12. Oktober 2007

Eva Herman Das Tabu hinter dem Tabu

Eine vorläufige historische Nachlese

Vielleicht nie zuvor wurde derartig deutlich, wie unterschiedlich die politische Klasse der Republik und die von ihr ausgebeuteten Menschen denken. Dort die Politiker und Journalisten der Mainstreammedien, welche auch nach dem peinlichen Fernseh-Tribunal noch unverdrossen die Nazi-Keule gegen das Opfer Eva Herman schwingen und nun noch überlegen hinzufügen, dass die Blondine nur abgrundtief dumm sein könne. Und hier der Fernsehkonsument und Nettosteuerzahler, der eine intelligente Frau sich in schwerster Lage geschickt verteidigen sah und der von den Medien nur noch angewidert ist. Der sich in vielen Tausenden Leserbriefen und Onlinekommentaren Luft verschafft. Sichtbar wird dabei nur die Spitze des Eisbergs, denn nachweislich wurde etwa bei den unzähligen Leserkommentaren auf welt.de oder spiegel.de massiv zensiert – und dennoch sind beinahe ausschließlich von der Politik und Medien angeekelte, zutiefst betroffene Pro-Herman-Kommentare zu finden.

Kein einziger Mensch in meinem vorwiegend völlig unpolitischen Bekanntenkreis sagt, Herman sei dümmlich aufgetreten. Keiner bestreitet, dass sie nicht auf abartige Weise unfair behandelt wurde. Kein einziger hegt den Verdacht, dass sie auch nur entfernt etwas gesagt habe, was nur minimal mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden könnte. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, fühlt sich vielmehr bei der gnadenlosen Medien-Hatz auf Herman an dunkelste Kapitel deutscher Geschichte erinnert. Einer Geschichte, aus der die politisch korrekten Medien- und Polit-Systemgünstlinge natürlich nichts gelernt haben. Es gibt eine Sorte von Menschen, die schwimmt immer oben. Es ist das Faszinosum des Bösen: Man möchte zu gern einmal Mäuschen spielen und bei einer Redaktionssitzung der „Bild“-Zeitung dabei sein. Wie kommt eine fette Überschrift der Marke „Ist Eva Herman braun oder nur doof?“ eigentlich zustande? Geilen sich die Redakteure gegenseitig daran auf, wenn Sie danach trachten, Menschen mit völlig abstrusen Anschuldigungen zu vernichten?

Wollen wir mehr erfahren über den Menschen Eva Herman und ihre Stellung in den Medien, so hilft uns eigentümlich frei-Autor Ramon Schack weiter. Er schrieb in sein Online-Tagebuch folgende, hier leicht gekürzt wiedergegebene, Geschichte über sein „Jahr mit Eva Herman“: „Es war wohl im September 1995, als ich Eva Herman zum ersten Mal begegnet bin. ‚Hallo, ich bin der neue Student!’, sagte ich schüchtern. ‚Hallo neuer Student!’ antwortete Miss Tagesschau Eva Herman, mich dabei interessiert musternd, während ich vor ihrem Schreibtisch stand. Ich kannte sie natürlich vom Bildschirm, die Tagesschausprecherin, eine der blonden Damen. Durch Beziehungen hatte ich einen dieser begehrten Studentenjobs beim NDR ergattert. In der Redaktion ‚Aktuelles und Zeitgeschehen’, der Fernsehsendung ‚DAS’. Die Sendung lief damals, wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, von 18:30 bis 19:15 Uhr. Ein rotes Sofa war mitten im Studio aufgebaut. Ich war als Redaktionsassistent eingestellt. Gelegentlich  betreute ich auch die prominenten Gäste, wenn die charmante studentische Kollegin Vera Altrock verhindet war, nahm diese in Empfang und begleitete sie in die Maske und betreute sie bis Sendebeginn. Eva Herman fungierte schon damals als Paradiesvogel unter ihren Kollegen und Kolleginnen und brachte ein Hauch von Glamour in die grauen Redaktionsräume.

In Hamburg war sie ein Objekt der Lokalpaparrazis, ihre Skandale, ihre häufig wechselnden Liebhaber und Ehemänner sorgten für Gesprächsstoff und Artikel in der Boulevardpresse. Diverse Redakteure der ‚Bild’-Zeitung riefen regelmäßig an und ließen sich mit Eva Herman verbinden. Ihr aufwendiger Kleidungsstil, die teuersten Modelle der Edeldesigner, taten ein Übriges. Viele der weiblichen Redakteure aus dem akademischen Milieu der 68iger, Anhängerinnen des Eurokommunismus’, von denen es im NDR nur so wimmelte, zerissen sich regelmäßig das Maul, sobald Eva Hermann ihnen den Rücken gekehrt hatte. ‚Sieht aus wie eine Tussi!’ ware dabei noch einer der harmloseren Kommentare. Eva Herman war souverän. Ich fand sie cool, auf betörende Art und Weise raffiniert. Wie sie sich in den Urlaub nach Südafrika verabschiedet hatte und wenig später die Meldung eintraf, sie habe sich dort mit dem jungen Redakteur Tom Ockers  vermählt, dem Vater ihres Sohnes.

