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Libertäre: Vertrauen ist besservon Chris Vigelius Warum man den Feind nicht immer in den eigenen Reihen suchen sollte Zugegeben: Grabenkämpfe machen Spass. Zum Beispiel deswegen, weil es sich mit Menschen, deren Ansichten man im Großen und Ganzen teilt, deren Sprache (im politisch/philosophischen Sinn) man spricht, viel effizienter über Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten zanken lässt als mit denen, deren Weltbild einem völlig anderen Universum entstammt, bei denen schon die Verständigung über simple Sachverhalte größere intellektuelle Verrenkungen erfordert. Schließlich lässt sich auch kaum jemand im Urlaub auf Stammtischdiskussionen in einer fremden Sprache ein: Das wäre kein Vergnügen, sondern harte Arbeit. Da legt man sich lieber in die Sonne oder spart sich, je nach Temperament, die Diskussionsphase komplett und lässt gleich die Fäuste sprechen. Grundsätzlich ist gegen das harmlose Vergnügen, die eigene Position anhand individueller Vorlieben und Präferenzen so lange sorgfältig abzugrenzen, bis wirklich niemand mehr ausser einem selbst auf der eigenen Seite steht, auch nichts einzuwenden. Nur weil sich wohl kaum ein katholischer Liebhaber dunkelhaariger Damen durch gute Argumente von den Vorzügen blonder Jünglinge (oder umgekehrt) überzeugen lässt, muss man ja noch lange nicht auf das Vergnügen verzichten, exakt das mit schlechten Begründungen trotzdem zu versuchen. Erst recht dann, wenn man den privaten Geschmack noch mit einer Prise weltanschaulicher Überhöhung würzt: Es ist eben nicht egal, was man zum Frühstück isst; vielmehr lässt die Tatsache, ob man die Nutella mit oder ohne Butterunterlage genießt, tiefgreifende Rückschlüsse auf die geistige Gesundheit des Gegenübers zu, ebenso wie die Wahl des Betriebssystems unzweifelhaft mit der sexuellen Orientierung zusammenhängt, zumindest wenn dieses von Cupertino aus vertrieben wird. Einen Fehler sollte man allerdings nie machen, nämlich solche "Argumente" ernst zu nehmen. Das ist nicht nur genau so stillos, wie zu einem verabredeten Boxkampf vorsichtshalber noch eine Pistole einzustecken, sondern kann zu ernsthaftem Beleidigtsein und infolgedessen zu leichter oder gar schwerer Klimavergiftung führen - die wiederum nicht gut für das Arbeiten an gemeinsamen Zielen ist. Und dass da noch einiges zu tun wäre, wird wohl kaum ein kein rechts-, links- oder sonstwie-Libertärer bestreiten wollen. Dabei könnte die Sache so einfach sein, wenn man sich klar macht, dass weder ein Roland Baader oder ein Robert Grözinger irgendjemanden zum Beten zwingen möchte, noch ein Christian Hoffmann mit Gewalt den Gebrauch des Wortes "Neger" (oder gar der fieseren Variante mit i und zweitem g) zu verhindern trachtet. Auch wenn sie das (wer würde das schon wollen?) nicht in jedem zweiten Satz erwähnen. Hier sollte im Zweifel einfach das gute alte Prinzip des in dubio pro reo Anwendung finden: Nur demjenigen, der ausdrücklich und nachweisbar die Initiierung von Zwang befürwortet, sollte Entsprechendes auch vorgeworfen werden, und man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man zweideutige oder mißverständliche Formulierungen ausnahmsweise mal nicht dazu benutzt, um das Gegenüber als Unhold mit garstiger hidden agenda darzustellen. Können sich vernünftige Menschen auf einen solchen Minimalkonsens einigen? Es wäre zu hoffen. Mit diesem kleinen Gedanken, man könnte es als "libertäre Unschuldsvermutung" bezeichnen, im Hinterkopf lässt es sich wunderbar über alles Mögliche streiten, ohne Verleumdungen und Verletzungen. Ist Religion, oder Monogamie, notwendige Voraussetzung für ein glückliches Leben in Freiheit? Ich glaube nicht, aber deswegen sind nicht diejenigen meine Feinde, die das anders sehen, sondern ausschließlich die, die mich dazu zwingen wollen - oder andere zum Gegenteil. 