04. Dezember 2008

Konsumankurbelungsgutscheindebatte Legalisiert endlich den Raub (bis EUR 500)!

Vorschlag einer schlanken Alternative

Unsere Politiker sorgen sich um die Wirtschaft. Das ist selten gut geendet. In ihrer ganzen Hilflosigkeit fangen sie nun an, „ohne Denkverbote“ über alles zu sinnieren, was nur irgend nützen könnte. Soll man die Umsatzsteuer senken? Nein, das gehe nicht, weil der Handel diese Wohltat vielleicht frecherweise nicht an den Verbraucher weitergeben würde. Händler haben ihre Waren halt lieber im Regal stehen, als sie mit Überschuss zu verkaufen. Das weiß doch jeder – mindestens will der sozialdemokratische Gesundheitsexperte Karl Lauterbach das wissen. Also erarbeitet er für seine Partei das Konzept der Warengutscheine. Andrea Nahles ist glücklich. Freibier für alle, auf Staatskosten. Was für ein fröhliches Land! Doch – so hört man – es drohe auch hierbei Gefahr. Der dumm-böse Verbraucher könne seinen Gutschein zu Media-Markt tragen und fernöstlichen Technik-Unsinn erwerben. Das, lernen wir, sei ein harter Schlag für die deutsche Binnenwirtschaft. Das Geld muss im Land bleiben. In meinen Ohren klingt das etwas rassistisch. Aber was scheren solche sensiblen Befindlichkeiten schon die öffentlichen Debatten? Der Staat braucht halt jetzt das Geld, hatte weiland Franz M. erklärt. Geben wir es ihm, damit er es uns geben kann. Solche Wirtschaftskreisläufe stärken die Wohlfahrt. Wer das nicht versteht, ist halt kein Experte. Er sollte also schweigen und sich den wirklichen Kennern anvertrauen. Sozial- und Wirtschaftspolitkern am besten. Denn die haben in den letzten 40 Jahren ja bekanntlich viel zu wenig Einfluss auf Wirtschaft und Finanzen gehabt. Das muss jetzt anders werden. Investieren wir in staatliche Infrastruktur. Bauen wir eine Schule. Denn das, sagt ein Experte im Rundfunk, habe einen „Selbstfinanzierungseffekt“: Der Maler, der die Schule streicht, zahlt von dem investierten Geld Steuern und – vor allem – Sozialabgaben. So werde alles gut. Kein Anrufer fragt den Moderator, warum „der Staat“ das Geld erst auszahlen müsse, um es dann wieder einzunehmen. Dafür reicht die Zeit nicht. Oder es ist einfach zu kompliziert, um es zu erklären.

Wie also kurbelt ein Staat die Wirtschaft an, die er zuvor durch Abgabenexzesse abgekurbelt hat? Ich schlage vor: Durch die Negation der Negation! Durch das Herunterkurbeln des Herunterkurbelns. Durch die Legalisierung des Raubes (bis EUR 500)! Das spart die Kosten für den Druck von Warengutscheinen, wirkt im Zweifel unverzüglich und gibt dem Leben in allen Geschäftslokalen des Landes ohne allen Zeitverzug sofort extreme Impulse. Holt Euch, was Ihr braucht. Holt es Euch sofort! Geht nicht über Los! Greift zu – bis EUR 500. Und achtet darauf, dass Ihr kein asiatisches Produkt am Verkäufer vorbeischubst. Denn dann bleibt es ein Verbrechen.


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