Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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Terrorismus: Ein Fall für private Sicherheitsagenturen

von Robert Grözinger

Wie sie uns wirksamer vor Terrorangriffen mit Massenvernichtungswaffen schützen können als der Staat

Bundesinnenminister Schäuble meint, ein Terrorangriff mit einer Atombombe sei nur noch eine Frage der Zeit. Er gibt uns den Rat, deshalb nicht in Weltuntergangsstimmung zu versinken. Einen Rat, was wir statt dessen tun sollen, hat er nicht. Nun ist es nichts neues, dass Politiker keinen (echten) Rat wissen. Neu ist, dass sie ihre Ratlosigkeit so offen kundtun. Kürzlich diskutierte Gary North auf lewrockwell.com ein noch beängstigenderes Szenario (ja, das gibt’s): Was tun, wenn Selbstmordattentäter einen Biowaffenangriff unternehmen, etwa mit einem im Labor künstlich hergestellten Pockenvirusstamm? Wenn sich ein Dutzend Selbstmordattentäter damit infizieren und dann innerhalb der Inkubationszeit von ca. 9 Tagen in einige Großstädte der USA und Europas fliegen (und zurück, um keinen Verdacht zu erregen), und dort mit möglichst vielen Menschen möglichst viel und intensiv Kontakt pflegen, könnte es, laut einer im Jahr 2001 durchgeführten Simulation, innerhalb von 13 Tagen 3 Millionen infizierte und 1 Millionen Tote geben. Das, und die darauffolgende Panik, würden den zeitweiligen Zusammenbruch der gesamten Infrastruktur der westlichen Welt zur Folge haben.

Darüber sprechen die Politiker nicht. Warum auch? Sie könnten allzu offensichtlich ohnehin nichts dagegen tun. Insofern ist Schäubles Aussage ein frühes Eingeständnis des abzusehenden Scheiterns des Nationalstaates im Bereich der inneren und äußeren Sicherheit. Und natürlich aller nationalstaatlichen Allianzen. Das entbindet aber keinen denkenden Menschen von seiner Verantwortung, für sich und den von ihm Abhängigen Vorsorge zu leisten.

Gary North schlägt 10 Schritte vor, die für viele jedoch nur mit großen Schwierigkeiten realisierbar sein werden. Insbesondere den, „wirtschaftliche Reserven“ vorrätig zu halten, die man brauchen werde, um eine gewisse Zeit einigermaßen autark zu überleben, oder den, einen ortsunabhängig Beruf auszuüben. Leichter zu realisieren ist da schon sein Ratschlag, eine Erst- oder Zweitwohnung am Rande einer Kleinstadt abseits der Hauptverkehrswege zu besitzen und gute Beziehungen mit den dortigen Nachbarn zu pflegen.

Doch was können jene tun, die beruflich nicht so mobil sind und gerade mal über so viel Reserven verfügen, dass sie mit ihnen höchstens ein paar Wochen überleben können? Zur Beantwortung dieser Frage sollte man dem Problem der Terrorbedrohung auf den Grund gehen. Nicht den Ursachen, das ist ein anderes Thema. Sondern dem Problem. Das Problem, das wir (über unsere Staaten) uns mit diesen Banden in einem „asymmetrischen“ Krieg befinden. Ein Krieg, den eine Seite nicht mehr nach den alten Regeln führt. Nicht mit großen Armeen und großer Feuerkraft, zentral gelenkt von ein paar Generälen. Statt dessen wird in dezentralen, kleinen Gruppen gekämpft, jede für sich, kreativ-destruktiv. Diese Seite kann den Kampf nicht verlieren. Die andere Seite, der Staat, kann diesen Kampf nicht gewinnen. Das Problem für ihn (und somit für uns) ist: Verlieren darf er auch nicht. Eine Niederlage darf er nicht eingestehen. Dann kann er nämlich den Löffel abgeben. Also macht er weiter. Die Zeit aber ist auf der Seite der Terroristen. Außerdem: Sie kämpfen nicht für einen Staat, sondern für eine Idee.

Die einzige realistische Chance, den Terrorismus wirksam einzudämmen, liegt in der Wiederherstellung der Kriegssymmetrie. Da die Terroristen wohl kaum so freundlich sein werden, sich zu gut sichtbaren Armeen zu formieren, muss die Gegenseite (also wir, die potenziellen Opfer) eine terrorismustaugliche Abwehr entwickeln. Radikalliberale Vordenker wie Murray Rothbard, David Friedman und Hans-Hermann Hoppe haben die Idee privater Sicherheitsagenturen vorgebracht. Genau wie andere Versicherungen würden diese Agenturen Empfehlungen abgeben, wie man sich schützen kann und jenen günstigere Prämien anbieten, die Selbstschutzmaßnahmen ergreifen. Als private Unternehmen im Wettbewerb hätten sie Interesse an einen bestmöglichen Service zu einem geringstmöglichen Preis. Sie hätten ein hohes Interesse an Schadensvermeidung und bei Schadenseintritt ein hohes Interesse an einer möglichst schnellen und reibungslosen Festnahme der Verursacher und Sicherung einer Entschädigung – möglichst ohne Kollateralschäden also. Ganz anders der Staat. Ohne Konkurrenzdruck hat der Sicherheitsmonopolist kein Interesse an einer effizienten Schadensbegrenzung. Natürlich arbeiten die individuellen Beamten und Soldaten emsig daran, Terrorangriffe zu verhindern. Das Problem ist nur, dass ihnen der entscheidende Anreiz für den Erfolg fehlt: Die eigene wirtschaftliche Beteiligung daran.

Bis vor kurzem schienen private Sicherheitsagenturen ein reines Phantasieprodukt zu sein. Doch genauso, wie das Internet und andere neuen Techniken den modernen Terrorismus erst möglich macht, der sämtliche Verteidigungslinien des Staates unterwandern kann, ermöglicht diese Technologie auch entsprechende, „symmetrische“, dezentrale, flexible Schutzmaßnahmen. Ihre Entwicklung wird derzeit durch das Vorhandensein des Sicherheitsmonopolisten Staat noch behindert. Doch das beredte Schweigen Schäubles ist ebenso ein Eingeständnis des endgültigen Staatsversagens wie der mit Zwangsgeld (Steuern) finanzierte Einsatz von Privatarmeen wie Blackwater im Auftrag des Staates.

Das Internet erlaubt Zusammenschlüsse von Menschen, unabhängig von ihrem geographsichen Aufenthaltsort, in „virtuellen Nachbarschaften“. Sie können sich Gegenseitig innerhalb von Sekundenbruchteilen über für sie wesentliche Entwicklungen informieren. Die Terroristen haben das schon längst kapiert und praktiziert. Mit Hilfe dieser Technologie können nun Organisationen wie private Sicherheitsagenturen für jedermann eine realistische Option werden. Wie würde eine Sicherheitsagentur ihre Kunden vor Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen schützen? Zunächst mal: Einen absoluten Schutz wird es nie geben. Aber: Sie würden beispielsweise Ratschläge geben, wie die von Gary North. Welcher Staat macht das? Sie würden Hilfestellung bei ihrer Umsetzung geben. Darüber hinaus würden sie ihre Kunden zu Hilfsnetzwerken verknüpfen, um ihnen den Aufbau eines Autarkiepolsters zu erleichtern. Es gäbe deutliche Prämiennachlässe für die Wahl eines weniger gefährdeten Wohnortes und für andere Vorsorgemaßnahmen. Sie hätten ein Interesse am präventiven Aufspüren und Unschädlichmachen von Attentätern. Sie würden Labors finanzieren, um im Bedarfsfall möglichst schnell einen Impfstoff zu entwickeln oder ein Gegenmittel bereitzuhalten – für ihre Kunden. Sollte es zu einem Anschlag kommen, würden die Kunden gezielt über sofort zu ergreifende Maßnahmen informiert. Und das möglichst schnell, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Und was soll der Staat derweil machen? Er könnte beispielsweise weiter schweigen und tatenlos rumstehen, aber er sollte dann auch bitteschön nicht jenen im Weg stehen, die helfen können und wollen. Wenn genug Menschen merken, dass man ihn eigenlich nicht mehr braucht, verschwindet er dann vielleicht auch irgendwann mal, und mit ihm eine Hauptursache für die derzeitige Anschlagsgefahr.