14. November 2008 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. 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November 2008 um 11:58 ( Link ) @Bauer: Noch ein Wort zu "Junkerland in Bauernhand": Unter dieser Parole ist zu DDR-Zeiten schlimmes Unrecht passiert, das zu allem Überfluss auch noch nach der Wende auf Betreiben von Helmut Kohl zementiert wurde - in ef83 wurde dieses Thema ausführlich diskutiert. Insofern sollte man mit diesem Begriff nicht sorglos umgehen, er weckt bei so manchem schlimme Assoziationen. Ganz allgemein zu Eigentum und Umverteilung: Ich persönlich glaube, dass die Bedeutung von (fremdem) Eigentum gerne überschätzt wird - gerade und vor allem bei Sachwerten (Immobilien). Man tut sich selbst keinen Gefallen, wenn man ständig auf das schielt, was andere vermeintlich oder tatsächlich besitzen. Letztendlich kommt es nämlich kaum darauf an, was man hat, sondern vielmehr darauf, was man (unter Ausnutzung der vorhandenen Mittel) tut, und was einem zum Verfolgen des eigenen Ziels (z.B. den Aufbau eines Unternehmens) fehlt, kann man sich meist problemlos leihen. Bislang ist noch kein realistisches und erfolgversprechendes Konzept an mangelndem Kapital gescheitert - auch das ist ein Vorteil des Kapitalismus, selbst wenn dies (leider) von viel zu wenigen Menschen erkannt und genutzt wird. Stefan Miller, am 14. November 2008 um 12:30 ( Link ) @chrisv chrisv, am 14. November 2008 um 12:43 ( Link ) @Stefan: Ich glaube, Du interpretierst da etwas rein, was ich nicht sagen wollte. Mir ging es darum, dass viele Menschen sagen "ach wenn ich doch so viel Geld wie der xyz hätte, dann könnte ich auch etwas unternehmen. Aber weil ich nicht geerbt habe und kein Vermögen habe, kann ich nichts erreichen". Wer so denkt, steht sich selbst im Weg und wird vor lauter Schielen auf des Nachbars Vermögen weder vermögend noch zufrieden, obwohl er, ohne sich ständig solche nutzlosen Gedanken zu machen, sehr wohl etwas zur Verbesserung seiner Lage tun könnte. Oder anders ausgedrückt: Vielen dient die Forderung nach Umverteilung nur als Ausrede, nichts für das eigene Vorankommen zu unternehmen. Man sollte nicht nur deswegen gegen Umverteilung sein, weil es unmoralisch ist, seinen Nächsten bestehlen zu wollen, sondern auch deswegen, weil man sich damit selbst keinen Gefallen tut. Um eine Relativierung der Bedeutung des Eigentumsrechts ging es mir dagegen garantiert nicht; das wäre auch unlogisch weil der Unternehmer ja etwas unternimmt, um Eigentum zu erhalten oder zu mehren - ohne Eigentumsrecht gäbe es keinen Anreiz dazu. Die Finanzkrise wiederum hat, mE, damit überhaupt nichts zu tun, sondern (abgesehen von dem schädlichen Einfluss des Staates, wie in den hervorragenden Artikeln von Herrn Janssen ausführlich beschrieben) mit der fehlenden Verantwortung von Managern, die ja im Gegensatz zu persönlich