André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Erstes Bundestreffen der Libertären Plattform in der FDP: Die zweite Generation landet in der Realität

von André F. Lichtschlag

Warum die liberale Parteizentrale marktradikale Unruhe erwarten darf

Der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler hatte im Gespräch mit eigentümlich frei jüngst zwei unerhörte Punkte vorgegeben: Schule entstaatlichen. Geld entstaatlichen. Oder anders gesagt: Schafft den Schulzwang ab und hebt das staatliche Währungsmonopol auf. Diese zwei für die deutsche Politik bislang exotischen Themen waren auch der Gegenstand unzähliger kleinerer und größerer Pausengespräche am Rande des ersten Bundestreffens der Libertären Plattform in der FDP an diesem Wochenende in Bonn.

Im altehrwürdigen Festsaal der Burschenschaft Germania zu Bonn tagten 60 fast ausschließlich junge Männer, teilweise Schüler und meist Studenten – um die bundesdeutsche Politik um eine neue Formation zu bereichern. Quasi als ideologischer Gegenpart der Kommunistischen Plattform der Linken bildet die Libertäre Plattform der FDP nun den radikalkapitalistischen Flügel am Rande des Parteiensystems. Dabei legen die Akteure Wert darauf, dass auch Parteilose mitmachen dürfen. Eine kurze Umfrage zu Beginn des Treffens ergab, dass etwa die Hälfte der Anwesenden FDP-Mitglieder sind, die andere Hälfte parteilos – wie mit ein paar CDU-Mitgliedern weiter umgegangen wird, muss zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden werden. Überhaupt war es nicht Ziel des Treffens, Strukturen zu schaffen oder festzuzurren. Man will sich zunächst sammeln, kennenlernen und erst einmal das neue libertäre Netzwerk ausweiten, um später möglicherweise einen Vereinsstatus anzunehmen.

Bei aller Exzentrik der beiden Schwerpunkte des Bundestagsabgeordneten, man darf sich diese Libertären nicht als eine homogene Gemeinschaft Gleichdenkender vorstellen. Vielmehr versteht man sich hier eher als individualistischer Freigeist – und vom Kulturkonservativen bis zum Linkslibertären, vom klassischen Liberalen bis zum Anarcho-Kapitalisten ist alles vertreten. Auch verschiedene bestehende Vereinigungen sind qua sich bekennender Mitglieder anwesend, etwa die Hayek-Gesellschaft oder das Institut für unternehmerische Freiheit. Nun ist es zwar das erste Bundestreffen der Libertären Plattform – und viele der Teilnehmer, die sich zuvor nur aus Newslettern und Internetforen kannten, treffen erstmals persönlich aufeinander, aber es ist nicht das erste libertäre Stelldichein in Deutschland. Es scheint sich nach einigen Libertären Foren Ende der 90er Jahre – unvergessen auch das Treffen zu Barßel als „Gründung der Bewegung 1999“ – hier eine neue Generation der Libertären zusammengefunden haben. Und vieles ist tatsächlich anders geworden.

Vor zehn Jahren waren libertäre Treffen geprägt von stundenlangen, entrückten Theroriedebatten etwa im Streit zwischen „Objektivisten“ und „Subjektivisten“ oder um die Frage, welche Währung sich denn nun genau am Markt durchsetzen werde. Auch um Sesam- und Mohnbrötchen wurde in geradezu legendären Redeschlachten gerungen. Keiner schien die Absicht zu haben, da draußen die zunehmend etatistische Welt, die man für genauso verrückt hielt wie diese die hier geführten Diskussionen, überhaupt verändern zu wollen. Wichtiger war der Spaß am Erkenntnisgewinn, am oft sehr humorvollen Streit um ein X oder ein U – und vor allem die Selbstironie. Das schönste an diesen Treffen war für manchen explizit, auf Leute zu treffen, „die genauso verrückt sind wie man selbst“.

Nach dieser „guten alten Zeit“ folgten Fraktionierungen und persönliche Streitereien in der virtuellen Welt, die weit weniger schön waren. Manches Projekt löste sich aus einem allzu eng definierten „libertären Rahmen“. Und nun dieses ganz andere Treffen von einer ganz neuen Generation Libertärer, bei dem so vieles anders ist.

Hier wird der kleinste gemeinsame Nenner – man will die Staatsaus- und Staatsaufgaben radikal kürzen – schlicht vorausgesetzt und man sucht nach Wegen, wie Etappenziele umgesetzt werden könnten.