Internet:

Gary North: Peace or Economic Catastrophe

Gary North: A 10-Step Personal Self-Defense Strategy Against a Coordinated Bioterrorist Attack

Literatur:

Hans-Hermann Hoppe (Hrsg.): The Myth of National Defense, Ludwig von Mises Institute, 2003

23. Oktober 2007

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Kommentare

Gert Friedrich, am 23. Oktober 2007 um 13:44 ( Link )

Guten Tag Robert Grözinger, interessante Ideen.

Eine kurze Frage nur:Könnten Sie sich eine Tätigkeit bei einem deutschen Blackwater vorstellen? Als leitender Offizier, Under cover agent oder ganz profan als Wachmann ?

Wo bleibt da das originäre Betätigungsfeld für einen Freiheitsliebenden ?

Für solche Jobs finden sie leider nur Leute, die auf Waffen, Befehl und Gehorsam und Rambofilme stehen.

DF, am 24. Oktober 2007 um 7:03 ( Link )

@Gert Friedrich

Ich weiß nicht, ob Sie da nicht ein wenig Ihrer eigenen Klischeevorstellung erliegen. Kennen Sie denn solche Leute außer über Ihre Erfahrung mit Rambo-Filmen bzw. mit deren schlechtem Ruf hinaus? Ich zugegenermaßen nicht, aber meistens gelten solche Pauschalunterstellungen ja auch nicht für Angehörige von Staatsarmeen. Warum also hier?

Schreiber, am 24. Oktober 2007 um 9:39 ( Link )

Völlig untauglich und völlig abwegig diese Gedanken. Denn es wurde nicht berücksichtigt was die Ursachen von Kriegen sind. Terrorismus ist nur eine Kampfform gegen einen überlegenen Gegner.
In diesem Falle sind es die USA die auf der Welt ihre Vormachtstellung mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Und der Widerstand dagegen ist durchaus legitim. Sowohl die USA als auch die „Terroristen“ nehmen in diesem Kampf Kollateralschäden in Kauf.
Eine deutsche Regierung braucht nur eine Politik der Völkerverständigung betreiben, um das Problem von Anschlägen zu minimieren.
Aber sie betreibt das Gegenteil. Das sind unsere deutschen Probleme.

Burkhard Grafenstein, am 24. Oktober 2007 um 13:04 ( Link )

Selbstschutz und Selbstverteidigung drängen sich in der Tat immer mehr gedanklich auf. Was macht der Staat in Deutschland? Er legt den Bürgern noch mehr bürokratische Hürden ("Kleiner Waffenschein") auf, ehe sie sich auch nur mit Gaspistolen bewaffnen können.

JKG, am 24. Oktober 2007 um 15:07 ( Link )

Herr Grözinger, eine Spekulation wie private Sicherheitsagenturen das oben beschriebene Risikoszenario (Pocken) lösen könnten, wäre erkenntnisreich.

Marc-Felix Otto, am 24. Oktober 2007 um 17:36 ( Link )

@Schreiber

>...
In diesem Falle sind es die USA die auf der Welt ihre Vormachtstellung mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Und der Widerstand dagegen ist durchaus legitim. Sowohl die USA als auch die „Terroristen“ nehmen in diesem Kampf Kollateralschäden in Kauf.
Eine deutsche Regierung braucht nur eine Politik der Völkerverständigung betreiben, um das Problem von Anschlägen zu minimieren.Wenn genug Menschen merken, dass man ihn eigenlich nicht mehr braucht, verschwindet er [der Staat] dann vielleicht auch irgendwann mal, und mit ihm eine Hauptursache für die derzeitige Anschlagsgefahr.

Marc-Felix Otto, am 24. Oktober 2007 um 17:37 ( Link )

@Schreiber
>...
In diesem Falle sind es die USA die auf der Welt ihre Vormachtstellung mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Und der Widerstand dagegen ist durchaus legitim. Sowohl die USA als auch die „Terroristen“ nehmen in diesem Kampf Kollateralschäden in Kauf.
Eine deutsche Regierung braucht nur eine Politik der Völkerverständigung betreiben, um das Problem von Anschlägen zu minimieren.Wenn genug Menschen merken, dass man ihn eigenlich nicht mehr braucht, verschwindet er [der Staat] dann vielleicht auch irgendwann mal, und mit ihm eine Hauptursache für die derzeitige Anschlagsgefahr.

Marc-Felix Otto, am 24. Oktober 2007 um 17:39 ( Link )

Tech glitch.

Kann meinen Kommentar nicht vollständig posten.

Kernaussage: Zu fordern, dass Staats-Politiker mit ihrer heutigen Machtfülle sich selbst beschränken (keine Kriege führen) ist m.E. illusorischer als eine Dezentralisierung von Macht anzustreben.

Stefan Sedlaczek, am 24. Oktober 2007 um 22:46 ( Link )

@ Marc-Felix Otto

Die Dezentralisierung von Macht, nennt man gemeinhin Gewaltenteilung, idealerweise Eigentum.

Mag auch "politik" unvermeidlich sein, so verbessert sich ihre Qualität eben durch Beschränkung der Machtfülle und - reichweite.

Im Bereich freier Verträge (Handel) und freien Schaffens bedarf es des Wettbewerbs.

In all diesen Bereichen, ob illegitim politisch oder frei gewählt, gibt es Unterlegene, die so nicht überleben können. Sie bedürfen der Solidarität, des Menschseins.
Wer denen hilft, rechtfertigt sein Eigentum.
Wer nicht hilft, bleibt im Recht, hat aber bloß sich: Er bleibt eigen, aber beschränkt.

LePenseur, am 25. Oktober 2007 um 8:53 ( Link )

Die Idee von "privaten Sicherheitsagenturen" ist zwar aus libertärer Sicht bestechend, aber m.E. völlig realitätsfremd. Es gibt eben gewisse Güter, die dadurch, daß man sie "kaufen" kann, in sich zerstört werden. "Liebe" kann man nicht kaufen (auch wenn Rotlicht-Damen mit dieser Illusion gutes Geld machen!), eine "Gerechtigkeit", die man kaufen kann, verdient diesen Namen nicht und eine "Sicherheit", die nur zahlenden Kunden dient, ist in Wahrheit bloß Abschreckung von Nicht-Kunden und damit von einer Mafia-Bande nicht mehr prinzipiell unterschieden.

