20. März 2007

Gesundheitskommunismus II. Revolution in der Praxis?

Frontbericht von einer Ärztetagung

Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, kehrte im April 1917 in einem versiegelten Zug, der zu exterritorialem Gebiet erklärt worden war, nach Russland zurück. Von Petrograd aus trieb er – die Massen belehrend – die kommunistische Revolution voran.

Mao Tse-tung, kurz Mao, ließ sich auf seinem legendären „Langen Marsch“ quer durch China auf einer Senfte tragen, während seine Lakaien unter unwürdigen Bedingungen Waffen und Gerät zu schleppen hatten. Mao widmete sich derweil der Literatur, um dann zu verkünden, dass die Macht aus den Gewehrläufen komme. Sein anderer Wahlspruch „Brennen, brennen, brennen! Töten, töten, töten“ traf die Sache genauer. Denn für die meisten seiner 70 Millionen Opfer waren Mao Gewehrkugeln viel zu teuer und schmerzlos.

Die heutige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt trat vor 30 Jahren für den Kommunistischen Bund Westdeutschlands zur Bundestagswahl an. Jener KBW, in welchem dem größten Massenmörder der Menschheitsgeschichte gehuldigt wurde wie kaum sonst irgendwo diesseits des großen Volkskongresses. Der heutige Grünen-Chef Reinhard Bütikofer war im übrigen auch ganz vorne mit dabei, beim Mao-Bibel-Schwenken im Namen des KBW.

Was hat all das mit dem Protest von Ärzten gegen die neuerliche Gesundheitsreform zu tun? Nun, ef-Kolumnist Carlos A. Gebauer ist in Ärztekreisen spätestens seit seiner legendären Schrift „Lenin und der Kassenarzt“ als Lenin- und Gesundheitsexperte weithin bekannt. Zuletzt beschäftigte sich Gebauer allerdings mit neuerlichen Literaturstudien, wenn auch nicht auf einer Senfte getragen, so doch aber mit Mao Tse-tung.

Seine daraus gewonnenen Ergebnisse präsentierte Gebauer nicht in Petrograd vor den Arbeitern und Bauern, sondern in Köln am Rhein vor der Aktions-Vollversammlung der Vertragsärzte am 17. März – sein Titel: „Ulla Tse-tung“.

Auf derselben Versammlung, in der also Gebauer unter Beifall von ein paar hundert Ärzten Ulla Schmidt mit Mao vergleicht, verkünden die Verbandschefs der Freien Ärzteschaft, dass erstens die vermeintlichen kassenärztlichen Vereinigungen als expliziter Teil des Staates kaum Interessenvertreter freier Ärzte sein können, dass zweitens die kommende elektronische Gesundheitskarte ein trojanisches Pferd sei, mit dessen Hilfe der gläserne Bürger der sozialstaatlichen Bürokratie schutzlos ausgeliefert werden soll, dass der Verband drittens prüfe, mit Hilfe aller Ärzte die Patienten aufzufordern, aus der AOK auszutreten, da diese als mit Bürokratie und Politik besonders verfilzte Kasse den Marsch in den Gesundheitstotalitarismus am rücksichtslosesten betriebe, dass viertens die bereits erwähnte E-Karte boykottiert werden solle und dass fünftens, hoppla, ein solidarischer Zulassungsverzicht und ein Ausstieg aus dem System geprüft werde. Spätestens hier fühlt man sich an John Galts antisozialistischen Streik der Produktiven erinnert.

Die Ärzte haben im außer (Ayn) Rand und Band geratenen System – Kommunismus hat selten reich gemacht – in den letzten sechs Jahren etwa ein Viertel ihres Gehaltes eingebüßt. Das macht sie wütend. Und empfänglich für vom Mainstream und den Massenmedien verdrängte wirklichkeitsnahe Erklärungen für bedauernswerte Entwicklungen. Der Weg führt Schritt für Schritt in einen neuen Totalitarismus, an dessen Ende wieder Tote stehen könnten.

Es sei denn, Gegenrevolutionäre wie Carlos A. Gebauer und der Präsident der Freien Ärzteschaft, Martin Grauduszus, begeistern weiterhin und noch mehr Ärzte für den kompletten einseitigen Ausstieg aus dem System. Vielleicht sollten Sie in einem versiegelten Zug auf Tournee geschickt werden. Ein Hauch von Revolution liegt jedenfalls schon jetzt in der keimfreien Luft vieler Arztpraxen.

Internet:
www.freie-aerzteschaft.de


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