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Bildung: Eine Schulpflicht gibt es nicht

von Stefan Sedlaczek

Lernen ist keine Handlung

In Deutschland als einem der ganz wenigen Länder weltweit herrscht – unsäglich, aber wahr – Schulzwang. eigentümlich frei-Leser wissen das. Bis heute reißt der Strom an staatlichen Gewalttaten unter Berufung auf einschlägige Vorschriften nicht ab. Aber nicht dieses Unrecht der deutschen Schulbehörden und ihrer Handlanger soll hier und heute betrachtet werden, sondern die dem Schulzwang ja zugrundeliegende angebliche Schulpflicht. Ich möchte der Frage nachgehen, ob es eine Schulpflicht überhaupt geben kann. Die bloße Behauptung einer solchen Pflicht oder ihre staatliche Postulierung ändert ja nichts daran, dass die Existenz einer Pflicht an Bedingungen geknüpft ist, die überprüfbar und logisch artikulierbar sind.

Pflichtenlehre
Die Lehre von den Pflichten ist die Deontologie, die Pflichtenlehre. Eine persönliche Pflicht – und die (hier zu untersuchende) angebliche Pflicht, seine Person zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu verbringen und einer bestimmten Unterrichtung zu unterziehen, ist jedenfalls eine persönliche Pflicht – bedingt ein Verpflichtetsein, also eine Schuld. Gäbe es also eine Schulpflicht, dann würde ein Mensch den Besuch von Schule schuldig sein. Worin soll diese Schuld bestehen? Haftung und Vertrag können wir hier ausschließen. Das Grundprinzip einer solchen Schuld, die sich weder aus Haftung noch Vertrag ergibt, einer Schuld, die mit einer entsprechenden Pflicht korrespondiert, findet sich in einem allgemeinen Wertmaßstab, den jeder vernünftige Mensch sofort einsieht.

Im vorliegenden Fall einer angenommenen Schulpflicht müsste also Schule ein solcher allgemein vernünftiger Wert sein. Dies ist aber nicht der Fall. Zwar lernt man in der Schule meist etwas, keinesfalls aber nur vernünftiges. Und außerdem kann man, wenn man in der Schule ist, nicht woanders sein. So banal das ist, so leicht wird aber genau dies vergessen. Als hinreichende Bedingung müsste zudem Lernen selbst als Wert angesehen werden. Dem möchte ich zustimmen, da Lernen oft sogar notwendig ist und ich den Lebenserhalt bejahe. In der Pflichtenlehre ist eine weitere Bedingung für die Existenz einer Pflicht, dass der als allgemein vernünftige anerkannte Wert (hier das Lernen) an ein Handeln gebunden ist. Dies aber ist beim Lernen fraglich. Lernen ist Erfahrung und passiert einfach: die berühmte heiße Herdplatte, der erste Kuss und unzählig vieles andere wird prozesshaft, oft sogar blitzartig, erkannt und ist dann gelernt. Lernen ist keine Kategorie des Handelns – erst durch das Unterrichten und Unterrichtetwerden kann ein solcher irriger Eindruck entstehen. Es geht hier nicht darum, Belehren oder Unterrichten grundsätzlich in Frage zu stellen, sondern lediglich darum, aufzuzeigen, dass es im Zusammenhang mit der Begründung einer Pflicht nicht angeführt werden kann.

Bildung und Unterricht

Aber schuldet es sich der Mensch nicht, zumal der junge Mensch, sich zu bilden? Dies mag ich bejahen. Sich bilden ist jedoch etwas anderes als unterrichtet werden. Und Schule ist tatsächlich nicht die einzige Möglichkeit sich zu bilden, viele andere Arten des Wissenserwerbs und der Charakterbildung sind – heute mehr denn je – denkbar und lebbar. Und meistens sind sie sogar besser. Von den impliziten Problemen der Gleichaltrigenorientierung, die Schule mit sich bringt, ganz zu schweigen. Der Grund dafür, dass wir diese Alternativen nicht denken und leben, liegt allein im Schulzwang, der das Leben von besseren Wahlmöglichkeiten schlichtweg mit Gewalt verbietet. Schule ist aber nur dann ein Ort des Sich-Bildens, wenn die Schule selbst frei ist, wie bei den Sudbury-Schulen, der Clonlara-Schule und ähnlichen Schulformen. Die heute und früher real existierenden Schulen sind aber vielmehr Orte des Gebildet-Werdens. Die Schülerin und der Schüler sind Objekte, werden regelrecht beschult. Selbst die Demokratischen Schulen kranken noch daran, dass Bildung hier ein Herrschaftsgefälle kennt, bei dem die Mehrheit die Richtung und Inhalte vorgibt. Dies ist aber im kleinen Rahmen der tatsächlich Beteiligten ganz sicher schon besser als wie gewöhnlich, wo eine unbeteiligte Mehrheit über eine (zudem staatliche) Schulbürokratie die Curriculae und praktisch auch alles andere vorgibt.

Beschulung

Um eine Schulpflicht zu begründen, müsste Schule außerdem der einzige, jedenfalls aber beste Ort zum Lernen sein, selbst wenn man die erforderliche Bedingung einer Handlung (Lernen ist nicht handeln) frech weglässt. Selbst dies aber ist nicht der Fall. Und schon gar nicht auf staatlichen Schulen. Die Pflicht, ausgerechnet eine staatliche Schule oder Privatschule nach staatlichem Gusto besuchen zu müssen, würde weiter zwingend voraussetzen, dass der Mensch es dem Staat schuldet, von dessen Leuten gebildet zu werden. Dies ist mit einem freiheitlichen Staatsverständnis völlig unvereinbar: die Bürger bilden den Staat – nicht umgekehrt. Was ist ein „Wahlberechtigter“ wert, der zuvörderst durch eine staatliche Beschulung gezwungen wird? Der dann auch nur staatlich anerkannte Qualifikationen erwerben kann? Ein Staat, in den die Menschen derart hineingezwungen werden, verdient diesen Ausdruck nicht. Seine Herrschaft ist nichts anderes als eine moderne Form von Sklaventum. Ein solcher Staat behandelt den Menschen wie Eigentum und nicht wie den ihn konstituierenden Souverän und spricht seinen eigenen beschönigenden Verlautbarungen Hohn.