Natürlich kann all das als Ergänzung zu unvollkommenem Staatshandeln legitimerweise auch "vermarktet" werden. Keine Frage: Schiedsklauseln (um Zuständigkeits-Streitigkeiten oder in Spezialfragen inkompetente Gerichte zu umgehen) sind eine feine Sache — doch wenn ich mein Recht nicht mehr von staatlichen Gerichten zugesprochen erhalte (trotz aller Unvollkommenheiten unseres Rechtssystems, die mir bewußt sind. Ich bin schließlich selbst Jurist), sondern mir nur "kaufen kann", dann ist etwas faul an der Sache.

Und ebenso — wenn ich in der Stadt spazierengehen, will ich dies nicht nur mit Bodyguard oder einem Sticker "Ich werde von XY-Sicherheitsdienst bewacht" ungefährdet tun, sondern auch ohne solche Maßnahmen. Daß ein Großindustrieller oder Filmstar daneben dennoch seine Bodyguards beschäftigt, ist als Ergänzung okay — aber eben nur als Ergänzung!

Bei allem Verständnis für den Ansatz, die Staatsaufgaben, die sich krakenartig über unser ganzes Leben zu legen drohen, möglichst zurückzudrängen: man kann es auch übertreiben. Beim Thema Sicherheit zum Beispiel.

Marc-Felix Otto, am 25. Oktober 2007 um 18:59 ( Link )

>Im Bereich freier Verträge (Handel) und freien Schaffens bedarf es des Wettbewerbs.

In all diesen Bereichen, ob illegitim politisch oder frei gewählt, gibt es Unterlegene, die so nicht überleben können. Sie bedürfen der Solidarität, des Menschseins.
Wer denen hilft, rechtfertigt sein Eigentum.
Wer nicht hilft, bleibt im Recht, hat aber bloß sich: Er bleibt eigen, aber beschränkt.

Marc-Felix Otto, am 25. Oktober 2007 um 19:00 ( Link )

Puh, das ist echt mühsam - ich scheine keine längeren Zitate posten zu können.
Also, wieder ganz kurz @Stefan:

Volle Zustimmung!

VG M

Freiheitunteilbar, am 26. Oktober 2007 um 14:17 ( Link )

@Marc Felix Otto:

Eigentum verpflichtet = Eigentum gerechtfertigt durch Solidarität

Deine Anmerkung im sozialistischen Stil geht allenfalls auf eine Rechtfertigung eines sozialistischen Staates hinaus.

In allen Bereichen gibt unterlegene? Soweit so angenommen, jedoch kann man nicht so einfach die Anzahl der Verlierer im Wohlfahrtsstaat mit denen des reinen Kapitalismus vergleichen - systemimanente Unterschiede. Nun wird das Ende der staatlichen Zwangssolidarität nicht automatisch das Ende der Solidariät im Allgemeinen sein. Niemand wird dich daran hindern eine "private" Hilfsorganisation zu gründen.

Christian Klein, am 27. Oktober 2007 um 10:10 ( Link )

Das mit der Privatisierung von Recht und Sicherheit finde ich aber arg bedenklich. Was diese sog. Anarchokapitalisten um Hans Hermann Hoppe predigen oder
auch die Schweizer in dieser Sendung "Mise au point" (downloadbar auf der ef-Seite) erzählen, erschreckt mich eher und ich denke, dass es Nicht-Liberale
erst richtig abschreckt.

Ich denke, ein Minimalstaat ist notwendig. Das Recht muss herrschen und zwar das gleiche Recht für alle Bürger des Staates. Nachher kommt es sonst zu
Mafiastrukturen, Bandenkriegen, Chaos und dem Recht des Stärkeren (was das genaue Gegenteil von Liberalismus wäre, sondern Faschismus.) So sehr ich auch
Sympathien für anarcho-libertäre Ideen haben (insbes. das Ende des staatlichen Geldmonopols befürworte oder die OpenSource-Bewegung im Netz), so bin ich
doch ein Liberaler und kein Anarchist. Das ist nunmal der entscheidende Unterschied zwischen Anarchismus und Liberalismus, den von Mises schon erkannt hatte. Nahezu alle grossen Liberalen waren für den Nachtwächterstaat.

Im übrigen ist der Rechtsstaat wohl der staatliche Teil, der noch am besten funktioniert. Auf die Judikative ist Verlass. Da kriegt man auch oft recht,
wenn man GEGEN den Staat klagt, soll ja anscheinend bei vielen HartzIV-Empfängern der Fall sein.

Gegen Bodyguards habe ich nix. Auch nicht gegen zusätzlichen privaten Schutz, wenn der sich an geltendes Recht hält. Aber es muss einen Minimalstaat geben,
weil jeder das Recht auf Schutz von Leben, Eigentum und Freiheit hat, selbst der Ärmste unter den Armen. Wenn er auch auf sonst vielleicht ohne Arbeit bzw.
Geld kein Recht hat, auf das aber schon, finde ich.

Michel Fördermitglied, am 27. Oktober 2007 um 12:27 ( Link )

Um zur Autarkie zurückzukommen, weiß jemand wo man sich über entsprechende Maßnahmen informieren kann? Schließlich ist das nicht nur für den Fall einer Bioattacke sinnvoll sondern auch für eine schwere Wirtschaftskrise.

Stefan Sedlaczek, am 27. Oktober 2007 um 14:28 ( Link )

@ Christian Klein

zu Liberalismus und Anarchismus:

Man beschimpft den Anarchismus gerne als Utopie. Aber nicht die Privatrechtsgesellschaft ist unmöglich, sondern die Vorstellung, daß es ein Recht für alle geben könnte, ist völlig fehlgehend. Die sich "Staat" aufs Revers heften sind auch bloß Menschen und haben eben ganz andere und mehr Rechte als die dem Staate untertanen. Der gesamte Bereich des sogenannten öffentlichen Rechts verletzt laufend und alltäglich die privaten Rechte der einen zu Gunsten der anderen.
Und im übrigen gehen über 95 % der Verwaltungsgerichtsprozesse zu Ungunsten der Bürger aus. Der Staat, dessen eigene Richter über seine eigenen Verwaltungsbeamte befinden, ist keinesfalls unparteiisch. Und das staatliche Letztentscheidungsmonopol, also die staatliche Gerichtsbarkeit auch in allen Privatsachen, ist nun wirklich nicht 1A: Jeder Rechtsanwalt wird Ihnen bestätigen, daß man vor Gericht und auf hoher See allein in Gottes Hand ist, wenn man denn auf See an Gott glaubt und an Land an den Staat.

Gert Friedrich, am 27. Oktober 2007 um 15:48 ( Link )

Hundertprozentige Freiheit und Sicherheit etc. kann kein System oder Nichtsystem garantieren.
Schimpfen auf Politiker verursacht Magengeschwüre.
Die Lösung heißt:Möglichst viel Kontakte in allen Berufszweigen knüpfen,in der Stadt und auf den Käffern auf dem Land.
Familie hegen und pflegen .
Wir schauen alle immer noch wie das Kaninchen auf die Schlange wenn wir Politiker wahrnehmen.
Lassen wir sie doch einfach stehen in ihrer Unwichtigkeit und organisieren wir unser Leben selbst.

Stefan Sedlaczek, am 27. Oktober 2007 um 17:15 ( Link )

@ Gert Friedrich:

So lebe ich seit Jahr und Tag, wobei ich dem Dorf und seinen Bewohnern etwas mehr Wertschätzung entgegenbringe. Aber das sind nur Feinheiten.
Ich kümmere mich auch nicht um Politiker, bekomme keine (politisierte) Tageszeitung und besitze kein TV.

