David Schah

Jg. 1964, Buchautor, Unternehmer.

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Erderwärmung: Im Dunkeln für das Klima frieren

von David Schah

Unser Wettergott verlangt immer größere Opfer

Die zwei größten und bekanntesten Umwelt- und Klimaprofiteure weltweit sind Greenpeace und der WWF (World Wildlife Fund, nicht zu verwechseln mit der nicht minder berühmten World Wrestling Federation). In Deutschland gesellt sich noch der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) zur Triade der mächtigsten Natur- und Wetterschutzorganisationen dazu, die sich als unabhängig begreifen, jedoch als gemeinnützige Organisationen und NGOs (Nichtregierungsorganisationen) gegenüber herkömmlichen Interessenverbänden fiskalische Vorteile genießen, zum Beispiel umsatzsteuerbefreit sind. Dafür dürfen die NGOs keine Gewinne anstreben, was zur Folge hat, dass überschüssige Spendeneinnahmen umgehend in zusätzliches Personal, höhere Gehälter und in Marketing fließen. So heißt es bei Greenpeace: „Der weitaus größte Teil der jährlichen Einnahmen fließt in die Themen- und Kampagnenarbeit und wird für Recherchen, Aktionen, Fachstudien sowie die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit verwendet.“

Auf diese Weise entsteht ein kontinuierlicher Druck, einen stetig anschwellenden Fluss an werbeträchtigen Informationen am Laufen halten zu müssen. Im Zuge der Shock-and-Awe-Berichte der UN zum sich menschenbedingt wandelnden Erdklima erleben diese Organisationen ein nie dagewesenes Spendenaufkommen, nicht nur von Privatpersonen, sondern vor allem auch von staatlichen und staatsnahen Institutionen, aber auch von immer mehr Großunternehmen, die es sich aus Image-Gründen nicht leisten können, dem Ökodruck der NGOs zu widerstehen und sich keinen grünen Anstrich zu geben. Mit den so erzielten Einnahmen können die NGOs zusätzliche Posten schaffen und immer neue phantasievolle Marketing-Gags kreieren.

Zu den Klimagewinnlern gehören auch die Massenmedien, die naturgemäß nicht genug kriegen können von Meldevorlagen über ein drohendes Insel-, Gletscher- und Eisbärsterben, über bevorstehende Super-Hurricanes in Ostfriesland und Killer-Tornados in der Lüneburger Heide oder über die Rolle Rügens als zukünftigem Teutonengrill. Da verwundert es nicht, dass sich das zentrale Klimaschutzorgan Deutschlands, die Bildzeitung, zusammen mit den drei NGOs BUND, Greenpeace und WWF eine spektakuläre Maßnahme zur Rettung des Klimas ausgedacht hat. Die Aktion heißt „Licht aus! Für unser Klima.“ Am 8. Dezember 2007 sollen von 20 Uhr bis 20:05 alle Lichter ausgeschaltet werden. Auch Google und ProSieben spielen mit und werben für die Erdfinsternis zur besten Tagesschauzeit. Die Aktion soll auch ein Signal an den zeitgleich stattfindenden Weltklimagipfel auf Bali sein, „sich konsequent für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen“. Wohlweislich wird hinzugefügt, dass für die Sicherheit notwendige Lichter wie etwa Straßenlaternen eingeschaltet bleiben sollen. Es gibt bereits Zusagen vom Kölner Dom und vom Schloss Neuschwanstein, die ihre Außenbeleuchtung zur besagten Zeit ausschalten werden. Bleibt zu hoffen, dass solche Gebäude nicht als Orientierungspunkte für Sportflieger oder Polizeihubschrauber fungieren. Auch wurde vergessen, auf der extra dafür eingerichteten Domain www.lichtaus.info darauf hinzuweisen, dass auch klimaübereifrige Autofahrer in diesen fünf Minuten lieber nicht ihre Scheinwerfer ausschalten sollten.

Ansonsten verspricht die Aktion einen hohen Fun-Faktor und soll auch niemandem weh tun, weder dem Klima, noch den Stromkonzernen, noch den mündigen Ökobürgern, die sich durch ihre Beteiligung an der Lichter-Aus-Kette endlich mal ihres sündigen Umweltgewissens erleichtern können. Nur wenige unverbesserliche Spaßverderber rechnen vor, dass durch das Ablass-Knipsen die Haltbarkeit der Glühbirnen reduziert werde, so dass die Energiebilanz am Ende sogar negativ ausfallen könnte. Aber es geht ja um die Symbolik, und die hat unser Klima bitter nötig. Denn das Klima ist bekanntlich sehr rachsüchtig, wenn man es nicht respektvoll behandelt. Das haben auch Promis wie Til Schweiger öffentlichkeitswirksam erkannt, der da meinte: „Eine symbolische Geste, aber man kann nie genug gegen den Klimawandel tun! Schließlich werden unsere Kinder ernten, was wir gesät haben.“

