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Kreditkrise: Rezession oder Stagflation?von Dirk Friedrich Keine neue Blase in Sicht Aufsehen erregte eine Meldung des amerikanischen Magazins „The Onion“. Ein Gremium anerkannter Wirtschaftsführer sei vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise zu dem Urteil gekommen, dass dringender Bedarf nach einer neuen Blase bestehe. Nach dem Platzen der Immobilienblase, sei es nicht mehr möglich, kurzfristig imaginäre Gewinne zu erzielen. Anstatt mit dauerndem Reden Zeit zu verschwenden, sollten die Politiker endlich für die Bedingungen sorgen, die eine neue Blase ermöglichten. Worin die Blase bestehe, sei letztendlich egal, Hauptsache sie biete Gelegenheiten zur Mitnahme exorbitanter Gewinne und zur Aufnahme langfristiger Verbindlichkeiten, die niemals getilgt werden müssten. „The Onion“ ist ein Satiremagazin. Seine Meldungen sind erfunden. Die platzende amerikanische Immobilienblase ist in jüngerer Vergangenheit keineswegs die erste ihrer Art. Denn ihre Ursache hat sie in der immensen Ausweitung von Geld und Kredit, spätestens seit der Asienkrise 1998. Damals senkte die amerikanische Federal Reserve den Leitzins, um die Folgen des Bankrotts des Hedge-Fonds LTCM zu mildern. Dessen Management, darunter unter anderem Nobelpreisträger, hatte sich unter massivem Einsatz von Hebelinstrumenten verspekuliert. Angesichts des Umfangs der Verluste fürchteten die Zentralbanker, wohl zu Recht, negative Auswirkungen auf die amerikanische Konjunktur, wenn LTCM seine Schulden nicht bedienen könne und seine diversen Gläubiger ausfallen würden. Im Grunde wurde hier der Grundstein für die aktuelle Zentralbankpolitik gelegt, private Verluste auf die Allgemeinheit zu transferieren. Man meinte jedoch, es gut zu machen, die Rezession zu diesem Zeitpunkt durch Zinssenkung zu vermeiden. Richtig wäre aber gewesen, wenn die Eigner und Gläubiger des LTCM die finanziellen Schäden aus ihren risikobehafteten Anlagen selbst hätten tragen müssen. Was richtig ist, das hat in einem System des politisierten Geldes, in einem System, unter dem Banken mehr Geld verleihen als sie geborgt bekommen, wenig Bedeutung. Denn die amerikanische Zentralbank zog es vor, den Leitzins zu senken, also das Geldleihen attraktiver zu machen. Dies weitet die Geldmenge aus. Eine ausgeweitete Geldmenge ist nichts anderes als Inflation. Es steht mehr Geld zur Verfügung, um damit einzukaufen. Es ist jedoch ein Trugschluss, wenn man annähme, es würden von dem neuen Geld nur Autos und Industrieanlagen gekauft. Gekauft werden auch Aktien, denn Aktienanlagen werden rentabler, wenn die Zinsen sinken. So entstand die erste Blase in den Preisen der Aktien der Unternehmen, die man der New Economy zurechnete. Sie platzte. Dadurch wurde jedoch das hohe Geld-/Kreditangebot nicht reduziert, denn mit dem Börsencrash senkte die Federal Reserve die Zinsen und verhinderte abermals eine Anpassung der Geldmenge. Sie wollte es wiederum gut machen und eine Rezession vermeiden. Die Lasten aus der Asienkrise wurden ein weiteres Mal in die Zukunft verschoben. Richtig war auch das nicht. Dieses Mal suchten Geld und Kredit Anlagemöglichkeiten auf dem Markt für Immobilien und Immobilienkredite. Dies führte erst zu Schlechtinvestitionen, also Vorhaben, in die man besser nicht investiert hätte, und dann, als sich das Schlechte in den Investitionen offenbarte, zur Subprimekrise und dem Verfall der Immobilienpreise. Erneut hat die