Und trotzdem bekomme ich Bescheide von der BfA, die mich mal an und mal abmelden möchte, muß, wenn ich eine gewerbliche Arbeit aufnehme, dies anzeigen und diese Anzeige auch noch bezahlen, meine Kinder werden genötigt, sich tagsüber in der Staatschule aufzuhalten und mein Stromversorger erhöht laufend die Preise, weil sich irgendwelche Staatliban immer neue Steuern und Abgaben einfallen lassen und sich mein Stromversorger dem beugt (alle anderen auch). Gehe ich zum Bäcker, zahlen ich einen erhöhten Preis wegen der Steuern, genauso beim Kauf eines Weckers, bei dem ich dann auch noch aufpassen muß, daß er ja auch ja kein Radio enthält, weil dann GEZ-Gebühren anfallen. Bestimmte Tätigkeiten darf ich erst gar nicht aufnehmen und wenn ich umziehe, muß ich mich bei den Schergen des Staates ab- und anmelden. Verklagt mich ein Idiot, muß ich zur Vernehmung zu Polizei und Gericht und suche ich um Rechtsschutz nach, kann ich mich nur an die staatliche Gerichtsbarkeit wenden. Betrete ich ein Gericht, steht man als Unbewaffneter Bewaffneten gegenüber. Führe ich die Umsatzsteuer nicht ab, obwohl das aktuelle Umsatzsteuergesetz verfassungswidrig sein dürfte, kann der Finanzbeamte unangemeldet in meine Privat- und Geschäftsräume eindringen, ohne daß die zuhilfegerufene Polizei (auch hier ein Monopol) zuhilfe kommt. Entschließe ich mich zu Arbeitnehmerschaft, werde ich genötigt, gesetzliche Krankenkasse und Rentenversicherungen zu bezahlen, zig anderes dazu und mein Arbeitgeber ebenso.
Meine Uhr stelle ich nach der Zeit die Politiker für richtig halten und informieren darf ich mich nur nach Maßgabe staatlicher Pressegesetze und ihrer Beschränkungen. Meinungsfreiheit gibt es nicht und selbst wenn man vor Gericht nicht verurteilt wird, zahlt man die Fahrtkosten für eine Reise quer durch die bundesdeutsche "demokratische" Republik selber. Bananen sind nicht frei importierbar und auf der Baustelle erscheint bereits der Zoll, um die Menschen von der Arbeit abzuhalten. Alle Daten werden erfaßt, aber wenn sie einen entlasten können, sind sie verloren gegangen. Den auf der Autobahn einzuhaltenden Abstand bekommt man zwar nicht vorgeschrieben, aber im Zweifelsfall war er zu niedrig und man bekommt einen Strafbefehl. Wenn man den nicht erhält, gilt er trotzdem als zugestellt. Vor Gericht gibt es dann den Anwaltszwang und Anwalt werden dürfen nur von Staats wegen Ausgebildete. Wie in fast allen anderen Berufen auch.
Wenn man wegen zu hoher staatlicher Energiesteuern und Energieabgaben ausweicht und niedrige Temparaturen in Kauf nimmt, kommt das Jugendamt, wegen der Kinder. Wenn sich jemand scheiden läßt und ins Ausland zieht, darf er die Kinder nicht mitnehmen, sie werden dem im gelobten Deutschland verbleibendem Teil zugesprochen. Und im übrigen ist das Internet großteils illegal: Bei mehr als 500 Seitenabrufen bedarf es eines sich in Deutschland verantwortenden Verleges/verantwortlichen Redakteurs.

Wie man sieht: Alles in bester Ordnung. Wer sich beschwehrt, lebt verkehrt. Auch als zigfach Beschwerter.

Christian Klein, am 27. Oktober 2007 um 20:40 ( Link )

Stefan, Sie haben mit vielem recht was Sie schreiben. Aber wie vermeidet man Konflikte, wenn bereits jedes kleine Dorf andere Regeln als das Nachbardorf hat, bzw. vielleicht sogar innerhalb eines Dorfes verschiedene Gesetze existieren, die einander sogar widersprechen. Es ist nunmal nicht möglich, dass Menschen ohne gleiche Regeln für jeden miteinander zusammenleben. Es kann mir zumindest, was die Natur angeht, auch nicht egal sein was mein Nachbar macht. Mutter Erde gehört uns ja egtl. allen (ich sympathisiere daher ja auch stark mit den sog. Geolibertären) und daher kann mir nicht egal sein, dass, wenn ich die Umwelt bei mir schütze, sie jemand woanders nach Gütdunken total beschmutzt. Da muss man sich also immer irgendwie einigen. Zwischen Staaten durch internationale Verträge und internationales Recht.

Stefan Sedlaczek, am 28. Oktober 2007 um 0:11 ( Link )

@ Christian Klein

Verschiedene Meinungen existieren immer. Das ist so schön wie bunte Blumen.
Verschiedene Gesetze aber existieren nicht: Herrscht Schwerkraft, fallen die Äpfel zu Boden.

Ajatollah Fischer, am 28. Oktober 2007 um 16:23 ( Link )

Kommt auf die Beschleunigung an.

LePenseur, am 28. Oktober 2007 um 17:55 ( Link )

@Stefan Sedlaczek:
Verschiedene Meinungen existieren immer. Das ist so schön wie bunte Blumen.
Nur so lange, als es nicht darauf ankommt, welche Farbe die Blumen zu haben haben. Bei Blumen ist das nun in der Regel egal. Aber bei Verkehrsampeln möchte ich es nicht auf den Test ankommen lassen, wenn z.B. die Anrainer einer Kreuzung Goethestraße/Schumanngasse lieber "Rot" für "Frei Fahrt" und "Grün" für "Stop" und ich als Nicht-Anrainer bei Grün anfahre ...

Verschiedene Gesetze aber existieren nicht: Herrscht Schwerkraft, fallen die Äpfel zu Boden.
Sorry, aber Sie scheinen den Charakter von Bedingungsnormsätzen (um einmal den rechtstheoretischen Terminus dessen, was wir so "Gesetze" etc. nennen, anzubringen) nicht ganz verstanden zu haben. Das "Gesetz" (i.S.v. "Naturgesetz") der Schwerkraft gilt immer! "Notwendig", sozusagen — sonst wäre es kein Naturgesetz! Es handelt sich um Aussagen über die Seinsordnung.

Bedingungsnormsätze (also "Gesetze" etc.) hingegen betreffen die Sollensordnung. Ihre "Geltung" hängt von ihrer faktischen Durchsetzung ab. Wenn kein Mensch sich an ein Gesetz hält, dann "gilt" es auch nicht. Man kann sich als Jurist völlig stringent auf den Standpunkt stellen, daß der Verzicht auf den Anteil an der Regierung Österreich-Ungarns, den Kaiser Karl 1918 unterschrieb, keinen Thronverzicht darstellte. Ebenso, daß die damals gültige Verfassung einen solchen "Verzicht" überhaupt nicht vorsah, er also rechtsunwirksam war. Daraus folgt ebenso logisch, daß die gesamte Rechtsordnung Österreich-Ungarns nach wie vor als Sollensordnung existiert. Daß es z.B. darin eine Rechtsnorm über die Ernennung von Ministern gibt etc. etc. — nur: es hält sich keiner mehr daran!

