08. März 2007

Rappelkiste DKP-Kindesmissbrauch im ZDF-Staatsfernsehen

Ene, Mene, Miste – ich will nach Lummerland

Wir Kinder der 70er Jahre sind – rückblickend sehen es die meisten so – vom Fernsehen verwöhnt worden. Die Sendung mit der Maus, Wickie, Sesamstraße, Daktari, Flipper, das feuerrote Spielmobil, Tom & Jerry, Lassie, die Biene Maja, Pan Tau, Bonanza, Neues aus Uhlenbusch – wem wird alleine beim Benennen der Serientitel nicht wohlig ums Herz? Wer summt oder gar singt – den drei Kapitänen gleich – nicht spontan die Erkennungsmelodien aller dieser schönen Serien mit?

Diejenigen, die inzwischen selbst Kinder haben, verzweifeln schlicht ob der plumpen Actionserien wie Pet Alien ohne Herz und echte Spannung, die heute im Kika aus der Mitmach-Mühle herausstrahlen. Oder wie Wladimir Kaminer es jüngst im „Cicero“ ausdrückte: „Heute kämpfen die Zeichentrickfiguren im Universum mit Laserschwertern, sie sind alle unsterblich oder gehen schon in der ersten Staffel alle drauf. Die Lieblingsfigur meiner Kinder sieht aus wie ein Stück Käse. Es hat Augen wie eine Kuh, Beinchen wie eine Ameise und wohnt auf dem Meeresboden. Die Kinder behaupten, der Käse sei in Wirklichkeit ein Schwamm. Alle Freunde dieses Unterwasserkäses haben Flossen, wie sollen sich die Kinder mit diesen Figuren identifizieren können?“

Ja, die gute alte Zeit. Damals ohne Käseschwämme war alles besser... Wie praktisch, dass es DVDs zu kaufen gibt. Da können wir unseren Kindern auf technischen Umwegen doch das Programm bieten, das uns selbst groß und stark gemacht hat. Eine Serie hatte ich in besonders guter Erinnerung: Rappelkiste. Ich habe inzwischen einige der alten Folgen erworben und meiner Tochter vorgeführt. Sie ist tatsächlich von der Sendung so begeistert, wie ich es einst war.

Es hätte mir allerdings zu denken geben sollen, dass das ZDF als Produzent die DVD-Serie so bewirbt: „Mit den sonntäglichen Ausstrahlungen zur Mittagszeit erreichte die Rappelkiste in den 70er Jahren jeweils über vier Millionen Zuschauer und fegte damals den Muff der Bewahrpädagogik aus den Kinderzimmern. Entsprechend dem damaligen Zeitgeist provozierte die Sendereihe mit der Betonung der Emanzipation der Kinder. Die Rappelkiste erzählte Geschichten aus dem Alltag der Kinder, bei denen kein Thema tabu war. Es ging um enge Wohnungen, den Arbeitsplatz der Eltern, über Rechtmäßigkeit von Besitz, um Leute, die befehlen, um Sexualität, um listige Kinder und Krieg und Frieden. Die Rappelkiste wandte sich an Kinder im Vorschulalter und ihre Familien.“

An die Familien wandte sich die vermeintliche Kinderserie also auch. Nun sind mir allerdings nirgends Eltern in Erinnerung, die Rappelkiste guckten – damals. Von uns Kindern waren die wenigsten zu dieser Zeit schon ausgewiesen liberal. Wäre ich es gewesen, hätte ich in Erinnerung behalten, worum es in der Rappelkiste durchweg wirklich geht. Um radikalsten Antikapitalismus. Um Aufstachelung der Kinder zum Sozialneid. Oder wie es eine Zeile des Titelliedes ausdrückt: „Willst Du über’m Rasen laufen, musst Du Dir ein Grundstück kaufen!“

Natürlich, gut und böse sind vorgegeben. Hier die Arbeiterkinder in den stilechten Hochhaussiedlungen, die zeitgleich mit der Titelmelodei glorifiziert werden. Dort in jeder Sendung die anderen, die „Reichen“, die „Unternehmer“, die „Vermieter“. Aber das Rappelkiste-Redaktionskollektiv ging noch weiter, indem in jeder Folge die Arbeiterkinder aufs neue ihre Arbeitereltern fragen, warum sie sich nicht kollektiv zusammenschließen und gegen „die Ausbeutung wehren“. Einfach keine Miete mehr zahlen, schlagen sie vor, weil der Vermieter „ohne Arbeit das Geld bekommt, das uns gehört“. Einfach den Arbeitgeber rausschmeißen und „selbst machen“ ist ein anderer Lösungsvorschlag der kleinen Möchtegern-Ratze und -Rüben. Die beiden Hauptdarstellerpuppen selbst fassen das Thema der Sendung dann meist in der Tradition von Arbeiterliedern der 20er Jahre musikalisch und thematisch zusammen. Einmal antwortet der stets etwa so sympathisch wie ein SS-Scherge in sowjetischen Kriegsfilmen gespielte Arbeitgeber: „Aber das, was Ihr wollt, wäre ja eine Revolution“. Es folgt der Abspann.

