16. November 2007

„Der Spiegel“ Stefan Aust muss gehen

Der Sozialismus frisst seine Kinder

Stefan Aust muss gehen. Er hatte als ehemaliger Linksaußen mit dem besonderen RAF-Interesse die alte Linkspostille Rudolf Augsteins zeitweise in ein „neoliberales Kampfblatt“ verwandelt. Eines, das den Deutschen plötzlich verkündete, die Rente sei doch nicht ganz so sicher und der Sozialstaat stehe im Übrigen vor dem Zusammenbruch. Während Chefredakteur Aust wie sein Ziehvater Augstein sich am Ende von allen sozialistischen Flausen lossagte, blieben viele Mitarbeiter des Verlages den alten Idealen ergeben.

Sie bissen sich auf die Zähne und fluchten still und leise, als sich Augstein wendete. Und noch mehr, als der neue Chef Aust das alte Schiff „Der Spiegel“ erst richtig auf neoliberale Fahrt schickte.

Jetzt aber rächt sich, dass Augstein einst ein idealistischer Sozialist war, der den Mitarbeitern 50 Prozent seines Verlages schenkte. Übertroffen wurde diese genossenschaftliche Geste im „roten Jahrzehnt“ allenfalls noch vom späteren Grünen-Politiker Tom Koenigs, der sein gesamtes Millionenerbe dem Vietkong und chilenischen Kommunisten spendete.

Dem „Spiegel“ trieb Stefan Aust solche Fisimatenten gründlich aus. Er bescherte dem Unternehmen durch kluge Geschäftspolitik ganz marktwirtschaftlich recht satte Gewinne.

Doch nun wird er hinauskomplimentiert von den „Spiegel“-Mitarbeitern als letzter Kolonne des Sozialismus. Sie scheren nicht Gewinne, sondern angenehme Arbeitsbedingungen. Sie lieben keinen alles überdeckenden Macher an der Spitze, sie wollen lieber selbst im Rampenlicht stehen und ansonsten nicht belästigt werden. Und den neoliberalen Kurs, den wollen sie schon lange endlich und nachhaltig wieder beenden.

Es ist kein Wunder, dass nun ausgewiesene linke Langweiler wie Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der „Zeit“, Gabor Steingart, „Spiegel“-Mann aus Washington und heutiger inoffizieller Vizechef, sowie Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von Spiegel Online, für die Nachfolge im Gespräch sind. Ein echter Eigentümer-Unternehmer, ein Entrepreneur würde Helmut Markwort, Roger Köppel, Ulf Poschardt oder Ulrich Reitz einstellen, eben Männer – und keine Verwalter.

Es ist wie immer: Der Sozialismus produziert nichts neues, er baut nichts auf. Er lebt von der Substanz und endet im Bankrott – nachzulesen in einigen Jahren im Nachfolgeorgan des mit wehenden roten Druckfahnen untergegangenen genossenschaftlichen Magazins „Der Spiegel“.


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