Wenn Sie solche Probleme näher interessieren, lesen Sie Publikationen des österreichisch-tschechischen Rechtsphilosophen Ota Weinberger — dann werden nicht bloß "Äpfel zu Boden", sondern es Ihnen wie "Schuppen von den Augen" fallen ...

Michel Fördermitglied, am 28. Oktober 2007 um 18:22 ( Link )

Eben, desshelb ist es auch der bessere Weg Rechtstreitigkeiten nur eine Sache der Beteiligten und eventuell angerufener Schiedsgerichte sein zu lassen und nicht einen Zwangskonsens über Millionen von Menschen herzustellen zu versuchen, die mit der konkreten Sache nichts zu tun haben. Denn nur dann lässt sich der Dissens auf ein Minimum begrenzen. Wo ein Konsens besteht muss er auch nicht mit Gewalt durchgesetzt werden und die Anreiner der Goethestraße/Schumanngasse werden sich ganz freiwillig an die Norm 'Grün' = 'freie Fahrt' halten, eben weil es vernünftig ist.

Christian Klein, am 28. Oktober 2007 um 19:01 ( Link )

@Michel: Also wenn ein Kinderschänder ein Kind missbraucht, ist das nur ne Sache zwischen ihm und der Familie des Kindes ? Und was ist mit Bereichen, die alle Menschen etwas angehen wie Umwelt, Natur, Tiere, Verkehr, Infrastruktur und Sicherheit ?

@LePenseur: Angeblich wollte Mao ja mal, grün als Stopp durchsetzen und rot als freie Fahrt, da rot die progressive Farbe sei. Das ging aber brutal in die Hose und führte bis zur Aufhebung der neuen Regel zu lauter Verkehrsunfällen in China, *rotfl*.

Michel Fördermitglied, am 28. Oktober 2007 um 19:43 ( Link )

@ Christian: Nein es ist eine Sache zwischen dem Schänder, dem Kind und derjenigen die dafür Verantwortlich sind, dass das Kind sein Recht bekommt. Aber ich gebe zu Kinder sind schwierig, da die Artikulation seiner Ansprüche an Dritte delegiert ist und es zu Interessenskonflikten kommen kann. Aber Traust du dem Staat eher zu für die Interessen eines Kindes einzustehen als den Eltern?
Aus Schäden an der Umwelt lassen sich Ansprüche auf Entschädigung ableiten, die durchaus prohibitiven Charakter haben können. Wenn jemand der Natur einen eigenen Wert beimisst muss dieser auch materiell dafür einstehen und sollte nicht dritte dazu zwingen. Wer mit dem Umgang mit Tieren anderer nicht einverstanden ist, hat immer noch die Möglichkeit zu argumentieren und notfalls einen Boykott oder ähnliches gegen diese anzustrengen.
Verkehrsregeln würden von den entsprechenden Infrastruktur Betreibern aufgestellt, aus Gründen der Praktikabilität vermutlich im Rahmen von Verbänden.
Infrastruktur wird bereits auf vielfältige Weise privat betreiben.
Auch hier sehe ich kein Grund ein Monopol zu errichten. Du nanntest die Angst vor mafiaösen Organisationen, aber selbst wenn die ein Problem sein sollten, wären die immer noch ein kleineres Problem als eine Organisation die jeden Bürger im Schnitt um 50% seines Eigentums beraubt.

LePenseur, am 28. Oktober 2007 um 20:34 ( Link )

@Michel:
Wo ein Konsens besteht muss er auch nicht mit Gewalt durchgesetzt werden ...
Nur fängt das Problem immer dort an, wo eben kein Konsens besteht — z.B. bei den anzurufenden Schiedsgerichten.

Was mache ich, wenn denjenige, der mich schädigt, mein Appellieren an ein Schiedsgericht völlig kalt läßt? Welche Autorität zwingt ihn dann, trotzdem in eine Verhandlung einzutreten?

Das Beispiel mit dem Kinderschänder ist sicherlich extrem, aber gehen wir einfach auf die Erwachsenenebene: finden Sie wirklich, daß der Raubmord an einer alten, bettlägrigen Dame mit aufrechter Bestattungsversicherung, jedoch ohne jegliche lebende Nachkommenschaft ohne Sanktion bleiben soll? Und das müßte er nach Ihrer Logik — denn die Tote hat vom Prozeß ohnehin nix mehr (is ja schon tot!) und geschädigte Verwandte. Die Kosten im Zusammenhang mit der Bestattung trägt die Versicherung (dazu ist sie ja da) und Erben gibt's keine (also ist durch den Raub auch niemand geschädigt worden). Wenn jetzt der Raubmörder noch, sagen wir mal, 1-2 Monatsmieten am Küchentisch zurückläßt, kann sich nicht einmal der Hausbesitzer beklagen — also alles im grünen Bereich?

Sie sehen: sobald man sich die Sachen zu durchdenken beginnt, werden sie etwas kompliziert. Was mich an den Libertären Luftschloß-Architekten immer so fasziniert ist ja genau das: aus dem Bemühen, eine 100% lupenreine Theorie ausdenken zu wollen, versuchen sie etwas, was noch nie und noch nirgends je existiert — geschweige denn funktioniert! — hat, statt sich in weiser Selbstbeschränkung am machbaren und historisch nachweisbar erfolgreich erprobten Vorbild zu orientieren.

Ja, es gab in der Geschichte "minarchische" Staaten, die letztlich nicht (oder wenigstens nicht vor allem!) an der "Minarchie" scheiterten, sondern an anderen widrigen Umständen. Ja, es gab Staaten mit einer echten Gewaltenteilung im Sinne von "checks and balances".

Statt ein unerfüllbares Utopia einer staatenlosen Gesellschaft zu erträumen, wäre es sinnvoller, einen weitgehend auf seine Grundfunktionen (notwendige Normierungen, Rechtsprechung, innere und äußere Sicherheit, Gewährleistung einer Grund-Infrastruktur in den Bereichen Wirtschaft und Bildung) beschränkten Staat anzustreben.

Aber Träume sind ja so schön! Ich weiß, ich weiß ...

Michel Fördermitglied, am 28. Oktober 2007 um 21:51 ( Link )

Also über das hat es noch nie gegeben lässt sich sicher streiten, siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Kowloon_Walled_City

Wenn sie das mit der bettlägerigen Dame stört. können sie ja ein Ermittlungsverfahren bezahlen, notfalls haben die Nachbarn oder der Vermieter einen Grund sie dabei zu unterstützen, vielleicht verwechselt der Raubmörder mal die Wohnungen dann sollte man ihn doch lieber vorsorglich fassen. Nein, es gibt genügend Günde warum auch in diesem Fall
eine Verfolgung der Straftat zustande kommt.

Die Frage welche Autorität ihn zwingt, lässt sich auch leicht beantworten: die Aussicht auf weitere Zusammenarbeit bzw. das Interesse am friedlichen Zusammenleben.

LePenseur, am 29. Oktober 2007 um 9:56 ( Link )

@Michel:

Also über das hat es noch nie gegeben lässt sich sicher streiten, siehe ...
Wenn Sie unter "Privatisierung der Sicherheit" ein Leben unter der Herrschaft von Mafiabanden meinen, dann schon. Aber eben auch nur dann ...