Wenn wir bedenken, dass sich zu Rappelkistezeiten die SPD mehr oder weniger mit dem Kapitalismus arrangiert hatte und wenn wir wissen, dass Künstler-Bürokraten im Staatsfernsehen auf Parteibuch Karriere machen, dann kann die Laufbahn der rappelkistenroten ZDF-Kanalarbeiter eigentlich nur auf DKP-Parteibuch erfolgt sein.

Nun haben in meiner Generation mehr oder weniger alle Kinder die Rappelkiste gesehen. Sind wir deshalb alle zu Kommunisten geworden? Nein? Das gibt mir ein gutes Gefühl dabei, dass nun auch meine Tochter ganz begeistert von dem eindrucksvollen Machwerk stalinistischer TV-Pädagogen ist. Denn das Geheimnis des Erfolgs lag gar nicht in der verqueren Ideologie, die heute fast jeder vergessen oder verdrängt hat. Vielmehr machte die Sendung so erfolgreich, dass Kinder sich hier mit Kindern – und nicht mit Ameisenkühen oder Käseschwämmen – identifizieren konnten und können. Dass sie den Großen zeigen, dass es besser gehen könnte, wenn man nur will. Dass Ratz und Rübe manchmal schlauer sind als der Papa. Hinter der plumpen Ernst-Thälmann-Rhetorik, die wir Kinder ohnehin nicht verstanden, lukte ein Zipfel Selbstverantwortung und damit Liberalismus hervor. Diesen kleinen Wink verstanden wir damals viel besser als das große kommunistische Abwinken.

Heute macht Rappelkiste-Gucken besonders viel Spaß. Nicht nur das braun-grün-orange Zeitkolorit der 70er Jahre an Schlaghosen-Kleidung und Psycho-Wänden wirkt äußerst komisch. Auch die soziale Ästhetik des ultralinken Filmteams war damals eine etwas andere. In jeder Folge trinken die guten Erwachsenen, die Arbeiter, Bier. Meist aus Flaschen. Und oft in Massen. Zuweilen arbeitet Papa auch in einem Bierverlag. Dabei wird stets geraucht, was die Arbeiterlunge begehrt. Ernte 23 oder HB. Und hin und wieder wird auch eine progressive linke Intellektuellen-„Familie“ anstelle der Ruhrpott-Arbeiter – ebenfalls rauchend und saufend – glorifiziert. Da sehen wir dann eine Kommune mit drei Männern, zwei Frauen und ein paar Kindern – die „ungeheuren Spaß in der Gemeinschaft“ vorspielen. Die sozialistische Kultur – ob realistisch-„konservativ“ oder futuristisch-„progressiv“ – ist bei Licht gesehen genauso peinlich wie sie im Heimkinolichtspiel dargestellt wurde.

Und wo haben uns eigentlich Ratz und Rübe am Ende hingeführt? Ist es nicht ähnlich wie mit den Eliteschulen unter Hitler, wo die nationalsozialistische Ideologie unverfälscht und in Höchstdosen eingetrichtert werden sollte? Und wo am Ende der Widerstand am größten war.

Den neosozialistischen Weg der heutigen BRD haben schließlich immer noch vorwiegend die Kinder der 60er – und nicht wir Kinder der 70er – zu verantworten. Den gerade abtretenden Schröders und Fischers wurde Ordnung, Wohlverhalten und Glaube an das gerade bewiesene Wirtschaftswunder gelehrt. Und sie alle praktizierten Etatismus, Sozialneid, „Antifaschismus“, Öko-Hysterie und Neosozialismus. Heute möglichst rauch-und keimfrei und mit heimlichem Rotwein in der Toskana serviert, statt versoffen an der Wanne-Eickeler Kellerbar hängend, wie einst die Rappelkisten-Genossen. Frisch oder jung wirken sie heute alle nicht mehr.

Ein Hoffnungszeichen: Die Kinder der 70er übernehmen jetzt das Ruder in den verantwortlichen Stellen. Sie wissen, wie hässlich Sozialismus wirklich ist – im Unterbewusstsein schlummern die potthässlichen und humorlosen Puppen Ratz und Rübe (wie schön und schräg sind dagegen die neokapitalistischen Muppets), die hässlich-ärmliche Hochhaussiedlung und der hässlich-ungemütliche Spielplatz. Und die hässlich-pädophilen Indoktrinierungsversuche von DKPZDFTVlern an wehrlosen Kindern. Anderseits: Es gab ja auch noch Jim Knopf, Lukas und Frau Waas in der Augsburger Puppenkiste. Mit König Alfons dem Viertelvorzwölften und mit viel erdverbunden-anarchischer Phantasie...

Internet:
Rappelkiste


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