Federal Reserve die Zinsen gesenkt, aber auch andere Aktionen unternommen, um den Kreditmarkt zu stützen. Derzeit ist unklar, ob die Federal Reserve eine Kontraktion des Geld- und Kreditangebots zulässt. Das wäre zwar richtig, hätte aber unweigerlich eine klassische Rezession zur Folge. Die Alternative ist die fortgesetzte Ausweitung des Geldangebots. Es steht zu befürchten, dass die Federal Reserve dies für gut hält. Dennoch würde auch diese zur Rezession führen, denn die umfangreichste Nachfrage nach Geld besteht momentan auf den Rohstoffmärkten. Teurere Rohstoffe schaden der Konjunktur. In Kombination mit den noch nicht verdauten Verlusten der Finanzbranche aus der Immobilienblase käme es zu einer Rezession mit Inflation, der Stagflation. Zwischen diesen beiden Optionen kann die Federal Reserve wählen. Abhilfe schaffen kann eine erneute Blase außerhalb der Rohstoffe. Es müsste eine Blase sein, die den Unternehmen nicht schadet. Eine solche ist weit und breit nicht in Sicht, was aber nicht ausschließt, dass doch noch eine entstehen könnte. Auch diese neuerliche Blase würde das Problem eines zu großen Geldangebots nur in die Zukunft verschieben. Gefordert ist eine Reduktion des Geld- und Kreditangebots auf ein verträgliches Maß. Diese wird früher oder später kommen – und mit ihr die Rezession. Dies gilt unabhängig davon, ob die Federal Reserve dies für gut hält. Die Frage ist allein, ob die Rezession mit einer Inflation gepaart ist oder nicht. Amerikanische private Kreditgeber versuchen derzeit, ihr Kreditvolumen zu verringern und finanzieren auch gesunde Firmen seltener. Selbst die amerikanischen Verbraucher versuchen, die auf ihren Kreditkarten angestauten Kredite zurückzuführen oder wenigstens keine neuen zu nehmen. Das alles spricht gegen eine Inflation der Geld- und Kreditmenge, also für eine klassische Rezession. Die guten Folgen der richtigen Planungen der Unternehmen und Verbraucher kann nur die Federal Reserve konterkarieren, indem sie das Geldangebot ausweitet, um die Konsequenzen der privaten Entscheidungen für die Geldmenge ungeschehen zu machen. Ob dies der Federal Reserve gelingt, ob es ihr überhaupt möglich ist, ist offen, gleichwohl aber wichtig für die eigenen Anlageentscheidungen eines jeden. Freilich ist das derzeitige Dilemma zwischen Stagflation und Rezession keine Kernschmelze des Kapitalismus, wie Michael Krätke in „Freitag“ behauptet. Der marxistische Professor hat den Artikel aus „The Onion“ für bare Münze genommen und hält die Aussagen des von dem Satiremagazin erfundenen CFO der Jenkins Financial Group für eine „bemerkenswerte Wahrheit über den heutigen Kapitalismus, in dem das Verhältnis von Boom und Bubbles - von "realer" und Finanzökonomie - völlig auf den Kopf gestellt ist.“ Möglicherweise bedarf es tatsächlich eines Satiremagazins, damit auch Marxisten einmal zu bemerkenswerten Einsichten über den heutigen Kapitalismus gelangen. Auf dieser Grundlage kann man ihnen dann erklären, dass die Wurzel des Übels nicht im Kapitalismus, sondern in der staatlichen Geldproduktion zu suchen ist. Internet The Onion, Recession-Plagued Nation Demands New Bubble To Invest In Study: Some Americans Cut credit card use Worried Banks Sharply Reduce Business Loans Krätke, Am Rande einer Kernschmelze, Freitag 30 Literatur Rothbard, Das Schein-Geld-System, Resch 2000. 02. August 2008 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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