Bildung und Währung – „Freie Bildung“ lautete der Titel des ersten Referates am Samstag von Stefan Sedlaczek. Er gab Einblick in die Praxis von Homeschoolern und alternativen Schulgründern und er antwortete gezielt auf viele aufgeworfene Fragen zum auch hier neuen Thema. Die Währungsproblematik war immer wieder auch ein Teil aller drei anderen Hauptreferate an diesem Wochenende. Frank Schäffler forderte „mehr Mut in der Politik“ – und untermauerte seine Position für viele Anwende als „unser Mann im Bundestag“. Der Autor und Jurist Carlos A. Gebauer stellte am heutigen Sonntag gewohnt eloquent und humorvoll  „Gerechtigkeitskonzepte zwischen Nächstenliebe und Totalitarismus“ vor, wobei er eigens eine „soziale Schere“ mitgebracht hatte, von deren Auseinanderdriften immer so gerne berichtet wird. Er erklärte anschaulich, dass die Schneiden nur deshalb auseinanderdriften, weil auf der anderen Seite jemand die Hebel bewegt. Schließlich sprach Ingo Stolle als Bundesvorstand Liberaler Mittelstand – ebenfalls in einer mitreißenden Rede – kritisch über „Marktwirtschaft und FDP“, wobei er eindrucksvoll und detailliert viele kleine Schikanen vorstellte, mit denen Unternehmer in Deutschland heute traktiert werden.

Bei diesem ersten Kennenlernen hatten ganz offenbar ausgewiesene Praktiker viel jenen zu erzählen, die sich nun bestens motiviert an der stückweisen Umsetzung in und außerhalb der FDP versuchen wollen – vorerst ohne feste Struktur, aber mit viel Enthusiasmus.

Am Ende wurde ohne Gegenstimme eine Bonner Erklärung verabschiedet, die demnächst (zur Information auch auf ef-online) veröffentlicht werden soll. Ein einziger kleiner Disput kurz vor Abschluss der Veranstaltung sollte dann doch an vergangene libertäre Zeiten erinnern: Soll man sich, so ein Einwurf, die Aufhebung des staatlichen Verbots von Inzest auf die Fahnen schreiben? Da geisterte plötzlich wieder mit ein wenig Selbstironie der „libertäre Spinner“ durch die eigenen Reihen. Doch da, wo vor zehn Jahren die Diskussion gerade erst begonnen hätte, schloss man die Frage mit einem „das lassen wir jetzt mal“ gleich wieder nachhaltig ab: „Da ist anderes erst mal wichtiger!“

Internet

Libertäre Plattform in der FDP

Ein Blick zurück: „Die Gründung der Bewegung 1999 zu Barßel“ (hier Seite 217, 218 bzw. Seite 36, 37)

14. September 2008

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Kommentare

Freewheelin Fördermitglied , am 15. September 2008 um 8:33 ( Link )

Soll man sich, so ein Einwurf, die Aufhebung des staatlichen Verbots von Inzest auf die Fahnen schreiben?

Sorry, aber das würde ich eher bei Bürgerkrieg90/DieGrünen vermuten - und gehört in die Rubrik "Dinge, die die Welt nicht braucht".
Kann doch keiner Ernst nehmen - und diskreditiert so wichtige und richtige Themen wie Geldmonopol.

LePenseur , am 15. September 2008 um 10:44 ( Link )

@Redaktion:

Ich verstehe schon, daß Sie Ihre Online-Ausgabe finanzieren müssen, aber: muß es unbedingt eine Google-Anzeige von Heide Schmidt ("Heide Schmidt steht für
Faire Grundhaltung zur Lösung von Problemen") sein, die rechts im Kasten zu sehen ist?!

Heide Schmidt's Kleinpartei "Liberales Forum" (mal sehen, ob sie bei den Wahlen am 28. September die 4%-Hürde schafft!) ist ein völlig illiberales Konstrukt aus sozialistischer Feunderlwirtschaft (der sozialistische Bundespräsident Heinz Fischer ist nicht zufällig einer der engsten Freunde und Mentoren von heide Schmidt!)und linkem Gutmenschenterror, bei dem "liberal" außer im Namen nur in homöopatischer Dosierung vorkommt!

Frederik Cyrus Röder , am 15. September 2008 um 13:08 ( Link )

Vielen Dank an EF für den schönen Artikel.
Ich bin zuversichtlich, dass sich durch die Plattform einiges innerhalb der FDP verändern lässt.

Waldmeister , am 15. September 2008 um 13:16 ( Link )

@LePenseur:
Ich glaube nicht, daß ef online einen Einfluß auf die von Google geschalteten Anzeigen hat, rein technisch gesehen.

Frage generell zum Artikel: gibt es zufällig Videoaufnahmen von den Vorträgen, die man auf video.google.com oder anderen Videoportalen hochladen könnte? Beim Lesen habe ich Appetit gekriegt.

Michel Fördermitglied , am 15. September 2008 um 14:31 ( Link )

@ Freewheelin: Das Inzestverbot sollte nicht überbewertet werden. Soweit ich mich erinnere, war es nur als Beispiel für opferlose Verbrechen gedacht.

Nico Metten , am 15. September 2008 um 16:40 ( Link )

Ja, das klingt doch alles sehr schön. Endlich ist auch der Libertarismus in der Realität angekommen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich sinnlos über inhaltliche Fragen stritt. Endlich gehen ein paar vernünftige Männer hin und setzen den libertären Traum in die Realität um. Ich muss sagen, dass Konzept sich nicht mehr über Inhalte zu streiten und sich stattdessen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen überzeugt. Keine Frage, die Macher haben verstanden wie Politik funktioniert.

Der kleinste Gemeinsame Nenner ist alleine deswegen schon eine sehr wichtige Strategie, weil man nur so koalitionsfähig bleibt. Und das ist eine der wichtigen Vorraussetzungen um in der realen Politik etwas verändern zu können. So kann man für das wichtige Ziel die Einkommenssteuer um 4% zu senken ganz gut mit der CDU zusammenarbeiten. Während bei der Freigabe von Drogen wohl eher die Linkspartei als Partner in Frage kommen dürfte. Die Macher haben es auch sehr gut verstanden sich nicht zu sehr fest zu legen. Man will die Staatsausgabe und Staatsaufgaben radikal kürzen. Da ist ja noch viel Luft drin.

Es ist wirklich schön zu sehen, dass der Libertarismus nun endlich in der Realität landet. In der Realität des kleinsten Gemeinsamen Nenners. In der Realität der Kompromisse und damit natürlich in der Realität des glorreichen dritten Weges der Sozialdemokratie.

Frank Martin , am 15. September 2008 um 17:44 ( Link )

Danke, Nico, für Deinen gelungenen Beitrag. Es bleibt fraglich, ob es unter den Vorzeichen von Demokratie und der Vergötzung von Meinung und Willen eine politische Abkürzung auf dem Weg zur Freiheit gibt, es wird dennoch nicht zu vermeiden sein, dass auf diesem Wege ein Kontrapunkt zum status quo gesetzt werden wird. Seine Hörner stößt man sich immer besser in der Praxis ab, denn in der Theorie. Es ist nicht verwunderlich, dass manche Menschen etwas zu erreichen trachten, was ihnen durch das Studium von Schriften oder das Warten auf die geweissagte Entwicklung nicht gelingen mag. Sie haben nur ihr Leben. So, wie wohl viele von ihnen ihrer reinen Lehre gern folgen würden, so wenig wollen sie heute und alle Tage nur das Wasser halten.
Ob es klug ist zu handeln oder besser, weiter zu lernen, können wir nicht einmal im Nachhinein sicher wissen. Kritik wird einer libertären Plattform wohl immer willkommen sein.

Dagny , am 15. September 2008 um 18:31 ( Link )

Ach Nico,

Deine Kritik am Politik-machen muss dann etwas weiter oben ansetzten. Wenn sich in der FDP eine libertaere Plattform findet, wenn das Ziel ist, ein Netzwerk zu bilden und in der Politik, in der FDP libertaere Ideen voranzubringen, dann ist das, was du kritisierst die richtige Methode.

Wenn es Dir um kompromissloses Streiten und Debattieren geht, hast du mit Deiner Kritik ausnahmslos recht.

Nico Metten , am 15. September 2008 um 18:41 ( Link )

Von miraus kann die Libertäre Plattform in der FDP machen was sie will. Ich kenne einige Mitglieder und weiß durchaus, dass ihnen Freiheit wirklich am Herzen liegt. Mir ging es darum auf die Bewußte Provokation von André zu antworten die Plattform als die vernüftigen Macher gegenüber den verrückten Laberern zu antworten. Da habe ich mich natürlich gerne provozieren lassen.

Es scheint ein Phänomen der menschlichen Psyche zu sein, dass Handeln immer als etwas besseres angesehen wird, als nicht zu handeln. Und zwar völlig egal was dabei heraus kommt. Das begegnet einem in allen möglichen Diskussion. Anhänger der Klimakatastrophe haben z.B. auch immer als letzten Trumph das Argument "Aber Nico hör mal, wenn man das zuende denkt, was du sagst, dann hieße das ja, dass man überhaupt nichts tun sollte". So als wäre das eine völlig Absurde Option.

Aber ich bin ja nicht um sonst ein Anhänger der Antiautoritären Pädagogik. Ich weiß schon, dass die meisten Menschen erst einmal selbst auf die heiße Herdplatte gefasst haben müssen, damit sie verstehen, dass das nicht gut ist. Belehrungen helfen da wenig. Und so muss jede Generation in der Politik auch wieder die gleichen Fehler machen. Die Sozialisten glauben schon wieder an die Durchführbarkeit des Sozialismus, die Nationalisten glauben wieder an die Nation und natürlich kommen alle paar Jahre stolz wie Otto einige Liberale auf die revolutionäre Idee "Hey Mensch ich weiß was, lass uns doch mal in die Politik gehen und unsere Ideen dort einbringen. Wenn man nichts macht, kann ja auch nichts draus werden". Natürlich hilft es nichts diesen Leuten zu versuchen zu erklären, dass seit weit über Hundert Jahren in allen Möglichen Gesellschaften immer und immer wieder dieser Weg versucht wurde und IMMER gescheitert ist, manchmal sogar der liberalen Sache geschadet hat. So müssen die Liberalen in jeder Generation immer wieder selbst eins auf die Schnauze kriegen. Aber mir ist egal. Schade nur um die viele verlohrene Kreative Energie.