haftenden Kreditnehmern gerade keine Konsequenzen zu befürchten haben, wenn sie unachtsam mit dem anvertrauten Geld umgehen. chrisv, am 14. November 2008 um 12:47 ( Link ) Nachtrag: "Eigentum verpflichtet" ist auch so eine Parole mit einem unangenehm sozialistischen Beigeschmack. Man kann das zwar im Innenverhältnis einer Familie bejahen (bei der die Verpflichtung darin besteht, das von den Vorfahren Anvertraute zu erhalten und auszubauen und eines Tages an die Nachkommenschaft weiterzugeben), aber das haben wohl die wenigsten im Sinn, die sich dieser Parole bedienen. Den meisten geht es nur darum, das fremde Eigentum für die eigenen Zwecke zu "verpflichten", also zu schmarotzen. Satanas, am 14. November 2008 um 13:04 ( Link ) @freiheitistunteilbar Die Macht eines Wohlhabenden wird wohl erst dann spürbar, wenn Monopole entstehen oder der Reichtum unverhältnismässig gross wird. Das sind Grenzfälle, die aber durchaus auftreten. Ein Beispiel wäre etwa die East Indian Company, die in Indien ganze Länder auf eigene Rechnung unter Kontrolle brachte. Auch innerhalb einer Gesellschaft kann das Vorkommen, besonders wenn man so grundlegende Institutionen wie die Staatsgewalt privatisieren würde. Auf jeden Fall könnte man, wenn man einen grossen Teil der Bevölkerung in seine Abhängigkeit gebracht hat - sei es durch Schulden, sei es als Monopolist für Arbeit, Wohnraum oder Sicherheit, versuchen die Allgemeinheit zu erpressen. Dazu gehören auch Preisabsprachen und evtl. das "Aushungern" der (kleinen) Konkurrenz durch querfinanziert niedrige Preise. Insofern kann das freie Spiel der Kräfte nicht nur im Staate, sondern auch am Markt gekippt werden. Dieser Aspekt wird bei der Diskussion hier oft übersehen. Auch wenn Monopole oft auf staatliche Eingriffe zurückzuführen sind - das ist nicht immer so. Waldmeister, am 14. November 2008 um 14:51 ( Link ) @Bauer "[...]Durch das römische Bodenrecht (damalige Besatzer) wurde die Aneignung freien Landes, das durch die Bewohner frei genutzt werden konnte, in Privateigentum umgewandelt, also Allgemeineigentum wurde der Allgemeinheit weggenommen, zumindest war dies der Beginn der Enteignung der Allgemeinheit. Auch Allgemeineigentum ist Eigentum.[...]" Aus libertärer Perspektive ist schon der Begriff der "Allgemeinheit" ein ideologischer Kampfbegriff ohne konkrete Entsprechung in der Realität. "Die Allgemeinheit" gibt es ebensowenig wie es "die Gesellschaft" oder (noch schlimmer) "das Allgemeinwohl" gibt. Unidad, am 14. November 2008 um 15:04 ( Link ) @ Satanas: Ein Beispiel wäre etwa die East Indian CompanyDie East India Company entstand, wie all ihr Pendants, durch einen Freibrief der britischen Krone, also keinesfalls durch einen freien Markt. sei es durch Schulden, sei es als Monopolist für Arbeit, Wohnraum oder Sicherheit, versuchen die Allgemeinheit zu erpressen.Wie bitte soll auf einem freien Markt ein Monopolist für Arbeit oder Wohnraum entstehen? Dies widerspricht m.E. sowohl der ökonomischen Theorie als auch der Realität. Auch wenn Monopole oft auf staatliche Eingriffe zurückzuführen sind - das ist nicht immer so.Selbstverständlich können auch in einem freien Markt Monopole oder Quasi-Monopole entstehen. Doch sollte man nicht immer der naiven Vorstellung folgen, dass Monopole grundsätzlich negative Folgen hat und Wettbewerb grundsätzlich gut ist. Wenn auf dem freien Markt eine Art Quasi-Monopol entsteht, wie z.B. bei Microsoft oder bei Standard Oil, dann ist das darauf zurückzuführen, dass diese Marktstruktur für den Verbraucher mehr Vorteile liefert als ein Wettbewerb unter vielen Anbietern. Ein sehr interessanter Artikel von Professor Christian Rieck zum Thema: JohnGalt, am 14. November 2008 um 15:05 ( Link ) @ Bauer: Kreuzweis, am 14. November 2008 um 15:58 ( Link ) Danke, Herr Vigelius, für den Beitrag und den Vermittlungsversuch. @Bauer In einem Bericht über "Mafia & EG-Subventionen" erfuhr ich mal, wie das in der Praxis so läuft mit der "Entjunkerung" - am Beispiel Süditalien. Peppone und seine Kommunisten waren ganz demokratisch zur Macht gekommen, die sie auch gleich nutzten, um "Junkerland" in Proletarierhand umzuwidmen. Doch die meisten neuen proletarischen Grundeigentümer fanden sehr bald heraus, daß es sehr mühsam war, eigenverantwortlich zu wirtschaften. So verkauften sie sehr bald ihr Land wieder an einen Meistbietenden und zogen mit dem schönen Startkapital in die Großstadt. Der meistbietende Aufkäufer jedoch war die Mafia. So hatte das Junkerland nur den Großgrundbesitzer gewechselt. Der neue jedoch, hatte kein Interesse daran, (z.B.) die seit Generationen gepflegten malerischen Olivenhaine weiter zu bewirtschaften, sondern brauchte das Land, um das Füllhorn diverser EU-Subventionen anzuzapfen. Die Kulturlandschaft verkam. Wie lief die "Entjunkerung" in der zur BRD "befreiten" DDR ab? In einem vernünftigen Staat würde für die kleinen Leute immer irgendwo ein Kaufmöglichkeit bestehen, da auch der hartnäckigste 'Junker' sich öfters von einem Stück Land trennen muß. Der Staat könnte als Ersatz für Sozialhilfe den Armen ein Stück Land zur Eigenwirtschaft zur Verfügung stellen. Nico Metten, am 14. November 2008 um 16:55 ( Link ) „Hier sollte im Zweifel einfach das gute alte Prinzip des in dubio pro reo Anwendung finden: Nur demjenigen, der ausdrücklich und nachweisbar die Initiierung von Zwang befürwortet, sollte Entsprechendes auch vorgeworfen werden, und man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man zweideutige oder mißverständliche Formulierungen ausnahmsweise mal nicht dazu benutzt, um das Gegenüber als Unhold mit garstiger hidden agenda darzustellen.“ Das sehe ich ganz anders. Was ist der Zweck einer klar politischen Zeitschrift? Aus meiner Sicht hat sie einen Meinungsbildende Funktion. Sprich, sie dient dazu eine bestimmte Weltsicht zu fördern. Da ist eine Menge Psychologie mit im Spiel. Es geht eben nicht darum, Texte zu verfassen, die formal juristisch (also im Sinne eines Gesinnungsgerichts) nicht angreifbar sind. Wer in einer politischen Zeitschreift z.B. über genetische Unerschiede zwischen Schwarzen und Weißen schreibt, der wird vor allem einen Eindruck beim Leser hinterlassen: Vielleicht sollte man Rassenunterschiede in die Politik mit einbeziehen. Da hilft es gar nichts, dass der Autor in einem Nebensatz erklärt, dass genau diese Schlussfolgerung nicht richtig ist. Denn mindestens 90% der Leser werden den Satz überlesen. Das sollte, nein das muss man wissen. Und dann muss man sich fragen, will man diesen Eindruck hinterlassen oder nicht. Wenn man das nicht will, dann sollte man solche Artikel seinlassen, auch wenn diese formal libertär sind. Oder man muss erst einmal eine formale Abhandlung an den anfrang setzten, die diese