Wenn sie das mit der bettlägerigen Dame stört. können sie ja ein Ermittlungsverfahren bezahlen ...
Eine ganz cool-schnoddrige "Antwort", die in Wahrheit nur einen Mangel an Wissen und/oder Charakter verriete, wenn ich Sie ernst nähme. Was aber nicht der Fall ist. Ich denke eher, daß Sie sich nicht eingestehen können, mit Ihrer Theorie schon bei einem vergleichsweise alltäglichen Beispiel Schiffbruch zu erleiden. Wir können Ihre Theorie natürlich jederzeit auf andere Fälle ausweiten: selbstverständlich ist die Ermordung von erstgeborenen Säuglingen durch ihre Eltern straffrei zu lassen — denn wer (außer den Eltern, aber die werden ihre eigene Tat nicht verfolgen lassen) wäre denn geschädigt? Der Säugling ist bereits tot, also gibt es niemanden, dessen Rechte beeinträchtigt wären, bei einem Erstgeborenen nicht einmal Geschwister. Wirklich ganz toll, so eine "Rechtsordnung"!

Die Frage welche Autorität ihn zwingt, lässt sich auch leicht beantworten: die Aussicht auf weitere Zusammenarbeit bzw. das Interesse am friedlichen Zusammenleben.
Wunderbar! Nur — was machen wir mit jenen, die einfach nicht friedlich zusammenleben wollen? Die darf dann jeder beliebige abknallen, oder? Und wer setzt fest, was "friedliches Zusammenleben" bedeutet? Der, der abknallt, oder der, der abgeknallt wird? Fragen über Fragen tun sich auf ...

Ich denke, es wäre ganz sinnvoll, Sie würden sich einmal mit den rechtstheoretischen Unterschieden zwischen Schadenersatzrecht und Strafrecht befassen, bevor Sie hier vollmundige Statements abgeben, für die jeder Jus-Student — mit Recht! — schon beim Einführungsseminar ein Nichtgenügend kassiert ...

Christian Klein, am 29. Oktober 2007 um 17:54 ( Link )

@ Michel: Du kannst doch ein Kind fragen, was es als Strafe für einen Täter für angemessen hält. Genauso wenig wie Du m.E. überhaupt auf direkt Betroffene dbzgl. hören kannst. Du fragst: "Traust du dem Staat eher zu für die Interessen eines Kindes einzustehen als den Eltern?"

Nein, aber die Eltern stehen für ihr Kind eben ein, der Staat aber hat noch andere, wichtige Ziele als "nur" den Schutz des Kindes und evtl. späterer Leidensgenossen. Ihn geht auch der Kinderschänder etwas an, der wird ja nicht gleich vogelfrei durch seine Tat. Wenn Du die Eltern fragst oder die Bevölkerung, wird die Mehrheit wohl den Kopf dieses Menschen rollen sehen (wortwörtlich gemeint !). Was meinen Sie dazu ?

Und wie werden die Rechte von Kindern und Tieren geschützt, die ja wohl nicht im gleichen Maße wie materielle Dinge Privateigentum sein können ? Ein Beispiel: Erziehung ist zurecht Elternsache, aber es gibt Grenzen, wo man sich einschalten muss. Wenn ein Vater meint, sein Kind müsse mit dem Rohrstock erzogen werden, kann das doch wohl nicht erlaubt sein !!!

Was ist mit Hooligans, die sich prügeln wollen auf einer Wiese ? Mit Kannibalen, die sich gegenseitig verspeisen wollen (cf. Rottenburg) ? Was ist mit Organhandel ? Was mit dem Schutz ungeborenen Lebens ? usw. usf.

Wie kann ein Vergewaltiger seinen Schaden denn wieder gutmachen ? Durch Geld oder was ? Kann dann ein Reicher zig Frauen vergewaltigen ohne dass etwas passiert, er zahlt ja immer Entschädigung ?

@LePenseur: Sie reden mir aus dem Herzen. Sehr cool, auch ihr Blog. Auch wenn wir bzgl. Homo-Ehe wohl anderer Meinung sind.

Mein Hauptkritikpunkt am Marxismus udgl. war immer das falsche, unrealistische Menschenbild. Mir scheint, die sog. Anarchokapitalisten pflegen leider ein ebenso utopisches Menschenbild. Zudem finde ich die Vorstellung einer Welt ohne funktionierendes Strafrecht grotesk.

Michel Fördermitglied, am 29. Oktober 2007 um 21:41 ( Link )

@ LePenseur: Mir ihrer Antwort disqualifizieren Sie sich eigentlich für eine weitere Konversation. Ihre Auffassung, dass ihre Meinung dafür ausschlaggebend wäre, was meine Aussagen verraten, grenzt ja schon fast an Solipsismus. Sie wollen sich nicht eigestehen, dass ihr Beispiel nicht das schlagende Argument war, für das sie es halten. Wenn sie eine logische Schwäche in meiner Argumentation sehen, weißen sie mich doch daraufhin, statt auf billige Polemik auszuweichen, Ihnen sind doch nicht etwa die Argumente ausgegangen?
Das Beispiel mit dem Säugling und der Unfriedlichen lässt sich in natürlicher Weise durch das reziproke Recht lösen, also dem Prinzip demnach alles was sich eine Person gegenüber einer anderer Person herausnimmt auch gegenüber dieser erlaubt ist. Besteht also in der Gemeinschaft ein Konsens darüber das Säuglinge als Subjekte anzusehen sind, hätten die Eltern ihr Recht auf Leben verwirkt. Die Unfriedlichen müssen auch nur dann damit rechnen "abgeknallt" zu werden, wenn sie andere "abknallen".

@ Christian: Habe ich behauptet, die Geschädigten sollen das Strafmaß festlegen? Entweder es gibt ein objektives Strafmaß (was meiner Auffassung entspricht) dann lassen sich Institutionen entwickeln, die es auch ohne Gewalt- oder Rechtsmonopol finden, oder es gibt keines, dann kann aber auch kein Rechtsmonopolist behaupten seine Strafen wären gerechter als Selbstjustiz.
Wenn es Objektive Grenzen gibt, wo man sich einschalten muss, tu es ein Gewalt- oder Rechtsmonopol brauchst du dazu nicht!
Über die vier sich anschließenden Fragen gibt es auch in der Bundesrepublik keinen Konsens, warum sollte es in einer Gesellschaft ohne Gewaltmonopol anders sein?
Darf unter einem Gewaltmonopol jemand zig Menschen vergewaltigen (die Vergewaltigng kleiner Jungen empfinde ich mindestens genauso verwerflich wie die erwachsender Frauen, du magst das anders sehen), er muss ja immer seine Strafe verbüßen? Wird unter einem Gewaltmonopol der Schaden also gutgemacht? Und wenn es dir nur um Schadensbegrenzung geht, die gesellschaftlichen Konsequenzen (vermutlich Verbannung) werden sicher nicht weniger effektiv sein als unter einem Gewaltmonopol eine Wiederholung zu verhindern.
Eine Welt ohne funktionierendes Strafrecht ist sicherlich grotesk, deshalb ist es doch erst recht grotesk wenn sich die Menschen der völlig willkürlichen Rechtsetzung dritter aussetzen; Anarchokapitalimus ist nicht anderes als die Auffassung, dass es Recht gibt dass dem Staat vorangeht und an dem er sich messen lässt.