Unidad , am 15. September 2008 um 19:19 ( Link )

tagten 60 fast ausschließlich junge Männer

Ach nein, ganze 60! Man merkt so richtig, wie der Libertarismus zur Massenbewegung heranwächst. Vor zehn Jahren wären es noch 59 gewesen.

Ganz im Ernst: Wenn es diesen Leuten Spaß macht, sich zu treffen um zu diskutieren, dann ist die Sache natürlich in Ordnung. Bedenkt man aber, dass selbst ein kastrierter Liberalismus à la FDP in Deutschland eine absolute Mindeheitenmeinung darstellt, sollte man sich keine Hoffnung machen, an den bundesrepublikanischen Verhältnissen auch nur kleinste Änderungen herbeiführen zu können.

frolueb , am 15. September 2008 um 19:48 ( Link )

[quote]@ Freewheelin: Das Inzestverbot sollte nicht überbewertet werden. Soweit ich mich erinnere, war es nur als Beispiel für opferlose Verbrechen gedacht.[/quote]

Genau das war es. Ich war ja derjenige, der das Beispiel "Inzest" am Samstag Abend beim Essen als BEISPIEL ansprach. Irgendwie wurde das wohl dann zum running gag am Sonntag. Naja, ich kann damit leben.

@Unidad:
Die 60 waren schon ein Erfolg, wenn man mal bedenkt, dass die Vorbereitungszeit sowie der Werbeaufwand wirklich nicht sehr groß waren. Man muss nicht immer alles schlecht reden müssen...

Burkhard Grafenstein , am 15. September 2008 um 21:11 ( Link )

Inzest ist ein schlechtes Beispiel für ein opferloses Verbrechen. Was ist mit dem potentiell schwergeschädigten Kind?

Ich sehe gerade bei Google, dass sich bei der Ex-SED ebenfalls eine libertäre Plattform bildet. Was hat es damit auf sich?

War es Zufall, dass prominente "Linkslibertäre" fehlten?

frolueb , am 15. September 2008 um 21:26 ( Link )

Inzest ist ein schlechtes Beispiel für ein opferloses Verbrechen. Was ist mit dem potentiell schwergeschädigten Kind?

Da fällt mir nur ein Kommentar des ehemaligen BVerfG-Richters Hassemer ein:

Eine Berücksichtigung eugenischer Gesichtspunkte ist von vornherein kein verfassungsrechtlich tragfähiger Zweck einer Strafnorm. Auch geben weder der Wortlaut der Norm noch die Gesetzessystematik Hinweise, dass der oder auch nur ein Schutzzweck der Bestimmung gerade in der Wahrung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung liegen könnte. Schließlich findet das Verbot des Geschwisterinzestes seine verfassungsrechtliche Rechtfertigung auch nicht im Schutz von Ehe und Familie. Unter Strafe gestellt ist lediglich der Beischlaf zwischen leiblichen Geschwistern.

Es ist der Geschlechtsverkehr illegal. Ein Schutz von noch nicht geborenen Kindern ist nicht Bestandteil des Paragraphen. Auch durch Petting (welches ja erlaubt ist) könnte eine Kind entstehen (Dr. Sommer weiß auch wie...), das ist aber dann anscheinend nicht strafbar. Außerdem: wenn man nur wegen einem möglicherweise schwer geschädigtem Kind den Inzest unter Strafe stellen will, dann müsste man jedem Menschen den Sex verbieten, der Erbkrankheiten übertragen könnte. Und dann wäre man bei Diskussionen, die man schon 1933-45 hatte. kann ja nicht Ziel sein, oder?

Herr_Rossi , am 15. September 2008 um 23:11 ( Link )

Nur, um auch mal ein bischen auf schlau zu machen:
In Deutschland ist nicht der Geschlechtsverkehr unter Geschwistern illegal sondern der Beischlaf.
Das bedeutet, dass inzestuöse Beziehungen zwischen gleichgeschlechtlichen Geschwistern, die zu Geschlechtsverkehr führen nicht strafbewehrt sind.
Der o.g. "Kommentar" Hassemers ist ein Minderheitenvotum im Rahmen eines Verfassungsgerichtsurteils. Hassemer war der einzige Richter, der diese Meinung vertrat.
Das Mehrheitsvotum erkannte durchaus die eugenische Gesichtspunkte des Gesetzgebers an!!!
Insofern ist das Thema Inzest aus libertärer Perspektive hochinteressant. Dazu braucht es nichtmal das "opferlose Verbrechen".

Aus politischen Gründen ist es wenig opportun sich damit zu beschäftigen...

frolueb , am 15. September 2008 um 23:19 ( Link )

Aus politischen Gründen ist es wenig opportun sich damit zu beschäftigen...