Schlussfolgerung verneint, danmit sie nicht überlesen werden kann. Mein Eindruck ist z.B., dass jemand wie Hoppe (den ich persönlich selbst für einen absoluten Libertären halte) dies sehr gut weiß. Und es scheint ihm Spaß zu machen solche Provokationen gezielt einzusetzen, ohne dass seine Gegner ihn auf einer formalen Ebene dafür angreifen können. Dass Hoppe einfach gerne provoziert ist mir klar geworden, als ich ihn mal live gesehen habe. Da hat er eine sehr gute Einführung in den Anarcho-Kapitalismus gegeben. Das Problem war nur, dass er völlig unnötig das Publikum provoziert hatte in dem er ganz Bewußt heikele Thema als Beispiele ansprach. Das Resultat war, dass wenige im Publikum in mochten. Warum macht er das? Will er Leute überzeugen oder dem Publikum klar machen wie radikal er doch ist? Und mal unter uns. Auch wenn man in bubio pro reo gelten läßt sieht es da teilweise nicht so gut aus. Leute wie Eva Hermann, mit denen ja eine Koalition nahe gelegt wird, lassen keinen Zeifel daran, dass sie ihre Weltsicht nur zugern anderen aufzwingen würden. Bauer, am 14. November 2008 um 16:57 ( Link ) Danke für eure Antworten. Wird dieses Thema auch von Leuten wie Mises, Hayek etc. behandelt? @freiheitistunteilbar @Chris Die nächste Frage die mich beschäftigt, ist die, wieviel Eigentum darf/soll ein Mensch haben bzw. darf er damit tun was er will? @Waldmeister @JohnGalt Waldmeister, am 14. November 2008 um 19:34 ( Link ) @Bauer Bei Aktiengesellschaften verhält es sich schon ein wenig anders. Deren Anteilseigner stellen ja ein Besitzerkollektiv dar, die aber andere mit dem Verwesen des Besitzes beauftragen. Sie tragen die Verantwortung (haben also an Gewinnen wie Verlusten teil), können aber nur in begrenztem Umfang bestimmen, wie mit dem Besitz gewirtschaftet werden soll (indem das Verweserpersonal, nämlich die Manager, ausgetauscht* wird). Man sieht, daß der Eigentumsbegriff nach dieser Definition (Handlungshoheit plus Verantwortung) eng mit dem des Unternehmers verknüpft ist. Weder Aktionäre noch Manager sind Unternehmer, und Funktionäre der Staatsbürokratie schon gar nicht. Ideologisieren will auch ich diese Frage nicht. Mein Anliegen ist es stattdessen generell, durch sehr genaue Unterscheidungen in der Sprache festzustellen, worüber überhaupt gesprochen wird (dazu sei angemerkt, daß die Ethymologie einer der besten Freunde der Wiener Schule ist, wenn es um die Kenntlichmachung von illusorischen Allgemeinplätzen geht). *Weiß man das, wird auch sofort klar, warum diese Debatten um Managergehälter so substanzhaltig und dringlich sind wie ein goldenes Nichtschen in einer gehauchten Warteinweilchen-Flasche: jeder, der z.B. nicht Aktionär bei der deutschen Bank ist oder dort Kunde, braucht sich um Herrn Ackermanns Bezüge keinen Kopf zerbrechen. Das aber nur am Rande. Bauer, am 15. November 2008 um 7:13 ( Link ) @Waldmeister Waldmeister, am 15. November 2008 um 21:00 ( Link ) Der Weg, der Menschen zu Besitzenden oder gar Eigentümern macht, ist i. d. R. harte Arbeit. Um Eigentum zu erwerben, sind meist finanzielle Mittel notwendig, die man sich erst einmal verdienen muß. Abhängig beschäftigt zu sein aus libertärer Sicht keine irgendwie "objektiv" als für nicht erstrebenswert oder erstrebenswert zu befindende Sache. Der Konsum an sich ist ebenfalls keinem Wertungsdogma unterworfen (der keynsianistische Irrglaube, daß