LePenseur, am 30. Oktober 2007 um 9:47 ( Link )

@Michel:
Sie gestatten (oder auch nicht — mir ziemlich egal!), daß ich Ihnen reziprok (wenn auch in korrekter Großschreibung der Höflichkeitsanreden ;-) repliziere: mit Ihrer Antwort disqualifizieren Sie sich eigentlich für eine weitere Konversation. Sie wollen sich nicht eigestehen, daß mein Beispiel genau das schlagende Argument war, für das Sie es nicht halten wollen. Wenn Sie eine logische Schwäche in meiner Argumentation sehen, weisen Sie mich doch darauf hin, statt auf billige Polemik auszuweichen. Ihnen sind doch nicht etwa die Argumente ausgegangen?

Am Beispiel mit dem Säugling erweist sich eben keineswegs, daß es "in natürlicher Weise durch das reziproke Recht" lösbar wäre. Denn das "reziproke Recht" bedeutete ja nichts anderes, als daß der Säugling das Recht hätte, seine Eltern, die ihn umbrachten, posthum gleichfalls umzubringen. Daß dies in der Realität nicht möglich sein dürfte, ist wohl einleuchtend.

Auch die von Ihnen angenommene Lösbarkeit meines Beispiels von den "Unfriedlichen" gerät etwas daneben, außer, Sie wollten eine Rechtsordnung nach einem strikten Aug-um-Aug-Prinzip umgestalten — d.h. wenn Sie mir beim Ausparken die Stoßstange verbiegen, darf ich Ihnen daraufhin ebenso die Stoßstange beschädigen. Und das soll's sein? Das wäre die Lösung für rechtliche Probleme jenseits der Steinzeitebene einer Jäger- und Sammlergesellschaft?

Denn wenn Sie schreiben: Die Unfriedlichen müssen auch nur dann damit rechnen “abgeknallt” zu werden, wenn sie andere “abknallen”, dann, fürchte ich, haben Sie den Charakter einer Rechtsordnung nicht ganz verstanden. Diese bedeutet nämlich, daß eine allgemein einsichtige und akzeptierte Verhältnismäßigkeit von Rechtsverletzung (welcher Art immer) und Wiedergutmachung (welcher Art immer) besteht. Diese kann aber in der Regel nicht durch die Streiparteien ermittelt werden, denn wenn über diese Ermittlung Einigkeit besteht, dann gibt es in Wahrheit keinen Streit, und wenn über die Ermittlung keine Einigkeit besteht, dann gibt es keine Lösung. Es muß also eine befugte Instanz die Streitentscheidung autoritativ vornehmen. Und damit haben wir die Ebene der Konventionalbeziehungen verlassen — und damit zugleich auch die Illusion, solche Fragen könnten durch privatrechtliche Übereinkunft gelöst werden.

Wenn Sie schreiben: Anarchokapitalimus ist nicht anderes als die Auffassung, dass es Recht gibt dass dem Staat vorangeht und an dem er sich messen lässt., dann entgegne ich Ihnen , daß Sie offenbar den Begriff "Anarchokapitalismus" (in libertärem Sinne) mit dem Begriff "Naturrecht" (im katholischen Sinne, aber auch ganz ähnlich z.B. im Sinne des deutschen Grundgesetzes) verwechseln bzw. gleichsetzen wollen.

Dem ist entgegenzuhalten, daß es natürlich ein der staatlichen Rechtsordnung vorgängiges Recht gibt, daß sich aber die Rechtsordnung keineswegs darin erschöpft und insbesondere dieses vorgängige "Naturrecht" (dieser Terminus ist m.E. einfach der geeignetste dafür!) ohne darauf aufruhender staatlicher Rechtsordnung faktisch undurchsetzbar bleibt. Was jedoch seinen Charakter als Sollensordnung ad absurdum führt. Denn ein Recht, das ich nur beim Gutwilligen durchsetzen kann, ist keines.

Frank Martin, am 30. Oktober 2007 um 16:40 ( Link )

@LePenseur
Wenn ich ihre Beiträge in diesem Strang richtig verstanden habe, so setzen Sie voraus, dass ein Recht nur dann besteht, wenn man es gegen den Willen anderer Menschen mittels einer übergeordneten zwingenden Gewalt durchsetzen kann.
Es ist nicht zu bestreiten, dass ein solcher Zwingherr durchaus wirksam gegen Vertragsverletzungen vorgehen kann. Die Frage, ob ein solcher Zwingherr in jedem Fall nur Recht und niemals Unrecht durchsetzen wird, kann jedoch nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Genauso wenig kann Recht als das definiert werden, was allein der Zwingherr für Recht erklärt.
Besteht also komplette Rechtsunsicherheit im Falle des Fehlens oder des Fernbleibens einer solchen übergeordneten Instanz, sind alle Erwartungen an die Rechtschaffenheit anderer Menschen hoffnungslose Träumerei, wenn wir ihnen fern einer solchen Instanz begegnen und wenn wir wie unsere Zufallsbekanntschaften mit ihrem Eingreifen nicht rechnen können?
Eine solche relative Ferne übergeordneter Instanzen finden wir bspw. im Hochgebirge oder in einer abgelegenen menschenarmen Gegend. Mir ist nicht bekannt, ob sich dort mehr Verbrechen ereignen, mehr Diebstähle vorkommen, mehr Menschen miteinander im Streit leben, indem sie immer wieder „offene Rechnungen“ begleichen.

LePenseur, am 30. Oktober 2007 um 17:16 ( Link )

@Frank Martin:
Sie haben mich völlig richtig verstanden: der "Knackpunkt" beim Recht ist die Möglichkeit seiner faktischen Durchsetzung gegenüber Unwilligen!

Das hat jetzt nichts mit "Zwingherren" zu tun. Es ist aber jedenfalls so, daß nur eine Rechtsordnung, die notfalls eben auch die zwangsweise Durchsetzung einer Entscheidung gegen den Willen einer Partei zuläßt, diesen Namen verdient.

Ihr Einwand mit den Hochgebirgsregionen ist durchaus nicht von der Hand zu weisen — nur: die Lebensrealität der meisten Menschen ist eben nicht dünnbesiedelte, lebensfeindliche Umgebungen (in denen die "steinzeitlichen Tugenden" des Menschen schon aus Überlebensgründen durchaus zur Geltung kommen), sondern dichtbewohnte Großstädte. Und hier bricht genau dieser informell funktionierende Sippenverband leider zusammen. Hayek hat darüber publiziert (irgendwas so ca. "Moral in expanded society" — ich kann's leider auf die geschwinde nicht finden).

Sie haben daher völlig recht, daß in Hochgebirgen die Kriminalitätsrate vermutlich geringer ist, als in Großstädten. Aber nicht aufgrund des Fehlens von Rechtsautoritäten, sondern wegen des Fehlens von Menschen. Einsiedler sind schließlich auch selten Verbrecher. Wie auch!

Christian Klein, am 30. Oktober 2007 um 18:09 ( Link )

@LePenseur: Vielen Dank für diese Stellungsnahme !

Das Entscheidende ist die Erkenntnis von Hayeks, dass es zwei Welten gibt: die grosse Volkswirtschaft/die grosse Volksgemeinschaft einerseits und andrerseits die kleine, nette Familiensippe. Wir müssen lernen in zwei Welten zu leben. Diese Ordnungen sind nicht interpendent, sondern bewusst grundverschieden.

