischen Kaufrausch. Als wenn wir durch Konsum reich werden könnten…

In vielen Artikeln in eigentümlich frei und ef-online wurde detailliert beschrieben, wie es zur derzeitigen Wirtschaftskrise kommen konnte; in Kurzform: durch staatliche Papiergeldmengen ohne jede Deckung, die in immer größerem Umfang durch staatlich vergünstigte Kredite unters Volk gebracht wurden. Jedesmal in den vergangenen 30 Jahren, wenn durch diese Billigkredite hervorgerufene fiebrigen Fehlanreize der Wirtschaft durch die Selbstheilungskräfte der Märkte mittels einer Gesundung in der Rezession hätten bereinigt werden können, pumpten Politik und Zentralbanken noch größere Mengen ungedeckter Gelder und Kredite in den kranken Wirtschaftskreislauf. Die Fieberproduktion wurde immer noch eine weitere Stufe höhergetrieben. Jetzt, so scheint es, ist der Kollaps unvermeidbar. Alle Fehlinvestitionen der vergangenen 30 Jahre werden schmerzhaft bereinigt werden müssen. Es sei denn, den politischen Quacksalbern gelingt es ein letztes Mal, den Patienten in eine finale prämortale Hochfieberproduktion zu treiben. Dann allerdings würde in wenigen Jahren der Absturz noch grausamer werden. Deshalb wäre es entgegen der Sirenengesänge aus Politik und Medien für uns alle am wenigsten schmerzhaft, wenn die Politik sich nun endlich heraushalten würde und die so lange aufgestaute, gesundmachende Wirtschaftsrezession gewähren ließe.

Weltweit geschieht das Gegenteil. Der Weg in die Katastrophe – Depression und Hyperinflation – ist damit vorgezeichnet.

Nun also der Vorschlag der aus dem Nichts geschaffenen 500-Euro-Scheine für alle, großzügig und mit kölschem Lauterbachlächeln verteilt vom ohnehin hoffnungslos verschuldeten Pleitestaat BRD. Karneval für alle!

Und nach der Feier der Kater plus Rechnung, denn selbst Andrea Nahles kann nun einmal nicht zaubern. Natürlich würden wir alle für diesen widernatürlichen Konsumzwang ausgerechnet in der Krisenzeit bezahlen müssen – mittels entsprechender Geldentwertung oder höheren Steuern in der Zukunft. Gewonnen hätten lediglich die Schankwarte des Freibiers, etwa die Bürokratie, die für ihre Mühen – der logistische Aufwand für die Aktion ist deutlich höher als ein paar Stehtische – zusätzlich entlohnt werden müssten. Im schlimmsten Fall würde das Mittel ein letztes Mal nutzen und die furchtbare Rechnung würde uns in ein paar Jahren mit dem dann noch grausameren Zusammenbruch präsentiert. Im wahrscheinlicheren Fall aber ist es ohnehin zu spät und die Gutscheine verpuffen so wie zuletzt in den USA.

Dort hatten in diesem Frühjahr erst die Bürger Geldgeschenke vom Staat erhalten. Zwischen Mai und Juli wurden an 130 Millionen Amerikaner Steuerschecks verschickt. Die Höhe lag zwischen 300 und 1.200 Dollar, je nach verfügbarem Einkommen. Es nützte – nichts mehr.

Die deutsche Idee ist nicht nur wirtschaftlich genauso unsinnig, sie ist im Detail noch perfider. Haben nämlich in den USA jene, die wesentlich mehr Steuern zahlen, auch den größeren Gutschein – besser: Scheingut – nach der Vernichtung im bürokratischen Apparat zurückerhalten, so soll gerade dies im neosozialistischen Deutschland nach dem Nahles-Lauterbach-Plan nicht geschehen. Karl Lauterbach und Andrea Nahles fehlt es nicht nur an rudimentären ökonomischen Grundverständnissen, sie agieren mutwillig zerstörend. Beide sind personifizierte Sinnbilder des Niedergangs der SPD. Wären sie etwas älter, sie hätten sich mit ihren heutigen politischen Positionen vor 30 Jahren in einer der zahlreichen K-Gruppen verirrt und wahlweise für die großen Vorbilder in Peking, Moskau oder Tirana geworben, statt nun den Falschgeldwahnsinn aus Washington DC auf die Spitze zu treiben. Wenn Karl Lauterbach und Andrea Nahles gegen die „Zwei-Klassen-Medizin“ poltern, das tun sie viel und gerne, dann kritisieren sie damit nicht etwa die teuren und immer weniger leistenden maroden gesetzlichen Pleitekassen, sondern sie wollen vielmehr restlos alle, die momentan privat noch wesentlich besser versorgt werden, in genau dieses System hineinzwingen. Nivellierung auf dem niedrigsten Niveau – und am Ende steht die nordkoreanische Grassuppe für alle. Nahles und Lauterbach, es ist höchste Zeit, dies einmal klar auszusprechen, sind tatsächlich ideologiegetriebene Gleichheitsfanatiker. Solche kommunistischen Hardliner finden sich heute nicht nur in der Mitte der SPD wieder, sie werden auch noch von entsprechenden Medien hofiert.

Im Detail planen beide, dass jeder erwachsene Deutsche 500 Euro erhalten soll, auch Beamte und Sozialhilfeempfänger. Während Selbständige und Arbeitnehmer einen gewissen Betrag – geplant sind etwa 200 Euro – aus der eigenen Tasche beim Happy-Communism-Shopping zuzahlen sollen, erhalten Langzeitsozialhilfeempfänger den Scheck großzügig ohne Auflage. Das ist konsequent, denn ohnehin werden seit Jahrzehnten in unserem Land Leistung bestraft und Nichtleistung belohnt. Nun sollen in einem finalen gigantischen Staatsakt noch einmal übergroße TV-Flachbildschirme und riesige Mengen Frittenfett all jenen bereitgestellt werden, die ohnehin den anderen auf der Tasche liegen. Ungedeckter, fehlgeleiteter Konsum – die eigentliche Krisenursache – wird von Chefarzt Lauterbach und Nachtschwester Nahles zur  Therapie anempfohlen. Ein letztes riesiges Saufgelage auf Kosten der wenigen verbliebenen Leistungsträger, die längst in Massen auf der Flucht sind. Auswanderungswellen erreichen immer neue Rekordmarken, ganze Schweizer Städte werden von Deutschen Leistungswilligen „übernommen“, während in der Klinik Deutschland nurmehr Empfängernaturen in die Sozialsysteme einwandern. Deutschland, ein Land, dem man heute in jeder Schule, in jedem Krankenhaus, in jeder Straße ansieht, dass es nach jahrelang betriebener Gleichmacherei kulturell wie wirtschaftlich auf dem Weg nach ganz unten ist. Stellen wir uns einen unternehmenstüchtigen Gentleman alter Schule vor, der seinen feinen Maßanzug mit der neudeutschen Essensmarke Karls und Andreas bezahlt – auch ästhetisch ein Bild des Verfalls. In diesem einst blühenden Land der Dichter, Denker und Unternehmer plündern Nahles, Lauterbach und Co. gleichsam als personifizierte Sinnbilder des Untergangs ein allerletztes Mal die flüchtenden Gelder anderer Leute und rufen die ewig sozialistische Parole: Freibier für alle!

Das, so steht zu befürchten, ist das Ende! Danach kommt nur noch die Grassuppe.


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