Richtig.

Auch beim Rest stimme ich dir zu. Es war ein Minderheitsvotum, das Gericht erkannte die eugenischen Gesichtspunkte an (was m.E. durchaus recht skandalös ist) und Beischlaf wird folgendermaßen juristisch definiert:
"Der Bundesgerichtshof definiert Beischlaf in ständiger Rechtsprechung als Eindringen des männlichen Gliedes in den Scheidenvorhof."

Aus libertärer Perspektive ist das Thema insofern interessant, weil der Gesetzgeber hier erwachsenen Menschen sexuelle Handlungen verbieten kann bzw. sogar unter Gefängnisstrafe stellt, die im Einvernehmen getroffen wurden.
Ähnlich interessant aus libertärer Sicht ist wohl noch die Pädophilie, allerdings aus politischen Gründen sicherlich noch heikler.

Und nochmals: es gibt auch noch weitaus wichtigeres und dringenderes ;-)

Ulrich_Wille , am 15. September 2008 um 23:41 ( Link )

Als jemand, der "in Barßel dabei war", kann ich die Darstellung des Artikels bestätigen: Ja, es wurde wild theoretisch diskutiert und es war teilweise sehr skurril und selbstironisch. Zwei Sachen möchte ich aber noch ergänzen: Erstens, daß in Barßel und auf ähnlichen Veranstaltungen auch "gesungen" wurde, und zweitens, daß es auch damals schon eine "Libertäre Plattform in der F.D.P." gab, die aber, wenn ich mich recht erinnere, nur aus einer Person (Michael Kastner) bestand und auch über Theoriegesänge nicht hinauskam (bitte um Korrektur, wenn ich falsch liege).

Und nun soll also alles anders werden, die Libertären in der Plattform setzen nicht auf Theoriediskussionen, sondern auf "Realität" und "Praxis". Da interessiert es mich schon, welche Praxis das sein soll. Beabsichtigt die Libertäre Plattform die Gründung einer Privatschule, einer Alternativwährung, oder möchte sie Hilfestellung für Schwarzarbeiter leisten? Im Artikel ist nur davon die Rede, daß eine "Bonner Erklärung" verabschiedet wurde. Hört sich nicht sehr "realistisch" oder "praktisch" an. Ansonsten kann ich zu der "Erklärung" nichts sagen, da ich sie auf der Webseite der Libertären Plattform nicht finden konnte. Daß sie ohne größere Diskussionen einstimmig verabschiedet wurde, macht mich aber mißtrauisch. Eine politische Bewegung muß natürlich "Geschlossenheit zeigen" und eine "ofizielle Meinung" zu allem und jedem haben, damit "der Wähler weiß, woran er ist." Außerhalb der Politik ist jedoch der Mangel an (bzw. sogar das Abbügeln von) kontroversen Diskussionen, der im Artikel so gelobt wird, keine Tugend. Anarchokapitalisten und Minimalstaatler zum Beispiel verfolgen nun einmal unterschiedliche Ziele, und es ist doch nur natürlich und auch legitim, wenn darüber kontrovers diskutiert und teilweise auch heftig gestritten wird. Unter Sozialisten oder Konservativen oder Siebentagsadventisten wird schließlich auch diskutiert und gestritten, warum sollte dies ausgerechnet bei individualistischen Freigeistern anders sein?
So beschleicht mich der Verdacht, daß hier wieder einmal "Realität" mit "Politik" gleichgesetzt wird. Das kann passieren, wenn man jahrelang regelmäßig "Tagesthemen" und "Menschen bei Maischberger" und ähnliche Sendungen guckt, aber was da präsentiert wird, ist von der Realität weiter entfernt als "Star Trek". Der Obdachlose auf der Straße und das Ordnungsamt, das auf der Baustelle gegenüber Schwarzarbeiter jagt, und der Finanzvollstrecker, der die Firma nebenan pfändet - das ist die Realität. Westerwelle und Merkel - das ist Comedy, und zwar schlechte. Der Glaube, man könne durch "politisches Engagement" die Realität nachhaltig zum Besseren wenden, das halte ich nun wirklich für eine "abgehobene Theorie" (s. Beitrag von Nico Metten).
Das Beste, was man sich von der Libertären Plattform als Libertärer erhoffen kann, ist, daß mehr Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, daß es so etwas wie "die Libertären" gibt. (Das war übrigens auch das Ziel der "ersten Libertären Plattform" von Michael Kastner). In diesem Sinne wünsche ich der Libertären Plattform alles Gute für ihre "realistische Praxis". Wobei die erste Praxis ja darin bestehen könnte, die "Bonner Erklärung" online zu setzen, damit darüber diskutiert (!) werden kann.

frolueb , am 15. September 2008 um 23:48 ( Link )

Die Bonner Erklärung wurde bisher nicht (und das ist fehlerhaft in Artikel) "verabschiedet", sondern erstmal nur den Teilnehmern vorgestellt, diskutiert und ergänzt. In den nächsten Tagen wird die "Bonner Erklärung" dann überarbeitet veröffentlicht werden und auch der FDP zugestellt werden.