Konsum Wohlstand schafft, hingegen schon). Die libertäre Vision ist auch nicht, daß ein jeder zum Unternehmer werde (dies ist allein aufgrund der Begriffsdefinition des "Unternehmers", die eine außergewöhnliche persönliche Risikobereitschaft unterstellt, extrem unwahrscheinlich). Die "libertäre Sache", so wir es einmal so nennen wollen, ist lediglich, niemanden in der Verwirklichung seiner Ziele zu behindern, so er denn dadurch nicht Leben, Gesundheit oder Eigentum eines anderen Menschen gefährdet. Top-Down-Ansätze, die Menschen "zu etwas machen" wollen, widersprechen dem Entstehen dieser spontanen Ordnung (die moderner ausgedrückt wohl auch als "emergentes Phänomen" klassifizierbar wäre). Bauer, am 16. November 2008 um 6:16 ( Link ) @Waldmeister Satanas, am 16. November 2008 um 23:15 ( Link ) @freiheitistunteilbar Hallo freiheitistunteilbar, ihre Argumente muss ich wohl gelten lassen. Aber es bleiben dennoch die Extremfälle: Quasimonopole entstehen, und das Leute wie Bill Gates und Warren Buffet ihr Geld in Afrika für antroposophische Projekte ausgeben, anstatt wie es 200 Jahren denkbar gewesen wäre, versuchen König zu spielen, liegt ausser an der Perönlichkeit vielleicht auch daran, das staatliche Strukturen so etwas heute verhindern. Wenn man aber staatliche Strukturen zurücknehmen will, sollte man sich folgendes im Hinterkopf behalten: Machtstrukturen können nicht nur vom Staat in die Wirtschaft hineinwachsen (wie im Sozialismus), sie können auch umgekehrt von der Wirtschaft in den Staat hineinwachsen (wenn Private Banken auf einmal eine Zentralbank gründen oder über Lobbygruppen Einfluss und feste Strukturen aufbauen, oder auch Gewerkschaften die sich mit Parteien verflechten). Im Extremfall könnten Privatmilizen eingesetzt werden - siehe Rockefeller vor etwa 100 Jahren. Deshalb sollte man auch bei einem Rückbau der Institutionen dafür sorgen, dass man es noch Gegengewichte gegen Machtkonzentrationen geben kann, die nicht unbedingt aus den Staatsstrukturen entstehen. Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Bauer, am 14. November 2008 um 9:57 ( Link )
Zustimmung.
Mal eine Frage an die Libertären.
Eigentum ist gut und schön, was aber mit Eigentum das unrechtmäßig erworben wurde z. B. durch Landnahme von Adligen vor einigen hundert Jahren oder durch die Kirche. Durch das römische Bodenrecht (damalige Besatzer) wurde die Aneignung freien Landes, das durch die Bewohner frei genutzt werden konnte, in Privateigentum umgewandelt, also Allgemeineigentum wurde der Allgemeinheit weggenommen, zumindest war dies der Beginn der Enteignung der Allgemeinheit. Auch Allgemeineigentum ist Eigentum.
Was ist mit Eigentum, dass durch Kriege etc. erworben wurde, sei es Land, sei es Geld?
Schutz des Privateigentums ist recht und schön, nur die meisten Menschen dieses Landes verfügen gerade mal über einen LKW voll Möbel und Kleidung, wohingegen einige den Großteil des Geldes und der Immobilien ihr Eigen nennen.
Mir gefallen die libertären Gedanken, weniger Staat etc. sehr gut, nur wenn ich der Sache auf den Grund gehe, muss ich auch über diese Art Eigentum nachdenken, ansonsten zementiere ich die derzeitigen Machtverhältnisse, Geld und Besitz bedeutet Macht und Einfluss. So wurde z. B. auch schon in der Weimarer Republik über die Umwandlung von Junkerland in Bauernland nachgedacht und auch praktiziert.