Eines Abends, es dürfte der 2. Oktober 1995 gewesen sein, war Gregor Gysi als Gast auf dem roten Sofa vorgesehen. Gysi befand sich an diesem Tag in Athen und sollte rechtzeitig zur Live-Sendung im Studio Hamburg eintreffen. Eine Stunde vor Sendebeginn wurde die Redaktion von Panik erfasst. Vom Flughafen Fuhlsbüttel kam die Nachricht, Gysi sei dort nicht anzutreffen. Verzweifelt machte man sich auf die Suche nach einem Ersatzgast. Schließlich kam man auf Lea Rosh, heute als Initiatorin des Holocaust-Mahnmals in Berlin bekannt, damals Redakteurin beim NDR. ‚Mach bloß die Tür zu!’, so hieß es damals, wenn Lea Rosh an unserem Büro vorbeilief. Mir wurde die Aufgabe zugetragen, Lea Rosh ins Studio zu begleiten. Dort angekommen wurde Eva Hermann über ihren Ersatzgast informiert. ‚Oh nein, die Alte kann ich nicht ausstehen!’, sagte Herman laut und entrüstet. Lea Rosh entglitten die Gesichtszüge. In diesem Moment sprang die Tür zum Studio auf. Gregor Gysi kam herein, dränge die noch immer geschockte Lea Rosh beiseite und drückte mir seinen Mantel in die Hand. ‚Herr Gysi, Sie schickt der Himmel’, seufzte Herman. Lea Rosh zog verbittert davon. Ich verfolgte die erste Hälfte der Sendung im Studio und begab mich später zurück an meinem Arbeitsplatz im dritten Stock, um die per Telefon und Fax, Emails waren damals noch ein nahezu unbekanntes Kommunikationsinstrument, eintreffenden Zuschauerredaktionen abzufangen, abzuwehren und auszuwerten. Kurz vor Sendeschluss traf ein Fax ein. Ein Zuschauer empörte sich über Gregor Gysi als Gast in der Sendung, ausgerechnet am Vorabend des Jahrestages. Er titulierte Gysi als ‚Chef der Mauermörder-Partei PDS’ und schrieb, wenn ich mich recht erinnere: So etwas könne ‚auch nur einer dämlichen Blondine wie Eva Herman einfallen!’, wobei er das Wort Blondine mit ie geschrieben hatte. Wie üblich traf Eva Herman nach Sendeschluss in der Redaktion ein. Sie fragte mich nach der heutigen Quote und den  Zuschauerreaktionen. Ich zeigte ihr das Fax. Eva Herman began zu grinsen, schnappte sich einen Stuhl, zückte ihren knallroten Lippenstift und schrieb irgendetwas auf das Fax. ‚Los Knipsos!’, so nannte sie mich damals aus bestimmten Gründen, ‚Los Knipsos, schicke dieses Fax bitte wieder an den Absender zurück!’ Sie überreichte mir das Fax, wünschte lächelnd einen schönen Abend und verschwand. Ich schaute auf das Fax. Eva Herman hatte die zahlreichen Rechtschreibfehler mit ihrem Lippenstift markiert und am Ende folgenden Satz hinzugefügt: ‚Zwölf Fehler in acht Zeilen. Von einer Blondine korrigiert. Mit freundlichen Grüßen. Eva Herman!’”
  
Interessant ist zwölf Jahre später auch das Gebaren einer kleinen Gruppe von ultralinken Ideologen. Sie, die (noch) nicht an den Schalthebeln der Macht sitzen und diese auch (noch) nicht in den Mainstreammedien absichern helfen, haben kein Mitleid mit Eva Herman. Im Gegenteil, sie bejubelten das ansonsten von ihnen eher kritisierte Fernsehen, als man Eva Herman „endlich“ entließ. Sie „amüsieren“ sich zufrieden über die jetzige Jagd. Ihnen geht es nicht um die absurden Nazi- oder Intelligenzmangelunterstellungen, obwohl sie beides auch mit innerer Hingabe betreiben. Ihnen geht es um die eigentlichen Aussagen von Eva Herman. Auch diese können sie nicht tolerieren.

Es gibt Menschen, die sind entsetzt, wenn Eva Herman sagt, dass das massenhafte Einweisen von Kindern in bürokratische Verwahranstalten unmenschlich ist. Wenn sie darauf hinweist, dass ideologisch hinter der Politik von Ursula von der Leyen die eigentlich längst regierenden Feministen um Alice Schwarzer stehen. Wenn Herman – was sie auch bei Kerner tat, bevor sie wieder unterbrochen wurde – beklagt, dass Jungen und Männer als Opfer der feministischen Gender-Programme inzwischen in der Staatsschule massiv benachteiligt werden. All das ist jenen linken Ideologen unerträglich, die mit oder ohne Staat die ideologische Gehirnwäsche noch weitertreiben wollen.