Das ist auch der Grund, wieso man bisher noch nirgends etwas von der Erklärung lesen kann: es gibt einfach noch keine verabschiedete Version. Das sollte im Artikel auch noch überarbeitet werden.

frolueb , am 16. September 2008 um 11:38 ( Link )

So. Jetzt kann man sich die Bonner Erklärung auch ausm Netz ziehen:

http://www.liberalismus-portal.de/Bonner_Erklaerung_der_Libertaeren_Plattform.pdf

Herr_Rossi , am 16. September 2008 um 15:13 ( Link )

Und nochmals: es gibt auch noch weitaus wichtigeres und dringenderes ;-)

Klar, gibt es das!
Wenn allerdings bereits staatliche Regelungskompetenz hinsichtlich der Frage wer mit wem ficken darf und wer mit wem Kinder haben darf aktzeptiert wird, dann nehmen sich dagegen Schulzwang und Papierschnipselmonopol doch recht gering aus.
Dann kann uns Vater Staat auch vorschreiben, dass wir uns donnerstags nur einbeinig hüpfend fortbewegen dürfen.

frolueb , am 16. September 2008 um 16:04 ( Link )

@Herr_Rossi:

völlige Zustimmung in allen Punkten ;)

Scrutograph , am 16. September 2008 um 20:11 ( Link )

@frolueb

Ich habe mich lediglich mit deiner Behauptung auseinandergesetzt, Inzest sei eine opferlose Verhaltensweise.
Das hast bisher nicht darlegen können, es gebe keinen Geschädigten infolge von Inzest.

Sofern beim einvernehmlichen Geschlechtsverkehr Verhütungsmittel angewandt werden, ist dieser so gut wie gar nicht nachweisbar.

Faktisch gerät also nur unverhüteter Sexualverkehr, der zur Schwangerschaft führt, in das Visier der Behörden, und selbst dann werden meistens Gnadenurteile gesprochen.

Der Inzestnorm wird insoweit eher eine Orientierungsfunktion als eine Straffunktion zugesprochen.

Es ist bei solchen Dingen auch die Frage, ob man religiöse Menschen im libertären Boot halten will, oder man meint, sie verprellen zu können.

frolueb , am 16. September 2008 um 20:59 ( Link )

Das hast bisher nicht darlegen können, es gebe keinen Geschädigten infolge von Inzest.

Nun, der reine Beischlaf an sich KANN zu Kindern führen, muss es aber nicht. Wenn man aber den kompletten Inzest unter Strafe stellt, so ist das quasi ein Vorgriff auf eine mögliche Folge des Beischlafs. Inweit dies nun mit Gefängnis bestraft werden muss, mag man sich nun fragen können. Vor allem: wenn ist mit der Strafe denn geholfen? Dem Kind als mögliches Opfer? (wobei man noch sagen muss, dass nicht jedes Inzest-Kind behindert ist. Mediziner sind sich ja nicht mal einig, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung denn ist...) Dem Kind ist sicher nicht damit geholfen, wenn es ins Heim kommt und dieEltern in den Knast.
Außerdem ist auch behindertes Leben lebenswert, weswegen ich es nicht zwingend als Opfer anerkennen kann.

Der Inzestnorm eine Orientierungsfunktion zuzuordnen halte ich für falsch. Wieso stellt man denn dann nicht auch Sex mit HIV-Infizierten unter Strafe? oder Sex mit Morbus Crohn-Kranken, deren Kinder ja auch diese Krankheit in sich tragen können? Oder oder oder...

Ich halte von dem BVerfG-Urteil rein gar nichts. Hier wird eine Moral zur Strafnorm erhoben und dem Bürger ins Sexleben reingeredet. Ich dachte eigentlich, aus dem Zeitalter ist man zumindest in Deutschland schon herausgewachsen... andere europäische Länder sind da schon bedeutend weiter...

Zitat aus wikipedia:

In Frankreich wurde die Strafbarkeit von Inzest mit dem Code pénal français von 1810 abgeschafft. Verschiedene Länder, die das französische Rechtssystem als Vorbild genommen haben, stellen Inzest ebenfalls nicht unter Strafe, dazu gehören Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Portugal, die Türkei, Japan, Argentinien, Brasilien und einige andere lateinamerikanische Staaten.

Auch sonst empfiehlt sich der wiki-Artikel durchaus...

Herr_Rossi , am 16. September 2008 um 22:03 ( Link )

Grundsätzlich habe ich wichtigeres und dringenderes zu tun, als eine Inzest-Debatte zu führen:
a) muss ich noch Bier aus dem Keller holen
b) frage ich mich, wieviele Minuten ich gleich mein Steak von jeder Seite braten soll

aber:
Die Diskussion ist durchaus intellektuell anregend!
@Scrutograph
Zunächst zum angeblichen Opfer beiderseitig freiwilligen Beischlafs: Wer soll das überhaupt sein?
Hierzu mal aus Hassemers Stellungnahme folgendes Zitat:

Es verbietet sich schon von Verfassungs wegen, den Schutz der Gesundheit potentieller Nachkommen zur Grundlage jedenfalls strafgesetzlicher Eingriffe zu machen. Ein Rechtsgutsträger, dessen mutmaßliche Interessen zur Rechtfertigung des Inzestverbots herangezogen werden könnten, existiert zum Zeitpunkt der Tathandlung neben dem betroffenen Geschwisterpaar nicht. Der Gedanke eines strafrechtlichen Schutzes potentieller Nachkommen vor genetischen Schäden setzt zudem die absurde Abwägung des mutmaßlichen Interesses potentiell gezeugten Nachwuchses an einem Leben mit genetischen Defekten einerseits mit einem mutmaßlichen Interesse an der eigenen Nichtexistenz andererseits voraus. Deshalb kennen wir aus guten Gründen eine Strafbarkeit des Beischlafs selbst dort nicht, wo die Wahrscheinlichkeit behinderten Nachwuchses höher ist und die erwartbaren Behinderungen massiver sind als beim Inzest.

Zweite Frage:
Welcher Religion sollen den Menschen angehören, die mit einer Inzestfreigabe aus dem libertären Boot gekickt werden?
Der christlichen Religion hängen sie sicher nicht an, wenn sie genetisch normabweichende Menschen als Schaden betrachten.

Scrutograph , am 17. September 2008 um 15:33 ( Link )

In der Realität haben Inzestfälle leider oft wenig mit Geschwisterliebe-Romantik zu tun, sondern mit jahrzehntelangen brutalen Mißbrauchsbiografien, die auch von Massenmedien entsprechend aufgegriffen werden. Man wird wahrscheinlich den Hass der Bevölkerung auf sich ziehen, wenn man politisch dagegen vorgeht, andererseits existiert keine wirkliche Nachfrage nach Legalisierung von Inzest.

In dem erwähnten Wikipedia-Artikel kann nachgelesen werden, dass Inzest zB für Katholiken ein Verstoß gegen göttliches Recht darstellt.

Inzest ergibt eine Störung der Familienordnung, die nicht vorsieht, dass der Vater zugleich der Onkel ist. Ergibt das nicht erbrechtliche Verwicklungen?

Existieren in Frankreich auch keine Eheverbote für Verwandte?

Vielleicht können Libertäre den verschiedenen religiösen Gruppierungen ein interessantes Angebot machen: Wie wäre es mit einer Wiederbelebung von Kirchenbußen und Kirchenstrafen, mithin einem System, in dem Glaubensgemeinschaften Verstöße gegen ihre jeweilige Ehe- und Sexualmoral intern abstrafen können, ohne dass der Staat dies besorgt?

Ein in Zukunft diesbezüglich relevanteres Thema als das Inzesttabu wird das christliche Verbot der Mehrehe sein.

frolueb , am 17. September 2008 um 16:31 ( Link )

@scrutograph:

du vergisst, dass der Missbrauch mit einem ganz anderen Strafparagraphen behandelt wird. Es geht hier einzig um den 173er StGB und der definiert nur EINVERNEHMLICHEN Inzest zwischen LEIBLICHEN Verwandten. Missbrauchsfälle sind dann in 174 bis 179 definiert.

siehe auch http://dejure.org/gesetze/StGB/173.html

frolueb , am 17. September 2008 um 16:32 ( Link )

Ergänzung: Abgeschafft werden sollte eben nur der 173er.

Stefan Sedlaczek , am 17. September 2008 um 22:24 ( Link )

Ja, die tatkräftigen Handelnden, männlich, wissend - und mit Durchsetzungsvermögen. In meinem Vortrag habe ich es mehr als einmal betont, um was es geht: Andere in Ruhe lassen. Mehr ist da nicht. Sich selbst, sein Eigentum, sein Selbsteigentum auch als Beschränkung auf sich selber zu verstehen, hatte ich in der nachfolgenden Diskussion angeregt. Wer das nicht kann, macht Politik:
http://www.freiheitssplitter.de/pincard_politik.htm
Insoweit bin ich bei Nico - und werde ihn sehr vermissen, wenn er auf unserem Stammtisch in Köln nicht mehr dabei sein kann. Aber auch er hat gehandelt, entzieht sich damit klug schädlichen Einflüssen.
Es ist nun so, daß man - ganz natürlich - um von A nach B zu kommen, Schritte geht, mal kleine, mal große, je nach Gelände. Dabei gilt es, daß Ziel im Auge zu behalten, sich nicht vom bequemen Weg verleiten zu lassen, sondern das Ziel, radikal und eindeutig anzustreben - so schwierig der Weg dorthin auch sein mag. Meist führen keine Wege zum Ziel. Schon gar nicht ist der Weg selbst das Ziel - Selbstbewußtsein und bewußte Gegenwärtigkeit sind wichtig -, aber eben nicht das Ziel. Ein Weg ohne Ziel ist Irrgang. Zur Freiheit führt das Betreten neuer Wege, unbekannten Terrains und eine Art und Weise, eine Methode des Begehens, die sich bereits in der Vergangenheit bewährt hat: Vernunft, der Gebrauch des Verstandes. Auch in der Abwägung von Intuition und Bauchgefühl.