Zusammenfassung
Selbst wenn man anerkennt, dass der Mensch es sich schuldet, sich am Leben zu erhalten oder sich gar zu bilden, so kann es eine Schulpflicht nicht geben – und eine staatliche schon gar nicht. Abschließend fasse ich die Gründe noch einmal zusammen: Lernen als Erkenntnis gewinnen ist keine Handlung. Schule ist eine Methode, kein Wert. Beschulung ist keine gute Methode. Unterricht ist nur ein Teil von Bildung. Staatliche Schulen sind unfrei. Eine staatliche Schulpflicht könnte es also nur geben, wenn der Mensch es dem Staat schuldet, so gebildet zu werden, wie es die Protagonisten des Staates wünschen, Bildung bestmöglich durch Unterricht erworben werden könnte, Beschulung die einzige Möglichkeit zur Bildung wäre, Schule an sich ein Wert wäre und Lernen nicht Erkennen, sondern eine Handlung wäre. All dies ist nicht der Fall. Und deshalb gibt es keine Schulpflicht.

18. Juli 2007

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Kommentare

Staatsterrorismus, am 29. Juli 2007 um 11:33 ( Link )

Pflicht ist das, was die tyrannischen MachthaberInnen in der real existierenden freiheidlich dämonkratischen Grunzordnung dem Volk als Ganzem und dem Einzelnen im Speziellen aufzwingen. Die real existierenden und paralmentarisch-dämonkratisch agierenden MachthaberInnen brauchen dafür keine Rechtfertigung; Ihre Berechtigung ergibt sich schlicht und einfach aus der Arroganz der Macht. Wer nicht pariert, der wird dem staatlichen Terror von Polizei und Justiz ausgeliefert. Der Schulzwang braucht keine andere Rechtfertigung als diese - offensichtlich nicht. Jeder Steuerzahler zahlt für diese staatliche Tyrannei - ob er will oder nicht!

Wer die Macht hat..., am 29. Juli 2007 um 11:41 ( Link )

In der real existierenden parlamentarischen Dämonkratie diktiert der, der die Macht hat, wo es lang geht, und nicht, wer Recht hat. Der Verfasser diese Artikels, Herr Stefan Sedlaczek, hat leider nur Recht...

Wer die Macht hat..., am 29. Juli 2007 um 11:51 ( Link )

Es gibt doch jetzt den Europäischen Haftbefehl. Kann die Regierung der BRD jetzt nicht endlich alle Home- und Unschooler Europas überstellen und einkerkern lassen, da diese schließlich gegen deutsches Recht verstoßen? Dafür läßt sich doch sicher, insofern überhaupt noch nötig, irgendein Anti-Terror-Gesetz finden oder verabschieden...

Jakob Brettler, am 05. September 2007 um 19:59 ( Link )

Was ist das denn für ein dämlicher Untertitel? Selbstverständlich ist Lernen eine Handlung. Genauso wie Schreiben, Fußballspielen und Nichtstun.

Ein einziges Semester Philosophie hätte dem Hobbyphilosophen Sedlaczek eigentlich dafür genügt.

Stefan Sedlaczek, am 12. Oktober 2007 um 15:44 ( Link )

@Jakob Brettler:

Ihr arroganter und beleidigender Kommentar richtet sich leider selbst. Ich bin gerne Hobbyphilosoph und froh, daß ich mich gegen ein (mir sowieso unbezahlbares) Philosophiestudium an einer staatlichen Verbildungsmaschinerie entscheiden mußte. Offensichtlich sind nicht nur die deutschen Schulen und Schulbücher um Jahrzehnte zurück, sondern auch die Universitäten. Ich möchte das keinesfalls verallgemeinern, aber hier trifft es offensichtlich zu. Denn um zu wissen, wie Lernen funktioniert, sollte man besser die moderne Hirnforschung und ihren aktuellen Stand bemühen als die Philosophien der Staatsprediger. Nur eine Frage in diesem Zusammenhang: Sind Geistesblitze eine Handlung?
Wenn man natürlich statt von Lernen vom Pauken und Büffeln spricht, also der bloßen Aufnahme von vorgegebenem zu Wissenden, mag das als Handlung zu beschreiben sein.
Ihr Semester Philosophie ist also geschenkt, ich informiere mich selber und ich denke selber. Und selbstverständlich stelle ich mich auch sachlicher Kritik. Aber der Nichtbesuch staatlich monopolisierter Studiengänge ist schlichtweg kein Argument, sondern der durchsichtige Versuch, jeden zu disqualifizieren, dessen Maß nicht das staatlich-monopolisierte Qualifikationssystem ist.
Auch stammt der Untertitel von der Redaktion. Den Originalartikel wie auch weiteres unstaatliches Gedenke finden Sie durch Anklicken.

Sabine, am 02. Januar 2008 um 21:08 ( Link )

Es müste so sein das man zur Schule gehen darf, aber nicht muss.

Sarata, am 28. März 2008 um 18:06 ( Link )

Schulpflicht traumatisiert und verblödet unsere Kinder. Selbstständiges Denken ist vom Staat nicht erwünscht.
Und Schule hat nichts mit Bildung zu tun, was an Politikern gut zu beweisen ist!


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