Es ist schon abzusehen, dass der finstere Fünfminuten-Quickie ein voller Erfolg sein wird. Bald werden sich unsere obersten Klimaschützer ermutigt sehen, immer größere dunkle Löcher in unser Leben zu reißen. Wie wäre es mit einer Aktion wie „Heizung aus! Für unser Wetter“? Ist doch nicht zu viel verlangt, mal fünf Stunden im Winter zu frieren, damit es global nicht zu warm wird. Auch Vater Staat wird da nicht abseits stehen wollen und lichtfreie Sonntage, ein Verbot von Nicht-Energiesparlampen und natürlich eine saftige Energiesteuer, einen Lichterpfennig oder einen Heizungsaufschlag einführen. Da kann man sich schon ausmalen, was unseren Kindern dereinst noch zu ernten bleibt. Man kann nur hoffen, dass der Klimagott dann doch mit der Erderwärmung ernst macht, so dass unsere Nachkommen nicht nur das unbezahlbare Licht, sondern auch den teuren Ofen aus machen können.

20. November 2007

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Kommentare

Licht aus!, am 20. November 2007 um 16:14 ( Link )

[...] Blogger die darüber berichten: Rügenbote, medienrauschen, Der Informatik Student, CIO-Weblog, teezeh, Große Worte, Stefan Niggemeier, Planet-Punk, XXL-Killababe, ef-online, Mein Parteibuch, Die Straßen Von Berlin, … [Liste wird erweitert] [...]

Eckard Müller, am 20. November 2007 um 23:34 ( Link )

Danke für den Hinweis. Da werde ich doch zu der fraglichen Zeit meine Wohnung wie einen Weihnachtsbaum strahlen lassen ... Zeichen setzen!

LePenseur, am 21. November 2007 um 9:55 ( Link )

Touché! — leider ...

Gert Friedrich, am 21. November 2007 um 10:53 ( Link )

Gegen die Erderwärmung hilft nur soziale Kälte !

LePenseur, am 21. November 2007 um 11:32 ( Link )

@Gert Friedrich:

LOL! Das muß ich mir merken!

Nico Metten, am 21. November 2007 um 12:28 ( Link )

Wenn dieses Event stimmt, könnte man ja ein Gegenzeichen setzen. Ein paar Scheinwerfer besorgen und in den 5 Minuten ein großes Gebäude anstrahlen. Damit könnte man schon auf sich aufmerksam machen.

Robert Grözinger, am 21. November 2007 um 12:57 ( Link )

@Nico

Geniale Idee! Das sollten möglichst viele, an möglichst vielen Orten machen. Und nicht vergessen, Lokalpresse, -radio und -fernsehn vorher zu benachrichtigen! Und in den Pressemitteilungen die Gründe nennen, weshalb man das macht.

Quovadis, am 21. November 2007 um 15:13 ( Link )

Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa, das Gespenst des Klimatizismus.

Der passende Roman wurde hierzu auch schon geschrieben, eine Neufassung von Orwells "1984":

Lerlow, Ogereg: 2048 : die zeitgemäße Fassung eines klassischen Romans / Ogereg Lerlow. Hrsg. von Norbert Staude . - 1. Aufl. . - [Dortmund] : Verlag 2048, 2003 . - 211 S., 12,80 EUR.

Siehe auch: http://www.schmanck.de/Leserbriefe.html

Eckard Müller, am 21. November 2007 um 15:46 ( Link )

> Wenn dieses Event stimmt, könnte man ja ein Gegenzeichen setzen.

Wie ich schon weiter oben schrieb: Ich bin dabei ... ;-)

> Der passende Roman wurde hierzu auch schon geschrieben, ...

Ich empfehle auch "GO! Die Ökodiktatur" von Dirk C. Fleck.

Stefan Sedlaczek, am 21. November 2007 um 21:08 ( Link )

Herzlich gerne mögen sich die Klimawahnsinnigen irgendwelcher Symbolik hingeben. Nur: wenn das wieder in Vorschriftenmachen und Besteuern endet, wirds bei mir zappenduster.
Und wenn Til Schweiger meint, daß man nie genug gegen den Klimwandel machen kann, was dreht er dann noch unsägliche Filme? Da sieht man wieder, was diese Wichtigtuer für einen Stuß reden.

Bob Brugger, am 22. November 2007 um 12:10 ( Link )

5 Minuten kein Google, kein Pro7 ?

Klima-Aktion: Licht aus für 5 Minuten, am 26. November 2007 um 13:29 ( Link )

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