Wie auf dem Treffen angekündigt, findet sich meine Rede auf www.freiheitsfreunde.de
Und ein bißchen mehr.

Herr_Rossi , am 18. September 2008 um 2:23 ( Link )

In dem erwähnten Wikipedia-Artikel kann nachgelesen werden, dass Inzest zB für Katholiken ein Verstoß gegen göttliches Recht darstellt.

Na, da kommen wir der Sache doch schon näher.
Also bei den Katholiken ist Inzest ein Verstoß gegen göttliches Recht!
Um es exakt auszudrücken ist es ein "besonders schweres Vergehen" (katholischer Katechismus § 2388)
Ich bin weder Jurist noch Theologe aber der katholische Glaube lehnt auch Homosexualität als "schlimme Abirrung" ab und wertet sie als Verstoß gegen die natürlich Ordnung (§ 2357).

Dennoch verbietet es der katholische Glaube, diese Menschen ungerecht zurückzusetzen. Vielmehr ist ihnen mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. (§ 2358)

Als Katholik mag ich Inzest moralisch höchst verwerflich finden. Deshalb darf ich entsprechende Menschen genausowenig wie Homosexuelle in ihrer Menschenwürde herabsetzen.
Irre ich hier?
Pfarrer to the front!

Frank Martin , am 18. September 2008 um 12:47 ( Link )

@Herr Rossi:

Nach meinem laienhaften Verständnis verhält es sich wohl so:

Es geht um "Schuld und Sühne", nicht um "Verbrechen und Strafe".

Wer Inzest begeht oder Homosexualität betreibt, der versündigt sich, hat aber die Möglichkeit, dieses zu beichten und Abkehr zu geloben sowie Buße zu tun.

Lästerliche Reden über sündige Menschen sind ebenso Sünden, nur nicht so schwerwiegend.

Herr_Rossi , am 19. September 2008 um 0:58 ( Link )

Ganz ehrlich:
Das habe ich jetzt nicht verstanden.

Frank Martin , am 19. September 2008 um 9:28 ( Link )

Vielleicht hätte ich vorausschicken sollen, dass kirchliches Recht auf die Läuterung des Sünders, nicht auf seine Bestrafung zielt?

Die Kirche will ihre Schäfchen zu ihrem Schutze bei ihrer Herde haben und lädt sie dazu ein, sich von ihren Sünden durch Beichte und Buße zu befreien, es ist dabei klar, dass alle Christen Sünder sind, mehr oder minder schwer sündigen, in ihrem irdischen Leben. Es geht darum, diese Sünden zu meiden, nur in schweren Fällen der Schädigung anderer kamen Strafen als ultima ratio zum Zuge und jeder Henker oder Folterknecht bat seinen Herrn um Vergebung für sein Tun.

Diese Art des Umgangs mit begangenen Sünden ist völlig anders als der Umgang von säkularen "staaten" mit den teils von ihnen erfungenen "Straftaten". Auch war der bis ins 19. Jahrhundert existierende Kirchenstaat in Mittelitalien wesentlich milder in der Bestrafung von Delinquenten, als andere zu dieser Zeit.

Begriffe wie Menschenwürde oder Menschenrecht passen nicht gut in die katholische Denkart.

Constantin , am 19. September 2008 um 12:40 ( Link )

Die Forderung, das Beischlaf-Verbot bei Blutsverwandten aufzuheben, ist mittlerweile sogar(!) Beschlusslage des Bundesverbandes der Jungen Liberalen (seit dem JuLi-Bundeskongress im Frühjahr 2007 in Kiel).

Scrutograph , am 24. September 2008 um 20:03 ( Link )

@frolueb

Doppelt und dreifach genäht hält besser. Ich halte den 173 für eine sinnvolle, verständliche und wirkungsvolle Norm.

Die Beschlusslage von Jungen Liberalen ist für mich nicht verbindlich. Genau wegen dieses Punkts bin ich ja bei ihnen ausgetreten.

Aufgrund des gesetzlichen Pflichtkrankenversicherungssystems tangiert mich die Fortpflanzerei anderer Leute, die bewusst die Zeugung schwerstkranken Nachwuchses herbeiführen, noch über die mitmenschliche Betroffenheit hinaus.

Solange sich am Krankenversicherungssystem nichts ändert und solange den Glaubensgemeinschaften keine interne Strafjustiz zusteht, lehne ich die Streichung des § 173 ab.


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