André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Nokia, Atomkraft und die Politik: Wenn Wolfgang Clements Handy klingelt

von André F. Lichtschlag

Über Emotionssubventionen

Da hatte man dem finnischen Großunternehmen gerade noch satte 88 Millionen Euro zugesteckt – und nun verlegt dieser sein Werk von Bochum nach Rumänien. CDU-Spitzenmann Rüttgers tobt vor Wut. Das sei erstens „Heuschreckenmentalität“ und zweitens in höchstem Maße „undankbar“.

In einem anderen Konzern macht zur selben Zeit ein ehemaliger Politiker seine Nachfolger wütend. Der RWE-Angestellte Wolfgang Clement warnt öffentlich vor der Wahl seiner hessischen Parteifreundin ob ihres Anti-Atomkurses. SPD-Spitzenmann Struck tobt vor Wut. Stromlobbyist Clement habe doch „alles, was er hat, nur der SPD zu verdanken“. Und nun falle er seiner Partei so unverfroren „in den Rücken.“

„Big Government“-Politiker mögen es nicht, wenn ihre Freunde vom „Big Business“ plötzlich „undankbar“ sind. Die heile Welt aus Subventionsverteilern und Subventionsempfängern besteht nur solange, wie beide sich auf Kosten der Steuerzahler gegenseitig mit Macht, Posten und Geld bereichern. Versucht einer einen Alleingang, werden plötzlich aufgewühlte Gefühle offenbar. „Wo kommen wir denn da hin!“ – mögen sie schreien.

Das erinnert an den emotional ebenfalls stark irritierten Kurt Beck in der Szene, wo sich der unrasierte Sozialhilfeempfänger Enrico F. kritisierend nähert. Auch Beck war außer sich, als ihm gegenüber dem undankbaren Sozialklienten entfuhr: „Wasch Dich erst mal!“

Politik funktioniert solange reibungslos, wie die Nettostaatsprofiteure aus Politik, Bürokratie, Gewerkschaften, subventionierten und politisierten Großkonzernen sowie alimentierten Asozialen zusammenhalten gegen den noch produktiven Mittelstand, den sie gemeinsam ausbeuten. Wenn einer aus der Gewinnerkoalition ausschert, wird es ungemütlich – und spannend!

22. Januar 2008

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