Michel Fördermitglied, am 30. Oktober 2007 um 19:00 ( Link )

@ LePenseur: Schön das wir den zentralen Punkt unseres Dissens herausgearbeitet haben. Die Frage ist tatsächlich, wie die faktische Durchsetzung des Rechts von der Existenz eines Gewaltmonopols beeinflusst wird.
Fakt ist das allein zur Aufrechterhaltung eines Gewaltmonopols Unrecht begangen werden muss. Das lässt sich nur rechtfertigen, wenn das Gewaltmonopol für die Durchsetzung unabdingbar ist. In ihrem Bild von einer Gesellschaft gehen sie davon aus das es gar keine Institutionen gibt, die einen Konsens von Streitenden förderlich sind, wie ihr Satz zur Ermittlung des Strafmaßes zeigt. Tatsache ist jedoch, dass ein Gewaltmonopol nicht notwendig ist, damit solche Institutionen wirksam sein können. Konformitätsdruck und Eigeninteresse werden, gewöhnlich dafür sorgen, dass sich Streitende dem Urteil von Unparteiischen unterwerfen. Die Fälle in dem das nicht der Fall ist, können durch angemessene Verhaltensregeln kontrolliert werden. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Anzahl von Rechtsverstößen in einer Gesellschaft mit funktionierenden Normen und ohne Gewaltmonopol signifikant größer wäre als in einer mit Gewaltmonopol. Sicherlich wäre ein Anarchokapitalismus im luftleeren Raum instabil, sein funktionieren setzt die Existenz geeigneter Normen und Institutionen voraus.

LePenseur, am 30. Oktober 2007 um 19:35 ( Link )

@Michel:

Konformitätsdruck und Eigeninteresse werden, gewöhnlich dafür sorgen, dass sich Streitende dem Urteil von Unparteiischen unterwerfen.
Meinen Sie das wirklich ernst? Glauben Sie denn wirklich, daß ein mir durch Konformitätsdruck aufgezwungener Schiedsrichter eine Verbesserung gegenüber einem mit gewissen institutionellen Garantien der Unabhängigkeit (so brüchig diese auch im Einzelfall werden mag, das ist mir schon bewußt!) darstellt? Glauben Sie wirklich, daß durch Konformitätsdruck entstehende "faktische Gesetze" jedenfalls einer gesatzten Rechtsordnung vorzuziehen sind? Warum, glauben Sie wohl, wurde überall, außer in Teilbereichen der angelsächsischen Rechtstraditionen, im Laufe der Zeit das Gewohnheitsrecht durch Kodifizierungen abgelöst? Nur auas Bosheit und Herrsucht der Juristen? Oder nicht vielleicht doch eher aus der nachvollziehbaren Erwägung, daß gesatztes Recht zwar starrer, aber dafür auch verläßlicher vorhersehbar (und damit weniger willküranfällig in der Anwendung) ist ...

Und was ist, wenn das von Ihnen postulierte "für gewöhnlich" eben im konkreten Falle nicht eintritt? Wenn z.B. der reiche Industrielle, der meine minderjährige Tochter geschwängert hat, mir einfach ausrichten läßt, er denke nicht daran, sich wegen einer solchen Lappalie vor einem Schiedsgericht zu verantworten. Wenn es dann nur durch "Konformitätsdruck" bewirkt werden kann, daß ich ihn zur Verantwortung ziehe, dann Gute Nacht!

Die Fälle in dem das nicht der Fall ist, können durch angemessene Verhaltensregeln kontrolliert werden.
Wer setzt die fest? Wer setzt die durch? Ohne letztlich mit legalem Zwang agieren könnende Autorität geht es nicht.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Anzahl von Rechtsverstößen in einer Gesellschaft mit funktionierenden Normen und ohne Gewaltmonopol signifikant größer wäre als in einer mit Gewaltmonopol.
Mag sein — aber es gibt jeden Grund anzunehmen, daß in einer Gesellschaft ohne Gewaltmonopol so etwas wie "funktionierende Normen" nicht allzu lange existieren würde.

Sicherlich wäre ein Anarchokapitalismus im luftleeren Raum instabil, sein funktionieren setzt die Existenz geeigneter Normen und Institutionen voraus.
Ganz richtig. Jedoch etwas, was das Weiterbestehen dessen voraussetzt, was es zu bekämpfen trachtet, möchte ich lieber nicht realisiert erleben.

Und wenn ich Ihnen noch einen persönlichen Rat geben darf: Sie sollten es sich lieber auch nicht wünschen!

Christian Klein, am 31. Oktober 2007 um 10:28 ( Link )

Mal ne Frage: wieso wird überhaupt debattiert über dererlei Wolkenkuckucksheime ? Nicht dass ich die theoretische Diskussion nicht spannend fände, rein abstrakt gedacht, aber mehr als Mindfucking ist das doch nicht. Realpolitisch gibt es soviele Probleme zu lösen, sollte man sich da nicht eher im Interesse zukünftiger Generationen auch mit Machbarem beschäftigen statt mit einer kompletten tabula rasa? Frei nach dem Motto: wenigstens ein bisschen mehr Freiheit erkämpfen ! Auch wenn das Kompromissfähigkeit bedeutet, die man ja gerne der FDP vorwirft.

Burkhard Grafenstein, am 31. Oktober 2007 um 13:36 ( Link )

Wieso, Gründung oder Betätigung in einer privaten Sicherheitsfirma ist doch kein Wolkenkuckucksheim. Endlich mal Anregungen für konkrete Handlungspläne in einem eifrei-Beitrag.

LePenseur, am 31. Oktober 2007 um 13:53 ( Link )

@Burkhard Grafenstein

Wieso, Gründung oder Betätigung in einer privaten Sicherheitsfirma ist doch kein Wolkenkuckucksheim.
Nein, das sicherlich nicht! Doch das in der Folge geäußerte "... und dann schaffen wir Polizei, Gerichte und am besten überhaupt gleich den ganzen Staat ab" — das sehr wohl!

@Christian Klein:
"Mindfucking" — tz, tz, tz. a muß ich namens der PC-Gemeinde schon energisch protestieren ...

;-)

Christian Klein, am 31. Oktober 2007 um 15:03 ( Link )

@LePenseur: Mindfuck ist doch ein geiles Wort, grins. Es gibt sogar sog. Mindfuck-Filme, bspw. Matrix oder auch quasi alles von David Lynch, dessen Filme ich sehr mag. Aber es hilft halt in der politischen Realität nicht weiter, ob nun Minarchismus oder Anarchokapitalismus besser ist, da beides quasi unmöglich durchzusetzen ist und das Ziel immer nur die verdünnte FDP-Losung sein kann: MEHR FREIHEIT, WENIGER STAAT.

LePenseur, am 31. Oktober 2007 um 20:43 ( Link )

@Christian Klein:
... nicht nur FDP-Losung (sosehr kann ich mich für den schicken Herrn Westerwelle auch wieder nicht erwärmen ;-)

Denken Sie doch nur an den guten alten — und von mir bis zum ermatteten Abwinken von Diskussionspartnern und Fories angepriesenen — gar nicht "libertären", aber höchst unvoreingenommenen, geistvollen Baron Montesquieu! Von dem (und v.a. von seinem "gemischten System"!) könnten sich alle heutigen ein große Scheibe abschneiden! Wie wohlhabend, glücklich und friedlich wäre eine Welt, die nach Montesquieus Vorstellungen geordnet wäre ...


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