Natürlich wird kaum jemand Eva Herman in allen Punkten zustimmen. Der Autor dieser Zeilen ist in einigen Belangen ganz anderer Meinung und hat darüber auch schon geschrieben. Viele Fragen drängen sich auf. Etwa: Zerstört Eva Herman mit ihrer Forderung nach einem Müttergehalt auf Steuerzahlerkosten nicht erstens durch neue aberwitzige Belastungen den letzten Rest an Moral und Marktwirtschaft in diesem Lande? Und zerstört sie durch Alimentierung und Infantilisierung am Ende nicht sogar das, was sie beschützen und fördern will, nämlich die wirtschaftlich autonome, selbstbestimmte Familie?

Eva Herman liegt gegen die modernen Ideologen richtig, wenn sie gegen „kostenlose“ Massenkinderverwahranstalten, genannt Krippen, kämpft. Sie liegt nicht ganz falsch, wenn sie sagt, dass man dann im Zweifel doch lieber den Betroffenen selbst das Geld geben soll, damit sie wirklich selbst entscheiden können. Am besten aber würde sie konsequent dafür eintreten, dass Familien wie eh und je autonom leben – ohne staatliche Umverteilung und Subventionierung, bei wesentlich geringerer Steuerbelastung. Manche würden dann auf eigene Kosten immer noch privat finanzierte, in Konkurrenz stehende, sich am Markt durchsetzende und deshalb engagierte, gute Krippen nutzen. Was für ein Unterschied zu den scheinkostenlosen realsozialistischen Amtskrippen, die nun massenhaft gebaut werden, weil sie, wie ja auch Expertin Senta Berger bei Kerner bestätigte, „unbedingt“ bereitgestellt werden „müssen“.

Wollen wir tiefer verstehen, was in den letzten Tagen passiert ist,. müssen wir uns an das Tabu hinter dem Tabu heranwagen. Schließlich hat sich auch Eva Herman „distanziert“ und beteuert, dass sie stramm „gegen rechts“ sei. Es hilft ihr als zum Abschuss Freigegebene nur nichts mehr. Kerner wird – etwa in der „Bild“ – dafür kritisiert, dass er Eva Herman überhaupt eingeladen hat. Das Tabu hinter dem Tabu betrifft Menschen und Positionen, die wirklich gar nicht erst eingeladen werden. Warum eigentlich nicht?

Warum sind sich alle einig darin, dass man öffentlich mit niemanden auch nur diskutieren darf, der etwa sagt: „Aber der Bau der Autobahnen damals war gut.“ Oder: „Die Olympischen Spiele von 1936 waren ein Erfolg.“ Das größte Tabu ist der Satz, dem insgeheim 95 Prozent der Menschen zustimmen, den aber nun wirklich keiner offen sagen darf: „Das meiste war schlimm, aber es war nicht alles schlecht!“

Natürlich war nicht alles schlecht. Das Leben ist nicht schwarz-weiß. Aber das Dritte Reich ist für die herrschenden Klasse eben kein Gegenstand der Diskussion, sondern eine religiöse Erscheinung. In vielen Religionen gibt es den Dämon, das unaussprechbar und unhinterfragbar Böse. Dieser Dämon dient den Hohepriestern und Herrschenden zu ihrem Machterhalt. Seid ihr nicht artig, dann kommt ihr in die Hölle. Stellst du die herrschende Politik in Frage, dann kommst du in die Nazi-Ecke. Selbst wenn du eigentlich Interessantes zu sagen hättest, Dinge, welche den Mächtigen unangenehm werden könnten. Aber du hast keine Chance. Denn über die Hölle sprechen oder diese gar gegenüber heutigen Missständen relativieren, das geht nun wirklich gar nicht, Schreinemakers sei mit uns. Diskussion beendet.

Wer glaubt, dass es der politischen Kaste beim Vergleichsverbot wirklich um Geschichte und den vorgeschobenen „Antifaschismus“ geht, und nicht vielmehr um die heutige Herrschaftslegitimation, der hätte vor 70 Jahren wohl auch daran geglaubt, dass es Hitler und seiner Verbrecherbande mit dessen Geschichtsmythen um das Wohlergehen des Volkes ging. So einfältig aber waren auch damals schon nur die Systemgünstlinge und verquere Ideologen.

Deutschland schreitet mit großen und schnellen Schritten voran auf dem Weg in einen totalitären Staat, der ideologisch mit Ökowahn, Radikalfeminismus und „Antifaschismus“ luftdicht abgesichert wird. Früher nannte man das Nationalismus und Sozialismus. Henryk M. Broder könnte recht behalten, auf die Kerner-Sendung und das Mediengebaren danach wird man eines Tages zurückschauen, „wenn man seinen Kindern und Enkeln erklären möchte, wie weit im Jahre 2007 die Hemmschwelle nicht nur bei deutschen Moderatoren, sondern auch deutschen Professoren sinken konnte.“ Einer der unzähligen Leser in einem der unzähligen Online-Kommentare zeigt die Perspektive auf: „Und da hat Broder recht: Das werden wir gewiss nicht vergessen. Es wird eines Tages ein Lehrbeispiel sein, an dem wir unseren Nachkommen erläutern können, wie es dazu kommen konnte, was kommen wird, anno 2035. Oder noch eher.“


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige